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NOTE
Podcast: CRE: Technik, Kultur, Gesellschaft
Episode: CRE206 Das Ohr
Publishing Date: 2014-06-02T17:54:39+02:00
Podcast URL: https://cre.fm
Episode URL: https://cre.fm/cre206-das-ohr

00:00:57.472 --> 00:01:02.854
<v Tim Pritlove>Ihr hört CRE Technik Kultur Gesellschaft und das hier ist die 206.

00:01:04.035 --> 00:01:08.516
<v Tim Pritlove>Ausgabe davon. Mein Name ist Tim Pritlav und ja, it's been a while.

00:01:10.077 --> 00:01:13.798
<v Tim Pritlove>Manch einer mag geglaubt haben, da kommt ja nichts mehr. Weit gefehlt.

00:01:15.579 --> 00:01:22.401
<v Tim Pritlove>Eigentlich ist meine Liste der Themen unbegrenzt lang, nur die Liste der potenziellen

00:01:22.401 --> 00:01:25.382
<v Tim Pritlove>Gelegenheiten, die ist manchmal etwas schwierig. Nichtsdestotrotz, Trotz.

00:01:25.963 --> 00:01:29.524
<v Tim Pritlove>Heute wollen wir mal wieder in ein schönes Thema einsteigen,

00:01:29.524 --> 00:01:33.285
<v Tim Pritlove>was für meinen Geschmack auch mal wieder hier diese ganzen Kategorien wunderbar zusammenbringt.

00:01:37.767 --> 00:01:43.089
<v Tim Pritlove>Konkret soll es gehen um das Ohr und das ganze Hörsystem. Wie hören wir,

00:01:43.089 --> 00:01:45.609
<v Tim Pritlove>warum hören wir und all das.

00:01:47.290 --> 00:01:51.271
<v Tim Pritlove>Und da begrüße ich hier als Gesprächspartner den Stefan. Stefan Brill.

00:01:51.271 --> 00:01:52.712
<v Stefan Brill>Hallo, guten Tag. Hallo, guten Tag.

00:01:52.712 --> 00:01:53.172
<v Tim Pritlove>Hallo Tim.

00:01:56.194 --> 00:02:00.275
<v Tim Pritlove>Äh, ja Stefan, du bist, ähm, was bist du denn genau? Wie nennt man das?

00:02:01.575 --> 00:02:05.357
<v Stefan Brill>Ja, man könnte sagen, ich bin Audiologe. Ich bin aber auch Ingenieur.

00:02:05.357 --> 00:02:09.858
<v Stefan Brill>Audiologe. Jemand, der sich mit der Hörforschung beschäftigt.

00:02:10.699 --> 00:02:11.979
<v Stefan Brill>In dem Sinne bei Pathologie.

00:02:14.260 --> 00:02:17.841
<v Stefan Brill>Also wenn jetzt Gehörstörungen vorliegen, was kann man da machen?

00:02:18.902 --> 00:02:21.903
<v Stefan Brill>Von der Herkunft her bin ich eigentlich Ingenieur. Ich habe natürlich auch so

00:02:21.903 --> 00:02:27.045
<v Stefan Brill>eine Nerdquelle, warum ich Ingenieur geworden bin und habe mich mal in meiner

00:02:27.045 --> 00:02:29.546
<v Stefan Brill>späten Jugend für digitale Technik begeistert.

00:02:29.546 --> 00:02:35.128
<v Stefan Brill>Das war also wirklich noch mit Ant- und Nandgattern und allem Möglichen.

00:02:35.588 --> 00:02:38.929
<v Tim Pritlove>In welchem Jahrhundert hätte ich was gesagt?

00:02:42.430 --> 00:02:46.152
<v Stefan Brill>Anfang des 80er Jahre war das.

00:02:48.333 --> 00:02:52.916
<v Stefan Brill>Also ich habe mich da begeistert für Digitaltechnik und da war das noch gar

00:02:52.916 --> 00:02:56.638
<v Stefan Brill>nicht so selbstverständlich, dass man Dinge mit Mikroprozessoren gemacht hat.

00:02:56.638 --> 00:03:00.160
<v Stefan Brill>Die gab es natürlich schon. Das war so die Zeit, wo es den 8080 gab und den

00:03:00.160 --> 00:03:01.180
<v Stefan Brill>Z80 und diese Prozessoren.

00:03:01.420 --> 00:03:04.402
<v Tim Pritlove>Und dann ist auch die Homecomputer-Geschichte langsam losgegangen.

00:03:04.402 --> 00:03:07.904
<v Stefan Brill>Ja, das war eigentlich noch so kurz davor. Kurz davor war das.

00:03:07.904 --> 00:03:12.347
<v Stefan Brill>Die Homecomputer-Startgeschichte habe ich natürlich dann auch mitbekommen und mitgemacht.

00:03:14.128 --> 00:03:17.870
<v Stefan Brill>Und das war so eine der Gründe, warum ich mich damals entschieden habe,

00:03:17.870 --> 00:03:22.152
<v Stefan Brill>Elektrotechnik und Informationstechnik zu studieren. Ich hatte dann,

00:03:23.644 --> 00:03:26.985
<v Stefan Brill>Natürlich die üblichen Bastelleien, die man da so macht, hab natürlich auch

00:03:26.985 --> 00:03:31.107
<v Stefan Brill>so im Studium versucht, eine Band zu gründen. Und da haben wir natürlich mehr

00:03:31.107 --> 00:03:34.788
<v Stefan Brill>an der Elektronik herum gebastelt, als dass wir Musik gemacht haben.

00:03:34.788 --> 00:03:36.869
<v Stefan Brill>Da haben wir auch ganz völkerlich geworden alles.

00:03:38.890 --> 00:03:39.950
<v Stefan Brill>Und dann hatte ich...

00:03:40.330 --> 00:03:42.851
<v Tim Pritlove>Audio war dann sozusagen schon Thema, wenn du Musik gemacht hast?

00:03:42.851 --> 00:03:47.373
<v Stefan Brill>Audio war für mich privat schon ein Thema. Ja, und ich hatte dann aber auch

00:03:47.373 --> 00:03:52.875
<v Stefan Brill>das Glück, das war eigentlich eher Zufall, dass ich in meinem Studium eine Spezialisierungsrichtung

00:03:52.875 --> 00:03:55.195
<v Stefan Brill>einschlagen konnte. Das nannt sich damals Kybernetik.

00:03:55.916 --> 00:04:01.098
<v Stefan Brill>Das hatten die in München, also an der TU München, hatten die so eine Spezialrichtung aufgemacht,

00:04:01.098 --> 00:04:06.279
<v Stefan Brill>wo die mehrere Forscher sich zusammengetan hatten und gesagt haben,

00:04:06.279 --> 00:04:10.081
<v Stefan Brill>wir wollen mal unsere ganzen mathematischen Methoden, die die Informationstechnik,

00:04:10.081 --> 00:04:14.823
<v Stefan Brill>Informations- und Signalverarbeitung so bietet, was man eben in der E-Technik

00:04:14.823 --> 00:04:17.804
<v Stefan Brill>lernt, anwendet auf biologische Systeme.

00:04:18.824 --> 00:04:25.687
<v Stefan Brill>Und da gab es dann einige Forscher, die dann extra reinkamen an die TU und dann

00:04:25.687 --> 00:04:27.647
<v Stefan Brill>da Lehre gemacht haben darüber.

00:04:27.647 --> 00:04:32.169
<v Stefan Brill>Und es gab aber auch einen, der mir natürlich besonders in Erinnerung geblieben

00:04:32.169 --> 00:04:35.630
<v Stefan Brill>ist. Das war ein Institut, was direkt an der TU war. Die haben sich mit Akustik

00:04:35.630 --> 00:04:37.611
<v Stefan Brill>beschäftigt. Der Chef von denen hieß Zwicker.

00:04:38.451 --> 00:04:40.972
<v Stefan Brill>Das ist so einer der Päpste der Psychoakustik.

00:04:42.433 --> 00:04:47.125
<v Stefan Brill>Psychoakustik ist jetzt also die Erforschung der subjektiven Hörwahrnehmung

00:04:47.125 --> 00:04:48.455
<v Stefan Brill>mit geradezu physikalischen Methoden.

00:04:51.536 --> 00:04:54.707
<v Stefan Brill>Und das hat mich dann völlig begeistert. Das war also ganz toll,

00:04:54.707 --> 00:04:58.759
<v Stefan Brill>dass die dort Methoden entwickelt hatten mit den, also nicht nur die,

00:04:58.759 --> 00:05:01.680
<v Stefan Brill>das war natürlich woanders entwickelt worden, aber die haben dort geforscht.

00:05:02.300 --> 00:05:02.920
<v Tim Pritlove>Eberhard Zwicka.

00:05:02.920 --> 00:05:04.141
<v Stefan Brill>Eberhard Zwicka, genau.

00:05:05.962 --> 00:05:10.323
<v Tim Pritlove>Und der sogar eigene Units aufgemacht hat, hier Zwicka-Parameter und so.

00:05:10.323 --> 00:05:16.626
<v Stefan Brill>Ja, genau. Und der hatte dort ein Institut, das stand damals noch in voller

00:05:16.626 --> 00:05:21.068
<v Stefan Brill>Blüte und hatte noch andere Professoren, ein Teerhardt und ein Fastel und natürlich

00:05:21.068 --> 00:05:22.128
<v Stefan Brill>jede Menge Assistenten.

00:05:22.589 --> 00:05:27.230
<v Stefan Brill>Und das hat mich wirklich begeistert. Und ich habe bei denen unter anderem eine

00:05:27.230 --> 00:05:31.953
<v Stefan Brill>Studienarbeit gemacht, also so eine Projektarbeit neben dem Studium her,

00:05:31.953 --> 00:05:33.493
<v Stefan Brill>da ging es dann schon um digitale Signalprozessoren.

00:05:34.314 --> 00:05:37.355
<v Stefan Brill>Das kamen dann auch schon wieder der eine Zweig mit dem anderen zusammen.

00:05:39.296 --> 00:05:44.258
<v Stefan Brill>Und habe dann aber meine Abschlussarbeit nicht bei denen gemacht,

00:05:44.258 --> 00:05:49.400
<v Stefan Brill>sondern bin dann in der Medizintechnikfirma, habe ich das gemacht.

00:05:49.800 --> 00:05:53.122
<v Stefan Brill>War auch Signalverarbeitung drin, da ging es aber um so kardiologische Sachen,

00:05:53.122 --> 00:05:57.483
<v Stefan Brill>also Herzparameter, Herzschlag, Druckkurven und so weiter. Und dann...

00:06:00.393 --> 00:06:03.574
<v Stefan Brill>War ich fertig mit dem Studium und dann waren inzwischen die

00:06:03.574 --> 00:06:06.455
<v Stefan Brill>Anfang der 90er und dann bin ich natürlich wie alle nach Berlin und

00:06:06.455 --> 00:06:10.016
<v Stefan Brill>Berlin war ja damals großartig so 1990 bis 92

00:06:10.016 --> 00:06:12.717
<v Stefan Brill>und dann ging mir aber so nach

00:06:12.717 --> 00:06:17.339
<v Stefan Brill>und nach das Geld aus und dann habe ich wieder geguckt überregional und ich

00:06:17.339 --> 00:06:24.481
<v Stefan Brill>saß dann gerade hier in Berlin und hatte in ich weiß nicht in einer von den

00:06:24.481 --> 00:06:28.893
<v Stefan Brill>großen Tageszeitungen hatte ich eine Anzeige gesehen von einer Firma die was

00:06:28.893 --> 00:06:32.004
<v Stefan Brill>machen wollten oder die was geplant hatten,

00:06:32.004 --> 00:06:35.985
<v Stefan Brill>was eigentlich alle Dinge, die ich, die ich machte und die mich interessierten

00:06:35.985 --> 00:06:37.486
<v Stefan Brill>sozusagen auf einen Punkt brachten.

00:06:38.426 --> 00:06:42.167
<v Stefan Brill>Und da habe ich mich dann halt gemeldet und zufällig war dann die Firmenchefin

00:06:42.167 --> 00:06:44.748
<v Stefan Brill>war auch gerade zufällig in Berlin, mit der habe ich mich dann hier getroffen.

00:06:44.748 --> 00:06:49.170
<v Stefan Brill>Habe ich mich im Foyer der Charité habe ich mich getroffen und die erzählte

00:06:49.170 --> 00:06:51.310
<v Stefan Brill>mir dann von Cochlea Implantaten.

00:06:52.231 --> 00:06:56.332
<v Stefan Brill>Erstaunlicherweise hatte ich zu dem Zeitpunkt, obwohl ich so verschiedene Verbindungen dazu hatte,

00:06:56.332 --> 00:07:00.334
<v Stefan Brill>noch nie was davon gehört, aber das Konzept war mir sofort eingängig,

00:07:00.334 --> 00:07:08.136
<v Stefan Brill>nämlich dass man den Hörnerv, wenn jetzt das Innenohr nicht mehr akustisch hören

00:07:08.136 --> 00:07:11.598
<v Stefan Brill>kann, dass man den ja eigentlich elektrisch reizen können müsste.

00:07:11.598 --> 00:07:17.140
<v Stefan Brill>Und so habe ich dann bei denen angefangen und wahrscheinlich,

00:07:17.140 --> 00:07:19.140
<v Stefan Brill>weil ich irgendwie diese ganze Vorgeschichte so...

00:07:19.140 --> 00:07:22.381
<v Tim Pritlove>Also es war quasi eine Firma, die konkret auf solche Implantate spezialisieren

00:07:22.381 --> 00:07:27.023
<v Tim Pritlove>wollte. Korrekt, ja. Also war das damals nur eine Idee oder gab es das im Prinzip?

00:07:27.023 --> 00:07:28.364
<v Stefan Brill>Das gab es schon.

00:07:31.005 --> 00:07:33.165
<v Stefan Brill>Die Kochler-Implantate, ach da gibt es eine ganz lange Vorgeschichte.

00:07:33.165 --> 00:07:38.307
<v Stefan Brill>Also das ging eigentlich schon los mit Alessandro Volta. Der hat sich nämlich

00:07:38.307 --> 00:07:40.508
<v Stefan Brill>schon eine Elektrode in den Gehörgang gesteckt.

00:07:41.308 --> 00:07:42.328
<v Tim Pritlove>Der von dem Volt?

00:07:42.749 --> 00:07:44.609
<v Stefan Brill>Ja, nachdem das Volt genannt ist.

00:07:46.010 --> 00:07:47.730
<v Tim Pritlove>Und der hatte... Der totale Freak.

00:07:48.271 --> 00:07:53.192
<v Stefan Brill>Ja, da gab es einen, der war noch ein härterer Freak. Ein gewisser Herr Ritter.

00:07:53.612 --> 00:07:54.933
<v Tim Pritlove>Aber der Volta... Herr Amper.

00:07:57.234 --> 00:08:00.125
<v Stefan Brill>Der Ritter war sehr interessant, den kennt nur kein Schwein.

00:08:00.125 --> 00:08:04.316
<v Stefan Brill>Das ist also wirklich eine fast schon sträfliche Vernachlässigung,

00:08:04.316 --> 00:08:06.597
<v Stefan Brill>dass man den nicht kennt. Johann Wilhelm Ritter.

00:08:07.317 --> 00:08:11.699
<v Stefan Brill>Der Volta, das muss so ungefähr 1798 gewesen sein,

00:08:11.699 --> 00:08:16.501
<v Stefan Brill>der hat sich also von seiner elektrischen Säule, das waren noch diese elektroschemischen

00:08:16.501 --> 00:08:20.902
<v Stefan Brill>Säulen, hat er sich eine Elektrode ins Ohr gesteckt und hat ein brutzelndes

00:08:20.902 --> 00:08:23.263
<v Stefan Brill>Geräusch gehört, ist, glaube ich, in Ohnmacht gefallen.

00:08:23.663 --> 00:08:26.844
<v Stefan Brill>Und als er dann wieder aufgewacht ist, hat er dann so ein Paper geschrieben,

00:08:26.844 --> 00:08:30.405
<v Stefan Brill>auf Lateinisch, glaube ich noch, wo er diese Erfahrung beschreibt.

00:08:31.606 --> 00:08:39.489
<v Stefan Brill>Und dann gab es aber einen Herrn Ritter, der lebte in Jena damals und das war

00:08:39.489 --> 00:08:45.951
<v Stefan Brill>einer der Leute, die wirklich die Elektrochemie mitbegründet haben.

00:08:47.152 --> 00:08:50.412
<v Stefan Brill>Der hat unter anderem den Vorläufer des wiederaufladbaren galvanischen Element

00:08:50.412 --> 00:08:51.912
<v Stefan Brill>des Akkumulators entwickelt. der hat.

00:08:55.071 --> 00:08:58.532
<v Stefan Brill>Den ultravioletten Spektralanteil im Sonnenlicht entdeckt.

00:08:59.452 --> 00:09:02.593
<v Stefan Brill>Der wäre also nach heutigen Maßstäben wäre der lockerer Nobelpreisträger,

00:09:02.593 --> 00:09:04.194
<v Stefan Brill>aber den kennt keine Sau.

00:09:04.614 --> 00:09:08.195
<v Stefan Brill>Und er hat mit sich selber alle möglichen Dinge ausprobiert.

00:09:08.536 --> 00:09:14.578
<v Stefan Brill>Der hat also den elektrischen Strom auf sich wirken lassen, bis er kann schon

00:09:14.578 --> 00:09:15.718
<v Stefan Brill>sagen, bis er Invalide war.

00:09:16.579 --> 00:09:22.361
<v Stefan Brill>Der hat sich die und das geht endlos. Dicht die Zinkelektrode ins linke Auge

00:09:22.361 --> 00:09:25.816
<v Stefan Brill>und die Kupfer ins Recht und hat dann detailliert beschrieben,

00:09:25.816 --> 00:09:30.344
<v Stefan Brill>was er für ein rotes Flackern gesehen hat und dann die eine Elektrode in die

00:09:30.344 --> 00:09:34.425
<v Stefan Brill>Nase und die andere ins Auge und was er dann empfunden und wahrgenommen hat.

00:09:34.425 --> 00:09:37.727
<v Stefan Brill>Und der hat das eben auch mit dem Ohr gemacht.

00:09:38.347 --> 00:09:42.789
<v Stefan Brill>Der hat das alles, also das ist ja jetzt echt ein blödes Klischee,

00:09:42.789 --> 00:09:45.970
<v Stefan Brill>aber der Volta als Italiener, der macht eine Sache,

00:09:45.970 --> 00:09:48.931
<v Stefan Brill>fällt in Ohnmacht und schreibt drüber und der andere,

00:09:48.931 --> 00:09:58.034
<v Stefan Brill>der geht bis zur Grenze seiner physischen körperlichen Fähigkeit,

00:09:58.034 --> 00:10:01.046
<v Stefan Brill>das auszuhalten und beschreibt das alles im Detail.

00:10:01.046 --> 00:10:05.237
<v Stefan Brill>Und dieser Ritter, der hat publiziert in den Analen der Physik,

00:10:05.237 --> 00:10:08.739
<v Stefan Brill>das ist ja jetzt nun eine renommierte Zeitschrift, da ist ja einsteins e gleich

00:10:08.739 --> 00:10:10.679
<v Stefan Brill>mc quadrat dann veröffentlicht worden,

00:10:10.679 --> 00:10:16.181
<v Stefan Brill>die war zu dem Zeitpunkt damals gerade, ich glaube zwei Jahre gegründet worden und der hat dann,

00:10:16.181 --> 00:10:20.483
<v Stefan Brill>ich denke das muss so 1800 bis 1802 muss das gewesen sein,

00:10:20.483 --> 00:10:27.636
<v Stefan Brill>da hat der Ritter all diese Dinge beschrieben und da gibt es dann unter anderem eine Publikation,

00:10:27.636 --> 00:10:31.927
<v Stefan Brill>ich glaube die geht über 60 Seiten, wo er in blumigen Worten all das beschreibt,

00:10:31.927 --> 00:10:34.708
<v Stefan Brill>was er damit sich ausprobiert hat und so einer seiner Schlusssätze ist,

00:10:34.708 --> 00:10:38.390
<v Stefan Brill>also das mit dem Gehör, das war so ungefähr das Schlimmste, das ist jetzt nur

00:10:38.390 --> 00:10:42.531
<v Stefan Brill>so inhaltlich wiedergegeben, wortwörtlich kriege ich das nicht und das geht

00:10:42.531 --> 00:10:45.333
<v Stefan Brill>jetzt alles nicht mehr, das möchten doch bitte andere nach ihm,

00:10:45.333 --> 00:10:47.653
<v Stefan Brill>möchten das doch weiterführen, diese Experten.

00:10:49.695 --> 00:10:54.676
<v Stefan Brill>Und dann hat es die das ganze 19. Jahrhundert hat jede Menge so Charlatane gegeben,

00:10:54.676 --> 00:10:58.418
<v Stefan Brill>die dachten, na ja, wenn wir da Elektronen ins Ohr halten, dann können wir das

00:10:58.418 --> 00:11:02.900
<v Stefan Brill>heilen und das hat logischerweise alles nicht funktioniert.

00:11:06.382 --> 00:11:10.183
<v Stefan Brill>Und der erste wirkliche Zeitpunkt, wo man sagen kann, hier ist das mal ernsthaft

00:11:10.183 --> 00:11:11.903
<v Stefan Brill>versucht worden. Das war 1957 in Frankreich.

00:11:14.585 --> 00:11:18.526
<v Stefan Brill>Da hat es zwei Franzosen gegeben, ein Ingenieur und ein Chirurg.

00:11:19.266 --> 00:11:24.028
<v Stefan Brill>Und die haben wirklich den Ansatz gemacht, eine Elektrode ins Innenohr einzusetzen

00:11:24.028 --> 00:11:25.549
<v Stefan Brill>oder unmittelbar vor das Innenohr.

00:11:25.889 --> 00:11:30.390
<v Stefan Brill>Hatten das mit zwei Patienten gemacht und bei einem hat das Erfolg gehabt. Der hörte was?

00:11:32.913 --> 00:11:35.854
<v Stefan Brill>Natürlich auf einem ganz anderen Niveau, hat er also Höherwahrnehmungen und

00:11:35.854 --> 00:11:37.655
<v Stefan Brill>irgendwelche Töne, muss man dazu sagen.

00:11:39.186 --> 00:11:40.646
<v Tim Pritlove>Der vorher gar nicht hören konnte?

00:11:40.646 --> 00:11:45.038
<v Stefan Brill>Der war vollständig taub, war offensichtlich sehr verzweifelt,

00:11:45.038 --> 00:11:46.829
<v Stefan Brill>dass er überhaupt keine Höherwahrnehmung mehr hatte.

00:11:47.729 --> 00:11:50.420
<v Stefan Brill>Hatte allerdings auch eine schwere andere Krankheit, die ihn...

00:11:50.760 --> 00:11:52.781
<v Tim Pritlove>Also jemand, der schon mal vorher gehört hat sozusagen?

00:11:52.781 --> 00:11:57.923
<v Stefan Brill>Jemand, der normal hören kann, vorher mal. Und dann hatte der aus Gründen,

00:11:57.923 --> 00:12:01.764
<v Stefan Brill>die ich jetzt nicht mehr weiß, findet man natürlich irgendwo in Publikationen

00:12:01.764 --> 00:12:06.756
<v Stefan Brill>drin, hatte der sein Gehör verloren und diese beiden, der Chirurg und der Ingenieur,

00:12:06.756 --> 00:12:08.847
<v Stefan Brill>die haben dann gesagt, na vielleicht kann man da was machen.

00:12:08.847 --> 00:12:14.729
<v Stefan Brill>Und der Ingenieur hat dann ein Implantat sozusagen am Küchentisch,

00:12:14.729 --> 00:12:17.890
<v Stefan Brill>könnte man heute sagen, gebastelt und der Chirurg hat das eingesetzt.

00:12:17.890 --> 00:12:21.722
<v Stefan Brill>Und der Patient hörte tatsächlich was, hat aber natürlich keine komplexen Hörwahrnehmungen

00:12:21.722 --> 00:12:24.123
<v Stefan Brill>damit gehabt, also konnte keine Sprache.

00:12:24.123 --> 00:12:25.933
<v Tim Pritlove>Man hat überhaupt erst mal rausgefunden, dass es überhaupt geht.

00:12:26.894 --> 00:12:31.316
<v Tim Pritlove>Bevor uns hier die Pferde durchgehen mit zu viel Details,

00:12:31.316 --> 00:12:35.317
<v Tim Pritlove>weil sicherlich diese Implantatarbeit, an der du ja viel arbeitest,

00:12:35.317 --> 00:12:39.399
<v Tim Pritlove>das ist eine der Dinge, auf die wir hier noch zu sprechen kommen wollen.

00:12:39.399 --> 00:12:43.801
<v Tim Pritlove>Aber ich denke, um überhaupt erst mal verstehen zu können, was sich hier eigentlich

00:12:43.801 --> 00:12:49.883
<v Tim Pritlove>abspielt in unserem Kopf, müsste man da einfach auch noch mal ein bisschen ein bisschen reinschauen.

00:12:52.064 --> 00:12:53.145
<v Tim Pritlove>Ich denke, was für jeden so ein

00:12:53.145 --> 00:12:55.945
<v Tim Pritlove>bisschen klar ist, ist, dass diese ganze Hörgeschichte extrem komplex ist.

00:12:58.327 --> 00:13:04.369
<v Tim Pritlove>Wie auch unser Sehvermögen ist, ist das einfach so eins dieser Wunder,

00:13:04.369 --> 00:13:08.071
<v Tim Pritlove>wo man sich immer denkt, wie schaffen wir das insbesondere.

00:13:09.952 --> 00:13:12.813
<v Tim Pritlove>Das Problem ist, der ja

00:13:12.813 --> 00:13:15.534
<v Tim Pritlove>genauso auch bewusst und ich denke jeder der sich auch

00:13:15.534 --> 00:13:18.435
<v Tim Pritlove>so im Computerbereich mal so ein bisschen

00:13:18.435 --> 00:13:22.877
<v Tim Pritlove>mit Audio auseinandergesetzt hat also um aus solchen digitalisierten Audiodaten

00:13:22.877 --> 00:13:25.798
<v Tim Pritlove>überhaupt relevantes heraus zu holen und

00:13:25.798 --> 00:13:29.700
<v Tim Pritlove>da irgendwas drin zu entdecken bis hin zu solchen Konzepten wie Spracherkennung

00:13:29.700 --> 00:13:34.102
<v Tim Pritlove>und so weiter war ja ein ein sehr langer Weg und auch heute ist ist ja auch

00:13:34.102 --> 00:13:37.323
<v Tim Pritlove>immer noch verbaut an manchen Stellen also vieles geht auf eine beeindruckende

00:13:37.323 --> 00:13:42.945
<v Tim Pritlove>Art und Weise sofern man die Messergebnisse gut isoliert bekommt oder von vorne

00:13:42.945 --> 00:13:44.796
<v Tim Pritlove>rein in eine definierte,

00:13:44.796 --> 00:13:48.388
<v Tim Pritlove>isolierte Umgebung aufgenommen hat.

00:13:48.388 --> 00:13:53.210
<v Tim Pritlove>Aber so diese gesamte Komplexität des Gehörs ist natürlich eine ganz andere Sache.

00:13:53.210 --> 00:13:57.561
<v Tim Pritlove>Jetzt hat man wahrscheinlich irgendwann mal ein bisschen rumgeschnippelt am Menschen,

00:13:57.561 --> 00:14:03.155
<v Tim Pritlove>das wahrscheinlich schon eher früh und festgestellt, Da ist ja so allerlei mechanisch

00:14:03.155 --> 00:14:08.438
<v Tim Pritlove>anmutende Geschichte zu finden. Wenn man jetzt versucht.

00:14:11.658 --> 00:14:15.040
<v Tim Pritlove>Zu verstehen, was führt dazu, dass wir hören?

00:14:15.040 --> 00:14:19.861
<v Tim Pritlove>Also was führt dazu, dass wir aus letztlich, es ist ja nur Schalldruck in der

00:14:19.861 --> 00:14:25.323
<v Tim Pritlove>Luft, dass wir da so komplexe Informationen heraus hören können?

00:14:25.323 --> 00:14:29.125
<v Tim Pritlove>Wo, wo fängt das an? Wo, wo, wo?

00:14:30.295 --> 00:14:33.206
<v Tim Pritlove>Wie entwickelt sich das? Wie kommt das in den Kopf?

00:14:34.747 --> 00:14:39.848
<v Stefan Brill>Ja, es geht natürlich los mit der Schallwelle, die von irgendwo her auf uns eintrifft.

00:14:40.469 --> 00:14:45.030
<v Stefan Brill>Und wenn man jetzt das mal von außen anschaut, dann haben wir natürlich erstmal das Außenohr.

00:14:46.571 --> 00:14:54.214
<v Stefan Brill>Außenohr ist so mehrfach gefalteter Knorpel und das ist so ein bisschen trichterförmig

00:14:54.214 --> 00:14:55.774
<v Stefan Brill>und was natürlich besonders wichtig ist,

00:14:55.774 --> 00:15:01.596
<v Stefan Brill>wir haben zwei davon und wir können mit jedem gewissermaßen unabhängig hören

00:15:01.596 --> 00:15:04.277
<v Stefan Brill>und können dadurch zum Beispiel Richtungsinformationen extra...

00:15:04.898 --> 00:15:08.739
<v Tim Pritlove>Das ist eigentlich bei allen Tieren so. Also zumindest bei allen Säugetieren

00:15:08.739 --> 00:15:12.721
<v Tim Pritlove>eigentlich so zwei Ohren ist schon der Goldstandard ein bisschen.

00:15:12.721 --> 00:15:13.481
<v Stefan Brill>Das ist der Goldstandard.

00:15:15.782 --> 00:15:23.225
<v Stefan Brill>Jetzt muss man natürlich dazu sagen, das ist teilweise extrem abhängig davon, was die hören müssen.

00:15:23.885 --> 00:15:27.346
<v Stefan Brill>Also es gibt zum Beispiel, das ist jetzt mal ein Extrembeispiel,

00:15:27.346 --> 00:15:28.267
<v Stefan Brill>es gibt zum Beispiel Nachtfalter.

00:15:29.967 --> 00:15:39.191
<v Stefan Brill>Die haben ein Hörorgan, das darauf spezialisiert ist, die von Fledermäusen ausgesendeten

00:15:39.191 --> 00:15:42.192
<v Stefan Brill>Schallwellen, die ja zur Echolotortung in der Nacht dienen.

00:15:42.192 --> 00:15:42.652
<v Tim Pritlove>Ultraschall.

00:15:43.212 --> 00:15:48.254
<v Stefan Brill>Das ist ziemlich hoch im Ultraschallbereich. Die haben also spezielle Hörorgane

00:15:48.254 --> 00:15:52.456
<v Stefan Brill>für den Zweck, diese Jagdrufe der Fledermäuse zu hören.

00:15:52.456 --> 00:15:58.358
<v Stefan Brill>Und sobald dieses Hörorgan das bemerkt, lassen die sich fallen wie ein Stein und sind dann

00:15:58.698 --> 00:16:01.740
<v Stefan Brill>hoffentlich aus deren sicht aus der flugbahn der fledermaus

00:16:01.740 --> 00:16:05.922
<v Stefan Brill>raus das ist schon mal so ein ganz extremes beispiel ganz

00:16:05.922 --> 00:16:10.025
<v Stefan Brill>anderes extrem beispiele ist sind

00:16:10.025 --> 00:16:16.769
<v Stefan Brill>die organe der zeta-10 also der meereszeuger die haben ja auch einerseits ein

00:16:16.769 --> 00:16:25.473
<v Stefan Brill>echolot zeta-10 glaube ich heißen die also wale delfine ich glaube die Ich bin

00:16:25.473 --> 00:16:27.495
<v Stefan Brill>kein Biologe, ich bin mir da mal was schief geht.

00:16:27.495 --> 00:16:33.378
<v Tim Pritlove>Den Begriff kannte ich jetzt auch gerade noch nicht, aber schauen wir mal, ich sprühe weiter.

00:16:35.201 --> 00:16:35.802
<v Stefan Brill>Mit C.

00:16:35.802 --> 00:16:36.402
<v Tim Pritlove>Cetardiodactyla, sozusagen.

00:16:42.576 --> 00:16:45.677
<v Stefan Brill>Ja, aber die haben natürlich auch ihre speziellen Notwendigkeiten.

00:16:46.118 --> 00:16:47.678
<v Stefan Brill>Die haben natürlich auch einerseits

00:16:47.678 --> 00:16:50.188
<v Stefan Brill>diese Echolotortung, haben dafür sogar speziell geformte Schallinsen.

00:16:58.002 --> 00:17:04.584
<v Stefan Brill>Das ist dann vorne so im Vorderkopf diese große… Ach so, Cetacea ist der wissenschaftliche Name für Wahl.

00:17:04.584 --> 00:17:05.144
<v Tim Pritlove>Ja.

00:17:05.144 --> 00:17:10.927
<v Stefan Brill>Okay, alles klar. Und die haben dann auch Frequenzbereiche, die sie hören,

00:17:10.927 --> 00:17:13.167
<v Stefan Brill>die sind komplett am anderen Ende des Spektrums.

00:17:13.167 --> 00:17:17.849
<v Stefan Brill>Die gehen sehr tief ins Niederfrequente hinein und die haben dann teilweise

00:17:17.849 --> 00:17:22.591
<v Stefan Brill>richtig schwere, knöchernde, massive Strukturen, die in Höhlungen aufgehängt

00:17:22.591 --> 00:17:27.933
<v Stefan Brill>sind und die dann diese tieffrequenten Schwingungen wahrnehmen können.

00:17:27.933 --> 00:17:31.734
<v Stefan Brill>Und da gibt es dann auch natürlich wieder sensorische Organe,

00:17:31.734 --> 00:17:35.455
<v Stefan Brill>also Nervenzellen, die dann diese Schwingungen aufnehmen können.

00:17:36.136 --> 00:17:37.556
<v Tim Pritlove>Wie tief geht das bei Wahlen?

00:17:38.117 --> 00:17:42.659
<v Stefan Brill>Das kann ich nicht sagen, das weiß ich nicht. Also das geht sicher weit,

00:17:42.659 --> 00:17:46.360
<v Stefan Brill>weit unterhalb von dem, was wir so hören. Aber bei uns ist wo Schluss? 20, 20 Hertz.

00:17:46.851 --> 00:17:49.681
<v Tim Pritlove>Das heißt, die könnten vielleicht auch noch so zwei Hertz hören.

00:17:52.083 --> 00:17:55.224
<v Stefan Brill>Also ganz sicher bin ich mir nicht, das müssen wir nahe, da will ich mich nicht

00:17:55.224 --> 00:17:56.765
<v Stefan Brill>allzu sehr aus dem Fenster legen.

00:17:57.225 --> 00:17:58.186
<v Tim Pritlove>Aber tief halt.

00:18:01.367 --> 00:18:09.631
<v Stefan Brill>Ja und bei dem, was uns für uns so wichtig ist oder was unsere humane Hörfähigkeit

00:18:09.631 --> 00:18:13.033
<v Stefan Brill>angeht, gucken wir uns natürlich am ehesten die Landseugetiere an.

00:18:13.033 --> 00:18:19.906
<v Stefan Brill>Die Landseugetiere, die hören natürlich Luftschwingungen und haben bewegliche

00:18:19.906 --> 00:18:24.488
<v Stefan Brill>Außenohren, Wenn es zu Tieren geht, die jetzt...

00:18:27.050 --> 00:18:32.062
<v Stefan Brill>Zum Beispiel gejagt werden, dann können die ihren Kopf in eine bestimmte Richtung

00:18:32.062 --> 00:18:38.294
<v Stefan Brill>halten, aber die Außenohren können sich drehen. Bei uns ist das fast vollständig weg.

00:18:38.615 --> 00:18:43.136
<v Stefan Brill>Wir haben noch so ganz wenige Ansätze davon. Wir haben noch so ein paar kleine Muskeln am Außenohr.

00:18:43.536 --> 00:18:46.477
<v Tim Pritlove>Gibt ja so Leute, die können so mit den Ohren wackeln.

00:18:46.477 --> 00:18:50.879
<v Stefan Brill>Ja, genau. Also wir haben da tatsächlich noch Muskeln, also sogar außen auf

00:18:50.879 --> 00:18:55.461
<v Stefan Brill>der Rückseite am Knorpel und innen drin ganz winzige, die auch noch innoviert sind.

00:18:55.461 --> 00:18:58.982
<v Stefan Brill>Aber das reicht bei uns nicht mehr aus, dass wir unsere Ohren noch irgendwo

00:18:58.982 --> 00:19:02.463
<v Stefan Brill>gezielt hin drehen können. Aber so eine Antilope zum Beispiel,

00:19:02.463 --> 00:19:06.225
<v Stefan Brill>die kann das machen. Die kann also gezielt ihr Ohr in eine bestimmte Richtung

00:19:06.225 --> 00:19:09.046
<v Stefan Brill>drehen und dann gucken, ob da was ist.

00:19:10.787 --> 00:19:16.368
<v Stefan Brill>Und bei uns ist es dann so, das Ohr ist aber etwas seltsam gefaltet.

00:19:16.949 --> 00:19:19.890
<v Stefan Brill>Da kann man sich ja fragen, warum ist das nicht einfach nur so ein Trichter?

00:19:20.550 --> 00:19:24.982
<v Stefan Brill>Aber diese Faltungen des Ohres, zumindest ist das eine gängige,

00:19:24.982 --> 00:19:27.773
<v Stefan Brill>weitgehend akzeptierte Theorie, warum das so ist,

00:19:27.773 --> 00:19:32.495
<v Stefan Brill>die haben aus verschiedenen Einfallswinkeln,

00:19:32.495 --> 00:19:37.457
<v Stefan Brill>sind die natürlich unterschiedlich groß, und da kommt es zu Schallauslöschungen,

00:19:37.457 --> 00:19:42.499
<v Stefan Brill>so nach dem Motto stehende und reflektierte Wälder, gibt es halt so Schallauslöschungen

00:19:42.499 --> 00:19:43.800
<v Stefan Brill>bei bestimmten Frequenzen.

00:19:44.340 --> 00:19:50.903
<v Stefan Brill>Und wir können dadurch, dass wir jetzt diese gefalteten Außenohren haben,

00:19:50.903 --> 00:19:54.004
<v Stefan Brill>haben wir in unterschiedliche Richtungen nach oben,

00:19:54.004 --> 00:19:57.666
<v Stefan Brill>nach unten, haben wir unterschiedliche Frequenzen,

00:19:57.666 --> 00:20:00.807
<v Stefan Brill>bei denen diese Auslöschungen stattfinden und haben so also,

00:20:00.807 --> 00:20:03.388
<v Stefan Brill>was mit zwei Ohren ja eigentlich nicht zu erklären ist, wieso können wir eigentlich

00:20:03.388 --> 00:20:09.194
<v Stefan Brill>die Höhe hören oder wie hoch das Signal über uns ist, haben dadurch zumindest

00:20:09.194 --> 00:20:13.881
<v Stefan Brill>in Ansätzen eine Möglichkeit, die Richtung in der Höhe.

00:20:14.967 --> 00:20:18.768
<v Stefan Brill>Also sprich Elevationswinkel, heraus hören zu können.

00:20:18.768 --> 00:20:25.641
<v Stefan Brill>Aber das Wesentliche, wofür unsere zwei Ohren taugen, ist, dass wir Differenzen

00:20:25.641 --> 00:20:29.112
<v Stefan Brill>in den Schallsignalen, die die beiden Ohren erreichen, wahrnehmen können.

00:20:29.112 --> 00:20:32.723
<v Stefan Brill>Da gibt es im Wesentlichen drei Unterschiede. Wenn wir mal vorstellen,

00:20:32.723 --> 00:20:36.564
<v Stefan Brill>ganz rechts von mir habe ich eine Schallquelle sitzen, dann kommt natürlich

00:20:36.564 --> 00:20:42.577
<v Stefan Brill>das Signal von dem rechts von mir stehenden Lautsprecher am rechten Ohr früher an.

00:20:43.297 --> 00:20:46.238
<v Stefan Brill>Zweitens kommt es natürlich lauter an, weil das Schaltsignal muss um den Kopf

00:20:46.238 --> 00:20:49.219
<v Stefan Brill>rumlaufen und auf der anderen Seite kommt es nicht in derselben Intensität an.

00:20:49.219 --> 00:20:53.720
<v Stefan Brill>Und es kommt auch spektral anders an. Also das Direkt Einfallende,

00:20:53.720 --> 00:20:59.262
<v Stefan Brill>das ist spektral in erster Linie ungefiltert und das, was um den Kopf rumlaufen

00:20:59.262 --> 00:21:03.244
<v Stefan Brill>muss, da schaffen es die tiefen Frequenzen besser rum als die hohen Frequenzen.

00:21:03.244 --> 00:21:05.745
<v Stefan Brill>Das ist also spektral auch nochmal etwas geändert.

00:21:05.745 --> 00:21:08.185
<v Tim Pritlove>Diese Differenzen ist unter… Man hört weniger Hochantrag.

00:21:08.806 --> 00:21:11.607
<v Stefan Brill>Ja, genau. Man hört weniger Hochfrequenzen.

00:21:15.929 --> 00:21:20.710
<v Stefan Brill>Und die Schallpegeldifferenzen zwischen den beiden Ohren, die Schalllaufzeitdifferenzen

00:21:20.710 --> 00:21:22.891
<v Stefan Brill>zwischen den beiden Ohren und in drittem,

00:21:22.891 --> 00:21:27.913
<v Stefan Brill>nicht ganz so ausgeprägten Maß, die spektralen Unterschiede zwischen den beiden

00:21:27.913 --> 00:21:33.155
<v Stefan Brill>Signalen, die wir bekommen, die dienen unserem Gehirn dazu, die Richtung heraus hören zu können.

00:21:33.155 --> 00:21:37.256
<v Stefan Brill>Und das geht außerordentlich gut. Das ist natürlich etwas, was in der horizontalen

00:21:37.256 --> 00:21:42.378
<v Stefan Brill>Ebene um uns herum möglich ist, weil nur nur in der horizontalen Ebene kriegen

00:21:42.378 --> 00:21:44.038
<v Stefan Brill>wir Unterschiede zwischen beiden Ohren.

00:21:44.038 --> 00:21:48.500
<v Stefan Brill>Wenn ein Signal genau frontal vor uns ist und einfach nur hoch oder runter bewegt

00:21:48.500 --> 00:21:50.741
<v Stefan Brill>wird, kriegen beide Ohren dasselbe Signal.

00:21:51.201 --> 00:21:54.342
<v Stefan Brill>Und dafür brauchen wir diese Faltungen. Da gibt es dann Reflektionen,

00:21:54.342 --> 00:21:59.584
<v Stefan Brill>je nachdem, dass eher von oben und so reflektiert oder eher von da und ein bisschen

00:21:59.584 --> 00:22:01.365
<v Stefan Brill>anders mit einem etwas anderen Weg reflektiert.

00:22:01.825 --> 00:22:06.366
<v Stefan Brill>Sind diese Auslöschungsfrequenzen oder sagen wir mal lieber die Frequenzen,

00:22:06.366 --> 00:22:11.033
<v Stefan Brill>bei denen dann Auslöschung stattfindet, sind je nach Einfallswinkel ein bisschen unterschiedlich.

00:22:11.434 --> 00:22:17.364
<v Stefan Brill>Da ist unser Gehirn offensichtlich in der Lage, das zu nutzen, um eine...

00:22:22.447 --> 00:22:25.128
<v Stefan Brill>Höheninformationen über das eintreffende Schallsignal heraus zu extrahieren.

00:22:25.128 --> 00:22:27.349
<v Tim Pritlove>Was würde denn jetzt passieren, wenn ich mir irgendwie eine Rolle Gaff annehme

00:22:27.349 --> 00:22:29.369
<v Tim Pritlove>und mir einfach mal meine Ohrwasche irgendwie zu tape?

00:22:30.370 --> 00:22:31.710
<v Stefan Brill>Und nur ein Loch offen lassen?

00:22:32.251 --> 00:22:37.162
<v Tim Pritlove>Ja, also sagen wir mal überhaupt so diese ganze typische Knorpelkonstellation

00:22:37.162 --> 00:22:40.534
<v Tim Pritlove>da mit diesen ganzen Gängen, also wenn man, wenn man oder einfach das Ohr einfach

00:22:40.534 --> 00:22:46.396
<v Tim Pritlove>nur so glatt an den Kopf Und außerdem, also das Loch bleibt offen.

00:22:46.896 --> 00:22:51.798
<v Tim Pritlove>Und man würde aber alle... Aber der Rest wäre quasi so glatt abgeklebt, wie es nur denkbar wäre.

00:22:51.798 --> 00:22:56.099
<v Stefan Brill>Wie es nur irgendwie geht. Dann würde man viele Dinge noch immer ganz gut können.

00:22:56.099 --> 00:23:01.461
<v Stefan Brill>Also man würde noch wissen, woher was kommt in der Ebene, aber in der Höhe würde

00:23:01.461 --> 00:23:03.902
<v Stefan Brill>man relativ orientierungslos werden.

00:23:04.723 --> 00:23:10.625
<v Stefan Brill>Es hat sogar schon Experimente gegeben, wo man Aufnahmen, Kunstkopfaufnahmen

00:23:10.625 --> 00:23:12.845
<v Stefan Brill>gemacht hat, wo man dann...

00:23:12.845 --> 00:23:16.307
<v Tim Pritlove>Also eine Aufnahme, wo man so eine Kopfform nimmt, der...

00:23:16.307 --> 00:23:19.548
<v Stefan Brill>Mit, mitsamt dran geformten Ohren. Genau.

00:23:19.548 --> 00:23:24.780
<v Stefan Brill>Wo man dann Ohren und Kopfform von jemandem anderes nimmt, zum Beispiel von

00:23:24.780 --> 00:23:28.711
<v Stefan Brill>einem großgewachsenen Menschen, und das einem klein gewachsenen Menschen vorspielt und umgekehrt.

00:23:28.711 --> 00:23:35.074
<v Stefan Brill>Und die haben dann tatsächlich auch in der Höhenlage, haben die bestimmte Fehlannahmen,

00:23:35.074 --> 00:23:40.336
<v Stefan Brill>wenn man ihnen das dann über geeignete Kopfhörer vorspielt, haben dann Fehlannahmen

00:23:40.336 --> 00:23:42.376
<v Stefan Brill>darüber, aus welcher Höhe das jetzt kommt.

00:23:42.997 --> 00:23:47.038
<v Tim Pritlove>Das ist ja interessant, bei Kopfhörern geht ja dann quasi dieser Effekt verloren.

00:23:47.598 --> 00:23:51.300
<v Stefan Brill>Ja, Kopfhörer ist natürlich so, diese klassischen Kopfhörer,

00:23:51.300 --> 00:23:55.861
<v Stefan Brill>die wir so kennen, so wie wir sie jetzt aufhaben, die sitzen ja über dem Außen

00:23:55.861 --> 00:24:00.143
<v Stefan Brill>oder drüber, das ist damit weitestgehend, aber nicht vollständig eliminiert

00:24:00.143 --> 00:24:00.903
<v Stefan Brill>in seinen Eigenschaften.

00:24:01.283 --> 00:24:05.965
<v Stefan Brill>Was man eigentlich machen muss, man muss dann wirklich direkt mit dem Stöpsel

00:24:05.965 --> 00:24:12.827
<v Stefan Brill>in den Gehörgang reingehen und muss das natürlich alles ganz im Ohrhörer nehmen

00:24:12.827 --> 00:24:14.568
<v Stefan Brill>und muss das alles so sauber präparieren,

00:24:14.568 --> 00:24:17.749
<v Stefan Brill>dass man alle Fehlerquellen eliminiert. Das ist also schon so.

00:24:17.749 --> 00:24:20.190
<v Tim Pritlove>Kannst du das irgendwie so in Ihr Kopfhörer ertragen?

00:24:20.190 --> 00:24:22.731
<v Stefan Brill>Ich habe immer das Gefühl, ich habe so ein Babel in meinem Ohr.

00:24:22.731 --> 00:24:23.551
<v Stefan Brill>Ich finde die ganz schlimm.

00:24:24.032 --> 00:24:27.673
<v Tim Pritlove>Es gibt ja die, die auch so speziell an den Gehörgang, also an den eigenen Gehörgang

00:24:27.673 --> 00:24:31.254
<v Tim Pritlove>angepasst sind. Da mag das dann vielleicht nicht mehr ganz so störend sein.

00:24:31.674 --> 00:24:35.615
<v Stefan Brill>Ich habe es auch nicht, aber von mir selber extrapoliere ich,

00:24:35.615 --> 00:24:36.756
<v Stefan Brill>dass das fürchterlich ist.

00:24:37.616 --> 00:24:42.238
<v Tim Pritlove>Dauer mag ich das. Okay, das macht man sich glaube ich schon mal gar nicht so

00:24:42.238 --> 00:24:46.279
<v Tim Pritlove>klar, dass jetzt so dieser Ohrwaschel da so eine große Rolle spielt.

00:24:46.619 --> 00:24:49.980
<v Tim Pritlove>Und bei Leuten, die was weiß ich, irgendwelche Verletzungen haben,

00:24:49.980 --> 00:24:53.202
<v Tim Pritlove>denen mal vielleicht ein Teil des Ohres abhanden gekommen ist,

00:24:53.202 --> 00:24:56.563
<v Tim Pritlove>passt sich dann das Ohr dann daran an?

00:24:56.963 --> 00:24:59.364
<v Stefan Brill>Ja, also die haben ja meistens dann, wenn es eine Verletzung ist,

00:24:59.364 --> 00:25:03.145
<v Stefan Brill>auf der anderen Seite noch eins und dann kann unser Gehirn ist da offensichtlich

00:25:03.145 --> 00:25:08.628
<v Stefan Brill>so flexibel, dass es da durchaus sich wieder einiges rausholen kann.

00:25:08.628 --> 00:25:12.290
<v Stefan Brill>Es dauert sich ja eine Weile, bis man da wieder rankommt.

00:25:15.209 --> 00:25:20.131
<v Stefan Brill>Dinge, die man nicht mehr kann, würde man im Experiment nachweisen können. Ja, aber...

00:25:20.871 --> 00:25:23.532
<v Tim Pritlove>Hat denn das Ohrläppchen eigentlich auch irgendeine akustische Funktion?

00:25:24.512 --> 00:25:28.074
<v Tim Pritlove>Nö, ich weiß nicht. Das wirkt irgendwie so wie so ein Anhängsel.

00:25:28.334 --> 00:25:30.855
<v Tim Pritlove>So ein bisschen so der akustische Blinddarm.

00:25:31.935 --> 00:25:35.676
<v Stefan Brill>Ich habe keine Ahnung, wofür das gut ist. Also es ist ganz günstig,

00:25:35.676 --> 00:25:38.357
<v Stefan Brill>dass es so labberig ist, weil wenn man da einen Ohrstecker durchschießt,

00:25:38.357 --> 00:25:39.438
<v Stefan Brill>dann hört man das nicht so gut.

00:25:41.378 --> 00:25:46.340
<v Stefan Brill>Aber sonst keine Ahnung. Da geht jedenfalls kein Knorpel runter.

00:25:46.340 --> 00:25:48.561
<v Stefan Brill>Der Rest vom Außenohr, das ist ja alles Knorpelgespät.

00:25:48.561 --> 00:25:50.462
<v Tim Pritlove>Aber was man jetzt auf jeden Fall schon mal festhalten kann,

00:25:50.462 --> 00:25:56.704
<v Tim Pritlove>ist schon für das Ankommen des Schalls ist am Menschen und auch bei anderen

00:25:56.704 --> 00:25:59.805
<v Tim Pritlove>Tieren schon eine Menge an Vorrichtungen vorhanden,

00:25:59.805 --> 00:26:03.886
<v Tim Pritlove>um überhaupt erstmal die Zuführung der Frequenzen und Zuführung dieses Schalldrucks

00:26:03.886 --> 00:26:10.209
<v Tim Pritlove>zu leiten, zu lenken, zu optimieren und in gewisser Hinsicht halt auch ortbar zu machen.

00:26:10.209 --> 00:26:16.691
<v Tim Pritlove>Zu machen. Auf der einen Seite hat man halt dieses horizontale Hören durch Zeitverlauf.

00:26:16.691 --> 00:26:20.632
<v Tim Pritlove>Diese Zeitverläufe sind ja nicht nicht unerheblich. Also wenn man das mal so

00:26:20.632 --> 00:26:24.534
<v Tim Pritlove>ausrechnet, so wir sind jetzt irgendwie so zwei Meter entfernt,

00:26:24.534 --> 00:26:27.205
<v Tim Pritlove>das sind dann schon so ein paar Millisekunden, die da eine Rolle spielen.

00:26:27.205 --> 00:26:32.236
<v Stefan Brill>Ja gut, das sind, das ist jetzt der Laufzeitabstand hier zwischen uns,

00:26:32.236 --> 00:26:34.377
<v Stefan Brill>aber nicht der zwischen den beiden Ohren.

00:26:35.237 --> 00:26:37.418
<v Tim Pritlove>Ja, der ist geringer, aber der ist halt auch vorhanden.

00:26:37.418 --> 00:26:44.621
<v Stefan Brill>Ja, aber der ist erstaunlich klein. Also wenn ich eine Schallquelle,

00:26:44.621 --> 00:26:48.222
<v Stefan Brill>sagen wir mal, ich gehe genau nach rechts raus, vom Ohr weg und denke mir,

00:26:48.222 --> 00:26:53.004
<v Stefan Brill>dass das Schallsignal als Ebenefront ankommt, dann erreicht das natürlich das

00:26:53.004 --> 00:26:56.925
<v Stefan Brill>eine Ohr zu einem bestimmten Zeitpunkt, läuft dann sozusagen bis zum halben

00:26:56.925 --> 00:27:00.086
<v Stefan Brill>Kopf noch weiter und muss dann so einen Viertelkreis machen.

00:27:01.107 --> 00:27:06.868
<v Stefan Brill>Und der Laufzeitunterschied, den man dadurch kriegt, das ist so in der Gegend von 500 Mikrosekunden.

00:27:08.369 --> 00:27:09.670
<v Stefan Brill>Man kann es noch ein bisschen steigern

00:27:09.670 --> 00:27:13.131
<v Stefan Brill>dadurch, dass man die Schallquelle unmittelbar vor das eine Ohr setzt.

00:27:13.472 --> 00:27:16.793
<v Stefan Brill>Dann muss nämlich zum anderen Ohr wirklich ein Halbkreis gelaufen werden.

00:27:16.793 --> 00:27:20.194
<v Stefan Brill>Also einmal rum um den Kopf, dann sind wir so ungefähr bei 680-700 Mikrosekunden.

00:27:23.416 --> 00:27:29.459
<v Stefan Brill>Und das ist unheimlich kurz und das ist auch wirklich erstaunlich,

00:27:29.459 --> 00:27:31.700
<v Stefan Brill>dass unser Nervensystem das transportieren kann.

00:27:32.080 --> 00:27:39.023
<v Stefan Brill>Weil wenn man sich die Nervenfeuergeschwindigkeit eines einzelnen Nervs anguckt,

00:27:39.023 --> 00:27:45.686
<v Stefan Brill>dann kann der normalerweise höchstens so ungefähr 300 mal in der Sekunde einen

00:27:45.686 --> 00:27:51.288
<v Stefan Brill>Impuls abgeben und dann sind wir bei 3 Millisekunden Abstand zwischen einem

00:27:51.288 --> 00:27:53.089
<v Stefan Brill>und dem frühestmöglichen nächsten Feuern eines Nerfs.

00:27:54.727 --> 00:27:59.309
<v Stefan Brill>Und wie soll dann dieses Nervenskellett Zeitdifferenzen von 700 Mikrosekunden

00:27:59.309 --> 00:28:02.050
<v Stefan Brill>überhaupt kodieren und auflösen? Und es geht ja noch weiter.

00:28:02.050 --> 00:28:05.011
<v Stefan Brill>Das sind ja jetzt nur die extremsten Zeitunterschiede, die es gibt.

00:28:05.331 --> 00:28:08.292
<v Stefan Brill>Wenn das Schallsignal kommt komplett aus einer Achse.

00:28:08.733 --> 00:28:12.674
<v Stefan Brill>Aber wenn wir ein Experiment machen, was wirklich sauber konstruiert ist,

00:28:12.674 --> 00:28:17.896
<v Stefan Brill>wo wir Leute in so ein Schallfeld setzen, dann haben wir in Blickrichtung genau

00:28:17.896 --> 00:28:24.579
<v Stefan Brill>vor uns, haben wir eine Winkelauflösungsgenauigkeit von einem Grad, von einem Winkelgrad.

00:28:25.059 --> 00:28:28.741
<v Stefan Brill>Das ist so der gerade ebenmärkliche Unterschied an Winkeleinfallsrichtung.

00:28:30.381 --> 00:28:36.684
<v Stefan Brill>Und da geht es dann um Laufzeitdifferenzen, die ungefähr bei zehn Mikrosekunden liegen.

00:28:37.264 --> 00:28:46.468
<v Stefan Brill>Das ist unglaublich schnell und auf eine wundersame Art und Weise ist unser

00:28:46.468 --> 00:28:49.008
<v Stefan Brill>Gehörsystem in der Lage,

00:28:49.008 --> 00:28:55.630
<v Stefan Brill>diese Zeitunterschiede zu messen und in unserem Bewusstsein oben dann als eine

00:28:55.630 --> 00:29:00.071
<v Stefan Brill>Richtung, wo der Schall herkommt, sozusagen sich manifestieren zu lassen.

00:29:02.432 --> 00:29:06.112
<v Stefan Brill>Aber das Nervenkostüm an den entsprechenden Schaltstellen kann diese Zeitunterschiede

00:29:06.112 --> 00:29:08.713
<v Stefan Brill>auflösen. Das ist überhaupt so ein Merkmal von unserem Gehörsystem.

00:29:09.133 --> 00:29:13.694
<v Stefan Brill>Unser Gehör ist eigentlich das, was unheimlich gut mit Zeit umgehen kann.

00:29:13.694 --> 00:29:19.505
<v Stefan Brill>Unser Gehör ist eigentlich auch so eine Art Zeitwahrnehmungs- und Zeitmessorgan

00:29:19.505 --> 00:29:23.176
<v Stefan Brill>könnte man vielleicht sagen. Diese Dinge kann unser,

00:29:27.982 --> 00:29:29.143
<v Stefan Brill>akustisches Neurokostüm außerordentlich gut?

00:29:29.143 --> 00:29:35.885
<v Tim Pritlove>Offensichtlich. Man merkt das ja auch selber, wenn man mal so bewusst hört.

00:29:38.266 --> 00:29:42.407
<v Tim Pritlove>Ich fand auch schon mal diese Kunstkopfaufnahmen, wenn man sich so was mal anhört.

00:29:43.898 --> 00:29:51.170
<v Tim Pritlove>Allein diese Demonstration, dass sich diese Plastizität der Umgebung so gut,

00:29:51.170 --> 00:29:53.951
<v Tim Pritlove>perfekt will ich jetzt nicht sagen, aber doch teilweise wirklich sehr beeindruckend,

00:29:53.951 --> 00:29:57.773
<v Tim Pritlove>bei manchen Aufnahmen, man hat wirklich das Gefühl, da ist jetzt was hinter mir und so.

00:29:57.773 --> 00:30:03.395
<v Tim Pritlove>Also auch so dieses dreidimensionale, also wie ist das eigentlich so mit vorne

00:30:03.395 --> 00:30:08.376
<v Tim Pritlove>hinten, das ergibt sich quasi auch aus der Ohrform. Das Ohr ist ja quasi auch

00:30:08.376 --> 00:30:10.757
<v Tim Pritlove>vorne hinten asymmetrisch, nicht nur oben unten.

00:30:11.298 --> 00:30:15.139
<v Stefan Brill>Ja, das gibt sich ausschließlich auch aus der Ohrform und natürlich aus der,

00:30:15.139 --> 00:30:18.200
<v Stefan Brill>sagen wir mal, spektralen Zusammensetzung des Signals.

00:30:20.761 --> 00:30:24.242
<v Stefan Brill>Andere Möglichkeiten an diese vorne-hinten Informationen ranzukommen,

00:30:24.242 --> 00:30:28.623
<v Stefan Brill>haben wir nicht. Aber da gibt es auch vergleichsweise viel Verwechslung.

00:30:30.284 --> 00:30:37.007
<v Stefan Brill>Wenn man also jetzt ein naives Experiment in einem schalltoten Raum macht und

00:30:37.007 --> 00:30:40.128
<v Stefan Brill>sich denkt, das muss doch ganz einfach sein vorne und hinten,

00:30:40.128 --> 00:30:43.669
<v Stefan Brill>da kommt man manchmal drauf, dass es eben doch nicht so leicht ist.

00:30:43.669 --> 00:30:48.231
<v Stefan Brill>Wir benutzen also, in dem wie wir im Alltag herumlaufen, benutzen wir natürlich

00:30:48.231 --> 00:30:54.013
<v Stefan Brill>noch eine Menge andere Informationen, die zum Beispiel auf Reflektionen in Räumen beruhen.

00:30:54.353 --> 00:30:59.195
<v Stefan Brill>Dass wir also jetzt solche Dinge auch noch können.

00:30:59.195 --> 00:31:03.957
<v Stefan Brill>Das ist ja auch noch etwas, was wiederum eine ganz besondere Leistung unseres Gehörs ist,

00:31:03.957 --> 00:31:09.375
<v Stefan Brill>dass wir Sprache verstehen können, obwohl jetzt die Schallquelle,

00:31:09.375 --> 00:31:15.041
<v Stefan Brill>sprich der andere Sprecher, dem wir zuhören wollen, nicht nur auf direktem Schallwege zu hören ist.

00:31:15.041 --> 00:31:18.582
<v Stefan Brill>Da kommt es zwar mit höchster Intensität und am schnellsten an.

00:31:18.582 --> 00:31:24.464
<v Stefan Brill>Aber so eine Sprache wird ja auch noch zigmal überall wieder an den Wänden reflektiert

00:31:24.464 --> 00:31:29.166
<v Stefan Brill>und das kann man auch sogar sehr schön grafisch darstellen,

00:31:29.166 --> 00:31:33.188
<v Stefan Brill>wenn man sich das mal aufzeichnet oder anzeigen lässt in einem technischen System,

00:31:33.188 --> 00:31:39.331
<v Stefan Brill>wie denn so ein schneller Klick in einem relativ halligen Raum dann ausschaut.

00:31:39.331 --> 00:31:41.051
<v Stefan Brill>Da sieht man also also tausend nachklingende Nachklicks.

00:31:44.493 --> 00:31:47.854
<v Stefan Brill>Und das überlagert sich natürlich dem ersten Signal. Und wenn es dann zum Beispiel

00:31:47.854 --> 00:31:51.516
<v Stefan Brill>um Sprache geht und wir diese ganzen reflektierten Anteile,

00:31:51.516 --> 00:31:54.577
<v Stefan Brill>etwas geschwächten Anteile, die alle noch zeitverzögert hinterherkommen,

00:31:54.577 --> 00:31:57.818
<v Stefan Brill>auch noch mit drauf rechnet, muss man sich eigentlich wundern,

00:31:57.818 --> 00:32:00.039
<v Stefan Brill>dass das überhaupt geht, dass wir das überhaupt können.

00:32:00.039 --> 00:32:02.280
<v Tim Pritlove>Ich meine, irgendwann ist dann auch Schluss. Also wenn man jetzt auch einen

00:32:02.280 --> 00:32:04.761
<v Tim Pritlove>Podcast aufnimmt und man sitzt in so einer nackten Küche,

00:32:04.761 --> 00:32:09.087
<v Tim Pritlove>Dann ist es natürlich auch irgendwann nicht mehr zu verstehen,

00:32:09.087 --> 00:32:11.750
<v Tim Pritlove>oder beziehungsweise wird es dann für Einzelne immer schwerer,

00:32:11.750 --> 00:32:17.257
<v Tim Pritlove>da noch die Sprecher auseinanderzuhalten oder gleichzeitig Gesprochenes noch

00:32:17.257 --> 00:32:18.529
<v Tim Pritlove>auseinandernehmen zu können.

00:32:18.529 --> 00:32:20.942
<v Tim Pritlove>Aber es geht halt relativ relativ weit.

00:32:22.611 --> 00:32:26.232
<v Tim Pritlove>Auf der anderen Seite ist es ja auch so, wenn die Informationen des Echoes nicht

00:32:26.232 --> 00:32:30.074
<v Tim Pritlove>vorhanden sind, kommt man ja auch nicht mehr klar. Zum Beispiel in so dedizierten Turnstudios.

00:32:31.915 --> 00:32:38.297
<v Tim Pritlove>Also wo so insbesondere Aufnahmen gemacht werden für so Special Effects,

00:32:38.297 --> 00:32:42.478
<v Tim Pritlove>also wo man so wirklich einfach so die nackte Soundinformation braucht,

00:32:42.478 --> 00:32:48.260
<v Tim Pritlove>weil gemixt und beechoet und beraumt wird es dann quasi danach in dem Bearbeitungsprozess.

00:32:49.861 --> 00:32:53.222
<v Tim Pritlove>Also muss man da alles möglichst trocken aufnehmen und dann ist das Ding einfach

00:32:53.222 --> 00:32:54.502
<v Tim Pritlove>voll mit schallschluckendem Material.

00:32:55.603 --> 00:32:59.444
<v Tim Pritlove>Und das ist dann so extrem, dass wenn man da reingeht, dass man sich sofort unwohl fühlt.

00:33:00.405 --> 00:33:03.806
<v Tim Pritlove>Was, was löst das denn, also wodurch wird das denn eigentlich ausgelöst?

00:33:04.166 --> 00:33:11.156
<v Tim Pritlove>Also es ist quasi dieses, das Echo, also so würde ich das jetzt mal interpretieren,

00:33:11.156 --> 00:33:18.091
<v Tim Pritlove>verdeutlicht einem, wo man ist und die Abwesenheit von Schall nimmt einem auch Orientierung.

00:33:19.732 --> 00:33:25.214
<v Stefan Brill>Ja, also ich kann das, warum man da so ein Unwohlsein hat, kann ich nicht beantworten.

00:33:26.514 --> 00:33:29.075
<v Stefan Brill>Ich kann nur sagen, dass es mir inzwischen nicht mehr so geht.

00:33:29.075 --> 00:33:35.617
<v Stefan Brill>Also wir haben bei uns einen sehr guten schalltoten Raum unten im Keller,

00:33:35.617 --> 00:33:39.579
<v Stefan Brill>den wir halt auch für so Lokalisationsexperimente zum Beispiel mit unseren Patienten,

00:33:39.579 --> 00:33:44.300
<v Stefan Brill>um rauszufinden, ob die Schallrichtungen erhöhen können, benutzen.

00:33:46.101 --> 00:33:51.223
<v Stefan Brill>Und der Raum ist für das, was man so im Durchschnitt an Kliniken zur Verfügung

00:33:51.223 --> 00:33:53.084
<v Stefan Brill>hat, ist er außerordentlich gut.

00:33:53.444 --> 00:33:57.665
<v Stefan Brill>Also ich bin sehr glücklich über diese Möglichkeit. Und in der Anfangszeit,

00:33:57.665 --> 00:34:00.766
<v Stefan Brill>als ich da reinkomme, da hatte ich auch noch dieses seltsame bedrückende Gefühl.

00:34:01.587 --> 00:34:05.968
<v Stefan Brill>Und ich beobachte das auch immer wieder bei jetzt insbesondere bei Normalhörern,

00:34:05.968 --> 00:34:09.469
<v Stefan Brill>also Studenten oder irgendwie Leute, die man mal so reinführt.

00:34:09.469 --> 00:34:12.911
<v Stefan Brill>Die haben auch dieses Unwohlsein. Bei mir ist das vollkommen weg.

00:34:12.911 --> 00:34:14.392
<v Tim Pritlove>Gewöhnungsfaktor.

00:34:14.392 --> 00:34:18.495
<v Stefan Brill>Wahrscheinlich ein Gewöhnungsfaktor. Ich hab da auch nicht ansatzweise mehr

00:34:18.495 --> 00:34:20.556
<v Stefan Brill>Probleme. Das hört sich halt einfach so ein bisschen anders an,

00:34:20.556 --> 00:34:25.360
<v Stefan Brill>aber dieses Unwohlsein ist bei mir vollständig verschwunden.

00:34:27.462 --> 00:34:32.444
<v Stefan Brill>Ich weiß nicht so richtig, woran das liegt. Also weder wo das Unwohlsein herkommt, noch...

00:34:32.444 --> 00:34:35.545
<v Tim Pritlove>Ich meine, man berührt sich jetzt an alles. Ich meine, auch so die natürlichen

00:34:35.545 --> 00:34:38.426
<v Tim Pritlove>Lebensumgebungen sind da ja auch sehr unterschiedlich.

00:34:38.426 --> 00:34:42.438
<v Tim Pritlove>Ich meine, wenn man jetzt so im Amazonus lebt, wo die ganze Zeit ein höllen,

00:34:42.438 --> 00:34:48.090
<v Tim Pritlove>ein akustisches Höllengewitter über einen einbricht von tausend Tieren und haste

00:34:48.090 --> 00:34:53.772
<v Tim Pritlove>nicht gesehen und Bäumen und Büschen versus Leben in der Wüste,

00:34:53.772 --> 00:35:02.135
<v Tim Pritlove>Ja, wo, weiß nicht, wie gut der Sand mag noch ganz gute Reflektionsfläche darstellen,

00:35:02.135 --> 00:35:06.366
<v Tim Pritlove>aber das ist jetzt in der Regel ja nicht so viel da, was jetzt groß wiederheilen könnte.

00:35:06.936 --> 00:35:09.877
<v Tim Pritlove>Wahrscheinlich alles nur eine Frage der Gewöhnung. Trotz alledem,

00:35:09.877 --> 00:35:14.689
<v Tim Pritlove>also das, was ich damit nur sagen wollte, ist ganz offensichtlich ist diese

00:35:14.689 --> 00:35:20.881
<v Tim Pritlove>permanente Wahrnehmung von Echo auch Teil unserer Selbstwahrnehmung und wird

00:35:20.881 --> 00:35:22.242
<v Tim Pritlove>auch die ganze Zeit dekodiert.

00:35:23.762 --> 00:35:29.264
<v Stefan Brill>Ja, das ist so. Was man natürlich jetzt auch nochmal auf diesen schalltoten Raum zurückzukommen.

00:35:30.205 --> 00:35:40.568
<v Stefan Brill>Im Idealfall ist ein schalltoter Raum natürlich identisch mit völligen akustischen Vakuumen.

00:35:41.569 --> 00:35:44.550
<v Stefan Brill>Natürlich befinden wir uns in Luft, aber das Beispiel, was du gerade gesagt

00:35:44.550 --> 00:35:48.551
<v Stefan Brill>hast mit der Wüste ist ja eigentlich schon, wenn wir jetzt keine Windgeräusche

00:35:48.551 --> 00:35:51.773
<v Stefan Brill>oder solche Dinge haben, dann ist das ja, akustisch gesehen,

00:35:51.773 --> 00:35:53.533
<v Stefan Brill>fast identisch mit einem schalltoten Raum.

00:35:55.054 --> 00:35:59.155
<v Stefan Brill>Alles, was wir an Geräuschen selber abgeben, das läuft einfach weg,

00:35:59.155 --> 00:36:00.716
<v Stefan Brill>kommt nie wieder zurück.

00:36:01.216 --> 00:36:03.797
<v Stefan Brill>Und das ist ja eigentlich das, was ein schalltoter Raum machen soll.

00:36:04.317 --> 00:36:10.089
<v Stefan Brill>Es gibt auch aus den Frühzeiten noch so alte Bilder von Experimenten,

00:36:10.089 --> 00:36:15.261
<v Stefan Brill>ich glaube, das war so in 20er, vielleicht 30er Jahren, wo man noch nicht einen

00:36:15.261 --> 00:36:20.023
<v Stefan Brill>schalltoten Raum gebaut hat, sondern für Hörexperimente haben sich die Leute

00:36:20.023 --> 00:36:21.824
<v Stefan Brill>irgendwie so auf so eine Dachspitze gesetzt.

00:36:21.824 --> 00:36:23.985
<v Stefan Brill>Die haben dann so einen ganz wackeligen

00:36:23.985 --> 00:36:29.227
<v Stefan Brill>Stuhl irgendwie auf so einer Drahtkonstruktion auf dem Dach gehabt.

00:36:29.227 --> 00:36:34.689
<v Stefan Brill>Und dann saß da oben der Proband wirklich frei in der Luft und wurde irgendwo

00:36:34.689 --> 00:36:40.771
<v Stefan Brill>von einem einzelnen Lautsprecher, den man da so mit so einem Arm rumbewegen konnte, beschallt.

00:36:40.771 --> 00:36:44.573
<v Stefan Brill>Ja, das war also damals der schalltote Raum.

00:36:45.033 --> 00:36:49.375
<v Tim Pritlove>In der Mangelung der entsprechenden Materialien. Ist ja auch der totale Hightech.

00:36:49.375 --> 00:36:55.657
<v Tim Pritlove>Also hier auch so im Studio, so dieses Basotec da, ist ja eine totale Revolution, was das schluckt.

00:36:58.499 --> 00:37:04.981
<v Tim Pritlove>So, jetzt sind wir viel um den Kopf herumgekrochen und haben zur Kenntnis genommen,

00:37:04.981 --> 00:37:10.122
<v Tim Pritlove>wie der Schall jetzt ankommt. Jetzt muss er aber doch irgendwie rein in den Kopf.

00:37:10.666 --> 00:37:17.549
<v Tim Pritlove>Also er findet halt irgendwie seinen Weg in das Loch. Das Loch heißt wie? Das ist der...

00:37:18.209 --> 00:37:19.539
<v Stefan Brill>Das ist erstmal der Gehörgang.

00:37:19.539 --> 00:37:23.721
<v Tim Pritlove>Das ist der Gehörgang. Da geht es ja auch tief rein. 2 cm, 2,5 cm.

00:37:24.372 --> 00:37:29.254
<v Tim Pritlove>Man schickt ab und zu mal so einen kleinen Wattestab hinterher,

00:37:29.254 --> 00:37:37.617
<v Tim Pritlove>merkt aber auch schon, dass ist da alles sehr fragil und mehr zustechen sollte man jetzt nicht.

00:37:38.118 --> 00:37:41.039
<v Stefan Brill>Ja, das mit dem Wattestab ist sowieso keine so gute Idee,

00:37:41.039 --> 00:37:46.962
<v Stefan Brill>weil das Ohrenschmalz, was man da üblicherweise entfernen will,

00:37:46.962 --> 00:37:52.644
<v Stefan Brill>das bringt man manchmal gerade dadurch noch tiefer rein und stampft das sozusagen

00:37:52.644 --> 00:37:55.025
<v Stefan Brill>fest. Also das ist nicht unbedingt das Beste.

00:37:56.066 --> 00:37:58.146
<v Stefan Brill>Eigentlich hat das Ohr ganz ganz gute Selbstreinigungseigenschaften.

00:37:59.187 --> 00:38:05.349
<v Stefan Brill>Das hat also in der in der Hautauskleidung des Gehörgangs ist das so,

00:38:05.349 --> 00:38:09.351
<v Stefan Brill>dass zumindest über langfristige Zeiträume hinaus die obersten Hotsche Schichten

00:38:09.351 --> 00:38:15.713
<v Stefan Brill>sich so raus bewegen und alles raustransportieren unter anderem auch wenn man

00:38:15.713 --> 00:38:19.555
<v Stefan Brill>da eine Narbe hat die wächst sozusagen nach außen raus und Und...

00:38:19.555 --> 00:38:20.235
<v Tim Pritlove>Mit welcher Geschwindigkeit?

00:38:21.096 --> 00:38:24.997
<v Stefan Brill>Oh, das weiß ich nicht. Langsam. Naja, klar, das weiß ich nicht.

00:38:24.997 --> 00:38:26.568
<v Stefan Brill>Aber ich kann das nicht sagen.

00:38:27.118 --> 00:38:31.640
<v Tim Pritlove>Keine Ahnung. Pi mal Daumen, also... In einem Jahr ist alles so rausgewachsen,

00:38:31.640 --> 00:38:33.080
<v Tim Pritlove>was drin war? Oder schneller?

00:38:34.321 --> 00:38:37.062
<v Stefan Brill>Ich will mich nicht so richtig aus dem Fenster legen. Also wenn ich schätzen

00:38:37.062 --> 00:38:39.763
<v Stefan Brill>dürfte, dann würde ich sagen, das ist höchstens so Nagelwachstumsgeschwindigkeit.

00:38:40.804 --> 00:38:45.485
<v Stefan Brill>Ja, das ist ja schon recht schnell eigentlich. Aber da will ich nicht sagen,

00:38:45.485 --> 00:38:51.226
<v Stefan Brill>was mir man nennt. sagen was mir meine Ärztekollege dann später immer vorhalten.

00:38:51.226 --> 00:38:54.707
<v Tim Pritlove>Aber trotzdem interessant, also es gibt also quasi so auch so einen automatischen Reinigungsprozess.

00:38:55.968 --> 00:39:00.069
<v Stefan Brill>Ja und eigentlich ist das auch so gedacht, dass das Ohrenschmalz so trocknen

00:39:00.069 --> 00:39:00.989
<v Stefan Brill>soll und dann rauskrümelt.

00:39:02.069 --> 00:39:03.579
<v Tim Pritlove>Warum ist denn das da überhaupt drin?

00:39:05.010 --> 00:39:06.270
<v Stefan Brill>Ja also das hat...

00:39:09.064 --> 00:39:12.265
<v Stefan Brill>Bitterstoffe die drin sind die sind für

00:39:12.265 --> 00:39:16.347
<v Stefan Brill>Insekten nicht so schön deswegen finden

00:39:16.347 --> 00:39:20.148
<v Stefan Brill>sich da relativ selten mal Viecher drin

00:39:20.148 --> 00:39:23.929
<v Stefan Brill>wäre ja sonst eigentlich schön schön warm 37 grad und

00:39:23.929 --> 00:39:29.652
<v Stefan Brill>reinkriechen und so und unter anderem sind in diesem oren schmalz dinge drin

00:39:29.652 --> 00:39:33.593
<v Stefan Brill>die nicht so Angenehm sind für Insekten vier heißt nicht dass das nicht doch

00:39:33.593 --> 00:39:40.436
<v Stefan Brill>hin und wieder mal passiert Das ist aber eine von vermutlich unendlich vielen

00:39:40.436 --> 00:39:42.916
<v Stefan Brill>Funktionen, die das hat.

00:39:43.457 --> 00:39:50.399
<v Stefan Brill>Es gibt auch noch die Theorie, dass das sogar Bakterizid sei,

00:39:50.399 --> 00:39:55.701
<v Stefan Brill>aber auch da, das ist vielleicht doch ein bisschen zu nah an der Medizin wieder

00:39:55.701 --> 00:39:58.002
<v Stefan Brill>dran. Da möchte ich mich auch nicht allzu sehr aus dem Fenster legen.

00:39:58.002 --> 00:40:02.404
<v Tim Pritlove>Okay, aber es hat sozusagen seinen Sinn und es geht schon im Wesentlichen darum,

00:40:02.404 --> 00:40:07.066
<v Tim Pritlove>diesen Gehörgang als solchen zu schützen, dass er nicht von irgendetwas anderem

00:40:07.066 --> 00:40:11.518
<v Tim Pritlove>als Behausung genutzt wird oder als Einfallstor für andere Gefahren.

00:40:11.518 --> 00:40:16.771
<v Tim Pritlove>Infektionen. Und das funktioniert ja an sich auch ganz gut. Wobei es gibt ja

00:40:16.771 --> 00:40:20.103
<v Tim Pritlove>auch schon so Entzündungssachen, was nicht so Mitteleuroentzündung,

00:40:20.103 --> 00:40:22.534
<v Tim Pritlove>ich will es hier auch nicht so sehr medizinisch abgleiten.

00:40:23.775 --> 00:40:25.975
<v Stefan Brill>Ja, Mitteleuroentzündung, das ist nochmal was anderes. Aber das findet woanders

00:40:25.975 --> 00:40:28.497
<v Stefan Brill>statt. Das findet woanders statt und zwar hinter dem Trommelfell.

00:40:28.837 --> 00:40:32.799
<v Tim Pritlove>Und das Trommelfell wäre dann eigentlich das nächste, was auf Okay,

00:40:32.799 --> 00:40:38.414
<v Tim Pritlove>also dieser Gehörgang, da der schmalz ausgekleidete Anti-Ameisentunnel sozusagen,

00:40:38.414 --> 00:40:41.783
<v Tim Pritlove>der endet am Trommelfell. Was wahrscheinlich...

00:40:44.573 --> 00:40:48.494
<v Tim Pritlove>Ganz praktisch so benannt ist, weil es eben genau an ein solches auch erinnert.

00:40:48.494 --> 00:40:52.996
<v Stefan Brill>Ja, es ist nicht ganz so. Man findet das in Darstellungen öfter mal so,

00:40:52.996 --> 00:40:56.467
<v Stefan Brill>als wäre das so eine gespannte, glatte Membran, wie wirklich das von einer Trommel.

00:40:56.467 --> 00:40:58.758
<v Stefan Brill>Das stimmt aber nicht. In Wirklichkeit ist das trichterförmig.

00:40:59.238 --> 00:41:02.760
<v Stefan Brill>Nach innen geht es also rein. Also man muss sich das eher so vorstellen,

00:41:02.760 --> 00:41:06.941
<v Stefan Brill>wie vielleicht eine Lautsprechermembran, die so nach innen gewölbt ist.

00:41:08.822 --> 00:41:15.024
<v Stefan Brill>Und das hat einerseits eine mechanische Eigenschaft, das ist in sich etwas stabiler.

00:41:18.086 --> 00:41:22.908
<v Stefan Brill>Und es ist so, dass das Trommelfell so ein bisschen durchsichtig ist,

00:41:22.908 --> 00:41:27.009
<v Stefan Brill>wenn man von außen rein guckt, als Mediziner mit einem entsprechenden Instrument.

00:41:27.430 --> 00:41:31.791
<v Stefan Brill>Dann kann man auch so ein bisschen da durchgucken und sieht so ein bisschen

00:41:31.791 --> 00:41:35.753
<v Stefan Brill>so durchscheinend, sieht man die Strukturen, die hinter dem Trommelfell liegen.

00:41:36.353 --> 00:41:38.194
<v Stefan Brill>Hinter dem Trommelfeld haben wir dann das Mittelohr.

00:41:40.325 --> 00:41:43.876
<v Stefan Brill>Und das auffälligste, was man jetzt von außen auf dem Trommelfeld sieht,

00:41:43.876 --> 00:41:51.319
<v Stefan Brill>ist der Griff des Hammers. Der Hammer ist das erste von den drei Gehörknöcheln,

00:41:51.319 --> 00:41:52.379
<v Stefan Brill>die dann dahinter kommen.

00:41:55.281 --> 00:42:00.643
<v Stefan Brill>Und der Hammergriff, der klebt sozusagen etwas mehr als über den Radius des

00:42:00.643 --> 00:42:02.964
<v Stefan Brill>Trommelfelds klebt der innen dran.

00:42:03.344 --> 00:42:07.406
<v Stefan Brill>Wenn man das von außen sieht, wenn man auf ein rechtes Ohr,

00:42:07.406 --> 00:42:13.508
<v Stefan Brill>ein rechtes Trommelfell von außen drauf guckt, dann sieht man innen drin den Hammergriff,

00:42:13.508 --> 00:42:19.831
<v Stefan Brill>dran kleben und der steht so etwa auf einem 11-Uhr-Winkel, ist also sozusagen

00:42:19.831 --> 00:42:24.142
<v Stefan Brill>nach vorne geneigt bei einem rechten Ohr. Beim linken Ohr ist es natürlich symmetrisch anders.

00:42:25.073 --> 00:42:30.195
<v Stefan Brill>Und das schwingende Trommelfell, was jetzt ja mit den Schallwellen,

00:42:30.195 --> 00:42:33.916
<v Stefan Brill>die von außen einfangen, mit schwingt,

00:42:33.916 --> 00:42:42.209
<v Stefan Brill>das setzt dann auch den Hammer in Bewegung, der wiederum mit einem Gelenk verbunden

00:42:42.209 --> 00:42:47.661
<v Stefan Brill>ist mit dem Amboss und der wiederum mit einem kleinen Gelenk verbunden ist mit dem Steigbügel.

00:42:48.241 --> 00:42:51.643
<v Stefan Brill>Und hinter dem Steigbügel geht es dann ins Innenohr rein.

00:42:52.703 --> 00:42:57.624
<v Tim Pritlove>Das heißt, das Prinzip der Schallwandlung wird im Prinzip genau durch diese

00:42:57.624 --> 00:42:58.224
<v Tim Pritlove>Knöchelchen umgesetzt.

00:43:01.106 --> 00:43:04.907
<v Tim Pritlove>Also das Trommelfell nimmt den Schall auf,

00:43:04.907 --> 00:43:13.130
<v Tim Pritlove>schwingt also mit der Luft, wird durch die Luft angeregt und bewegt dadurch

00:43:13.130 --> 00:43:19.113
<v Tim Pritlove>den Hammer, der dann wiederum den Ambus bewegt und den Stapel oder den Steigbügel bewegt.

00:43:19.293 --> 00:43:23.355
<v Stefan Brill>Also das Mittelohr, vielleicht sollten wir erstmal kurz plausibel machen,

00:43:23.355 --> 00:43:25.397
<v Stefan Brill>wie das ungefähr aussieht, das Mittelohr.

00:43:25.957 --> 00:43:31.741
<v Stefan Brill>Also das Mittelohr ist eine Höhlung im Knochen, die hinter dem Trommelfell sitzt.

00:43:33.013 --> 00:43:36.174
<v Stefan Brill>Und die nicht allzu sehr in die Tiefe geht.

00:43:36.174 --> 00:43:43.097
<v Stefan Brill>Wenn man also auf die gegenüberliegende Seite hinter dem Trommelfell drauf schaut,

00:43:43.097 --> 00:43:48.839
<v Stefan Brill>die ist ziemlich nah. Das ist gerade mal so zweieinhalb Millimeter ungefähr weg.

00:43:49.559 --> 00:43:53.641
<v Stefan Brill>Da kommt so eine Knochenwölbung hervor. Dahinter sitzt nämlich schon das Innenohr.

00:43:55.322 --> 00:43:59.583
<v Stefan Brill>Diese Knochenwölbung sitzt also relativ nah am Trommelfell dran und es geht

00:43:59.583 --> 00:44:08.206
<v Stefan Brill>dann aber Aber nach hinten oben wird es größer und weiter und nach vorne unten

00:44:08.206 --> 00:44:13.268
<v Stefan Brill>geht es in die eustachische Röhre, in die Ohrtrompete.

00:44:14.589 --> 00:44:19.511
<v Stefan Brill>Diese Ohrtrompete steht in Verbindung mit unserem Nasen-Rachen-Raum,

00:44:19.511 --> 00:44:23.072
<v Stefan Brill>da ist also eine Öffnung dahin. Die ist aber normalerweise geschlossen.

00:44:24.132 --> 00:44:25.113
<v Stefan Brill>Das dient zum Druckausgleich.

00:44:27.594 --> 00:44:34.786
<v Stefan Brill>Und wir können uns ja jetzt vorstellen, dass so ein Trommelfell nicht nur Schallwellen

00:44:34.786 --> 00:44:39.098
<v Stefan Brill>aufnimmt und schwingt, sondern es gibt ja auch einen statischen Druck.

00:44:39.618 --> 00:44:42.979
<v Stefan Brill>Wenn das Trommelfell sozusagen in seiner Ruheposition sein soll,

00:44:42.979 --> 00:44:47.301
<v Stefan Brill>dann muss der statische Druck zwischen Außenwelt und Innenwelt gleich sein,

00:44:47.301 --> 00:44:50.522
<v Stefan Brill>sonst ist es erstmal grundsätzlich vorgewölbt, ein oder auswärtsgewölbt.

00:44:51.062 --> 00:44:56.864
<v Stefan Brill>Das heißt also, das System muss in der Lage sein, zwischen dem Außen- und dem

00:44:56.864 --> 00:44:59.065
<v Stefan Brill>Innendruck einen Ausgleich herzustellen.

00:44:59.385 --> 00:45:03.774
<v Stefan Brill>Auf der anderen Seite ist es natürlich auch wieder Quatsch, einfach eine permanente

00:45:03.774 --> 00:45:06.948
<v Stefan Brill>Dauerverbindung dort zu machen, weil dann hätte der Schall ja sozusagen,

00:45:06.948 --> 00:45:10.549
<v Stefan Brill>jetzt mal ganz salopp gesprochen, einen einfacheren Weg, als das Trommelfell

00:45:10.549 --> 00:45:13.550
<v Stefan Brill>in Schwingung zu setzen, dann würde es einfach den Umweg nehmen und einfach da durchlaufen.

00:45:13.550 --> 00:45:16.211
<v Tim Pritlove>Das heißt, deswegen gibt es diese Ohrtrumpete, die aber zu ist,

00:45:16.211 --> 00:45:18.612
<v Tim Pritlove>aber bei Bedarf sich öffnen kann.

00:45:20.353 --> 00:45:24.635
<v Tim Pritlove>Und das ist so dieser Flugzeugtrick, wenn man im Flugzeug sitzt und man startet

00:45:24.635 --> 00:45:27.777
<v Tim Pritlove>und der Luftdruck ändert sich.

00:45:28.257 --> 00:45:33.000
<v Tim Pritlove>Gut, es gibt halt so diesen scheinbaren Luftdruck innerhalb des Flugzeugs,

00:45:33.000 --> 00:45:38.042
<v Tim Pritlove>also auch ein Flugzeug steht ja unter Überdruck, sonst hätte man dann noch ganz

00:45:38.042 --> 00:45:43.185
<v Tim Pritlove>andere Probleme, trotz alledem nimmt der gesamte Luftdruck ab und dadurch entsteht

00:45:43.185 --> 00:45:47.567
<v Tim Pritlove>dieser Druck auf dem Ohr, den man dann wiederum korrigieren kann mit Nasensohr.

00:45:48.608 --> 00:45:49.128
<v Stefan Brill>Genau.

00:45:49.128 --> 00:45:51.889
<v Tim Pritlove>Das heißt, wenn ich so diese Luft in mich selber reindrücke,

00:45:51.889 --> 00:45:53.870
<v Tim Pritlove>dann drücke ich quasi die Ohrtrompete auf?

00:45:54.411 --> 00:45:58.553
<v Stefan Brill>Ja, eigentlich ist es so, die Ohrtrompete geht noch ein Stückchen durch den

00:45:58.553 --> 00:46:01.619
<v Stefan Brill>Knochen durch und wird dann Richtung Nasenrachenraum.

00:46:04.033 --> 00:46:07.769
<v Stefan Brill>Wird sie knorpelig und wir haben da so einen gefalteten Knorpel,

00:46:07.769 --> 00:46:12.216
<v Stefan Brill>der so ein kleines Kanälechen enthält und da sind so mehrere Muskeln dran und

00:46:12.216 --> 00:46:14.867
<v Stefan Brill>beim Schlucken oder beim Gehen werden die aufgezogen.

00:46:16.978 --> 00:46:20.079
<v Stefan Brill>Dann entfaltet sich das so ein bisschen, dann geht so ein kurzer kleiner Kanal

00:46:20.079 --> 00:46:23.581
<v Stefan Brill>auf und dann kann es dort zum Luftausgleich kommen.

00:46:23.581 --> 00:46:28.523
<v Tim Pritlove>Also wenn man nicht diesen Luft-Reinblasentrick nimmt, hilft auch einfach mal Gehen, Schlucken.

00:46:28.523 --> 00:46:31.704
<v Stefan Brill>Gähnen oder schlucken. Also wenn man so schreiende Babys im Flugzeug hat,

00:46:31.704 --> 00:46:33.805
<v Stefan Brill>die müssten wir eigentlich dazu bringen, dass sie ständig schlucken.

00:46:33.805 --> 00:46:38.206
<v Stefan Brill>Also denen irgendwie Bonbons zum Lutschen geben, dass sie ständig ordentlich weich sind.

00:46:40.247 --> 00:46:44.629
<v Stefan Brill>Also bei mir ist Gähnen das Mittel der Wahl.

00:46:45.290 --> 00:46:49.791
<v Tim Pritlove>Aber ist jetzt auch nicht Schlimmes dran, wenn man jetzt diesen Luftreindrück-Trick macht?

00:46:49.791 --> 00:46:53.112
<v Stefan Brill>Nein, ist nicht Schlimmes dran. Das geht auch mal.

00:46:53.112 --> 00:46:56.894
<v Stefan Brill>Man sollte das nur nicht mit so viel Druck machen, dass man jetzt einen Überdruck

00:46:56.894 --> 00:47:00.015
<v Stefan Brill>gegenüber der Außenwelt erzeugt. Dann holt man das Trommelfell gleich mit draußen.

00:47:00.015 --> 00:47:03.576
<v Stefan Brill>Ja und wenn man so richtig ordentlich Druck aufbaut, kann man auch schon mal

00:47:03.576 --> 00:47:05.997
<v Stefan Brill>das Trommelfell zum Reißen bringen. Das ist dann gar nicht so schön.

00:47:05.997 --> 00:47:09.019
<v Tim Pritlove>Ja das geplatzte Trommelfell, das ist ja schon so ein bisschen,

00:47:09.019 --> 00:47:14.221
<v Tim Pritlove>benutzt man immer gerne diesen Ausdruck, wie viel hält das aus?

00:47:15.942 --> 00:47:20.003
<v Tim Pritlove>Also wie sehr in Gefahr ist so? Also ich meine, sind so geplatzte Trommelfälle,

00:47:20.003 --> 00:47:22.444
<v Tim Pritlove>ist das sowieso ein gängiges Ding?

00:47:22.444 --> 00:47:26.846
<v Stefan Brill>Ja, das ist schon ein gängiges Ding. Also ein typischer Fall für ein geplatztes

00:47:26.846 --> 00:47:28.277
<v Stefan Brill>Trommelfell ist zum Beispiel eine Ohrfeige.

00:47:28.277 --> 00:47:32.188
<v Stefan Brill>Also wenn Eltern mal ordentlich ausholen und ihren Kindern eine Ohrfeige geben,

00:47:32.188 --> 00:47:36.790
<v Stefan Brill>dann kann es sein, dass die im Gehörgang kurzfristig so viel Luftdruck aufbauen

00:47:36.790 --> 00:47:40.912
<v Stefan Brill>durch die auftreffende Hand, dass das Trommelfell nach innen einreißt.

00:47:42.173 --> 00:47:46.454
<v Stefan Brill>Oder natürlich auch ein harter mechanischer Ruck sozusagen.

00:47:46.784 --> 00:47:51.216
<v Stefan Brill>Wenn ich also sehr stark ziehe, dann ziehe ich sozusagen auch die ganze Wand so ein bisschen mit.

00:47:51.216 --> 00:47:56.798
<v Stefan Brill>Aber soweit ich das weiß,

00:47:56.798 --> 00:48:03.200
<v Stefan Brill>ist es im Wesentlichen ein schlagartig-plötzlicher Schalldruck,

00:48:03.200 --> 00:48:06.582
<v Stefan Brill>den man von außen auf das Trommelfeld draufbringt.

00:48:06.922 --> 00:48:09.783
<v Stefan Brill>Und das kann dann sein, dass man das zu einer Rupatur bringt.

00:48:11.064 --> 00:48:11.684
<v Tim Pritlove>Repariert sich das?

00:48:12.384 --> 00:48:16.245
<v Stefan Brill>Ja, je nachdem, ja das repariert sich. Je nachdem wie groß das ist,

00:48:16.245 --> 00:48:18.246
<v Stefan Brill>muss man unter Umständen mal ein bisschen nachhelfen.

00:48:18.666 --> 00:48:23.008
<v Stefan Brill>Das kann, kann man zum Beispiel dadurch, also das ist so richtig der,

00:48:23.008 --> 00:48:26.269
<v Stefan Brill>der Alltagsbetrieb an den HNO-Kliniken.

00:48:26.929 --> 00:48:31.241
<v Stefan Brill>Also da kommen täglich mehr, möchte ich mal fast sagen, Patienten rein,

00:48:31.241 --> 00:48:33.192
<v Stefan Brill>denen aus irgendwelchen Gründen sowas passiert ist.

00:48:35.133 --> 00:48:39.455
<v Stefan Brill>Und was die Ärzte dann machen, die schienen das und nennen die das, so wie ein Knochen.

00:48:39.455 --> 00:48:43.097
<v Stefan Brill>In Wirklichkeit ist das so, dass man ein dünnes Plättchen aus zum Beispiel ganz

00:48:43.097 --> 00:48:48.500
<v Stefan Brill>feinem dünnen Folienmaterial auf das Trommelfell auflegt, das Trommelfell soweit

00:48:48.500 --> 00:48:52.582
<v Stefan Brill>es noch besteht sozusagen daran anlegt und dann wächst das schon wieder zusammen.

00:48:52.582 --> 00:48:58.085
<v Stefan Brill>Das ist also ganz normal, dass das Trommelfell wieder zusammenwächst,

00:48:58.085 --> 00:49:01.507
<v Stefan Brill>wenn die Verletzung nicht zu groß ist. Man muss ja auch manchmal,

00:49:02.532 --> 00:49:05.793
<v Stefan Brill>Gerade bei Kindern ist das relativ häufig, dass die sich so eine Mittelohrentzündung zuziehen.

00:49:07.374 --> 00:49:11.866
<v Stefan Brill>Das ist so in Fällen, wenn das Wachstum mal so Phasen hat, wo die eine Sache

00:49:11.866 --> 00:49:13.257
<v Stefan Brill>schon ein bisschen größer als die andere.

00:49:13.257 --> 00:49:18.439
<v Stefan Brill>Ja, Schmerzen und so. Da kann das also mal sein, dass die Ohrtrompete,

00:49:18.439 --> 00:49:22.640
<v Stefan Brill>dass die österreichische Röhre nicht so ohne Weiteres aufgeht oder auch zum

00:49:22.640 --> 00:49:23.580
<v Stefan Brill>Beispiel permanent aufbleibt.

00:49:25.421 --> 00:49:30.683
<v Stefan Brill>Und dann ist es so, dass wenn man jetzt eine Infektion hat, die sich da ins

00:49:30.683 --> 00:49:36.846
<v Stefan Brill>Trommelfell hoch bewegt, dass dann das nicht mehr sauber rausgeräumt wird durch

00:49:36.846 --> 00:49:39.427
<v Stefan Brill>den Ausgang in die Ohrtrompete.

00:49:39.427 --> 00:49:45.369
<v Stefan Brill>Und wenn man da eine Entzündung drin sitzen hat, dann muss man manchmal so einen

00:49:45.369 --> 00:49:49.110
<v Stefan Brill>kleinen Schnitt ins Trommelfell machen, damit der ganze Eiter und Entzündung rausläuft.

00:49:49.651 --> 00:49:52.442
<v Stefan Brill>Und manchmal setze mal so einen kleinen Stöpsel ein,

00:49:52.442 --> 00:49:55.393
<v Stefan Brill>der das sogar noch aufhält, so ein Röhrchen, damit da

00:49:55.393 --> 00:49:58.334
<v Stefan Brill>also Belüftung da ist und irgendwann halt

00:49:58.334 --> 00:50:01.175
<v Stefan Brill>das Trommelfell wieder zu und das Röhrchen dieses mini Also

00:50:01.175 --> 00:50:03.856
<v Stefan Brill>jetzt so ein Millimeter großes Ding das fällt dann raus und

00:50:03.856 --> 00:50:08.898
<v Stefan Brill>dann ist das Trommelfell wieder in Ordnung was wirklich ernst ist ist sozusagen

00:50:08.898 --> 00:50:15.340
<v Stefan Brill>nach hinten oben im Mittelohr dieses diese Dachwölbung könnte man das sagen

00:50:15.340 --> 00:50:19.302
<v Stefan Brill>da wo das Gelenk zwischen Hammer und Amboss drin sitzen da ist nicht Schluss

00:50:19.302 --> 00:50:22.683
<v Stefan Brill>Also es wird immer so dargestellt, als wäre da jetzt Ende.

00:50:22.683 --> 00:50:28.405
<v Stefan Brill>In Wirklichkeit kommen da aber noch eine ganze Reihe von Schleimhaut ausgekleideten

00:50:28.405 --> 00:50:31.237
<v Stefan Brill>Zellen in dem Knochen dahinter,

00:50:31.237 --> 00:50:37.269
<v Stefan Brill>kommen da noch und wenn da mal eine Entzündung da drauf überspringt und sich

00:50:37.269 --> 00:50:42.971
<v Stefan Brill>da in diese Höhlungen pneumatisiert,

00:50:42.971 --> 00:50:46.853
<v Stefan Brill>es sind pneumatisierte Knochen, so nennt man das, hat also so Lufthöhlungen drin.

00:50:47.953 --> 00:50:51.615
<v Stefan Brill>Wenn da mal eine Entzündung reinkommt, dann kann es wirklich ernst werden,

00:50:51.615 --> 00:50:55.356
<v Stefan Brill>dann kann es lebensbedrohlich werden und dann muss man da auch operativ ran

00:50:55.356 --> 00:50:57.917
<v Stefan Brill>und muss das aufmachen und da diese ganze Entzündung ausräumen.

00:50:59.298 --> 00:51:02.899
<v Stefan Brill>Das ist jetzt nicht so wahnsinnig häufig, aber das kann schon auch mal ernst sein.

00:51:02.899 --> 00:51:07.361
<v Tim Pritlove>Also auf jeden Fall ein kritischer Bereich, der sich gut schützen muss,

00:51:07.361 --> 00:51:09.482
<v Tim Pritlove>aber das eben so bei Design auch schon ganz gut macht.

00:51:09.482 --> 00:51:12.843
<v Tim Pritlove>Also mit dieser Trommelfel ist ja an sich schon mal ein Abschluss und dann diese

00:51:12.843 --> 00:51:18.585
<v Tim Pritlove>Ohrtrompete, die eben ja mit diesen sich normalerweise gut zusammendrückenden

00:51:18.585 --> 00:51:22.007
<v Tim Pritlove>Knorpeln da eigentlich dicht macht, aber eben bei Bedarf auch mal aufmachen

00:51:22.007 --> 00:51:23.527
<v Tim Pritlove>kann, um eben diesen Überdruck abzuleiten.

00:51:23.527 --> 00:51:31.390
<v Tim Pritlove>Oder Unterdruck.

00:51:31.390 --> 00:51:34.352
<v Tim Pritlove>Kompliziert, kompliziert. Aber schon interessant, dass das letztlich aber auch

00:51:34.352 --> 00:51:37.274
<v Tim Pritlove>nur so ein mechanischer Vorgang ist.

00:51:37.274 --> 00:51:42.362
<v Tim Pritlove>Also das da Luft kommt an, drückt Knöchelchen gegen Knöchelchen,

00:51:42.362 --> 00:51:46.249
<v Tim Pritlove>das gegen Knüchelchen druckt und das ist ja dann also Hammer,

00:51:46.249 --> 00:51:48.152
<v Tim Pritlove>Ambus, Steig, Bügel, was...

00:51:50.900 --> 00:51:55.222
<v Stefan Brill>Dann? Ja, wir sollten vielleicht die Aufgabe, die das hat, mal kurz anreißen.

00:51:55.622 --> 00:51:58.963
<v Stefan Brill>Das Trommelfell wird ja durch Luft bewegt.

00:52:00.524 --> 00:52:06.766
<v Stefan Brill>Und der Schall muss in Flüssigkeit rein, ins Innenohr. Das Innenohr ist flüssigkeitsgefüllt.

00:52:08.106 --> 00:52:14.789
<v Stefan Brill>Wir müssen jetzt also aus einem akustisch weichen Medium, Luft,

00:52:14.789 --> 00:52:19.540
<v Stefan Brill>in ein akustisch viel härteres Medium, Wasser, müssen wir die Schallwelle reinbringen.

00:52:20.271 --> 00:52:22.411
<v Stefan Brill>Normalerweise bei solchen Grenzübergängen wird es reflektiert.

00:52:22.932 --> 00:52:26.193
<v Stefan Brill>Diese Reflektion hat man ja an all möglichen Übergängen.

00:52:26.523 --> 00:52:31.314
<v Stefan Brill>Also wenn ich an einem See stehe und ich spreche auf die Wasseroberfläche drauf,

00:52:31.314 --> 00:52:35.626
<v Stefan Brill>der Taucher da drin hört das nicht. Und zwar weil einfach die Schallenergie

00:52:35.626 --> 00:52:38.077
<v Stefan Brill>an dieser harten Grenzfläche reflektiert wird.

00:52:38.557 --> 00:52:41.358
<v Stefan Brill>Diese Art von Reflektion gibt es ja auch bei optischen Grenzübergängen.

00:52:42.158 --> 00:52:46.660
<v Stefan Brill>Unterschiedlich dichte optische Medien, auch wieder Luft, Glas, Luft, Wasser.

00:52:50.342 --> 00:52:54.984
<v Stefan Brill>Da gibt es also diese Reflexionseffekte. Gibt es natürlich elektrisch auch,

00:52:54.984 --> 00:52:59.067
<v Stefan Brill>wenn man also eine elektrische Leitung hat, sagen wir mal, ein Koaxialkabel

00:52:59.067 --> 00:53:05.250
<v Stefan Brill>oder so und man schickt da ein Hochfrequenzsignal drüber und man hat an einer

00:53:05.250 --> 00:53:08.632
<v Stefan Brill>Stelle, weckelt man auf einmal auf ein anderes Kabel mit anderen Eigenschaften.

00:53:08.972 --> 00:53:14.495
<v Stefan Brill>Da wird ein Teil der da rein laufenden elektrischen Energie wird reflektiert,

00:53:14.495 --> 00:53:15.896
<v Stefan Brill>geht gar nicht in das andere rein.

00:53:17.597 --> 00:53:23.200
<v Stefan Brill>Technisch gesehen ist das ein Unterschied in der Impedanz, also sozusagen ein Unterschied im,

00:53:24.630 --> 00:53:30.932
<v Stefan Brill>ganz elektrotechnisch komplexen Widerstand, komplex im Sinne von mathematisch komplexer Zahl.

00:53:30.932 --> 00:53:36.554
<v Stefan Brill>Aber das wird ja jetzt als komplexe Widerstände mathematisch beschrieben.

00:53:36.554 --> 00:53:40.136
<v Stefan Brill>Und das Problem haben wir hier auch. Wir haben also das Problem,

00:53:40.136 --> 00:53:45.537
<v Stefan Brill>dass wir aus Luftschall, Flüssigkeitsschall machen müssen und dass eigentlich

00:53:45.537 --> 00:53:47.458
<v Stefan Brill>das alles ganz gerne reflektiert würde.

00:53:47.458 --> 00:53:50.199
<v Stefan Brill>Wie kriegen wir aber jetzt, wir wollen ja möglichst viel höher an,

00:53:50.199 --> 00:53:53.860
<v Stefan Brill>es ist ja evolutionär notwendig gewesen, möglichst schallempfindlich zu sein.

00:53:54.691 --> 00:53:57.642
<v Stefan Brill>Alle die, die was gehört haben, haben überlebt. Alle die nichts gehört haben,

00:53:57.642 --> 00:54:01.323
<v Stefan Brill>wurden gefressen oder haben die Warnrufe nicht gehört oder so was.

00:54:02.944 --> 00:54:09.986
<v Stefan Brill>Und jetzt muss man also dafür sorgen, dass dieser akustisch weiche Schall,

00:54:09.986 --> 00:54:14.188
<v Stefan Brill>das ist jetzt sehr naiv beschrieben, in ein hartes Medium übertragen wird.

00:54:14.188 --> 00:54:16.389
<v Stefan Brill>Und das ist die Aufgabe vom Mittelohr.

00:54:17.049 --> 00:54:22.451
<v Stefan Brill>Wir haben jetzt eine große Empfangsfläche, das Trommelfell, im Vergleich zu

00:54:22.451 --> 00:54:26.132
<v Stefan Brill>einer kleinen Fläche, die in die Flüssigkeit reingeht.

00:54:26.572 --> 00:54:35.025
<v Stefan Brill>Wir haben also die Gehörknöchelchen, die die Schallschwingungen des Trommelfells

00:54:35.025 --> 00:54:36.436
<v Stefan Brill>aufnehmen und weiterleiten.

00:54:38.277 --> 00:54:43.378
<v Stefan Brill>Und das letzte Gehörknöchelchen, der Steigbügel, der hat so eine ovale Platte,

00:54:43.378 --> 00:54:45.199
<v Stefan Brill>mit der er sozusagen in die Flüssigkeit hineinpumpt.

00:54:46.580 --> 00:54:50.081
<v Stefan Brill>Aber die Fläche dieser ovalen Platte ist viel, viel kleiner,

00:54:50.081 --> 00:54:53.962
<v Stefan Brill>als die Fläche des Trommelfels. Das ist im Prinzip sowas wie Hydraulik.

00:54:54.723 --> 00:55:00.385
<v Stefan Brill>Ich will mit wenig Kraft,

00:55:00.385 --> 00:55:07.988
<v Stefan Brill>aber großer Fläche und großer Auslenkung, kann ich viel Kraft,

00:55:07.988 --> 00:55:10.508
<v Stefan Brill>aber kleine Auslenkung auf eine kleine Fläche bringen.

00:55:10.508 --> 00:55:14.710
<v Stefan Brill>Also das Getriebe-Prinzip oder das Transformator-Prinzip ist das immer.

00:55:14.710 --> 00:55:19.932
<v Stefan Brill>Ich habe hohe Spannung, wenig Strom, übersetze ich in viel Strom,

00:55:19.932 --> 00:55:22.452
<v Stefan Brill>aber wenig Spannung der Transformator.

00:55:22.812 --> 00:55:27.894
<v Stefan Brill>Oder ich habe eine hohe Rotationsgeschwindigkeit mit wenig Kraft,

00:55:27.894 --> 00:55:31.955
<v Stefan Brill>schnell laufender Motor, wird durch

00:55:31.955 --> 00:55:36.256
<v Stefan Brill>ein Getriebe transformiert auf langsam drehend aber viel Kraft das Rad.

00:55:37.280 --> 00:55:42.202
<v Stefan Brill>Das Getriebe im Auto beispielsweise. Oder ein klassisches Beispiel auch Hydraulik.

00:55:42.583 --> 00:55:48.165
<v Stefan Brill>Ich habe irgendwie so ein geschlossenes Ölvolumen und ich pumpe an einer Stelle

00:55:48.165 --> 00:55:54.027
<v Stefan Brill>rein mit einem kleinen Durchmesser mit einem Kolben, den ich aber dann viel bewegen muss.

00:55:54.027 --> 00:55:57.349
<v Stefan Brill>Ich schiebe also ein bestimmtes Volumen rein und an der anderen Stelle habe

00:55:57.349 --> 00:55:59.990
<v Stefan Brill>ich einen großen Kolben, der wird durch dasselbe Volumen rausgedrückt.

00:56:01.011 --> 00:56:05.692
<v Stefan Brill>Aber weil er groß ist, kriege ich mit dem selben Druck viel mehr Kraft drauf.

00:56:06.233 --> 00:56:09.754
<v Stefan Brill>Das ist das selbe Prinzip hier. Ich habe also hier eine große Fläche,

00:56:09.754 --> 00:56:14.486
<v Stefan Brill>die relativ groß schwingt, übersetzt durch das Mittelohr auf eine kleine Fläche,

00:56:14.486 --> 00:56:16.777
<v Stefan Brill>die wenig schwingt und das ist die Impedanzwandlung.

00:56:17.718 --> 00:56:22.500
<v Stefan Brill>Ich kriege also aus einem akustisch weichen Medium viel Energie in das akustisch

00:56:22.500 --> 00:56:23.500
<v Stefan Brill>harte Medium Flüssigkeit.

00:56:23.700 --> 00:56:31.444
<v Tim Pritlove>Also kurz gesagt durch eine verhältnismäßig große Auftreffläche der Luft wird

00:56:31.444 --> 00:56:33.384
<v Tim Pritlove>das Ganze mechanisch so umgesetzt,

00:56:33.384 --> 00:56:35.705
<v Tim Pritlove>dass man mit einem relativ kleinen

00:56:35.705 --> 00:56:41.628
<v Tim Pritlove>Stoß in die Flüssigkeit diese Frequenz übersetzt bekommt und dadurch,

00:56:41.628 --> 00:56:48.216
<v Tim Pritlove>dass man diese Aufschlagsfläche am Steigbügel so klein vorfindet,

00:56:48.216 --> 00:56:50.151
<v Tim Pritlove>bleibt die Gesamtenergie erhalten?

00:56:53.033 --> 00:56:57.275
<v Stefan Brill>Gehen sehr große Teile, das meiste der akustischen Energie wird eben nicht wieder

00:56:57.275 --> 00:57:00.676
<v Stefan Brill>rausreflektiert, sondern geht dann tatsächlich ins Innenohr rein,

00:57:00.676 --> 00:57:02.697
<v Stefan Brill>so wie wir das haben wollen, wenn wir möglichst gut hören wollen.

00:57:04.178 --> 00:57:05.838
<v Tim Pritlove>Wer hat das jetzt ausgedacht?

00:57:06.619 --> 00:57:10.980
<v Stefan Brill>Ja, da gibt es zwei Stufen. Die erste Stufe, das haben sich schon die Reptilien

00:57:10.980 --> 00:57:12.821
<v Stefan Brill>ausgedacht. Die haben nur den Steigbügel.

00:57:14.162 --> 00:57:20.024
<v Stefan Brill>Das habe ich mal in Chicago gesehen. In Chicago gibt es ein großes naturwissenschaftliches

00:57:20.024 --> 00:57:24.386
<v Stefan Brill>Museum, Fields Museum und die haben da ein Tyrannosaurus Rex.

00:57:24.386 --> 00:57:28.087
<v Stefan Brill>Ein komplettes, vollständiges Skelett von einem Tyrannosaurus Rex rumstehen.

00:57:28.588 --> 00:57:31.749
<v Stefan Brill>Das ist also wirklich toll. Sollte man sich wirklich mal angucken,

00:57:31.749 --> 00:57:35.571
<v Stefan Brill>ist auf so Stahlträgern so aufgebaut. Man sieht eigentlich gar nicht, dass das getragen wird.

00:57:35.671 --> 00:57:40.372
<v Stefan Brill>Wirklich, ich meine, es ist ein versteinertes Skelett, also wirklich Stein,

00:57:40.372 --> 00:57:42.994
<v Stefan Brill>was die da aufgestellt haben. Und der Kopf war aber so schwer,

00:57:42.994 --> 00:57:46.335
<v Stefan Brill>dass das nicht geklappt hat. Den haben sie separat rausgelagert und haben den

00:57:46.335 --> 00:57:49.536
<v Stefan Brill>Kopf aber nachgegossen in, ich weiß nicht, irgendwie Kunststoff oder so.

00:57:50.137 --> 00:57:54.078
<v Stefan Brill>Und dann haben die beim Präparieren, ist wohl irgendjemand dabei gewesen,

00:57:54.078 --> 00:57:57.940
<v Stefan Brill>als der rauspräpariert wurde aus dem Stein und hat so eine kleine Struktur gefunden.

00:57:58.420 --> 00:57:59.740
<v Stefan Brill>Und das ist die Kolumella.

00:58:00.962 --> 00:58:10.249
<v Stefan Brill>Das ist das, was bei den Reptilien, also sprich Dinosauriern und Vögeln, der Steigbügel war.

00:58:10.949 --> 00:58:14.772
<v Stefan Brill>Das ist nur ein einziger Knochen. Bei denen, also bei unseren großen Vettern,

00:58:14.772 --> 00:58:22.438
<v Stefan Brill>der andere große Zweig der Landseu der Nabeltiere sozusagen.

00:58:31.026 --> 00:58:34.397
<v Stefan Brill>Die haben wir eine gemeinsame Erfindung mit denen und zwar die,

00:58:34.397 --> 00:58:36.708
<v Stefan Brill>dass wir nicht mehr im Wasser leichen müssen.

00:58:37.688 --> 00:58:40.999
<v Stefan Brill>Also die Amphibien, die haben ja ihre, die Bravani immer noch auf Wasser angewiesen,

00:58:40.999 --> 00:58:43.470
<v Stefan Brill>wenn sie sich fortpflanzen wollten.

00:58:45.071 --> 00:58:49.033
<v Stefan Brill>Und unsere gemeinsamen Vorfahren haben die grandiose Erfindung gemacht,

00:58:49.033 --> 00:58:51.313
<v Stefan Brill>dass wir unser Fruchtwasser mitnehmen können.

00:58:51.854 --> 00:58:54.535
<v Stefan Brill>Und dass wir deswegen auch wirklich aufs trockene konnten.

00:58:54.535 --> 00:58:55.795
<v Tim Pritlove>Also wirklich weit weg.

00:58:56.376 --> 00:59:00.237
<v Stefan Brill>Und die einen haben das gemacht, indem sie das Fruchtwasser in ein Ei gepackt haben.

00:59:00.717 --> 00:59:04.218
<v Stefan Brill>Und da drin fand die Geburt statt. Und wir haben das gemacht,

00:59:04.218 --> 00:59:06.339
<v Stefan Brill>indem wir es einfach in unseren Körper reingemacht haben.

00:59:07.300 --> 00:59:15.423
<v Stefan Brill>Und das war aber eine sehr, sehr wesentliche Erfindung im Werdegang der Landtiere gewesen,

00:59:15.423 --> 00:59:22.386
<v Stefan Brill>dass wir so ein Stückchen Wasser mitgenommen haben, beide auf eine unterschiedliche Art und Weise.

00:59:28.528 --> 00:59:31.809
<v Stefan Brill>Und die ganze Zweig Reptilien, die haben eben nur den Steigbügel.

00:59:33.030 --> 00:59:38.391
<v Stefan Brill>Und da ist eine direkte Stegverbindung zwischen dem Trommelfell und der Fußplatte

00:59:38.391 --> 00:59:42.513
<v Stefan Brill>von dem Steigbügel. Aber da ist dieses große Fläche auf kleine Fläche Prinzip

00:59:42.513 --> 00:59:43.323
<v Stefan Brill>schon drin verwirklicht.

00:59:44.114 --> 00:59:50.796
<v Stefan Brill>Und erst der andere Zweig, die Säugetiere, die haben diese beiden zusätzlichen

00:59:50.796 --> 00:59:55.077
<v Stefan Brill>Knöchelchen noch. Und da kommt jetzt noch ein zusätzlicher Effekt, nämlich ein Hebel dazu.

00:59:55.758 --> 01:00:00.099
<v Stefan Brill>Der Hebel vom Hammer, das hatte ich ja vorher gesagt, der Hammer hat ja seinen

01:00:00.099 --> 01:00:02.800
<v Stefan Brill>Hammergriff, der klebt sozusagen innen am Trommelfeld dran.

01:00:03.421 --> 01:00:07.942
<v Stefan Brill>Der Hebel ist länger als der Hebel vom Steigbügel, äh, Entschuldigung,

01:00:07.942 --> 01:00:09.823
<v Stefan Brill>vom Amboss, der auf den Steigbügel drückt.

01:00:09.883 --> 01:00:13.364
<v Stefan Brill>Das kommt also auch noch mal noch ein zusätzlicher Effekt hinzu,

01:00:13.364 --> 01:00:16.045
<v Stefan Brill>dass wir auch noch so eine Hebelübersetzungsgeschichte haben.

01:00:16.045 --> 01:00:17.346
<v Tim Pritlove>Also quasi so ein Verstärker.

01:00:18.026 --> 01:00:20.987
<v Stefan Brill>Könnte man sagen, aber das ist im Prinzip auch noch mal dieses Getriebe-Prinzip.

01:00:21.848 --> 01:00:25.709
<v Stefan Brill>Kleines Zahnrad, großes Zahnrad. Genau, langer Hebel, viel Auslenkung,

01:00:25.709 --> 01:00:29.330
<v Stefan Brill>geht auf kurzen Hebel, wenig Auslenkung, aber dann mehr Kraft.

01:00:30.051 --> 01:00:34.692
<v Stefan Brill>Und was entwicklungsgeschichtlich wirklich eine faszinierende Sache ist,

01:00:34.692 --> 01:00:39.834
<v Stefan Brill>dass dieses Gelenk zwischen Hammer und Ambos, das war bei unseren gemeinsamen Vorfahren,

01:00:39.834 --> 01:00:45.697
<v Stefan Brill>also unseren Säugetier- und Dinosauriervögel-Reptilien-Vorfahren,

01:00:45.697 --> 01:00:48.798
<v Stefan Brill>die gemeinsame Vorfahren, bei denen war das, und bei denen davor natürlich erst

01:00:48.798 --> 01:00:52.539
<v Stefan Brill>recht, also bis zu den Fischen zurück, war das eigentlich das Kiefergelenk.

01:00:53.640 --> 01:00:58.902
<v Stefan Brill>Und das Kiefergelenk ist sozusagen nach und nach nach hinten gewandert.

01:00:58.902 --> 01:01:04.423
<v Stefan Brill>Ursprünglich bestand der Kiefer aus zwei Knochen vorne und der vorderen Zahnteil und dem Os.

01:01:06.247 --> 01:01:11.608
<v Stefan Brill>Quadratum oben und Os, ich glaube Articulum unten. Und die beiden waren sozusagen

01:01:11.608 --> 01:01:14.650
<v Stefan Brill>verwachsen mit dem Oberkiefer und dem Unterkiefer und hatten dieses Gelenk.

01:01:15.330 --> 01:01:18.891
<v Stefan Brill>Und die haben sich nach und nach nach hinten verlagert, sind kleiner und kleiner

01:01:18.891 --> 01:01:22.712
<v Stefan Brill>geworden, haben sich dann sozusagen, den Stapes hat es gewissermaßen schon immer

01:01:22.712 --> 01:01:24.433
<v Stefan Brill>gegeben, ist jetzt sehr salopp, aber.

01:01:24.433 --> 01:01:29.005
<v Stefan Brill>Und die haben sich sozusagen nach hinten verlagert und sind in der ganzen Säugetierwelt,

01:01:29.005 --> 01:01:32.636
<v Stefan Brill>sind die zu Hammer und Ambos geworden.

01:01:33.417 --> 01:01:37.738
<v Stefan Brill>Ambos ist früher der obere Teil, Hammer ist der untere Teil gewesen.

01:01:39.319 --> 01:01:44.100
<v Stefan Brill>Und der vordere Teil der beiden Knochen oben und unten, was ursprünglich nur

01:01:44.100 --> 01:01:47.242
<v Stefan Brill>der Zahnteil ist, der ist nach hinten immer größer und größer geworden und hat

01:01:47.242 --> 01:01:49.102
<v Stefan Brill>dann irgendwann die Gelenkfunktion mit übernommen.

01:01:49.543 --> 01:01:56.605
<v Stefan Brill>Also wenn man diese ganzen Änderungen, also wir reden jetzt noch von der Zeit,

01:01:56.605 --> 01:02:03.988
<v Stefan Brill>wo das auseinandergelaufen ist, Vor Dinozaue, also Erzeitalter Perm, vor Mesozoicum.

01:02:04.488 --> 01:02:07.929
<v Stefan Brill>Da ist das sozusagen auseinandergelaufen und wir haben...

01:02:07.929 --> 01:02:14.011
<v Tim Pritlove>Konnten denn die Fische damit auch schon... Also war da auch schon eine Hörfähigkeit mit verbunden?

01:02:14.852 --> 01:02:17.272
<v Stefan Brill>Ich kann nicht beantworten, ob die Fische eine Kolumela hatten.

01:02:17.272 --> 01:02:18.993
<v Stefan Brill>Nee, hatten die nicht. Hatten sie nicht.

01:02:18.993 --> 01:02:20.433
<v Tim Pritlove>Das heißt, sie konnten gar nicht hören?

01:02:20.433 --> 01:02:24.005
<v Stefan Brill>Doch, die konnten schon. Also die hatten Vibrations... Die haben vor allen Dingen

01:02:24.005 --> 01:02:27.556
<v Stefan Brill>ein Gleichgewichtssystem gehabt. Die haben vor allen Dingen ein Gleichgewichtssystem,

01:02:27.556 --> 01:02:28.536
<v Stefan Brill>aber die haben auch schon Vibrationswahrnehmungsfähigkeit.

01:02:30.217 --> 01:02:30.637
<v Tim Pritlove>Gehabt.

01:02:32.638 --> 01:02:38.900
<v Stefan Brill>Hören im strengen Sinn würde ich das jetzt nicht nennen, weil ein Teil des Gleichgewichtsorgans

01:02:38.900 --> 01:02:43.061
<v Stefan Brill>der Fische ist dann erst zum Hörteil geworden.

01:02:43.061 --> 01:02:48.103
<v Stefan Brill>Also das Gleichgewichtsorgan war eigentlich früher da, nämlich bei den Fischen schon.

01:02:48.723 --> 01:02:49.964
<v Tim Pritlove>Da kommen wir gleich drauf.

01:02:51.584 --> 01:02:56.286
<v Stefan Brill>Eigentlich sind wir schon mitten drin. Also wenn ich mal so ein dreidimensional

01:02:56.286 --> 01:03:00.537
<v Stefan Brill>lebendes Tier habe, wie so ein Fisch. Also der kann vor, zurück, weg, hin.

01:03:00.537 --> 01:03:01.139
<v Tim Pritlove>Okay. Also...

01:03:04.145 --> 01:03:07.986
<v Tim Pritlove>Der Tyrannosaurus hatte im Prinzip schon so eine ähnliche Hörgeschichte,

01:03:07.986 --> 01:03:15.589
<v Tim Pritlove>war bloß nicht so fein ausgeformt wie bei den Säugetieren, bei denen immer jetzt

01:03:15.589 --> 01:03:18.110
<v Tim Pritlove>dieser Hammerambus zu finden ist.

01:03:18.110 --> 01:03:21.672
<v Tim Pritlove>Also das ist quasi, was alle Säugetiere vereint, so hören, funktioniert so.

01:03:22.392 --> 01:03:23.813
<v Tim Pritlove>Dann aber in unterschiedlichen Ausprägungen.

01:03:24.793 --> 01:03:28.554
<v Tim Pritlove>Was sind denn so die besten Hörer in der Tierwelt, in der Säugetierwelt?

01:03:29.215 --> 01:03:31.496
<v Tim Pritlove>Wer hört denn am besten? kann man das sagen?

01:03:32.296 --> 01:03:34.837
<v Stefan Brill>Im Prinzip muss man das frequenzspezifisch angehen.

01:03:34.837 --> 01:03:37.248
<v Tim Pritlove>Ja gut, aber ich weiß nicht, da fällt dir jetzt gerade mal ein Beispiel ein

01:03:37.248 --> 01:03:40.259
<v Tim Pritlove>für irgendwas. Meine Hunde hören ja zum Beispiel deutlich besser als wir.

01:03:40.259 --> 01:03:43.561
<v Stefan Brill>Ja, die hören vor allen Dingen zu höheren Frequenzen hin. Die haben also einen

01:03:43.561 --> 01:03:45.501
<v Stefan Brill>Frequenzbereich, den wir nicht hören können.

01:03:45.501 --> 01:03:49.543
<v Tim Pritlove>Aber bei denen ist jetzt konzeptionell nichts grundsätzlich anders.

01:03:49.543 --> 01:03:53.745
<v Tim Pritlove>Ist da irgendwie jetzt in diesem mechanischen Bereich irgendwas besser ausgeprägt,

01:03:53.745 --> 01:03:58.727
<v Tim Pritlove>wird da, noch mehr Hebel erzeugt, dass das quasi,

01:03:58.727 --> 01:04:03.289
<v Tim Pritlove>also dass dieses feinere Hören durch das noch effizientere Transformieren von

01:04:03.289 --> 01:04:08.471
<v Tim Pritlove>Luftschall zu Wasserschall schonmal eingeleitet wird oder ist das eher eine

01:04:08.471 --> 01:04:09.671
<v Tim Pritlove>Frage der späteren Verarbeitung?

01:04:10.011 --> 01:04:14.133
<v Stefan Brill>Das ist eigentlich eher eine Frage der Konstruktion der Hörschnecke.

01:04:14.673 --> 01:04:22.196
<v Stefan Brill>Wie groß und mit wie viel Nervenzellen die angelegt ist und wie die mechanisch ausgeprägt ist.

01:04:22.796 --> 01:04:26.878
<v Stefan Brill>Also es gibt bei uns, da sind wir jetzt noch nicht, was die Hörschnecke angeht.

01:04:27.098 --> 01:04:29.539
<v Stefan Brill>Vielleicht sollten wir die anderen Sachen erst mal abhaken.

01:04:30.680 --> 01:04:35.321
<v Stefan Brill>Aber zum Beispiel die Anzahl der Windungen der Schnecke, die ist unterschiedlich je nach Säugetierart.

01:04:35.822 --> 01:04:41.094
<v Tim Pritlove>Ich wollte jetzt nur mal festhalten, ob es sozusagen dann noch mal grundsätzliche

01:04:41.094 --> 01:04:44.465
<v Tim Pritlove>mechanische Unterschiede gibt, aber das ist dem scheint nicht so zu sein.

01:04:44.465 --> 01:04:46.086
<v Stefan Brill>Nein, das ist prinzipiell nicht so.

01:04:47.828 --> 01:04:52.610
<v Tim Pritlove>Wo kommt denn jetzt dieses Gleichgewicht ins Spiel? Also dass unser Gleichgewichtsinn

01:04:52.610 --> 01:04:57.073
<v Tim Pritlove>dort angesiedelt ist, das ist mir wohl auch bewusst, aber ich wüsste jetzt ehrlich

01:04:57.073 --> 01:04:58.794
<v Tim Pritlove>gesagt noch nicht so genau wo eigentlich.

01:04:59.275 --> 01:05:03.918
<v Stefan Brill>Ja, also gehen wir erstmal von der Notwendigkeit aus, was man braucht.

01:05:03.918 --> 01:05:08.741
<v Stefan Brill>Gehen wir mal vom Fisch aus. Fisch kann sich dreidimensional bewegen oder befindet

01:05:08.741 --> 01:05:13.384
<v Stefan Brill>sich in einem dreidimensionalen Raum, in dem er sich prinzipiell bewegen kann.

01:05:13.384 --> 01:05:18.007
<v Stefan Brill>Der kann vor zurück, seitwärts und hoch und runter.

01:05:19.686 --> 01:05:23.047
<v Stefan Brill>Viele Säugetiere sind im Wesentlichen zweidimensional

01:05:23.047 --> 01:05:26.128
<v Stefan Brill>hoch und runter gibt es nicht für eine antilope die bewegt sie eigentlich in

01:05:26.128 --> 01:05:30.310
<v Stefan Brill>der Ebene Wir sind sozusagen zweieinhalb dimensional könnte man vielleicht mal

01:05:30.310 --> 01:05:33.171
<v Stefan Brill>sagen wir können bäume rauf und runter klettern wir haben einen sinn für hoch

01:05:33.171 --> 01:05:37.153
<v Stefan Brill>hoch und runter Aber so richtig frei in der dritten dimension sind wir eigentlich

01:05:37.153 --> 01:05:41.694
<v Stefan Brill>nicht das sind die vögel wieder die können rauf und runter fliegen die haben Okay,

01:05:41.694 --> 01:05:44.896
<v Stefan Brill>wenn man also jetzt mal von der dreidimensionalen Welt ausgeht,

01:05:44.896 --> 01:05:49.424
<v Stefan Brill>in der man sich orientieren und bewegen will, dann ist es sinnvoll,

01:05:49.424 --> 01:05:54.409
<v Stefan Brill>ein sensorisches System zu haben, was

01:05:54.409 --> 01:06:02.263
<v Stefan Brill>die 6 Freiheitsgrade der Bewegung im dreidimensionalen Raum messen kann.

01:06:02.723 --> 01:06:04.863
<v Stefan Brill>Und zwar gibt es 3 translatorische Vor-Zurück, Rechts-Links, Rauf-Runter.

01:06:09.606 --> 01:06:10.926
<v Stefan Brill>Das sind aber reine Verschiebebewegungen.

01:06:13.107 --> 01:06:14.627
<v Stefan Brill>Dann gibt es drei rotatorische Bewegungen.

01:06:17.069 --> 01:06:22.391
<v Stefan Brill>So um die Achse, um die Vorwärtsachse drehen, dann vorwärts kippen oder zurück,

01:06:22.391 --> 01:06:29.914
<v Stefan Brill>also Schaukelstuhl und rechts-links drehen.

01:06:31.185 --> 01:06:38.717
<v Stefan Brill>Und die Fische, die haben für diese sechs Bewegungsmodi,

01:06:38.717 --> 01:06:42.959
<v Stefan Brill>Mechaniker reden eben von sechs Freiheitsgraden der Bewegung,

01:06:42.959 --> 01:06:46.680
<v Stefan Brill>also ich habe irgendeinen Körper hier, ich bewege den irgendwie woanders hin

01:06:46.680 --> 01:06:51.162
<v Stefan Brill>und dann kann ich jede Positionsänderung eines Körpers im dreidimensionalen

01:06:51.162 --> 01:06:52.903
<v Stefan Brill>Raum kann ich aus diesen sechs Komponenten zusammensetzen.

01:06:53.643 --> 01:06:56.004
<v Stefan Brill>Ein bisschen vorwärts, ein bisschen seitwärts, ein bisschen rauf,

01:06:56.004 --> 01:06:58.385
<v Stefan Brill>aber dann um so viel Winkel darüber, darüber, darüber gedreht.

01:07:00.927 --> 01:07:04.851
<v Stefan Brill>Dafür ein Sinnesorgan zu haben, wäre eine schlaue Sache und die Fische haben

01:07:04.851 --> 01:07:08.694
<v Stefan Brill>das entwickelt. Die Fische haben deswegen diese drei Bogengänge.

01:07:10.451 --> 01:07:14.652
<v Stefan Brill>Das sind drei Höhlungen mit flüssigkeitsgefüllte Windungen drin.

01:07:14.652 --> 01:07:16.453
<v Stefan Brill>Die stehen genau senkrecht zueinander.

01:07:16.953 --> 01:07:21.455
<v Stefan Brill>Und wenn ich jetzt einen solchen Bogengang so orientiert habe und ich drehe

01:07:21.455 --> 01:07:25.596
<v Stefan Brill>genau um die Mittelachse dieses Bogengangs, dann kann dieser Bogengang diese

01:07:25.596 --> 01:07:29.337
<v Stefan Brill>Rotationsbewegung messen, während die anderen beiden nichts messen.

01:07:29.337 --> 01:07:33.519
<v Tim Pritlove>Ach so, verstehe. Das heißt, man dreht sich um die eine Achse und man hat so

01:07:33.519 --> 01:07:36.660
<v Tim Pritlove>ein kreisförmiges, mit Flüssigkeit gefüllten Bogengang.

01:07:38.081 --> 01:07:43.349
<v Tim Pritlove>Gang in dem Moment, wo dann diese der der Richtung dieses Kreises entsprechende

01:07:43.349 --> 01:07:47.904
<v Tim Pritlove>Bewegung tatsächlich stattfindet bleibt ja quasi die Flüssigkeit stehen und

01:07:47.904 --> 01:07:55.487
<v Tim Pritlove>bewegt sich quasi nicht relativ so ein natürliches Gyroskop wo man Ja,

01:07:55.487 --> 01:08:00.409
<v Tim Pritlove>okay das basiert natürlich auf dem Fundamentale anderen Prinzip aber also wenn

01:08:00.409 --> 01:08:03.550
<v Tim Pritlove>ich so eine Kaffeetasse gefüllt mit Kaffee auf dem Tisch stehen habe und ich

01:08:03.550 --> 01:08:08.732
<v Tim Pritlove>drehe die dann bleibt der Kaffee erstmal stehen Und dann gibt es eine Sensorik,

01:08:08.732 --> 01:08:13.454
<v Tim Pritlove>die quasi merkt, dass die Flüssigkeit sich auf einmal relativ zu dem festen Teil bewegt.

01:08:13.454 --> 01:08:17.415
<v Stefan Brill>So, und jetzt habe ich in der Kaffeetassenwand, habe ich irgendwie einen Sensor,

01:08:17.415 --> 01:08:18.895
<v Stefan Brill>der diese vorbeiströmende Flüssigkeit bemerkt.

01:08:20.636 --> 01:08:23.758
<v Stefan Brill>Und wenn ich die Kaffeetasse drehe, dann merkt der Sensor hier,

01:08:23.758 --> 01:08:26.119
<v Stefan Brill>die Flüssigkeit hier bewegt sich relativ zu mir.

01:08:26.119 --> 01:08:29.660
<v Tim Pritlove>Was sind das dann so Härchen, die dann so hin und her gedrückt werden?

01:08:30.421 --> 01:08:38.144
<v Stefan Brill>Ganz genau. Also es gibt dann in den Borgengängen, da wo die zusammen laufen,

01:08:38.144 --> 01:08:40.384
<v Stefan Brill>die sind also an einer Stelle gemeinsam miteinander flüssigkeitsverbunden.

01:08:42.285 --> 01:08:45.126
<v Stefan Brill>Da gibt es in der Nähe davon, gibt es so Verdickungen.

01:08:45.927 --> 01:08:49.268
<v Stefan Brill>Also wie gesagt, das muss man sich jetzt vorstellen als Hohlräume,

01:08:49.268 --> 01:08:53.930
<v Stefan Brill>also ringförmige Hohlräume in einem sehr festen Knochen eingebettet.

01:08:55.851 --> 01:09:01.479
<v Stefan Brill>Diese Hohlräume sind flüssigkeitsgefüllt und ich habe an bestimmten Stellen Verdickungen,

01:09:01.479 --> 01:09:09.891
<v Stefan Brill>das sind die Ampullee und da drin sitzt ein Sensorium, was diese Flüssigkeitsbewegung

01:09:09.891 --> 01:09:12.054
<v Stefan Brill>aufzunehmen in der Lage ist.

01:09:13.360 --> 01:09:19.963
<v Stefan Brill>Und wenn ich jetzt eine entsprechende rotatorische Bewegung des Kopfes ausführe,

01:09:19.963 --> 01:09:24.864
<v Stefan Brill>dann kommen halt partiell einige von diesen Bogengängen, kommen dann halt in

01:09:24.864 --> 01:09:27.665
<v Stefan Brill>Bewegung und je nachdem genau wie die Drehbewegung stattfindet,

01:09:27.665 --> 01:09:32.407
<v Stefan Brill>halt auch mal einer, wenn es genau um dessen Achse geht, in voller Ausprägung

01:09:32.407 --> 01:09:33.768
<v Stefan Brill>und anderer vielleicht gar nicht.

01:09:34.568 --> 01:09:37.249
<v Stefan Brill>Und natürlich ist es auch so, so ähnlich wie bei der Kaffeetasse,

01:09:37.249 --> 01:09:40.490
<v Stefan Brill>wenn ich die drehe und drehe und drehe und einfach gleichmäßig weiter.

01:09:40.490 --> 01:09:43.631
<v Stefan Brill>Irgendwann geht der Kaffee schon mit, weil da ist ja Reibung zur Wand.

01:09:44.052 --> 01:09:50.194
<v Stefan Brill>Irgendwann ist die Flüssigkeit in Synchronisation, also dreht sich mit dem ganzen

01:09:50.194 --> 01:09:52.855
<v Stefan Brill>System durch. Wenn ich dann auf einmal die Kaffeetasse wieder festhalte,

01:09:52.855 --> 01:09:56.956
<v Stefan Brill>dann dreht sich die Flüssigkeit weiter. Das ist dieser Drehwurm.

01:09:57.897 --> 01:10:07.620
<v Stefan Brill>Wozu Drogen, wenn ich Drehstühle habe? Setze ich also auf den Drehstuhl und drehe mich so lange, bis

01:10:07.980 --> 01:10:14.524
<v Stefan Brill>alle Flüssigkeit sauber mitgehe und dann halte ich das Kind fest und das Kind

01:10:14.524 --> 01:10:20.067
<v Stefan Brill>findet das ganz priver, das jetzt dadurch dagegen torkelt, weil es Fehlinformation bekommt.

01:10:20.067 --> 01:10:24.549
<v Stefan Brill>Die Flüssigkeit rotiert innen drin weiter, ein bisschen langsam nach und nach

01:10:24.549 --> 01:10:26.270
<v Stefan Brill>wieder zum Stillstand kommt, ist ja auch klar.

01:10:27.411 --> 01:10:31.223
<v Stefan Brill>Und solange die Flüssigkeit weiter rotiert, kriege ich die falsche Information,

01:10:31.223 --> 01:10:32.553
<v Stefan Brill>dass ich mich noch im Raum drehe.

01:10:33.863 --> 01:10:37.324
<v Tim Pritlove>Das heißt, die Fischer hatten einfach dieses Gleichgewichtsorgan schon früh

01:10:37.324 --> 01:10:41.026
<v Tim Pritlove>ausgebildet, weil der Bedarf war absolut gegeben.

01:10:42.086 --> 01:10:46.208
<v Tim Pritlove>Aber es war eben auch nur das. Ein Hören war in dem Sinne so nicht mit dabei.

01:10:46.768 --> 01:10:51.970
<v Tim Pritlove>Aber dann im Schritte der Evolution hat sich dann dieser überflüssige Knochen

01:10:51.970 --> 01:10:56.791
<v Tim Pritlove>da so in die Gegend bewegt und da noch was anderes draus gemacht.

01:10:56.791 --> 01:11:00.353
<v Stefan Brill>Kann man so sagen? Es gibt einen wesentlichen Punkt, müssen wir noch dazu sagen.

01:11:00.353 --> 01:11:06.075
<v Stefan Brill>Diese Bogengänge sind ja, die decken ja nur drei von diesen freiheitsgradende

01:11:06.075 --> 01:11:07.495
<v Stefan Brill>Bewegungen ab, nämlich die drei rotatorischen.

01:11:08.055 --> 01:11:11.016
<v Stefan Brill>Wir haben ja auch noch die drei translatorischen vor, zurück,

01:11:11.016 --> 01:11:13.977
<v Stefan Brill>rechts, links, hoch, runter, ohne dass wir uns drehen. Ja.

01:11:14.478 --> 01:11:18.019
<v Stefan Brill>Dafür gibt es nochmal eigene, ein eigenes Sensorium.

01:11:18.779 --> 01:11:20.000
<v Tim Pritlove>Aber beim Fisch nicht, oder wie?

01:11:20.000 --> 01:11:26.122
<v Stefan Brill>Doch, beim Fisch schon auch. Beim Fisch gibt es zumindestens bei einigen Formen,

01:11:26.122 --> 01:11:29.943
<v Stefan Brill>aber da gehen jetzt meine biologischen Kenntnisse, Gehen wir aus.

01:11:30.904 --> 01:11:35.586
<v Stefan Brill>Da gab es auch für diese translatorische Bewegung gab es drei Sensoren.

01:11:36.686 --> 01:11:37.187
<v Tim Pritlove>Ja.

01:11:37.527 --> 01:11:44.510
<v Stefan Brill>Bei uns gibt es nur noch zwei. Und ohne dass ich jetzt irgendwelchen Entwicklungsbiologen

01:11:44.510 --> 01:11:49.572
<v Stefan Brill>da vorgreifen möchte, muss man also jemanden fragen, der sich damit richtig ausfindet.

01:11:49.912 --> 01:11:58.483
<v Stefan Brill>Ist es, glaube ich, so, dass aus einem dieser drei translatorischen Messsysteme

01:11:58.483 --> 01:12:01.638
<v Stefan Brill>unser Hörsystem geworden ist.

01:12:01.638 --> 01:12:06.060
<v Stefan Brill>Also wir haben sozusagen eines von den drei translatorischen aufgegeben und

01:12:06.060 --> 01:12:09.061
<v Stefan Brill>haben das ins Hörorgan langsam umentwickelt.

01:12:10.322 --> 01:12:13.243
<v Stefan Brill>Jetzt gucken wir uns erstmal die translatorischen nochmal an.

01:12:13.243 --> 01:12:14.743
<v Stefan Brill>Angenommen wir haben eine Fläche.

01:12:16.138 --> 01:12:20.520
<v Stefan Brill>Mit einem Sensorium, was Bewegung erfassen kann.

01:12:20.520 --> 01:12:24.201
<v Stefan Brill>Und ich klebe auf die Fläche, klebe ich eine träge Masse drauf.

01:12:24.201 --> 01:12:30.296
<v Stefan Brill>Bei uns ist das so eine galertartige Masse, die mit so Calcium-Kristall,

01:12:30.296 --> 01:12:34.804
<v Stefan Brill>Knochen-Kristall, könnte man sagen, Steinchen gefüllt ist, sogenannte Otolithen.

01:12:36.705 --> 01:12:41.267
<v Stefan Brill>Und wenn ich jetzt schlagartig das hochbewege, dann geht die träge Masse verzögert mit.

01:12:42.327 --> 01:12:45.448
<v Tim Pritlove>Also wir reden jetzt von so einer vertikal stehenden Fläche.

01:12:45.448 --> 01:12:48.909
<v Stefan Brill>Genau, wir hätten eine vertikal stehende Fläche,

01:12:48.909 --> 01:12:55.992
<v Stefan Brill>auf der seitlich angeordnet eine Anzahl von Sinneszellen,

01:12:55.992 --> 01:13:03.039
<v Stefan Brill>das sind jetzt spezialisierte Nervenzellen, drauf sitzen, die eine Verbiegung

01:13:03.039 --> 01:13:05.195
<v Stefan Brill>wahrnehmen können sensorisch.

01:13:05.195 --> 01:13:07.936
<v Tim Pritlove>Also es ist ungefähr so, als ob ich jetzt so ein Marmeladenbrot schmiere und

01:13:07.936 --> 01:13:14.118
<v Tim Pritlove>das senkrecht halte und dann nach oben ziehe, dann bleibt die Marmelade etwas zurück sozusagen.

01:13:14.118 --> 01:13:18.200
<v Stefan Brill>Also ich habe jetzt Marmelade, die mir melden kann, dass sie verschoben wird in sich.

01:13:18.640 --> 01:13:21.161
<v Tim Pritlove>Weil da auch wieder so Herrchen sind.

01:13:21.161 --> 01:13:25.042
<v Stefan Brill>Genau. Und jetzt klebe ich auf die, sagen wir mal so, ich nehme mein Marmeladenbrot.

01:13:25.782 --> 01:13:30.244
<v Stefan Brill>Die Marmelade, die ist jetzt verschiebeempfindlich in sich.

01:13:30.884 --> 01:13:36.526
<v Stefan Brill>Und ich setze auf die Marmelade obendrauf von mir aus noch ein Stück Leberkäs.

01:13:37.226 --> 01:13:40.588
<v Stefan Brill>Und der ist jetzt schwerer als die Marmelade. Und jetzt bewege ich das Marmeladenbrot

01:13:40.588 --> 01:13:44.189
<v Stefan Brill>hin und her, dann geht der Leberkäs zeitverzögert mit.

01:13:44.909 --> 01:13:48.770
<v Stefan Brill>Weil er träger ist, weil er eine Trägermasse hat. Und das Marmeladenbrot haben

01:13:48.770 --> 01:13:49.831
<v Stefan Brill>wir ja jetzt so konstruiert,

01:13:49.831 --> 01:13:55.703
<v Stefan Brill>dass die Marmelade diese Scherbewegung wahrnehmen kann und dann kann das Marmeladenbrot

01:13:55.703 --> 01:14:01.815
<v Stefan Brill>die Stärke der Beschleunigung messen, weil mit einer konstanten Beschleunigung

01:14:01.815 --> 01:14:04.596
<v Stefan Brill>geht ja mein Lebercase immer zeitverzögert mit.

01:14:04.596 --> 01:14:06.977
<v Stefan Brill>Das ist ja Beschleunigung mit Kraft.

01:14:08.718 --> 01:14:13.480
<v Stefan Brill>Und damit habe ich einen Beschleunigungssensor konstruiert, der genau in der

01:14:13.480 --> 01:14:16.381
<v Stefan Brill>Ebene funktioniert, wie das Marmeladenbrot liegt.

01:14:16.782 --> 01:14:21.204
<v Stefan Brill>Und das kann ich jetzt senkrecht stellen oder leicht verkippt in den Raum stellen

01:14:21.204 --> 01:14:24.505
<v Stefan Brill>oder waagerecht stellen. Ich kann das in verschiedene Positionen sozusagen konstruieren.

01:14:25.946 --> 01:14:31.588
<v Stefan Brill>Im Fisch gibt es dann halt zwei solche Marmeladenbrote und die bestehen.

01:14:31.588 --> 01:14:32.469
<v Tim Pritlove>Warum nicht drei?

01:14:33.289 --> 01:14:38.432
<v Stefan Brill>Entschuldigung, drei gibt es bei uns gibt es zwei und die haben auch entsprechende Namen.

01:14:38.432 --> 01:14:42.414
<v Stefan Brill>Bei uns ist es der Utriculus und der Sacculus. Das sind also Flächen,

01:14:42.414 --> 01:14:47.036
<v Stefan Brill>die mit so sensorischen Neuronen gefüllt sind und das, was wir immer als Lebercase

01:14:47.036 --> 01:14:50.184
<v Stefan Brill>jetzt hatten, das ist eben so eine galertartige Masse, die draufklebt,

01:14:50.184 --> 01:14:52.618
<v Stefan Brill>die eine Trägermesse das da so...

01:14:55.984 --> 01:14:58.985
<v Stefan Brill>Knöchern kristalline steinchen drin sind jetzt also die träge masse

01:14:58.985 --> 01:15:01.776
<v Stefan Brill>Und die sensorischen zellen die

01:15:01.776 --> 01:15:05.447
<v Stefan Brill>da drin sitzen die können das ist jetzt das schöne beim Bei diesen

01:15:05.447 --> 01:15:09.309
<v Stefan Brill>bei diesen flächigen sensoren das funktioniert ja sogar für zweifache jetzt

01:15:09.309 --> 01:15:12.430
<v Stefan Brill>gerade ich kann das ja hoch und runter Bewegen ich kann das vor und zurück bewegen

01:15:12.430 --> 01:15:17.152
<v Stefan Brill>solange ich in der ebene des Wie wir es vorhin hatten marmeladenbrot bewegt

01:15:17.152 --> 01:15:22.814
<v Stefan Brill>muss ich nur die sensorischen Bewegung sensoren Die müssen zwei mit dem Fy-dimensional

01:15:22.814 --> 01:15:23.834
<v Stefan Brill>da drin angeordnet sein.

01:15:23.834 --> 01:15:27.309
<v Stefan Brill>Und dann brauche ich eigentlich nur zwei Flächen und kann trotzdem dreidimensionale,

01:15:27.309 --> 01:15:30.576
<v Stefan Brill>translatorische Bewegungen, also eigentlich nicht Bewegungen,

01:15:30.576 --> 01:15:31.217
<v Stefan Brill>sondern Beschleunigungen.

01:15:32.337 --> 01:15:34.948
<v Tim Pritlove>Weil aus 2x2D kann man 3D machen.

01:15:37.139 --> 01:15:40.600
<v Tim Pritlove>Ah ja, das erinnert mich an eine schöne Installation, die wir früher mal in

01:15:40.600 --> 01:15:44.141
<v Tim Pritlove>unserer Firma hatten, wo ich gearbeitet habe, wo es darum ging,

01:15:44.141 --> 01:15:49.683
<v Tim Pritlove>so ein Prinzip ein Globus zu steuern, also eine dreidimensionale Globus-Bewegung zu machen.

01:15:49.703 --> 01:15:51.964
<v Tim Pritlove>Das kann man wunderbar dadurch machen, dass man einen Ball macht,

01:15:51.964 --> 01:15:55.406
<v Tim Pritlove>an dem man an zwei verschiedenen Stellen einfach eine Maus dran klebt.

01:15:55.886 --> 01:16:00.328
<v Tim Pritlove>Wenn man nämlich dann eine Kugel bewegt, hat man quasi zwei Stellen,

01:16:00.328 --> 01:16:03.389
<v Tim Pritlove>an denen eine zweidimensionale Information abgegriffen wird.

01:16:03.389 --> 01:16:07.171
<v Tim Pritlove>Und daraus kann man die gesamte dreidimensionale Bewegung errechnen.

01:16:07.171 --> 01:16:09.151
<v Tim Pritlove>Das ist dann hier im Prinzip genau die selbe Logik.

01:16:09.151 --> 01:16:10.932
<v Stefan Brill>Das ist die selbe Logik.

01:16:10.932 --> 01:16:11.572
<v Tim Pritlove>Ah ja.

01:16:13.593 --> 01:16:17.535
<v Stefan Brill>So, aber jetzt ist es so, dass pfiffig. Soweit ich das weiß,

01:16:17.535 --> 01:16:21.897
<v Stefan Brill>und ich sage das jetzt aber nur mit dem Vorbehalt, gab es bei den Fischen tatsächlich ein drittes.

01:16:22.977 --> 01:16:27.019
<v Stefan Brill>Das war der Limulus. Also Sarkulus, Utriculus haben die Fische, haben wir.

01:16:27.539 --> 01:16:31.080
<v Stefan Brill>Den Limulus, den gab es bei den Fischen noch, oder vielleicht waren es nur bestimmte

01:16:31.080 --> 01:16:35.702
<v Stefan Brill>Arten, aus denen wir entstanden sind. Vielleicht nicht bei allen,

01:16:35.702 --> 01:16:38.543
<v Stefan Brill>also überlasse ich Biologen das zu beantworten.

01:16:38.863 --> 01:16:42.545
<v Stefan Brill>Und dieser dritte, der hat sich nach und nach verformt und ist nach und nach

01:16:42.545 --> 01:16:46.127
<v Stefan Brill>spezialisiert, hat sich nach und nach spezialisiert zu einem Hörorgan.

01:16:46.927 --> 01:16:49.968
<v Stefan Brill>Das heißt also unsere Kochlehrer, das Innenohr ist sozusagen,

01:16:49.968 --> 01:16:56.431
<v Stefan Brill>wenn das denn so stimmt, wie ich das im Kopf habe, aus einem Teil des translatorischen

01:16:56.431 --> 01:17:01.393
<v Stefan Brill>Sensoriums der Fische entstanden, hat sich umgebildet nach und nach in einen Vibrations...

01:17:01.393 --> 01:17:04.428
<v Tim Pritlove>Ja, im Prinzip auch diese galärtartige

01:17:04.428 --> 01:17:12.938
<v Tim Pritlove>Bewegungssensorik letztlich ja eine Flüssigkeitsbewegungssensorik ist.

01:17:12.938 --> 01:17:20.221
<v Tim Pritlove>Also genau das, was der Steigbügel durch die Umsetzung des Luftdrucks auf diese Hörschnecke gibt,

01:17:20.221 --> 01:17:25.063
<v Tim Pritlove>wird ja dann quasi eine Bewegung, eine reale Bewegung erzeugt,

01:17:25.063 --> 01:17:28.224
<v Tim Pritlove>die zwar sehr hoch aufgelöst ist und etwas was

01:17:28.224 --> 01:17:33.766
<v Tim Pritlove>sich aus diesem eigentlichen wohin bewegt sich mein ganzer körpersensorik heraus

01:17:33.766 --> 01:17:38.907
<v Tim Pritlove>entwickelt hat übernimmt dann quasi hören weil es sehr viel feiner ausgebildet

01:17:38.907 --> 01:17:44.768
<v Tim Pritlove>ist also was sie was jetzt dann bei der hörschnecke dazu kommt damit kommen

01:17:44.768 --> 01:17:47.309
<v Tim Pritlove>jetzt zum eigentlichen Hörorgan. Aber diese Gleichgewichtsgeschichte...

01:17:51.530 --> 01:17:55.271
<v Tim Pritlove>Also wie muss man sich das jetzt konkret beim Menschen vorstellen?

01:17:55.811 --> 01:18:02.754
<v Tim Pritlove>Also wir haben zwei Sensoren quasi, die fürs Gleichgewicht zuständig sind.

01:18:02.754 --> 01:18:04.534
<v Tim Pritlove>Und Gleichgewicht heißt ja im Prinzip Gravitationsmessung.

01:18:08.056 --> 01:18:11.297
<v Stefan Brill>Bei uns nicht, nee. Wir messen nicht die Gravitation damit.

01:18:12.097 --> 01:18:15.778
<v Tim Pritlove>Aber die Gravitation zieht doch im Prinzip die ganze Zeit auch an diesen Härchen.

01:18:15.778 --> 01:18:18.079
<v Tim Pritlove>Also das ist ja quasi eine immer fort...

01:18:18.820 --> 01:18:20.440
<v Tim Pritlove>Wir fallen ja eigentlich die ganze Zeit.

01:18:20.440 --> 01:18:26.462
<v Stefan Brill>Zeit. Ja, aber dann, ja das ist aber dann, weil wir ja natürlich so eine Gegenkraft

01:18:26.462 --> 01:18:28.383
<v Stefan Brill>haben, die das irgendwann in Ruhe lässt.

01:18:28.383 --> 01:18:31.724
<v Stefan Brill>Also die Gravitation ist eine ständig nach unten wirkende Kraft,

01:18:31.724 --> 01:18:38.687
<v Stefan Brill>stimmt natürlich, aber diese galertartigen Pakete von Trägermasse,

01:18:38.687 --> 01:18:42.298
<v Stefan Brill>die folgen dem halt um, was weiß ich, so und so viel Mikrometer,

01:18:42.298 --> 01:18:46.350
<v Stefan Brill>Verbiegung und dann ist aber Ruhe, dann ist da der Stillstand.

01:18:46.470 --> 01:18:50.791
<v Tim Pritlove>Okay, die werden dann sozusagen festgehalten relativ zu diesem 1G,

01:18:50.791 --> 01:18:53.552
<v Tim Pritlove>darauf sind sie halt geeicht quasi.

01:18:53.552 --> 01:18:59.054
<v Stefan Brill>Genau. Und wenn ich jetzt dann aus diesem Ruhezustand beschleunige,

01:18:59.054 --> 01:19:04.216
<v Stefan Brill>indem ich zum Beispiel springe, runterfalle oder hochspringe,

01:19:04.216 --> 01:19:07.978
<v Stefan Brill>mich hochwärts bewege, dann tritt natürlich eine Beschleunigung auf.

01:19:11.960 --> 01:19:15.040
<v Stefan Brill>Also die träge Masse relativ zu ihrem eigentlichen Ruheort verschoben.

01:19:20.723 --> 01:19:26.625
<v Stefan Brill>Und die Nervenzellen, die diese Verschiebung messen können und ans Sensorium

01:19:26.625 --> 01:19:30.086
<v Stefan Brill>weiter oben weiter leiten, die melden dann natürlich diese Verschiebung.

01:19:30.086 --> 01:19:35.128
<v Stefan Brill>Aber es ist nicht sozusagen per se die Schwerkraft, die wir messen,

01:19:35.128 --> 01:19:38.129
<v Stefan Brill>sondern es ist immer ein Beschleunigungssensor, den wir da haben.

01:19:38.129 --> 01:19:41.491
<v Tim Pritlove>Ja, aber die sind immer relativ zu diesem einen G ist. Das ist richtig, ja.

01:19:42.492 --> 01:19:45.073
<v Tim Pritlove>Wie rum sind denn jetzt diese beiden Platten eigentlich ausgerichtet?

01:19:45.073 --> 01:19:48.124
<v Tim Pritlove>Sind die in der vertikalen und horizontalen oder sind die irgendwie?

01:19:48.124 --> 01:19:52.736
<v Stefan Brill>Die sind schräg verkippt. Also die sind auch die Bogengänge.

01:19:53.677 --> 01:19:59.179
<v Stefan Brill>Die liegen jetzt nicht waagerecht senkrecht und 90 Grad zueinander schon.

01:19:59.539 --> 01:20:00.140
<v Tim Pritlove>Zueinander schon.

01:20:01.240 --> 01:20:03.601
<v Stefan Brill>Aber die liegen trotzdem so schräg verkippt.

01:20:03.601 --> 01:20:05.062
<v Tim Pritlove>Weil es eigentlich egal ist, was das Letzte ist.

01:20:05.062 --> 01:20:08.503
<v Stefan Brill>Weil es eigentlich egal ist. Also es gibt in die eine Richtung sind es glaube

01:20:08.503 --> 01:20:13.746
<v Stefan Brill>ich 30 Grad so hoch rückwärts gekippt und die andere Richtung 45 Grad so einwärts.

01:20:14.646 --> 01:20:18.528
<v Stefan Brill>Das ist das, was ich jetzt mal so aus dem Bauch heraus ungefähr weiß.

01:20:18.528 --> 01:20:18.728
<v Tim Pritlove>Aber...

01:20:18.728 --> 01:20:21.649
<v Stefan Brill>Wie es so passt halt. Da müsste man halt die Anatomen fragen.

01:20:21.649 --> 01:20:24.049
<v Tim Pritlove>Ich war ja mal eben in einem Parabellflug.

01:20:27.791 --> 01:20:38.915
<v Tim Pritlove>Kurz gesagt, die viel zu schnell vorübergehende Herstellung von nicht kompletter

01:20:38.915 --> 01:20:42.266
<v Tim Pritlove>Abwesenheit von Gravitation,

01:20:42.266 --> 01:20:47.098
<v Tim Pritlove>aber der Einfluss der Schwerkraft wird halt so weit reduziert,

01:20:47.098 --> 01:20:48.318
<v Tim Pritlove>dass man sich halt schwerelos fühlt.

01:20:49.359 --> 01:20:52.940
<v Tim Pritlove>Es gibt dann auch so diverse Restkräfte, die aber an der Stelle keine Rolle

01:20:52.940 --> 01:20:57.482
<v Tim Pritlove>machen, weil man schwebt bereits durch die Luft und ist so sehr damit beschäftigt,

01:20:57.482 --> 01:21:02.744
<v Tim Pritlove>dass man sich um diese paar Zahlen hinter dem Komma nicht noch groß kümmern würde.

01:21:07.446 --> 01:21:10.347
<v Tim Pritlove>Und diese Schwerelosigkeit im Parabelflug wird ja dadurch hergestellt,

01:21:10.347 --> 01:21:17.789
<v Tim Pritlove>dass man eben das Flugzeug mit einem enormen Schub für eine Weile so 45 Grad

01:21:17.789 --> 01:21:19.090
<v Tim Pritlove>nach oben schießen lässt.

01:21:19.090 --> 01:21:23.092
<v Tim Pritlove>Und da merkt man überhaupt erstmal, was für eine Power in so Flugzeugtriebwerken

01:21:23.092 --> 01:21:26.393
<v Tim Pritlove>drin stecken kann oder generell halt auch drin steckt.

01:21:27.573 --> 01:21:34.116
<v Tim Pritlove>Um das halt überhaupt erstmal zu leisten, ist in dem Zeitpunkt dieses Einknickens

01:21:34.116 --> 01:21:40.198
<v Tim Pritlove>in diesem Flug nach oben, nimmt die Beschleunigung auf den Körper erstmal enorm zu.

01:21:40.898 --> 01:21:42.879
<v Tim Pritlove>Also man landet dann so bei 1,5 bis 1,8 g.

01:21:46.941 --> 01:21:55.944
<v Tim Pritlove>Also bevor man quasi 0G erreicht, muss man zwischenzeitlich auf 1,5 bis 1,8G beschleunigt werden.

01:21:55.944 --> 01:21:59.185
<v Tim Pritlove>Das ergibt sich halt einfach durch diese Flugbahn und in dem Moment,

01:21:59.185 --> 01:22:03.487
<v Tim Pritlove>wo man dann so bei wirklich bei 45 Grad ist und die Piloten,

01:22:03.487 --> 01:22:07.448
<v Tim Pritlove>da wird ja von drei Piloten gleichzeitig geflogen, auch eine total abgefahrene Sache.

01:22:07.448 --> 01:22:10.950
<v Tim Pritlove>Da kümmert sich sozusagen auch jeder um, also ein Pilot kümmert sich um den

01:22:10.950 --> 01:22:15.332
<v Tim Pritlove>Winkel, der Also kümmert sich um die Geschwindigkeit und der andere um das links-rechts

01:22:15.332 --> 01:22:16.892
<v Tim Pritlove>Ding, also voll abgefahrene Nummer.

01:22:18.593 --> 01:22:21.114
<v Tim Pritlove>So, und dann wird halt einfach der Schub rausgelassen, man hört das auch so

01:22:21.114 --> 01:22:24.656
<v Tim Pritlove>richtig, die Triebwerke gehen aus, also nicht komplett aus, aber kein Schub

01:22:24.656 --> 01:22:27.217
<v Tim Pritlove>mehr, so und man fällt einfach nur noch.

01:22:27.217 --> 01:22:31.339
<v Tim Pritlove>Und das sind dann halt diese magischen 22 Sekunden,

01:22:31.339 --> 01:22:36.841
<v Tim Pritlove>die man dann einfach fällt und in dem Moment gleicht quasi der Fall des Flugzeugs,

01:22:36.841 --> 01:22:39.662
<v Tim Pritlove>der am Anfang natürlich noch nach oben geht, weil man eben so eine unglaubliche

01:22:39.662 --> 01:22:45.345
<v Tim Pritlove>Geschwindigkeit hat, die Anziehung der Gravitation außer, dass man eben bei 0 g ist.

01:22:45.345 --> 01:22:49.547
<v Tim Pritlove>Und dann am Schluss gibt es halt nochmal etwas mehr Beschleunigung.

01:22:50.567 --> 01:22:56.490
<v Tim Pritlove>Und das Problem ist, dass wenn man diese Phase gut überstehen will,

01:22:56.490 --> 01:22:58.890
<v Tim Pritlove>Das war's für heute. Bis zum nächsten Mal.

01:22:59.429 --> 01:23:05.671
<v Tim Pritlove>Verhindern musst, dass es einem schlecht wird. Und im Wesentlichen ist es wohl

01:23:05.671 --> 01:23:09.452
<v Tim Pritlove>so, dadurch dass unser Gleichgewichtsystem ja nicht für 1G gemacht ist,

01:23:09.452 --> 01:23:13.914
<v Tim Pritlove>sondern so eine Überlast auf einmal stattfindet, die man normalerweise ja so nicht hat.

01:23:13.914 --> 01:23:16.475
<v Tim Pritlove>Also wenn man sich auf dem Planeten bewegt, dann ist irgendwie immer alles 1G.

01:23:16.475 --> 01:23:19.216
<v Tim Pritlove>Also es sei denn, man springt halt irgendwo vom Berg oder so,

01:23:19.216 --> 01:23:21.037
<v Tim Pritlove>ganz klar, aber dann hat man eh andere Probleme.

01:23:23.137 --> 01:23:26.959
<v Tim Pritlove>Durch diese Überbeschleunigung wird da irgendwie alles zusammen gedrückt,

01:23:26.959 --> 01:23:30.780
<v Tim Pritlove>sodass man das, dass der Körper eigentlich eine falsche Information bekommt.

01:23:30.780 --> 01:23:35.482
<v Tim Pritlove>Weil quasi die Basis, dieses 1G bricht auf einmal weg und auf einmal werden

01:23:35.482 --> 01:23:39.283
<v Tim Pritlove>so die relativen Geschwindigkeiten falsch berechnet.

01:23:39.283 --> 01:23:42.824
<v Tim Pritlove>Also vielen wird dann halt deshalb schlecht, so wo das mehr erläutert, weil man in dem Moment,

01:23:42.824 --> 01:23:46.366
<v Tim Pritlove>wo halt das Auge irgendeine Bewegung sieht, also wenn man so hin und her guckt,

01:23:46.366 --> 01:23:49.507
<v Tim Pritlove>dann meldet halt das Auge so, Dinge bewegen sich,

01:23:49.507 --> 01:23:53.118
<v Tim Pritlove>während das Gleichgewichtssignal halt sagt so,

01:23:53.118 --> 01:23:57.110
<v Tim Pritlove>hier bewegt sich einfach mal gar nichts, weil hier liegt irgendwie alles nur

01:23:57.110 --> 01:24:03.492
<v Tim Pritlove>platt zusammengepresst rum und aus diesem Differenzsignal macht dann das Hirn

01:24:03.492 --> 01:24:08.754
<v Tim Pritlove>diese Notstandsmeldung mit unterschiedliche Wahrnehmungen deiner Sinnesorgane.

01:24:10.175 --> 01:24:12.976
<v Tim Pritlove>Wahrscheinlich bist du vergiftet, fang mal besser an zu kotzen,

01:24:12.976 --> 01:24:17.477
<v Tim Pritlove>weil sonst wird es alles noch viel schlimmer. Das ist so diese kritische Phase.

01:24:17.477 --> 01:24:22.639
<v Tim Pritlove>Man wird da mit allerlei Medikamenten vollgepumpt, um diese Reaktion zu entschleunigen.

01:24:25.460 --> 01:24:26.641
<v Tim Pritlove>Jetzt habe ich viel erzählt.

01:24:29.732 --> 01:24:34.804
<v Tim Pritlove>Wie geht das hier, du warst wahrscheinlich noch nicht in einem Parabelflug,

01:24:34.804 --> 01:24:39.285
<v Tim Pritlove>wie würdest du das sozusagen hier auf die Funktionsweise des Gleichgewichtsorgans übertragen?

01:24:39.285 --> 01:24:48.349
<v Stefan Brill>Also wie geht es dem Gleichgewichtsorgan, wenn man auf einmal Also eins muss

01:24:48.349 --> 01:24:49.269
<v Stefan Brill>man natürlich dazu sagen,

01:24:49.269 --> 01:24:54.832
<v Stefan Brill>wenn man jetzt frei fällt, dann wird man ja permanent beschleunigt.

01:24:54.832 --> 01:24:59.834
<v Stefan Brill>Man ist ja eigentlich dann eben tatsächlich in der Beschleunigung von 1G ausgesetzt im Parabelflug.

01:25:00.494 --> 01:25:06.097
<v Stefan Brill>Der Trick besteht ja darin, dass man sich eine Kapsel um sich selber gebaut

01:25:06.097 --> 01:25:11.099
<v Stefan Brill>hat, nämlich das Flugzeug, das genau dieselbe Sache vollzieht und nur relativ

01:25:11.099 --> 01:25:13.760
<v Stefan Brill>zu dieser Kapsel ist man ja schwerelos.

01:25:14.781 --> 01:25:20.203
<v Stefan Brill>In Wirklichkeit fliegt man ja eine Parabel und die Kapsel um einen rum fliegt dieselbe Parabel.

01:25:21.384 --> 01:25:25.046
<v Stefan Brill>Und wenn man das Ganze jetzt ohne Kapsel erleben würde, dann würde man sehen,

01:25:25.046 --> 01:25:29.007
<v Stefan Brill>dass man da irgendwie in höheren Atmosphären so ein Parabel fliegt und sich

01:25:29.007 --> 01:25:30.408
<v Stefan Brill>jetzt dem Erdboden nähert.

01:25:31.131 --> 01:25:35.583
<v Stefan Brill>Also man hat, man befindet sich in der Situation natürlich sehr wohl in einem

01:25:35.583 --> 01:25:36.866
<v Stefan Brill>beschleunigten Zustand, aber,

01:25:39.907 --> 01:25:44.089
<v Stefan Brill>Was die Sache so irritierend macht, ist, wie du schon gesagt hast,

01:25:44.089 --> 01:25:48.090
<v Stefan Brill>das Gehirn schlägt Alarm, weil da so eine Widerspruchsinformation auf einmal entsteht,

01:25:48.090 --> 01:25:52.732
<v Stefan Brill>dass das visuelle System, was völlig anderes meldet, nämlich totale Ruhe und

01:25:52.732 --> 01:25:54.592
<v Stefan Brill>Frieden und hier ist alles in Ordnung,

01:25:54.592 --> 01:25:58.354
<v Stefan Brill>und das andere System meldet irgendwie, ich falle, ich falle,

01:25:58.354 --> 01:26:04.456
<v Stefan Brill>ich falle, das ist irgendwie in sich im Widerspruch. Und eine der Schwierigkeiten, die...

01:26:04.896 --> 01:26:07.917
<v Tim Pritlove>Aber an der Stelle ist ja eigentlich das Auge eher das Problem.

01:26:07.917 --> 01:26:12.539
<v Tim Pritlove>Man löst es dadurch, dass man wie ein Blöder auf einen Punkt startet und keinerlei

01:26:12.539 --> 01:26:13.439
<v Tim Pritlove>Bewegungsinformationen visuell einspeist.

01:26:17.641 --> 01:26:21.682
<v Tim Pritlove>Das Problem entsteht eigentlich erst in dem Moment, wo ich jetzt aus Interesse,

01:26:21.682 --> 01:26:25.343
<v Tim Pritlove>wie es den anderen alles so geht, herumschauen, meinen Kopf drehen.

01:26:25.904 --> 01:26:30.445
<v Tim Pritlove>Das erzeugt dann überhaupt erst die Übelkeit, weil eigentlich der Gleichgewichtssinn

01:26:30.445 --> 01:26:34.407
<v Tim Pritlove>so zusammengepresst ist und sagt, nichts tut sich.

01:26:34.967 --> 01:26:39.569
<v Tim Pritlove>Keine Bewegung statt. Aber in dem Moment, wo ich meinen Kopf bewege,

01:26:39.569 --> 01:26:44.750
<v Tim Pritlove>müsste ja diese Bewegung des Kopfes auch vom Gleichgewichtsorgan gemessen werden.

01:26:46.291 --> 01:26:50.793
<v Tim Pritlove>Dadurch, dass ich in dem Moment gerade 1,8G ausgesetzt bin,

01:26:50.793 --> 01:26:56.955
<v Tim Pritlove>ist die Funktion dieses Gleichgewichtsorgans offensichtlich ausgenullt,

01:26:56.955 --> 01:27:03.897
<v Tim Pritlove>weil es einfach zusammengepresst wird und nicht mehr die Reibungen und Herrchenbewegungen

01:27:03.897 --> 01:27:07.178
<v Tim Pritlove>so wahrnehmen kann, wie das normalerweise der Fall ist.

01:27:07.178 --> 01:27:10.940
<v Stefan Brill>Ne, das sehe ich genau anders. Also gut, ich habe jetzt selber die Erfahrung

01:27:10.940 --> 01:27:12.900
<v Stefan Brill>noch nicht gemacht. Ich habe noch keinen Parabellflug gemacht.

01:27:12.900 --> 01:27:21.123
<v Stefan Brill>Aber das Gleichgewichtsorgan misst die Beschleunigung, die es tatsächlich erfährt.

01:27:22.414 --> 01:27:28.926
<v Stefan Brill>Du fällst ja. Also wenn du, wenn du von, was sage ich, wenn du falsche Umsprungen

01:27:28.926 --> 01:27:31.007
<v Stefan Brill>machst und du springst raus aus dem Flugzeug.

01:27:31.007 --> 01:27:33.688
<v Tim Pritlove>Ja, es misst die 1,8G, aber es ist dafür halt nicht gebaut.

01:27:33.688 --> 01:27:35.969
<v Stefan Brill>Doch, doch, doch, sicher. Und deswegen ist es über seine Grenzen.

01:27:35.969 --> 01:27:38.830
<v Stefan Brill>Nee, das ist nicht über seine Grenzen. Das ist nicht jetzt irgendwie am Anschlag

01:27:38.830 --> 01:27:43.272
<v Stefan Brill>und kann das nicht messen. Also die Fähigkeit, das zu messen,

01:27:43.272 --> 01:27:44.732
<v Stefan Brill>hat das Gleichgewichtorgan sehr wohl.

01:27:45.593 --> 01:27:49.754
<v Stefan Brill>Klar kommt das irgendwann mal an Anschlag und kriegt extreme Beschleunigungen

01:27:49.754 --> 01:27:52.115
<v Stefan Brill>nicht mehr richtig einsortiert und aufgelöst.

01:27:53.396 --> 01:27:58.337
<v Stefan Brill>Aber so eine normale Fallbeschleunigung von 1G, gut vielleicht lehne ich mich

01:27:58.337 --> 01:27:59.458
<v Stefan Brill>da jetzt so sehr aus dem Fenster.

01:27:59.458 --> 01:28:03.840
<v Tim Pritlove>Aber das ist ja 1,8 g. Also genau dieser Übergangsmoment ist das Problem.

01:28:03.840 --> 01:28:07.661
<v Stefan Brill>Wenn du wieder eintauchst und wenn die Sache wieder losgeht vor allem.

01:28:07.661 --> 01:28:10.962
<v Tim Pritlove>Ach so, wenn es nach oben schießt, dann entsteht unglaublicher Druck.

01:28:10.962 --> 01:28:13.223
<v Tim Pritlove>Man wird da irgendwie mit den Beinen auf den Boden gepresst,

01:28:13.223 --> 01:28:17.785
<v Tim Pritlove>als hätte man so Metallstiefel an oder magnetisch schon fast.

01:28:17.785 --> 01:28:20.126
<v Tim Pritlove>Das ist ein völlig abgefahrenes Gefühl.

01:28:20.706 --> 01:28:22.807
<v Tim Pritlove>Na gut, ich will das jetzt auch nicht zu sehr vertiefen.

01:28:23.567 --> 01:28:28.837
<v Tim Pritlove>Auf jeden Fall merkt man auch, wie die Sinne zusammenarbeiten und gemeinsame

01:28:28.837 --> 01:28:34.293
<v Tim Pritlove>Erwartungshaltung permanent miteinander vergleichen und wenn die halt nicht

01:28:34.293 --> 01:28:38.195
<v Tim Pritlove>stattfinden, dann ist irgendwie bekloppt. Na gut.

01:28:40.250 --> 01:28:44.051
<v Tim Pritlove>Kommen wir mal zu der eigentlichen Wahrnehmung. Weil bisher,

01:28:44.051 --> 01:28:48.973
<v Tim Pritlove>um es vielleicht noch mal ein bisschen zusammenzufalten, also wir haben das

01:28:48.973 --> 01:28:52.584
<v Tim Pritlove>Außenohr leitet die Frequenzen in den Gehörgang.

01:28:53.075 --> 01:28:56.896
<v Tim Pritlove>Das trifft aufs Trommelfell an. Dahinter gibt es dieses mechanische System,

01:28:56.896 --> 01:29:00.508
<v Tim Pritlove>was geschickt diese große Angriffsfläche,

01:29:00.508 --> 01:29:04.539
<v Tim Pritlove>Trommelfell, dann auf einen sehr kleinen Punkt konzentriert.

01:29:06.080 --> 01:29:11.562
<v Tim Pritlove>Am Ende des Steigbügels durch diese mechanische Übersetzung zwischen Hammer

01:29:11.562 --> 01:29:15.684
<v Tim Pritlove>und Ambus wird die auch noch so verstärkt, dass man quasi so einen ganz kleinen Piks erzeugt.

01:29:17.585 --> 01:29:23.707
<v Tim Pritlove>Also von so einer großen Fläche wird es immer weiter verdichtet bis es wirklich

01:29:23.707 --> 01:29:27.849
<v Tim Pritlove>nur noch so eine ganz kleine, ich weiß nicht wie groß ist diese Kontaktfläche

01:29:27.849 --> 01:29:30.270
<v Tim Pritlove>des Steigbügels real mit der Hörschnecke?

01:29:30.270 --> 01:29:34.511
<v Stefan Brill>Das ist, ich weiß nicht, in Größenordnung ein Quadratmillimeter,

01:29:34.511 --> 01:29:37.122
<v Stefan Brill>vielleicht zwei Quadratmillimeter, also wirklich ziemlich klein.

01:29:37.122 --> 01:29:38.953
<v Tim Pritlove>Und das Trommelfell selber?

01:29:39.533 --> 01:29:44.215
<v Stefan Brill>Das hat schon etwas größeren Durchmesser. So in Größenordnung,

01:29:44.215 --> 01:29:45.735
<v Stefan Brill>vielleicht ein bisschen weniger als ein Quadratzentimeter.

01:29:47.777 --> 01:29:54.039
<v Tim Pritlove>Das heißt, da wird dann schon so ein Faktor 100, das reduziert.

01:29:56.800 --> 01:29:59.861
<v Tim Pritlove>Also in der einen Achse zumindest gerechnet.

01:30:02.422 --> 01:30:05.603
<v Tim Pritlove>Worauf trifft das jetzt aus? Also jetzt haben wir diese Hörschnecke und wir

01:30:05.603 --> 01:30:09.685
<v Tim Pritlove>wissen, okay, das hat sich wahrscheinlich aus unserem Gleichgewichtsorgan,

01:30:09.685 --> 01:30:13.526
<v Tim Pritlove>was über war, weil die anderen beiden sich so spezialisiert haben,

01:30:13.526 --> 01:30:16.517
<v Tim Pritlove>dass es schon gereicht hat für die dreidimensionale Messung.

01:30:18.388 --> 01:30:22.109
<v Tim Pritlove>Was geschieht jetzt da in dieser Schnecke? Was ist da überhaupt verschneckt.

01:30:24.191 --> 01:30:29.773
<v Stefan Brill>Also als erstes muss man sich die Fußplatte vom Steigbügel jetzt vorstellen,

01:30:29.773 --> 01:30:33.875
<v Stefan Brill>als wenn die so wie ein Kolben in die Flüssigkeit eine Schallwelle hineinpumpt.

01:30:35.776 --> 01:30:40.759
<v Stefan Brill>Es gibt der Vollständigkeit halber, es gibt also nicht nur diesen einen Eingang

01:30:40.759 --> 01:30:43.660
<v Stefan Brill>in die Schnecke, sondern es gibt sozusagen auch noch einen Ausgang.

01:30:43.660 --> 01:30:49.283
<v Stefan Brill>Also dieser Steigbügel, der sitzt mit seiner Fußplatte in so einer ovalen Öffnung,

01:30:49.283 --> 01:30:55.065
<v Stefan Brill>wo dahinter die Flüssigkeit von der Hörschnecke anfängt.

01:30:55.065 --> 01:31:00.868
<v Stefan Brill>Es gibt weiter unten gibt es noch ein zweites Fenster, das ist aber jetzt nicht

01:31:00.868 --> 01:31:05.809
<v Stefan Brill>mechanisch irgendwie mit Knochen abgedeckt, sondern das ist mit einer gespannten Haut.

01:31:08.504 --> 01:31:10.455
<v Stefan Brill>Das ist das sogenannte Runde Fenster.

01:31:12.736 --> 01:31:16.998
<v Stefan Brill>Und der Flüssigkeitsraum der Schnecke sitzt jetzt in einem sehr festen,

01:31:16.998 --> 01:31:18.618
<v Stefan Brill>sehr dichten Knochen drin.

01:31:18.618 --> 01:31:21.899
<v Stefan Brill>Das ist das sogenannte Felsenbein, hat also seinen Namen auch davon,

01:31:21.899 --> 01:31:26.321
<v Stefan Brill>dass es so dichter Knochen ist. Der ist vermutlich aus akustischen Gründen so

01:31:26.321 --> 01:31:30.062
<v Stefan Brill>dicht und fest gebaut. Das ist der dichteste Knochen, den wir im ganzen Körper haben.

01:31:36.006 --> 01:31:39.346
<v Stefan Brill>Damit keine Schallwellen sozusagen einfach rauslaufen ins Nachbarknochengewebe raus.

01:31:39.926 --> 01:31:45.629
<v Stefan Brill>Also die Flüssigkeitsraum der Schnecke ist mehr oder weniger fest abgeschlossen

01:31:45.629 --> 01:31:49.390
<v Stefan Brill>in einem sehr genau definierten Volumen.

01:31:50.150 --> 01:31:53.111
<v Tim Pritlove>Das ist Felsenbein umschließt die komplette Hörschnecke.

01:31:53.852 --> 01:31:57.461
<v Stefan Brill>Richtig, ja. Also man muss sich die Hörschnecke vorstellen, auch die Bogengänge

01:31:57.461 --> 01:32:02.685
<v Stefan Brill>vom Gleichgewichtorgan muss man sich vorstellen als flüssigkeitsgefüllte Hohlräume

01:32:02.685 --> 01:32:05.776
<v Stefan Brill>in einem sehr festen Knochenmaterial.

01:32:10.878 --> 01:32:14.699
<v Stefan Brill>Und die Schnecke ist eben auch ein schneckenförmig gewundener,

01:32:14.699 --> 01:32:18.741
<v Stefan Brill>flüssig, wie genau das ausschaut, können wir gleich nochmal vielleicht ein bisschen

01:32:18.741 --> 01:32:21.742
<v Stefan Brill>drauf eingehen, ein geschlossenes Volumen.

01:32:21.742 --> 01:32:25.223
<v Stefan Brill>Und wenn ich jetzt diesen Steigbügel dann nehme und ich will da was reinpumpen,

01:32:25.223 --> 01:32:29.865
<v Stefan Brill>dann stoße ich natürlich auf dem Widerstand, wenn ich ein komplett abgeschlossenes

01:32:29.865 --> 01:32:32.906
<v Stefan Brill>Volumen hätte. Ich brauche irgendwo anders einen Ausgleich, wo das Volumen wieder

01:32:32.906 --> 01:32:33.966
<v Stefan Brill>ausgeglichen werden kann.

01:32:34.206 --> 01:32:40.308
<v Stefan Brill>Also wenn ich da reinpumpe, muss es irgendwo anders raus und diesen Zweck hat das runde Fenster.

01:32:40.308 --> 01:32:43.630
<v Stefan Brill>Nur vor dem runden Fenster ist jetzt eine feste Haut gespannt,

01:32:43.630 --> 01:32:47.511
<v Stefan Brill>also so ein eigener Membran ist dort und wenn die Steigbügel,

01:32:47.511 --> 01:32:49.892
<v Stefan Brill>bleibe ich das ganz langsam machen, wenn ich mit dem Steigbügel,

01:32:49.892 --> 01:32:52.593
<v Stefan Brill>also die Chirurgen bei einer OP, können das wirklich sehen.

01:32:52.593 --> 01:32:56.975
<v Stefan Brill>Die können da mit ihrer OP, mit dem OP-Instrumentsrand können das berühren und

01:32:56.975 --> 01:32:59.396
<v Stefan Brill>können dann sehen, wenn Sie den Steigbügel ein bisschen reindrücken,

01:32:59.396 --> 01:33:02.858
<v Stefan Brill>dann kommt unten die Membran vom runden Fenster so ein kleines bisschen raus.

01:33:03.359 --> 01:33:07.961
<v Stefan Brill>Das heißt also, wenn der Steigbügel jetzt seine Schallwelle Richtung in die Flüssigkeit hinein.

01:33:09.336 --> 01:33:15.138
<v Stefan Brill>Dann passiert am anderen Ende genau das Gegendruckphänomen mit dem ovalen Fenster.

01:33:15.138 --> 01:33:16.078
<v Stefan Brill>So habe ich also einen Volumenausgleich.

01:33:17.899 --> 01:33:20.500
<v Tim Pritlove>So wie so ein Lautsprecher auch immer noch mal ein Loch irgendwo hat.

01:33:20.500 --> 01:33:25.341
<v Stefan Brill>Ja, könnte man so diese, wie hießen die noch? Diese Basse-Reflexionsboxen,

01:33:25.341 --> 01:33:27.862
<v Stefan Brill>wie es da gab. Gab es ja so ganz tolle Prinzipien oder noch immer.

01:33:30.003 --> 01:33:35.025
<v Stefan Brill>Also das Volumen wird also, Es ist also überhaupt nur möglich,

01:33:35.025 --> 01:33:40.627
<v Stefan Brill>eine Flüssigkeit dort ordentlich mit einem hohen Wirkungsgrad,

01:33:40.627 --> 01:33:42.748
<v Stefan Brill>eine Schallwelle reinzuschicken, wenn ich diese Ausgleichsmöglichkeit habe.

01:33:42.988 --> 01:33:48.210
<v Tim Pritlove>Aber sonst würde ja der Steigbügel quasi festes Material stoßen und keinerlei

01:33:48.210 --> 01:33:49.390
<v Tim Pritlove>Frequenzen übertragen können.

01:33:49.390 --> 01:33:52.892
<v Stefan Brill>Genau. Also es ist nicht ganz so, weiß man inzwischen, waren auch alle überrascht,

01:33:52.892 --> 01:33:56.833
<v Stefan Brill>dass es auch trotzdem geht. Aber jetzt so für die erste Annahme,

01:33:56.833 --> 01:33:59.214
<v Stefan Brill>für die erste Näherung dessen, wie man sich das vorstellen muss,

01:33:59.214 --> 01:34:02.395
<v Stefan Brill>muss man sagen, okay, da gibt es also ein konstantes Volumen, das ausgeglichen.

01:34:03.396 --> 01:34:07.677
<v Stefan Brill>Damit wir jetzt mal anschauen, was da eigentlich vor sich geht,

01:34:07.677 --> 01:34:14.179
<v Stefan Brill>stellen wir uns die Schnecke mal vor, wie so eine kleine Gartenschnecke,

01:34:14.179 --> 01:34:16.480
<v Stefan Brill>die man hat, so eine richtig winzige.

01:34:16.480 --> 01:34:21.222
<v Stefan Brill>Die ist insgesamt ziemlich klein, die passt also in so einen Kubikzentimeter rein.

01:34:21.222 --> 01:34:24.063
<v Stefan Brill>Also eigentlich könnte man sagen, wenn ich hier so eine Fingerkuppe nehme,

01:34:24.063 --> 01:34:28.144
<v Stefan Brill>so vielleicht vom kleinen Finger oder von einem durchschnittlichen Finger,

01:34:28.144 --> 01:34:31.855
<v Stefan Brill>die Fingerkuppe oben, die gesamte Kochlehr passt da rein.

01:34:33.466 --> 01:34:39.388
<v Stefan Brill>Kochlea ist die Hörschnecke. Also Kochlea ist jetzt, ich glaube,

01:34:39.388 --> 01:34:42.869
<v Stefan Brill>der griechische Begriff für Schnecke wirklich.

01:34:44.870 --> 01:34:49.271
<v Stefan Brill>Und wir haben also jetzt da einen Knochen und in diesen Knochen hinein haben

01:34:49.271 --> 01:34:55.233
<v Stefan Brill>wir einen schneckenförmig gewundenen Tunnelgang im Knochen drin.

01:34:56.054 --> 01:35:01.035
<v Stefan Brill>Zweieinhalb Windungen bei uns Menschen. Bei anderen Tieren sind das ein bisschen mehr oder weniger.

01:35:01.076 --> 01:35:05.296
<v Stefan Brill>Also bei Meerschwanchien sind es zum Beispiel schon vier, ein Viertel oder so Windungen.

01:35:05.677 --> 01:35:09.197
<v Stefan Brill>Bei uns sind es eben, Meerschwanchien hört auch zum Beispiel auch höhere Frequenzen,

01:35:09.197 --> 01:35:13.498
<v Stefan Brill>bei uns sind es zweieinhalb Windungen. Und wenn wir uns diese...

01:35:13.498 --> 01:35:16.699
<v Tim Pritlove>Die Anzahl der Windungen gibt es auch schon Aufschluss darauf, wie viel Frequenz?

01:35:17.379 --> 01:35:21.600
<v Stefan Brill>Ja, da kommen auch viele andere Sachen noch, Gesamtvolumen kommt noch hinzu,

01:35:21.600 --> 01:35:26.541
<v Stefan Brill>es kommt noch hinzu, wie der Durchmesser ist, wie sich der Durchmesser des gewundenen Gangs...

01:35:28.382 --> 01:35:31.923
<v Tim Pritlove>Das ist auf jeden Fall eine Variable, das ist jetzt nicht so konstant.

01:35:31.923 --> 01:35:37.524
<v Stefan Brill>Ja, sogar beim Mensch ist es sehr variabel. Also da gibt es Anatomen, die das über viele...

01:35:39.606 --> 01:35:43.887
<v Stefan Brill>Leute, die verstorben sind, die sich das dann untersucht haben,

01:35:43.887 --> 01:35:46.708
<v Stefan Brill>die Variationsbreite ist unglaublich groß.

01:35:47.969 --> 01:35:50.750
<v Stefan Brill>Aber wenn wir jetzt mal ran wollen, wie sich die Sache...

01:35:51.690 --> 01:35:56.552
<v Tim Pritlove>Heißt das, dass es sich aus solchen Sachen ergibt, ob man gut hört oder nicht gut hört?

01:35:56.552 --> 01:35:58.673
<v Stefan Brill>Soweit möchte ich mich nicht aus dem Fernsehen verlehnen.

01:36:01.874 --> 01:36:06.495
<v Stefan Brill>Ich glaube nicht so richtig. Und wie das dann in der Wahrnehmung ist,

01:36:06.495 --> 01:36:10.037
<v Stefan Brill>wie das dann oben bei uns im Bewusstsein kommt, das ist ja immer noch mal eine ganz andere Sache.

01:36:11.097 --> 01:36:17.079
<v Stefan Brill>Aber wenn wir uns diese schneckenförmige Windung im Knochen anschauen und wir

01:36:17.079 --> 01:36:19.580
<v Stefan Brill>würden das jetzt mal so im Querschnitt sehen,

01:36:19.580 --> 01:36:25.542
<v Stefan Brill>das heißt, wir würden die Schnecke von der Spitze her spalten und würden uns

01:36:25.542 --> 01:36:26.903
<v Stefan Brill>den Querschnitt angucken,

01:36:26.903 --> 01:36:33.245
<v Stefan Brill>dann würden wir von einer Windung der Schnecke, würden wir erst mal in gröbster

01:36:33.245 --> 01:36:37.307
<v Stefan Brill>Näherung sagen, das ist ein kreisförmiger Querschnitt, der an einer Seite so

01:36:37.307 --> 01:36:39.668
<v Stefan Brill>scharf eingezogen ist nach innen.

01:36:40.348 --> 01:36:43.829
<v Stefan Brill>Man könnte jetzt sagen, das ist so nierenförmig, stimmt aber nicht ganz.

01:36:43.829 --> 01:36:48.671
<v Stefan Brill>Für die Nerds unter den Hörern eine Kardioide, diese mathematische Kurve,

01:36:48.671 --> 01:36:53.613
<v Stefan Brill>die so eine Einschnürung an einer Seite hat, also so ein Kreis mit einer scharfen

01:36:53.613 --> 01:36:54.773
<v Stefan Brill>Einschnürung in die Mitte hin.

01:36:54.954 --> 01:37:03.657
<v Stefan Brill>Das trifft meines Erachtens am am ehesten, wie man den Querschnitt einer Windung

01:37:03.657 --> 01:37:08.479
<v Stefan Brill>des schneckenförmigen Tunnelgangs sich vorstellen muss.

01:37:09.639 --> 01:37:15.582
<v Stefan Brill>Und das bedeutet, diese Einschnürung, die ist aber auf der Innenseite,

01:37:15.582 --> 01:37:23.265
<v Stefan Brill>also da, wo die Schnecke ihre zentrale Achse hat, von dort in die Windung hinein

01:37:23.265 --> 01:37:24.725
<v Stefan Brill>geht diese Einschnürung.

01:37:25.966 --> 01:37:31.851
<v Stefan Brill>Und diese Einschnürung, die kann man sich als einen kleinen Knochensteg vorstellen,

01:37:31.851 --> 01:37:38.397
<v Stefan Brill>in diesen flüssigkeitsgefüllten Hohlraum der Schneckenwindung hinein ragt.

01:37:39.816 --> 01:37:43.778
<v Stefan Brill>Von diesem Knochensteg, der auf halber Höhe in die Schneckenwindung innen rein

01:37:43.778 --> 01:37:50.080
<v Stefan Brill>ragt, spannt sich ein Membran auf die gegenüberliegende Seite.

01:37:50.460 --> 01:37:53.301
<v Tim Pritlove>Das heißt, die Schnecke ist nochmal in so zwei Teile zerteilt?

01:37:53.661 --> 01:37:57.203
<v Stefan Brill>Genau, die Schnecke ist in eine obere und eine untere Hälfte zerteilt.

01:38:00.865 --> 01:38:05.346
<v Stefan Brill>Die Zerteilung geht einerseits durch diesen hineinragenden Knochensteg und in

01:38:05.346 --> 01:38:09.448
<v Stefan Brill>Fortsetzung dessen durch eine Membran, die zur gegenüberliegenden Wand gespannt ist.

01:38:09.848 --> 01:38:14.590
<v Stefan Brill>Das teilt die Schnecke in zwei Hälften. Die obere Hälfte ist aber auch nochmal geteilt.

01:38:15.190 --> 01:38:19.692
<v Stefan Brill>Das bleiben wir aber erstmal bei diesem Steg. Also der Steg ragt in die Schnecke

01:38:19.692 --> 01:38:24.554
<v Stefan Brill>hinein und von dort geht eine Membran zur gegenüberliegenden Seite.

01:38:24.554 --> 01:38:30.856
<v Stefan Brill>Das ist die sogenannte Basilarmembran und die ist im Anfangsbereich der Schnecke,

01:38:30.856 --> 01:38:31.776
<v Stefan Brill>ist die Basilarmembran kurz.

01:38:33.277 --> 01:38:38.200
<v Stefan Brill>Also der Weg vom Knochensteg zur gegenüberliegenden Seite, der ist relativ kurz.

01:38:38.200 --> 01:38:42.022
<v Stefan Brill>Also wir sprechen davon so einem Millimeter oder eineinhalb Millimetern.

01:38:42.022 --> 01:38:47.485
<v Stefan Brill>Und wenn wir jetzt tiefer reingehen, also dieser Schneckenwindung weiter und

01:38:47.485 --> 01:38:49.807
<v Stefan Brill>weiter nach innen einwärts folgen,

01:38:49.807 --> 01:38:57.551
<v Stefan Brill>dann zieht sich dieser hineinragende Knochensteg immer mehr zurück und der Teil,

01:38:57.551 --> 01:39:01.973
<v Stefan Brill>der durch eine Membran gespannt ist, der wird immer breiter.

01:39:03.454 --> 01:39:09.918
<v Stefan Brill>Und bevor wir ganz oben im äußersten oberen Ende ankommen, hört die Membran auf.

01:39:11.172 --> 01:39:18.275
<v Stefan Brill>Und da ist dann die obere Hälfte von der Schneckenwindung und des Hohlraums

01:39:18.275 --> 01:39:19.575
<v Stefan Brill>einer einzelnen Schneckenwindung.

01:39:19.895 --> 01:39:22.226
<v Stefan Brill>Und die untere Hälfte sind miteinander verbunden.

01:39:24.697 --> 01:39:29.999
<v Tim Pritlove>Das heißt, wenn man da im Prinzip jetzt reingehen würde in diese Hörschnicke,

01:39:29.999 --> 01:39:34.611
<v Tim Pritlove>hätte man die Wahl zwischen oben und unten, weil die einfach über die komplette

01:39:34.611 --> 01:39:36.982
<v Tim Pritlove>Fläche von so einer Membran geteilt sind.

01:39:37.582 --> 01:39:41.823
<v Tim Pritlove>Bis ich ganz nach oben gehe, diese Membran dehnt sich immer weiter aus.

01:39:42.704 --> 01:39:45.895
<v Tim Pritlove>Ganz oben ist hier dann aber zu Ende. Ich kann im Prinzip auf die andere Seite

01:39:45.895 --> 01:39:48.566
<v Tim Pritlove>wechseln und auf der anderen Seite diese Hörschnecke wieder runter marschieren.

01:39:48.566 --> 01:39:51.727
<v Stefan Brill>Wieder runter marschieren. Und das ist genau das, was der Schallweg nimmt.

01:39:52.628 --> 01:39:54.968
<v Tim Pritlove>Und das ist alles mit dieser Flüssigkeit gefüllt?

01:39:54.968 --> 01:39:57.189
<v Stefan Brill>Das alles ist mit Flüssigkeit gefüllt.

01:39:57.509 --> 01:40:01.531
<v Tim Pritlove>Und jetzt dieser Steigbügel da drauf hämmert, dann jagt er quasi diese Schockwelle

01:40:01.531 --> 01:40:04.272
<v Tim Pritlove>durch die Flüssigkeit einmal hoch und wieder runter.

01:40:05.753 --> 01:40:11.254
<v Stefan Brill>Der Steigbügel sitzt jetzt so, dass er seine Schallwelle in den oberen Teil hineinjagt.

01:40:13.295 --> 01:40:19.137
<v Stefan Brill>Jetzt stellen wir uns mal vor, dass der Steigbügel sich ganz langsam pumpend rein und raus bewegt.

01:40:19.938 --> 01:40:24.279
<v Stefan Brill>Der pumpt also rein, das heißt, der schiebt seine Flüssigkeit vor sich her und

01:40:24.279 --> 01:40:26.680
<v Stefan Brill>zwar in der oberen Hälfte von diesem Querschnitt.

01:40:28.401 --> 01:40:32.582
<v Stefan Brill>Und das, was der an Flüssigkeit vor sich her schiebt, geht also jetzt zweieinhalb Windungen hoch.

01:40:33.082 --> 01:40:36.984
<v Stefan Brill>Oben ist dann die Trennmembran zwischen den beiden Hälften zu Ende.

01:40:36.984 --> 01:40:38.464
<v Stefan Brill>Diese Stelle nennt man Helikotremer.

01:40:39.785 --> 01:40:43.606
<v Stefan Brill>Dort wird das Volumen in die untere Hälfte runter gedrückt und wandert sozusagen

01:40:43.606 --> 01:40:49.568
<v Stefan Brill>in der unteren Hälfte wieder zurück und drückt unten die Membran des runden Fensters raus.

01:40:49.908 --> 01:40:54.850
<v Stefan Brill>Und wenn der Knochen, also der Steigbügel, die Gegenbewegung macht,

01:40:54.850 --> 01:40:58.751
<v Stefan Brill>also sozusagen wieder zurück zieht beim Rein- oder Rauspumpen,

01:40:58.751 --> 01:41:00.392
<v Stefan Brill>dann passiert genau das Umgekehrte.

01:41:00.392 --> 01:41:04.017
<v Stefan Brill>Dann zieht er das Flüssigkeitsvolumen zweieinhalb Windungen wieder zurück,

01:41:04.017 --> 01:41:08.324
<v Stefan Brill>oben wird ein bisschen wieder zurückgezogen, unten, am zweieinhalb Windungen

01:41:08.324 --> 01:41:12.230
<v Stefan Brill>im unteren Teil runtergehend, wird die Membran eingezogen und so bleibt die

01:41:12.230 --> 01:41:14.894
<v Stefan Brill>Flüssigkeit konstant. Das heißt dadurch, dass der Steigbügel,

01:41:16.768 --> 01:41:20.809
<v Stefan Brill>hinein pumpt mit einer schwingenden Bewegung wird die gesamte Flüssigkeitssäule

01:41:20.809 --> 01:41:26.391
<v Stefan Brill>durch die Kochlehr aber eben in gewundener Form hin und her bewegt.

01:41:26.391 --> 01:41:30.332
<v Tim Pritlove>Im Prinzip so, als ob ich so einen dicken Gummischlauch nehmen würde.

01:41:30.332 --> 01:41:34.014
<v Tim Pritlove>In der Mitte knick ich den, legt ihn sozusagen so zu zwei Strängen zusammen.

01:41:35.474 --> 01:41:41.316
<v Tim Pritlove>An der einen macht er Wasser rein und drücke da jetzt Blase da zum Beispiel

01:41:41.316 --> 01:41:44.687
<v Tim Pritlove>rein, aber ans andere Ende mach ich so einen kleinen Luftballon.

01:41:44.778 --> 01:41:48.956
<v Tim Pritlove>Wenn ich das so reindrücke, würde das Wasser den Luftballon entsprechend aufblasen

01:41:48.956 --> 01:41:51.860
<v Tim Pritlove>und wenn ich es wieder zurücknehme, geht es wieder zurück.

01:41:52.340 --> 01:41:55.381
<v Tim Pritlove>Das ist quasi so diese Aktivität, die jetzt in dieser Hörschnecke die ganze

01:41:55.381 --> 01:41:57.282
<v Tim Pritlove>Zeit erzeugt wird durch diese...

01:41:58.242 --> 01:42:03.384
<v Stefan Brill>Ja, der Trick... Das ist richtig. Das habe ich aber jetzt absichtlich erstmal

01:42:03.384 --> 01:42:09.466
<v Stefan Brill>ganz langsam in der Vorstellung gemacht, dass der Steigbügel nur langsam da

01:42:09.466 --> 01:42:11.127
<v Stefan Brill>hoch und runter pumpt. Macht er natürlich.

01:42:11.507 --> 01:42:15.368
<v Stefan Brill>Macht er natürlich nicht. Das macht er natürlich je nachdem,

01:42:15.368 --> 01:42:18.410
<v Stefan Brill>welche Frequenzen von außen kommen. Wenn also so ein tiefer Bass kommt,

01:42:18.410 --> 01:42:22.431
<v Stefan Brill>dann so richtig tiefer, so 20 Hertz, dann passiert ungefähr das.

01:42:22.751 --> 01:42:24.892
<v Stefan Brill>Oder machen wir es noch noch langsam mal. Ein Herz.

01:42:26.112 --> 01:42:27.153
<v Tim Pritlove>Einmal pro Sekunde.

01:42:27.153 --> 01:42:30.554
<v Stefan Brill>Das, was der Chirurg, wenn er operiert, tatsächlich mechanisch machen kann,

01:42:30.554 --> 01:42:33.855
<v Stefan Brill>indem er da mit seinem Instrument an dem Steigbügel macht. Der kann natürlich

01:42:33.855 --> 01:42:36.176
<v Stefan Brill>nicht beliebig schnell, der kann das so ein bisschen hin und her bewegen und

01:42:36.176 --> 01:42:39.397
<v Stefan Brill>dann sieht er diese Flüssigkeit hin und her laufen.

01:42:41.538 --> 01:42:44.789
<v Stefan Brill>Wenn ich das aber jetzt schneller und schneller und schneller mache,

01:42:44.789 --> 01:42:48.860
<v Stefan Brill>mit anderen Worten, wenn ich zu höheren und höheren und höheren Frequenzen gehe,

01:42:48.860 --> 01:42:53.142
<v Stefan Brill>dann wird das natürlich physikalisch,

01:42:53.142 --> 01:42:58.714
<v Stefan Brill>energetisch gesehen immer mühsamer, diese gesamte Flüssigkeit,

01:42:58.714 --> 01:43:02.345
<v Stefan Brill>dass wir haben, wir reden ja hier mehr oder weniger von dem ganzen Flüssigkeitsraum,

01:43:02.345 --> 01:43:05.666
<v Stefan Brill>der in der Kochlehr drin ist, vom ganzen Volumen, es wird immer mühsamer,

01:43:05.666 --> 01:43:07.887
<v Stefan Brill>die ganze Flüssigkeit hin und her zu schieben.

01:43:07.887 --> 01:43:11.909
<v Stefan Brill>Das wird energetisch immer aufwendiger, immer schwieriger.

01:43:11.909 --> 01:43:13.809
<v Tim Pritlove>Das hat ja auch seine eigene Trägheit.

01:43:14.550 --> 01:43:18.651
<v Stefan Brill>Richtig, das hat eben, weil es eine trägemasse darstellt, eine trägeschwingende Masse.

01:43:19.852 --> 01:43:24.433
<v Stefan Brill>Weil wir aber von Schall reden, wir haben ja einen Steigbügel,

01:43:24.433 --> 01:43:30.455
<v Stefan Brill>der jetzt ein Schall Signal in die Schnecke reinschickt, müssen wir auch erstmal

01:43:30.455 --> 01:43:33.537
<v Stefan Brill>von der Schallgeschwindigkeit reden, mit der das da reinläuft.

01:43:33.537 --> 01:43:38.438
<v Stefan Brill>Wir haben ja, In der Außenwelt haben wir ja Luftschall. Das Schalllaufgeschwindigkeit

01:43:38.438 --> 01:43:45.541
<v Stefan Brill>sind so ungefähr 335 Meter pro Sekunde Schallgeschwindigkeit und in Flüssigkeit,

01:43:45.541 --> 01:43:46.761
<v Stefan Brill>in Wasser ist das viel höher.

01:43:46.761 --> 01:43:52.284
<v Stefan Brill>Das sind ungefähr so 1700, 1800 Meter pro Sekunde, je nachdem noch wie die Flüssigkeit

01:43:52.284 --> 01:43:54.954
<v Stefan Brill>zusammengesetzt ist. Und das geht natürlich rasend schnell.

01:43:55.305 --> 01:43:59.886
<v Stefan Brill>Das hat jetzt mit diesem Impedanzausgleichsphänomen des Mittelohrs erstmal gar

01:43:59.886 --> 01:44:03.367
<v Stefan Brill>nichts zu tun, wie schnell die Laufzeiten da drin sind. Aber Wenn der Stapel….

01:44:07.768 --> 01:44:10.769
<v Stefan Brill>Hinein pumpt in die Flüssigkeit, dann sendet er ja,

01:44:10.769 --> 01:44:15.090
<v Stefan Brill>auch wenn das langsam ist, sendet er gewissermaßen eine Schallwelle rein in die Flüssigkeit,

01:44:15.090 --> 01:44:18.332
<v Stefan Brill>wie man in so ein Rohr eine Schallwelle rein senden kann,

01:44:18.332 --> 01:44:21.973
<v Stefan Brill>wenn das Luft- oder Flüssigkeitsgefüllt ist, dann läuft die einfach da lang

01:44:21.973 --> 01:44:26.875
<v Stefan Brill>und so sendet auch der pumpende Stapes in diese Flüssigkeit hinein,

01:44:26.875 --> 01:44:31.236
<v Stefan Brill>in die Flüssigkeit hinein, eine longitudinal längs

01:44:31.236 --> 01:44:34.218
<v Stefan Brill>laufende Schallwelle und die

01:44:34.218 --> 01:44:37.119
<v Stefan Brill>ist es die sozusagen wenn man das das in

01:44:37.119 --> 01:44:40.580
<v Stefan Brill>diesem statischen langsamen hin- und herpumpzustand uns

01:44:40.580 --> 01:44:43.561
<v Stefan Brill>überlegen wenn ich also jetzt Den stapes

01:44:43.561 --> 01:44:48.703
<v Stefan Brill>reindrücke dann kommt um diese laufzeit verzögert kommt unten die membran raus

01:44:48.703 --> 01:44:53.065
<v Stefan Brill>das ist ja Die laufzeit des schalt das natürlich auch dann so wenn ich es ganz

01:44:53.065 --> 01:44:56.646
<v Stefan Brill>langsam mache Schall läuft ja nicht deswegen schneller weil man eine niedrige

01:44:56.646 --> 01:45:00.808
<v Stefan Brill>frequenz hat also auch dann so wenn man es ganz langsam macht nur für so den Beobachter,

01:45:00.808 --> 01:45:03.769
<v Stefan Brill>der das sich so mental vorstellt, wirkt das instantan.

01:45:03.769 --> 01:45:06.670
<v Stefan Brill>Ich schiebe einfach hier so eine Flüssigkeit hin und her. Aber in Wirklichkeit

01:45:06.670 --> 01:45:10.052
<v Stefan Brill>geht das natürlich mit der Laufgeschwindigkeit von der Schallwelle.

01:45:11.292 --> 01:45:16.735
<v Stefan Brill>Weil aber das ganze System so irrwitzig klein ist und die Schallwelle in Flüssigkeit

01:45:16.735 --> 01:45:20.876
<v Stefan Brill>unheimlich schnell läuft, kann man in erster Näherung mal so tun, als wäre das instantan.

01:45:21.897 --> 01:45:27.239
<v Stefan Brill>Das ist jetzt mal nur am Rande gesprochen. Wenn man jetzt aber zu höheren und

01:45:27.239 --> 01:45:31.641
<v Stefan Brill>höheren Einprägefrequenzen wechselt,

01:45:31.641 --> 01:45:38.704
<v Stefan Brill>also langsam die Schwingfrequenz des Stapes hochdrehen, dann wird es physikalisch

01:45:38.704 --> 01:45:41.645
<v Stefan Brill>vom Energieaufwand immer unangenehmer,

01:45:41.645 --> 01:45:44.666
<v Stefan Brill>wenn das System die ganze Flüssigkeit hin und her pumpen muss.

01:45:45.326 --> 01:45:48.007
<v Stefan Brill>Und jetzt fängt das System irgendwann an und da wird es

01:45:48.007 --> 01:45:50.949
<v Stefan Brill>wirklich unglaublich schlau und da steht man immer wieder davor

01:45:50.949 --> 01:45:54.972
<v Stefan Brill>und staunt Bauklötze was die Evolution

01:45:54.972 --> 01:45:59.294
<v Stefan Brill>dazu stande gebracht hat jetzt fängt irgendwann an die Flüssigkeitssäule nicht

01:45:59.294 --> 01:46:04.277
<v Stefan Brill>mehr den Umweg übers Helikodrehm zu gehen sondern das ist der höchsten Punkt

01:46:04.277 --> 01:46:07.559
<v Stefan Brill>über diesen höchsten Punkt wo die beiden Flüssigkeitshälften miteinander in

01:46:07.559 --> 01:46:11.541
<v Stefan Brill>Verbindung stehen sondern sagt sich menschlich gesprochen,

01:46:11.541 --> 01:46:14.092
<v Stefan Brill>da verbiege ich doch lieber die Membran.

01:46:14.883 --> 01:46:18.785
<v Stefan Brill>Das heißt also, anstatt dass die Flüssigkeit oben rum läuft,

01:46:18.785 --> 01:46:23.548
<v Stefan Brill>bollt sich die Membran nach unten aus bzw. schwingt wieder zurück.

01:46:24.750 --> 01:46:29.514
<v Stefan Brill>Das heißt also, das Hin- und Herpumpen der beiden Flüssigkeitshälften...

01:46:32.130 --> 01:46:37.511
<v Stefan Brill>Nimmt jetzt salopp gesprochene Abkürzung, indem die Membran hoch und runter ausgelenkt wird.

01:46:38.852 --> 01:46:44.634
<v Stefan Brill>Und das Ganze passiert je nach Frequenz an unterschiedlichen Stellen.

01:46:44.634 --> 01:46:46.175
<v Tim Pritlove>Das heißt, je nachdem, wo die

01:46:46.175 --> 01:46:50.016
<v Tim Pritlove>Membran eingedrückt wird, misst man dadurch quasi eine andere Frequenz.

01:46:50.016 --> 01:46:50.716
<v Stefan Brill>Ganz genau.

01:46:51.236 --> 01:46:52.877
<v Tim Pritlove>Und das geht alles gleichzeitig.

01:46:53.157 --> 01:46:57.098
<v Stefan Brill>Jetzt gehen mehrere Sachen Hand in Hand. Ich hatte ja ursprünglich gesagt,

01:46:57.098 --> 01:47:02.000
<v Stefan Brill>die Membran unten im Eingangsbereich ist zur gegenüberliegenden Seite relativ

01:47:02.000 --> 01:47:03.941
<v Stefan Brill>kurz und nach oben wird sie immer länger.

01:47:05.461 --> 01:47:07.682
<v Stefan Brill>Sieht die gespannte Weite der Basilarmembran.

01:47:10.443 --> 01:47:15.005
<v Stefan Brill>Und das hat schon der alte Helmholtz gewusst. Also hier ist doch hier in Berlin

01:47:15.005 --> 01:47:17.386
<v Stefan Brill>das Helmholtz-Institute, Helmholtz kennt man.

01:47:18.226 --> 01:47:21.387
<v Stefan Brill>Und der hatte damals schon gesagt, Moment mal, das ist ja so,

01:47:21.387 --> 01:47:24.528
<v Stefan Brill>als hätte ich sozusagen aneinander liegende,

01:47:24.528 --> 01:47:29.550
<v Stefan Brill>gespannte Seiten, wie von einem Seiteninstrument, die immer von diesem Knochensteg

01:47:29.550 --> 01:47:33.551
<v Stefan Brill>zur gegenüberliegenden Wand gespannt sind, kann ich diese Membranien interpretieren

01:47:33.551 --> 01:47:37.773
<v Stefan Brill>als infinitisimal dicht aneinander liegende schwingende Seiten.

01:47:37.773 --> 01:47:41.354
<v Stefan Brill>Und jetzt sind die da unten kürzer, so wie bei einem Seiteninstrument.

01:47:41.874 --> 01:47:45.856
<v Stefan Brill>Kurze Seite, hohe Frequenz. Die weiter drin sind länger, also eher für eine

01:47:45.856 --> 01:47:50.478
<v Stefan Brill>tiefe Frequenz zuständig. Deren Schwingungsvorzug ist bei einer tieferen Frequenz.

01:47:50.478 --> 01:47:54.059
<v Stefan Brill>Und da hatte der damals schon gesagt, das ist schon ein spektraler Analysator.

01:47:55.439 --> 01:48:02.022
<v Stefan Brill>Der macht jetzt schon eine Umsetzung der Frequenzanteile im Schallsignal auf

01:48:02.022 --> 01:48:03.702
<v Stefan Brill>verschiedene Stellen im Ohr.

01:48:05.603 --> 01:48:08.144
<v Stefan Brill>Das Ganze ist aber doch noch ein ganzes Stückchen komplexer.

01:48:09.605 --> 01:48:15.060
<v Stefan Brill>Aber diese Dinge gehen zumindest Hand in Hand. Wir haben also einerseits die

01:48:15.060 --> 01:48:20.148
<v Stefan Brill>energetische Anstrengung mehr oder weniger Flüssigkeitssäule hin und her pumpen zu müssen.

01:48:21.029 --> 01:48:24.550
<v Stefan Brill>Je höher die Frequenz, desto energetisch günstiger ist es, wenn ich gar nicht

01:48:24.550 --> 01:48:27.592
<v Stefan Brill>die ganze Flüssigkeit solle pumpe, sondern wenn ich früher und früher und früher

01:48:27.592 --> 01:48:30.654
<v Stefan Brill>stattdessen die Membran sich verbiegen lasse.

01:48:31.515 --> 01:48:36.258
<v Stefan Brill>Das hat natürlich auch seinen Preis. Die Membranverbiegung will ja als energetisch-physikalisch

01:48:36.258 --> 01:48:37.578
<v Stefan Brill>gesprochen, will ja auch bezahlt sein.

01:48:37.578 --> 01:48:40.260
<v Stefan Brill>Braucht man ja auch Energie dafür, die zu verbiegen. Deswegen geht es bei ganz

01:48:40.260 --> 01:48:44.823
<v Stefan Brill>langsamen niedrigen Frequenzen trotzdem obenrum, weil das wiederum günstiger

01:48:44.823 --> 01:48:47.045
<v Stefan Brill>ist, als die Membran zu verbiegen. Ja.

01:48:47.725 --> 01:48:51.167
<v Stefan Brill>So und wenn ich also jetzt zu höheren und höheren Frequenzen gehe,

01:48:51.167 --> 01:48:53.488
<v Stefan Brill>gehen diese drei Dinge Hand in Hand. Erstens,

01:48:54.995 --> 01:49:00.037
<v Stefan Brill>dass die Breite der Membran nach unten hin immer kürzer wird.

01:49:00.977 --> 01:49:04.499
<v Stefan Brill>Zweitens, dass die Flüssigkeitssäule, die ich hin und her pumpen muss,

01:49:04.499 --> 01:49:08.400
<v Stefan Brill>immer weniger Masse ist, die ich bewegen muss.

01:49:10.661 --> 01:49:14.802
<v Stefan Brill>Und drittens habe ich noch ein gewundenes System. Das heißt also tiefe Schallwellen

01:49:14.802 --> 01:49:18.284
<v Stefan Brill>gehen, jetzt mal ganz salopp gesprochen, gehen leichter um die Ecke als hohe Schallwellen.

01:49:18.624 --> 01:49:21.465
<v Tim Pritlove>Hatten wir ja schon bei den Höhen von außen und so.

01:49:21.465 --> 01:49:24.706
<v Stefan Brill>Hatten wir schon von außen. Das ist eine relativ neue Idee.

01:49:24.706 --> 01:49:28.447
<v Stefan Brill>Das ist erst in Simulationen vor ein paar Jahren erst so rausgekommen,

01:49:28.447 --> 01:49:31.889
<v Stefan Brill>weil man sich immer gedacht hat, warum eigentlich Schnecke? Warum müssen wir

01:49:31.889 --> 01:49:35.020
<v Stefan Brill>eine Schnecke haben? Die Vögel haben nämlich keine Schnecke und die Dinosaurier,

01:49:35.020 --> 01:49:38.851
<v Stefan Brill>die haben nur einen hohlen Stift sozusagen.

01:49:39.151 --> 01:49:42.132
<v Stefan Brill>Die haben nur eine gerade oder so leicht gebogenen liegenden,

01:49:42.132 --> 01:49:45.734
<v Stefan Brill>so eine Art Banane, könnte man vielleicht sagen, haben die.

01:49:46.194 --> 01:49:48.975
<v Stefan Brill>Aber bei denen ist das nicht wirklich zu einer Schnecke geworden.

01:49:48.975 --> 01:49:53.837
<v Stefan Brill>Und eine der neueren Theorien, warum das eine Schnecke ist, ist diese Geschichte,

01:49:53.837 --> 01:49:56.838
<v Stefan Brill>dass wenn ich das nochmal um die Ecke gehen lassen muss, dass ich dann nochmal

01:49:56.838 --> 01:49:58.479
<v Stefan Brill>eine bessere Frequenzseparierung bekomme.

01:49:58.599 --> 01:50:01.660
<v Tim Pritlove>Grundsätzlich kann man sagen, die tiefen Frequenzen werden eher am Ende dieser

01:50:01.660 --> 01:50:05.181
<v Tim Pritlove>Schnecke dekodiert und die höheren Frequenzen am Anfang.

01:50:05.181 --> 01:50:06.942
<v Stefan Brill>Die tiefen Frequenzen sind tief drin.

01:50:06.942 --> 01:50:08.663
<v Tim Pritlove>Hm, da kann man sich gut merken.

01:50:08.663 --> 01:50:11.824
<v Stefan Brill>Ja, und dann kommt noch was anderes hinzu.

01:50:12.224 --> 01:50:18.306
<v Stefan Brill>Betrachten wir uns mal diese Membran, die sozusagen hoch und runter verbogen

01:50:18.306 --> 01:50:20.807
<v Stefan Brill>wird, je nachdem welche Frequenz ich einpräge.

01:50:22.188 --> 01:50:27.060
<v Stefan Brill>Das kann man sich natürlich wie so eine rauf und runter schlackernde Teppichblase

01:50:27.060 --> 01:50:29.931
<v Stefan Brill>vielleicht vorstellen, aber in Wirklichkeit ist das auch noch mal komplizierter.

01:50:31.712 --> 01:50:36.133
<v Stefan Brill>Das ist erst so Mitte dieses Jahrhunderts dann entdeckt worden,

01:50:36.133 --> 01:50:38.734
<v Stefan Brill>als man sich das mal so richtig ganz genau angeguckt hat.

01:50:39.075 --> 01:50:43.476
<v Stefan Brill>Jetzt hat man festgestellt, Und in dem Bereich, wo diese Membran auf und ab

01:50:43.476 --> 01:50:48.538
<v Stefan Brill>schwingt, schwingt das ja gar nicht so naiv wie eine Teppichblase rauf und runter,

01:50:48.538 --> 01:50:53.320
<v Stefan Brill>sondern in dem Bereich schwingt das sowieso wie kleine Wellen.

01:50:53.320 --> 01:50:57.101
<v Stefan Brill>Das heißt also der Bereich, der überhaupt schwingt, schwingt nicht wie eine

01:50:57.101 --> 01:51:00.963
<v Stefan Brill>Teppichblase flap flap flap rauf und runter, sondern schwingt sozusagen mit

01:51:00.963 --> 01:51:07.105
<v Stefan Brill>einer Welligkeit rauf und runter. Und diese Welligkeit, die läuft so ein bisschen durch.

01:51:07.465 --> 01:51:12.207
<v Stefan Brill>Die bewegt sich sozusagen von einem zum anderen Ort durch. Das ist die berühmte Wanderwelle.

01:51:15.088 --> 01:51:19.450
<v Stefan Brill>Und das ist erst so berühmt. Ja, Wanderwelle ist schon...

01:51:20.350 --> 01:51:24.332
<v Stefan Brill>Also alle, die sich mit dem Ohr beschäftigen, die haben dann sofort mit dieser Wanderwelle zu tun.

01:51:25.172 --> 01:51:27.733
<v Stefan Brill>Und das ist was, wofür es sogar einen Nobelpreis gegeben hat.

01:51:27.733 --> 01:51:33.535
<v Stefan Brill>Und zwar hat von Bekeshi, ich glaube 1956, einen Nobelpreis dafür gekriegt.

01:51:33.535 --> 01:51:40.679
<v Stefan Brill>Genau diese mechanische Spezialität der Kochlehrer überhaupt in dieser Klarheit

01:51:40.679 --> 01:51:43.120
<v Stefan Brill>zu entdecken und zu finden.

01:51:43.660 --> 01:51:46.241
<v Stefan Brill>Und diese Wanderwelle, die kann man jetzt natürlich,

01:51:48.305 --> 01:51:52.807
<v Stefan Brill>mikroskopisch beobachten. Heutzutage wird das mit allen möglichen schlauen Gerätschaften

01:51:52.807 --> 01:51:57.409
<v Stefan Brill>wie Laserdoppler, Vibrometer etc. wird das gemacht. Der Becci selber hat sich

01:51:57.409 --> 01:52:00.350
<v Stefan Brill>selber mechanische Modelle gebaut und hat das daran nachverzogen.

01:52:04.551 --> 01:52:07.972
<v Stefan Brill>Und diese Wanderwelle hat jetzt die Eigenschaft, dass die zu den tiefen Frequenzen

01:52:07.972 --> 01:52:10.093
<v Stefan Brill>hin irgendwann ganz plötzlich aufhört.

01:52:10.093 --> 01:52:13.034
<v Stefan Brill>Also diese Teppichblase, das ist nicht so ein weiter Bereich,

01:52:13.034 --> 01:52:15.935
<v Stefan Brill>der so locker rauf und rum flappert, sondern zu tiefen Bereichen,

01:52:15.935 --> 01:52:22.337
<v Stefan Brill>ist ganz schnell Schluss und zu den höheren Bereichen hin ist es lautstärkeabhängig.

01:52:22.758 --> 01:52:26.219
<v Stefan Brill>Wenn man ganz leise ist hat man ganz scharf beschränkt den Bereich wo das aktiv

01:52:26.219 --> 01:52:32.101
<v Stefan Brill>ist und wenn man höhere lautstärken macht dann dehnt sich das immer weiter Richtung hohen Frequenzen aus.

01:52:32.101 --> 01:52:37.523
<v Stefan Brill>Das heißt also das ist auch das warum Bässe so hörschädigend sein können,

01:52:37.523 --> 01:52:40.864
<v Stefan Brill>weil wenn ich einen richtig massiven Bass auf das Ohr draufschicke dann ist

01:52:40.864 --> 01:52:45.105
<v Stefan Brill>ja der Ort wo der Bass sich am stärksten auswirkt ist ja tief drin oben in der

01:52:45.105 --> 01:52:46.126
<v Stefan Brill>Spitze von der Schnecke.

01:52:46.466 --> 01:52:48.947
<v Stefan Brill>Ich habe mir gesagt, die tiefen Frequenzen sitzen tief drin.

01:52:48.947 --> 01:52:52.568
<v Stefan Brill>Aber wenn das dann noch zusätzlich entsprechend laut ist, dann schwingt am Ende

01:52:52.568 --> 01:52:57.050
<v Stefan Brill>sozusagen die gesamte Kochlehrer bei dieser tiefen Frequenz.

01:52:57.050 --> 01:53:01.891
<v Stefan Brill>Ich kann also auch mit tiefen Frequenzen Hörschädigungen im mittleren und Hochtonbereich erzeugen.

01:53:02.692 --> 01:53:04.832
<v Tim Pritlove>Weil es da dran vorbeikommen muss zwangsläufig.

01:53:05.393 --> 01:53:09.674
<v Stefan Brill>So könnte man das interpretieren. Man darf das aber nicht falsch verstehen.

01:53:09.674 --> 01:53:14.176
<v Stefan Brill>Viele Leute, auch in meinem Fachgebiet bin ich immer wieder mal überrascht.

01:53:14.576 --> 01:53:18.837
<v Stefan Brill>Viele Leute denken diese Wanderwelle wäre jetzt eine Schwingung,

01:53:18.837 --> 01:53:24.859
<v Stefan Brill>die unten am Eingang der Kochlea losläuft, noch ganz klein und sich irgendwie

01:53:24.859 --> 01:53:27.100
<v Stefan Brill>weiter oben dann ausprägt und manifestiert.

01:53:27.800 --> 01:53:32.002
<v Stefan Brill>So als wie von Zauberhand, das fängt mit Null an und hinten drin ist es auf

01:53:32.002 --> 01:53:36.403
<v Stefan Brill>einmal ausgeprägt da. Das ist aber eigentlich ein lokales Phänomen von dem Ort,

01:53:36.403 --> 01:53:40.285
<v Stefan Brill>wo die Schwingungen überhaupt stattfindet. Und dort habe ich in dem Bereich

01:53:40.285 --> 01:53:41.145
<v Stefan Brill>habe ich dann diese Wanderwelle.

01:53:43.586 --> 01:53:47.306
<v Tim Pritlove>Was ermöglicht denn jetzt diese, also ich meine was ist jetzt das Besondere da dran,

01:53:47.306 --> 01:53:51.397
<v Tim Pritlove>dass da diese Membranen nochmal in so einem Wanderwelligen-Dings,

01:53:51.397 --> 01:53:57.968
<v Tim Pritlove>ich würde mir jetzt erstmal denken, in dem Moment wo sich irgendeine übertragende Frequenz,

01:53:57.968 --> 01:54:03.229
<v Tim Pritlove>die dann durch die Schnecke durchläuft an einer bestimmten Stelle in der Membran

01:54:03.229 --> 01:54:06.929
<v Tim Pritlove>manifestiert, wäre es ja jetzt einfach nur wichtig, dass die Membran da auch

01:54:06.929 --> 01:54:09.290
<v Tim Pritlove>die entsprechende Sensorik hat, das quasi festzustellen.

01:54:10.510 --> 01:54:14.490
<v Tim Pritlove>Ist dadurch, dass er sich so wanderwellig niederschlägt, nochmal irgendwas anderes

01:54:14.490 --> 01:54:17.631
<v Tim Pritlove>möglich, was man so von ihm möglich gehalten hat?

01:54:19.022 --> 01:54:24.244
<v Stefan Brill>Eines der Schwierigkeiten, die man gerne erschlagen möchte, wenn ich jetzt mal

01:54:24.244 --> 01:54:26.965
<v Stefan Brill>so als Ingenieur denke, Ingenieur denke, genau.

01:54:26.965 --> 01:54:27.885
<v Tim Pritlove>Wir bauen uns ein Ohr.

01:54:27.885 --> 01:54:32.747
<v Stefan Brill>Genau. Eine der Schwierigkeiten, die ich gerne lösen möchte,

01:54:32.747 --> 01:54:37.189
<v Stefan Brill>wäre natürlich, dass ich Spektral sehr scharf auflösen kann.

01:54:37.189 --> 01:54:43.091
<v Stefan Brill>Dass ich also sehr genau bestimmte Frequenzen heraus hören kann und unterscheiden kann von anderen.

01:54:43.512 --> 01:54:46.973
<v Stefan Brill>Und wenn ich jetzt mal von diesem anfänglichen, naiven Modell,

01:54:46.973 --> 01:54:52.035
<v Stefan Brill>dass ich da so eine flabrig schwingende Teppichblase nur habe,

01:54:52.035 --> 01:54:55.276
<v Stefan Brill>die rauf und runter geht, die ist natürlich überhaupt nicht frequenzspezifisch.

01:54:57.277 --> 01:55:00.238
<v Stefan Brill>Und da treten jetzt eine ganze Reihe von Mechanismen zusätzlich auf.

01:55:00.238 --> 01:55:04.259
<v Stefan Brill>Also einerseits, diese Wanderwelle hat auch etwas damit zu tun,

01:55:04.259 --> 01:55:07.601
<v Stefan Brill>dass ich entlang der Basilarmembran, worauf das stattfindet,

01:55:07.601 --> 01:55:10.722
<v Stefan Brill>dass ich auch nochmal so eine Oberflächenwellenphänomen habe.

01:55:10.722 --> 01:55:14.564
<v Stefan Brill>Also ich kann ja auch eine schwingende Welle sozusagen

01:55:14.564 --> 01:55:17.705
<v Stefan Brill>die die die Membran ist ja mit sich selber und

01:55:17.705 --> 01:55:20.366
<v Stefan Brill>ihren elementar Elementen der Membran sozusagen mit sich

01:55:20.366 --> 01:55:23.627
<v Stefan Brill>selber verbunden das heißt also das wird sozusagen weitergeleitet

01:55:23.627 --> 01:55:27.049
<v Stefan Brill>wieso an der Wasseroberfläche Das ist schon mal ein Mechanismus der da auftaucht

01:55:27.049 --> 01:55:32.251
<v Stefan Brill>und dann gibt es Jetzt in dem eigentlichen sensorischen Organ da man jetzt noch

01:55:32.251 --> 01:55:36.213
<v Stefan Brill>gar nicht darüber gesprochen was ja auf der Basilar wenn man drauf sitzt und

01:55:36.213 --> 01:55:40.714
<v Stefan Brill>diese Schwingungen überhaupt erst mal als Nervenzellen wahrnimmt und aufnimmt und weiterleitet.

01:55:41.535 --> 01:55:44.856
<v Stefan Brill>Dieses sensorische Organ hat jetzt auch wieder spezielle Eigenschaften,

01:55:44.856 --> 01:55:49.538
<v Stefan Brill>um eine spektral sehr scharfe Hörwahrnehmung zu ermöglichen.

01:55:50.299 --> 01:55:54.881
<v Stefan Brill>Und da kommen jetzt eine ganze Reihe von Effekten ins Spiel,

01:55:54.881 --> 01:55:58.202
<v Stefan Brill>die teilweise auch noch gar nicht wirklich geklärt sind.

01:55:58.443 --> 01:56:03.598
<v Stefan Brill>Dass also da so Mechanismen stattfinden, dass sich benachbarte Zellen gegenseitig

01:56:03.598 --> 01:56:06.592
<v Stefan Brill>verstärken oder behindern in ihrer Aktivität.

01:56:07.473 --> 01:56:11.318
<v Stefan Brill>Das war das, was wir, ich glaube, bevor wir angefangen haben,

01:56:11.318 --> 01:56:13.640
<v Stefan Brill>gesprochen haben, diese Geschichten mit lateraler Inhibition.

01:56:14.581 --> 01:56:16.283
<v Stefan Brill>Wenn ich also bestimmte Elemente in...

01:56:18.350 --> 01:56:22.152
<v Stefan Brill>In einem sensorischen System wahrnehmen will, wie zum Beispiel eine Helligkeitskante,

01:56:22.152 --> 01:56:25.373
<v Stefan Brill>ein Helligkeitssprung, dass ich mich eigentlich nur für den Sprung und die Kante

01:56:25.373 --> 01:56:29.775
<v Stefan Brill>interessiere, dann sind in diesem Bereich Nervenzellen miteinander verschaltet,

01:56:29.775 --> 01:56:33.456
<v Stefan Brill>behindern oder verstärken sich gegenseitig in der Nachbarschaft und können auf

01:56:33.456 --> 01:56:36.037
<v Stefan Brill>die Art und Weise zum Beispiel eine Helligkeitskante besonders herausarbeiten.

01:56:37.418 --> 01:56:41.919
<v Tim Pritlove>In dem Fall halt eine Frequenzkante. Ganz genau. Die Zellen messen nicht nur

01:56:41.919 --> 01:56:47.041
<v Tim Pritlove>für sich, sondern auch so mit ihren Nachbarn. mal nach, empfängst du noch das

01:56:47.041 --> 01:56:48.882
<v Tim Pritlove>gleiche wie ich? Ne, sehe ich nicht.

01:56:49.382 --> 01:56:52.423
<v Tim Pritlove>Alles klar, dann ist jetzt hier wohl irgendwie genau der Punkt erreicht.

01:56:53.443 --> 01:56:58.205
<v Tim Pritlove>Okay, also um es nochmal ein bisschen zusammenzufassen, das Höhen an sich funktioniert,

01:56:58.205 --> 01:57:04.147
<v Tim Pritlove>nachdem eben dieser ganze Luftumwandlung in mechanischer Energie dann wiederum

01:57:04.147 --> 01:57:07.928
<v Tim Pritlove>in Flüssigkeit übertragen wird,

01:57:07.928 --> 01:57:16.652
<v Tim Pritlove>so dass eben die Schockwellen quasi des Steigbügels durch diese doppelte Schnecke gejagt werden,

01:57:16.652 --> 01:57:20.474
<v Tim Pritlove>doppelt weil es halt eine Windung hin und eine Windung zurück gibt,

01:57:20.474 --> 01:57:26.638
<v Tim Pritlove>getrennt durch diese Membran und unterschiedliche Frequenzen übertragen sich

01:57:26.638 --> 01:57:28.078
<v Tim Pritlove>an unterschiedlichen Stellen,

01:57:28.078 --> 01:57:31.260
<v Tim Pritlove>die hohen Frequenzen am Anfang der Schnecke,

01:57:31.260 --> 01:57:37.263
<v Tim Pritlove>die tiefen Frequenzen am Ende der Schnecke und es herrscht jetzt in dieser Membran eine Sensorik,

01:57:37.263 --> 01:57:42.166
<v Tim Pritlove>die in der Lage ist jetzt sehr fein zu trennen, welche Frequenzen in welchem

01:57:42.166 --> 01:57:47.369
<v Tim Pritlove>Maße hier jetzt aufgeschlagen sind, um dann eben quasi über die gesamte Membranstrecke

01:57:47.369 --> 01:57:49.890
<v Tim Pritlove>so eine kombinierte Information ans Gehirn weiterzuleiten.

01:57:51.034 --> 01:57:52.939
<v Tim Pritlove>Das ist im Wesentlichen eigentlich das Hören.

01:57:55.109 --> 01:57:58.270
<v Tim Pritlove>Einfach von mir zusammen gedampft

01:57:58.270 --> 01:58:01.171
<v Tim Pritlove>aber ich treffe das an der

01:58:01.171 --> 01:58:05.592
<v Tim Pritlove>Stelle Jetzt haben wir natürlich

01:58:05.592 --> 01:58:10.234
<v Tim Pritlove>noch keine nerven impulse das war jetzt bisher alles erstmal nur mechanik Ja

01:58:10.234 --> 01:58:14.856
<v Tim Pritlove>genau es ist mich mechanisch genau Aber das ist ja jetzt auch schon mal was

01:58:14.856 --> 01:58:24.679
<v Tim Pritlove>also jeder der jetzt hier zu hört Weiß jetzt zumindest schon mal wie Das ist echt unglaublich.

01:58:25.420 --> 01:58:28.541
<v Tim Pritlove>Wie groß dieser ganze Apparat ist auch wirklich an sich sehr überschaubar.

01:58:30.101 --> 01:58:38.164
<v Tim Pritlove>Also wie groß ist dieses komplette von Trommelfell bis ohne jetzt die Nervenverbindung dahinter.

01:58:38.164 --> 01:58:44.527
<v Tim Pritlove>Also nur so Schnecke, Mittelohr, all das zusammen Innenohr. Das ist ja ganz

01:58:44.527 --> 01:58:48.808
<v Tim Pritlove>komplex. Wie groß muss ich das vorstellen? So groß wie eine Kastanie oder etwas größer?

01:58:49.869 --> 01:58:56.910
<v Stefan Brill>Ja, also wenn wir den Gehörgang noch mit dazu nehmen, dann haben wir da vielleicht

01:58:56.910 --> 01:59:01.281
<v Stefan Brill>eine Tiefe insgesamt von da wo es reingeht bis da wo dann die Schnecke ist.

01:59:02.691 --> 01:59:05.872
<v Stefan Brill>4,5, 5 cm vielleicht. Also das größte davon ist der Gehörgang.

01:59:05.872 --> 01:59:08.952
<v Tim Pritlove>Ja, wenn man den jetzt mal wegnimmt. Ich meine jetzt nur sozusagen dieses reine

01:59:08.952 --> 01:59:09.252
<v Tim Pritlove>Schallumwandlungssystem.

01:59:11.813 --> 01:59:16.094
<v Stefan Brill>Die Hörschnecke selber, das passt in Kubikzentimeter. Das ist,

01:59:16.094 --> 01:59:21.655
<v Stefan Brill>also dann kommt noch natürlich das Mittelorder hinzu. Wenn man nochmal ein Kubikzentimeter,

01:59:21.655 --> 01:59:22.555
<v Stefan Brill>eher ein bisschen weniger.

01:59:23.115 --> 01:59:24.706
<v Stefan Brill>Ist also alles schon ganz schön klein.

01:59:30.418 --> 01:59:34.080
<v Tim Pritlove>So, was muss man jetzt noch zur Kenntnis nehmen?

01:59:36.321 --> 01:59:39.522
<v Stefan Brill>Das, worüber wir noch gar nicht gesprochen haben, auch beim Gleichgewichtsorgan

01:59:39.522 --> 01:59:44.623
<v Stefan Brill>noch nicht, ist eigentlich welche Nervenzellen machen das denn überhaupt?

01:59:44.623 --> 01:59:47.504
<v Stefan Brill>Wir haben ja immer so ein bisschen um den heißen Brei bisher rum geredet.

01:59:48.265 --> 01:59:52.226
<v Stefan Brill>Wir haben ein Sensorium, wir haben Nervenzellen, die dann Schwingungen oder

01:59:52.226 --> 01:59:55.748
<v Stefan Brill>Bewegungen in Flüssigkeit aufnehmen. Aber wie die das genau machen,

01:59:55.748 --> 01:59:58.549
<v Stefan Brill>haben wir bisher noch gar kein Wort darüber verloren.

01:59:59.869 --> 02:00:06.812
<v Stefan Brill>Und das sind halt Nervenzellen, die mechanische Rezeptoren sind.

02:00:07.312 --> 02:00:13.714
<v Stefan Brill>Nervenzellen, die in der Lage sind, Nervenimpulse abzugeben auf mechanischen äußeren Reiz hin.

02:00:19.577 --> 02:00:23.758
<v Stefan Brill>Und das ging schon unheimlich früh los in in der Evolution.

02:00:24.198 --> 02:00:29.140
<v Stefan Brill>Das geht, glaube ich, sogar noch vor das Cambrium zurück,

02:00:29.140 --> 02:00:32.881
<v Stefan Brill>also bevor überhaupt Skelette da waren,

02:00:32.881 --> 02:00:37.043
<v Stefan Brill>dass man Lagesensoren brauchte,

02:00:37.043 --> 02:00:40.704
<v Stefan Brill>zum Beispiel in Qualen ist das noch so, braucht Lagesensoren,

02:00:40.704 --> 02:00:43.925
<v Stefan Brill>Gleichgewichtorgan könnte man dann sagen, bei den Fischen war das vergleichsweise

02:00:43.925 --> 02:00:50.187
<v Stefan Brill>schon unheimlich ausgeprägt und die Natur hat dann so Blasen konstruiert,

02:00:50.187 --> 02:00:54.869
<v Stefan Brill>in die hinein Nervenzellen reinragten und in diesen Blasen war zum Beispiel

02:00:54.869 --> 02:01:01.452
<v Stefan Brill>ein Steinchen drin und das Steinchen das hat immer diese diese mechanischen

02:01:01.452 --> 02:01:06.133
<v Stefan Brill>Rezeptorzellen berührt und dann wusste das Tier immer was immer das war.

02:01:06.133 --> 02:01:07.874
<v Stefan Brill>Wo unten ist. Wo unten ist.

02:01:09.054 --> 02:01:12.295
<v Stefan Brill>Es gibt teilweise gibt es ganz ganz lustige solche Konstruktionen.

02:01:12.456 --> 02:01:16.177
<v Stefan Brill>Es gibt zum Beispiel Krebse bei denen ist das eine offene Blase nach außen offen

02:01:16.177 --> 02:01:24.900
<v Stefan Brill>und Wenn diese Krebse sich häuten, dann ist das Steinchen, das da drin ist, verloren.

02:01:25.300 --> 02:01:28.782
<v Stefan Brill>Und die müssen sich selber mit ihren Scheren wieder ein Steinchen reintun.

02:01:29.202 --> 02:01:31.682
<v Stefan Brill>Und wenn die das nicht finden, dann sind sie orientierungslos.

02:01:32.643 --> 02:01:39.145
<v Stefan Brill>Ja, was wirklich lustig ist, man kann die Viecher jetzt einfangen und man gibt

02:01:39.145 --> 02:01:42.366
<v Stefan Brill>denen halt keinen Sand, sondern man gibt denen ausschließlich Eisenspäne.

02:01:44.027 --> 02:01:47.168
<v Stefan Brill>Dann tun sie sich so einen Eisenspahn da rein und dann kann man die auf einmal

02:01:47.168 --> 02:01:48.149
<v Stefan Brill>mit Magneten fernsteuern.

02:01:55.912 --> 02:01:58.252
<v Tim Pritlove>Also die tun sich da wirklich Sandkörner rein?

02:01:59.573 --> 02:02:02.264
<v Stefan Brill>Ja, richtig. In ihr Lager.

02:02:03.054 --> 02:02:04.835
<v Tim Pritlove>Danach wächst das dann zu oder was?

02:02:04.835 --> 02:02:08.476
<v Stefan Brill>Nö, das ist immer offen. Das ist immer offen. Also so offen,

02:02:08.476 --> 02:02:11.417
<v Stefan Brill>dass das nicht ohne weiteres wieder rausgespült wird.

02:02:11.718 --> 02:02:17.764
<v Stefan Brill>Aber das sind sozusagen von außen zugängliche Blase, die innen ausgekleidet

02:02:17.764 --> 02:02:18.745
<v Stefan Brill>ist mit Mechanorezeptoren.

02:02:23.171 --> 02:02:25.122
<v Stefan Brill>Und da wird halt ein Steinchen rein praktiziert.

02:02:25.573 --> 02:02:27.295
<v Tim Pritlove>Weißt du, wie diese Krebsart heißt?

02:02:29.335 --> 02:02:32.456
<v Stefan Brill>Nee, vielleicht kriegen wir das nachrecherchieren. Kriegen wir schon irgendwie raus.

02:02:35.897 --> 02:02:39.779
<v Stefan Brill>Und zu diesen frühen Zeitpunkten, also wie gesagt, das gibt es bei Qualen, gibt es das auch immer.

02:02:39.779 --> 02:02:42.700
<v Stefan Brill>Die müssen jetzt kein Steinchen da rein praktizieren, das ist irgendwas,

02:02:42.700 --> 02:02:43.900
<v Stefan Brill>was der Körper dann selber bildet.

02:02:43.900 --> 02:02:49.462
<v Stefan Brill>Aber die haben auch so Bläschen, die nach innen gerichtete mechanische Rezeptorzellen

02:02:49.462 --> 02:02:53.663
<v Stefan Brill>haben. Da ist dann irgendein Gewicht drin und das berührt dann sozusagen immer

02:02:53.663 --> 02:02:56.304
<v Stefan Brill>an der Unterseite. Und dann wissen die, wie die orientiert sind.

02:02:56.945 --> 02:03:02.627
<v Stefan Brill>Es gibt sogar das Umgekehrte. Es gibt sogar, bei irgendeinem Wasserskorpion

02:03:02.627 --> 02:03:06.788
<v Stefan Brill>ist das glaube ich, da ist das kein Steinchen, sondern ein Luftbläschen.

02:03:06.788 --> 02:03:12.970
<v Stefan Brill>Also genau umgekehrt. Die Luftblase drückt immer nach oben und dann haben die

02:03:12.970 --> 02:03:17.592
<v Stefan Brill>mit Hilfe dieser Luftblase einen Lagesensor konstruiert.

02:03:17.592 --> 02:03:18.012
<v Tim Pritlove>Pfliffig.

02:03:18.552 --> 02:03:22.674
<v Stefan Brill>Also das ist schon toll, was da alles passiert. So, jetzt müssen wir aber mal

02:03:22.674 --> 02:03:25.174
<v Stefan Brill>zu dem eigentlichen mechanischen Rezeptor kommen.

02:03:26.836 --> 02:03:33.881
<v Stefan Brill>Das ist eine spezialisierte Nervenzelle und eine Nervenzelle ist ja jetzt etwas,

02:03:33.881 --> 02:03:41.246
<v Stefan Brill>was ein erregbare Zelle, die da also durch z.B.

02:03:45.400 --> 02:03:46.900
<v Stefan Brill>Temperatur, mechanische Einwirkung, olfaktorische Einwirkung,

02:03:46.900 --> 02:03:51.654
<v Stefan Brill>durch Einwirkung von Nachbarzellen, die irgendwelche Brotenstoffe heranschicken

02:03:51.654 --> 02:03:56.297
<v Stefan Brill>über synaptische Verbindungen, die dazu gebracht werden kann.

02:03:57.648 --> 02:03:59.948
<v Stefan Brill>Einen elektrischen Puls abzugeben, ein Aktionspotenzial.

02:04:03.610 --> 02:04:09.952
<v Stefan Brill>Und diese Nervenzellen, die müssen natürlich gegenüber der Außenwelt selber

02:04:09.952 --> 02:04:11.993
<v Stefan Brill>innen drin erstmal ein Potenzial aufbauen.

02:04:12.353 --> 02:04:16.854
<v Stefan Brill>Also diese Nervenzellen haben dann Proteine in den Zellwänden sitzen,

02:04:16.854 --> 02:04:21.396
<v Stefan Brill>die schaffen es, Kalium reinzupumpen und im Innenraum der Zelle eine höhere

02:04:21.396 --> 02:04:23.637
<v Stefan Brill>Kaliumkonzentration als in der Außenwelt zu haben.

02:04:24.577 --> 02:04:28.279
<v Stefan Brill>Und die sind sozusagen vorgespannt elektrisch, könnte man sagen.

02:04:28.279 --> 02:04:32.520
<v Stefan Brill>Kostet natürlich ein bisschen chemische Energie, das aufzubauen. Ist ja nicht kostenlos.

02:04:33.240 --> 02:04:38.082
<v Stefan Brill>Und wenn dann irgendein Reiz, für den die Zelle spezialisiert ist,

02:04:38.082 --> 02:04:44.184
<v Stefan Brill>des Weges kommt, dann schicken die einen elektrischen Impuls ab.

02:04:46.886 --> 02:04:52.747
<v Stefan Brill>Bei moderneren Nervenzellen läuft dann dieser Puls entlang des Axons und läuft

02:04:52.747 --> 02:04:57.969
<v Stefan Brill>irgendwo hin und stimuliert dort wiederum eine andere Nervenzelle.

02:05:05.333 --> 02:05:07.433
<v Stefan Brill>Und diese mechanischen Rezeptorzellen, diese jetzt Bewegungssensoren,

02:05:07.433 --> 02:05:12.915
<v Stefan Brill>das sind Nervenzellen, die es auch schon in diesen frühesten Formen gegeben hat.

02:05:13.836 --> 02:05:19.378
<v Stefan Brill>Also wie gesagt, diese statuolitischen Bläschen da, wo die innen drin saßen

02:05:19.378 --> 02:05:24.860
<v Stefan Brill>oder das gibt es bei den Fischen zum Beispiel um Wasserbewegungen an der Außenhaut wahrzunehmen.

02:05:25.080 --> 02:05:29.782
<v Stefan Brill>Die haben also unter den Schuppen, mit so kleinen Kanälen noch nach außen offen,

02:05:29.782 --> 02:05:35.164
<v Stefan Brill>haben die auch solche Rezeptorzellen, mit denen die ganz feine Wasserbewegungen wahrnehmen können.

02:05:37.705 --> 02:05:41.806
<v Stefan Brill>Wasserströmungen wahrnehmen können. Und bei den Fischen ist das eben im Gleichgewichtsorgan

02:05:41.806 --> 02:05:46.930
<v Stefan Brill>dann auch aufgetaucht, dass sie solche mechanischen Rezeptorzellen benutzt haben,

02:05:46.930 --> 02:05:50.636
<v Stefan Brill>um diese Gleichgewichtswahrnehmung zu machen. Und das sieht jetzt so aus,

02:05:50.636 --> 02:05:52.247
<v Stefan Brill>dass eine solche spezialisierte Nervenzelle...

02:05:55.113 --> 02:06:00.675
<v Stefan Brill>So konstruiert ist, dass es sich intern ein elektrisches Potential aufbaut und

02:06:00.675 --> 02:06:03.816
<v Stefan Brill>aufrecht erhält. Und wenn jetzt ein entsprechender Reiz kommt,

02:06:03.816 --> 02:06:05.016
<v Stefan Brill>wird ein Aktionspotential abgegeben.

02:06:07.858 --> 02:06:11.219
<v Stefan Brill>Und bei diesen sogenannten H-Zellen, das sind die,

02:06:11.219 --> 02:06:17.701
<v Stefan Brill>die eben diese mechanischen Rezeptoren haben, die haben oben auf dem Dach der Nervenzelle,

02:06:17.701 --> 02:06:23.043
<v Stefan Brill>muss man sich sowieso ein zylinderartiges Ding vorstellen, wo oben die Nervenzelle

02:06:23.043 --> 02:06:26.445
<v Stefan Brill>mit so einem Deckelchen abgeschlossen ist und oben aus diesem Deckelchen raus

02:06:26.445 --> 02:06:30.226
<v Stefan Brill>wachsen kleine Röhrchen.

02:06:30.726 --> 02:06:35.488
<v Stefan Brill>Das sind die sogenannten Stereozilien oder auch Kinozilien, je nachdem wofür die spezialisiert ist.

02:06:36.008 --> 02:06:42.810
<v Stefan Brill>Und diese kleinen Röhrchen sind normalerweise geschlossen, haben aber kleine Deckelchen.

02:06:45.292 --> 02:06:49.814
<v Stefan Brill>Das ist jetzt wirklich absolut im mikroskopischen Zustand. Also wir sind da

02:06:49.814 --> 02:06:54.662
<v Stefan Brill>schon auf der Größenordnung von großen Eiweißmolekülen. So klein ist das alles schon.

02:06:56.527 --> 02:07:01.794
<v Stefan Brill>Und diese aus der Zelle herausragenden Stereozylien oder Kinozylien, Die-

02:07:04.091 --> 02:07:07.772
<v Stefan Brill>machen dadurch, dass die jetzt verbogen werden,

02:07:07.772 --> 02:07:12.954
<v Stefan Brill>wenn durch einen mechanischen Reiz, durch eine Flüssigkeitsströmung oder durch

02:07:12.954 --> 02:07:17.896
<v Stefan Brill>eine direkte Berührung diese herausragenden,

02:07:17.896 --> 02:07:22.058
<v Stefan Brill>aus der Zelle herausragenden Röhrchen verbogen werden, dann gehen so kleine

02:07:22.058 --> 02:07:29.940
<v Stefan Brill>Deckelchen auf, die einen kurzfristigen Flüssigkeitsaustausch mit der Außenwelt ermöglichen.

02:07:29.940 --> 02:07:35.983
<v Stefan Brill>Dadurch ändert sich die Ionenkonzentration zwischen Innen- und Außenwelt und das führt dann dazu,

02:07:35.983 --> 02:07:39.344
<v Stefan Brill>wenn das ausreichend lange offen

02:07:39.344 --> 02:07:43.705
<v Stefan Brill>ist und wir reden hier also wirklich im Mikrosekundenbereich natürlich,

02:07:43.705 --> 02:07:47.387
<v Stefan Brill>wenn das ausreichend lange offen ist und genügend Austausch stattfinden kann,

02:07:47.387 --> 02:07:52.128
<v Stefan Brill>dann depolarisiert die Zelle, dann klappt die sozusagen kurzfristig in einen

02:07:52.128 --> 02:07:57.830
<v Stefan Brill>völlig anderen Zustand, sendet ein Aktionspotential aus, einen Puls entlang

02:07:57.830 --> 02:08:01.452
<v Stefan Brill>des Axons und hat somit weiter gemeldet hier ich wurde bewegt.

02:08:01.832 --> 02:08:02.292
<v Tim Pritlove>Feuert los.

02:08:02.292 --> 02:08:06.654
<v Stefan Brill>Ich wurde berührt. Feuert los. Und solche Zellen, die nennen wir,

02:08:06.654 --> 02:08:10.195
<v Stefan Brill>wenn sie bei uns im Innenohr sitzen, nennen wir Haarzellen.

02:08:10.696 --> 02:08:15.218
<v Stefan Brill>Und das hat jetzt überhaupt nichts mit Haaren zu tun und und Follikeln und was

02:08:15.218 --> 02:08:18.599
<v Stefan Brill>weiß ich, sondern die heißen deswegen so, weil die eben diese dünnen kleinen

02:08:18.599 --> 02:08:24.581
<v Stefan Brill>Röhrchen, diese Härchen oben drauf sitzen haben, die auf mechanische Verbiegung reagieren.

02:08:27.803 --> 02:08:35.926
<v Stefan Brill>Und solche Zellen sitzen jetzt in einem Verbund mit anderen Zellen auf der Basilarmembran drauf.

02:08:35.926 --> 02:08:42.381
<v Stefan Brill>Das waren diese Trennmembran in der Schnecke, die diese obere und untere Hälfte

02:08:42.381 --> 02:08:47.991
<v Stefan Brill>des Schneckengang- Durchmessers einer Windung voneinander getrennt haben.

02:08:47.991 --> 02:08:52.174
<v Stefan Brill>Und da sitzen jetzt eine ganze Reihe von solchen Haarzellen drauf.

02:08:52.174 --> 02:08:58.018
<v Stefan Brill>Und zwar im Querschnitt gesehen, wenn man also von der Mittelachse der Schnecke

02:08:58.018 --> 02:09:01.780
<v Stefan Brill>nach außen durchschneidet und sich das im Querschnitt anguckt.

02:09:02.361 --> 02:09:03.962
<v Stefan Brill>Sehen wir vier solche Zellen.

02:09:05.090 --> 02:09:10.071
<v Stefan Brill>Eine Zelle die innerste, das ist eine ist die innere Haarzelle.

02:09:10.492 --> 02:09:13.773
<v Stefan Brill>Natürlich gibt es davon tausende entlang der Schneckenwindung,

02:09:13.773 --> 02:09:17.654
<v Stefan Brill>aber im Querschnitt sehen wir jetzt erstmal nur eine. Und wir sehen drei äußere Haarzellen.

02:09:22.657 --> 02:09:27.138
<v Stefan Brill>Und die pflanzen sich in die Tiefe der Schnecke entlang der Windung entsprechend

02:09:27.138 --> 02:09:33.740
<v Stefan Brill>fort. Das heißt, wir haben sozusagen wie so ein ganzes Band von solchen Haarzellen.

02:09:36.082 --> 02:09:40.043
<v Stefan Brill>Wenn man das elektronenmikroskopisch anguckt und obendrauf guckt,

02:09:40.043 --> 02:09:47.126
<v Stefan Brill>dann sieht das aus wie so Grasbüschel, die aus einer Fläche herausschauen.

02:09:47.906 --> 02:09:51.107
<v Stefan Brill>Und diese Fläche ist die Oberfläche des kortischen Organs.

02:09:52.788 --> 02:09:56.189
<v Stefan Brill>Kortisch Organ heißt dieses Ganze, was auf der Baselameinbran drauf sitzt,

02:09:56.189 --> 02:10:02.152
<v Stefan Brill>weil das ein Herr Korty im 19. Jahrhundert mal mit damals den besten Mikroskopen sich angeschaut hat.

02:10:05.894 --> 02:10:09.656
<v Stefan Brill>Und diese Härchen, die dann aus dieser Fläche herausragen, die sehen wie gesagt

02:10:09.656 --> 02:10:12.757
<v Stefan Brill>so ein bisschen grasbüschelmäßig aus und die von den Inneren,

02:10:12.757 --> 02:10:17.379
<v Stefan Brill>die sehen aus wie so eine kleine Zeile, vielleicht so ein bisschen verbogen

02:10:17.379 --> 02:10:21.761
<v Stefan Brill>und die von den Äußeren, die sehen aus wie sie sind so v-förmig angeordnet.

02:10:22.882 --> 02:10:25.443
<v Stefan Brill>In der Spitze unten vom Pfarr vielleicht eingeknickt, dass das eigentlich eher

02:10:25.443 --> 02:10:31.246
<v Stefan Brill>so ein kleines W ist, aber die sind auf diese Art und Weise dann auf der Basilarmembran angeordnet.

02:10:32.927 --> 02:10:33.407
<v Tim Pritlove>Ja.

02:10:34.168 --> 02:10:37.289
<v Stefan Brill>So, die Basilarmembran hatten wir ja vorhin gesagt.

02:10:37.289 --> 02:10:41.319
<v Tim Pritlove>Eine Frage habe ich. Ja. Ich hatte mit sowas schon gerechnet,

02:10:41.319 --> 02:10:42.602
<v Tim Pritlove>du hast gesagt, da sind jetzt so Tausende.

02:10:44.101 --> 02:10:49.283
<v Tim Pritlove>Wie viele Tausende? Also Zehntausende, Hunderttausende? Also wie viele?

02:10:50.543 --> 02:10:52.584
<v Stefan Brill>Zwischen drei und viertausend ungefähr.

02:10:52.584 --> 02:10:57.859
<v Tim Pritlove>Dreitausend, viertausend. Im Prinzip mein einfaches Gehirn sagt jetzt viertausend

02:10:57.859 --> 02:11:05.388
<v Tim Pritlove>Härchen entlang dieser Membran bedeutet man kann so viertausend verschiedene

02:11:05.388 --> 02:11:05.988
<v Tim Pritlove>Frequenzen unterscheiden.

02:11:06.869 --> 02:11:13.051
<v Stefan Brill>Nee, ist natürlich wie immer viel, viel komplizierter. Also erstens mal besteht der Hörnerv selber.

02:11:13.591 --> 02:11:21.474
<v Stefan Brill>Der Hörnerv sind jetzt alles Axone, gebündelte Axone von Nervenzellen,

02:11:21.474 --> 02:11:22.694
<v Stefan Brill>aber nicht von diesen H-Zellen.

02:11:22.694 --> 02:11:24.295
<v Tim Pritlove>Axone war jetzt nochmal was?

02:11:24.855 --> 02:11:30.457
<v Stefan Brill>Axon ist dieser lange Ausläufer einer Nervenzelle entlang dem,

02:11:30.457 --> 02:11:31.557
<v Stefan Brill>das Aktionspotenzial läuft.

02:11:35.299 --> 02:11:41.001
<v Stefan Brill>Wenn man den Hörnerv anschaut, dann haben wir da ungefähr 30.000 Axone drin.

02:11:41.281 --> 02:11:48.104
<v Stefan Brill>Das heißt also da ist schon sozusagen mehr Informationsmöglichkeit zu drin zu

02:11:48.104 --> 02:11:52.385
<v Stefan Brill>kodieren, als wir Anzahl an H-Zellen auf der Basilarmembran haben.

02:11:52.926 --> 02:11:56.047
<v Stefan Brill>Und dann gibt es auch was, was man auch noch nicht so wahnsinnig lange weiß.

02:11:57.367 --> 02:12:02.589
<v Stefan Brill>Wenn man sich anschaut, in welche Richtung diese Wirkung der Verschaltungen

02:12:02.589 --> 02:12:11.152
<v Stefan Brill>ist, dann gibt es Axone, die Informationen vom Innenohr Richtung Hirn stammen, leiten.

02:12:12.193 --> 02:12:16.164
<v Stefan Brill>Und es gibt aber auch die umgekehrte Richtung. Es gibt aber auch Axone,

02:12:16.164 --> 02:12:20.616
<v Stefan Brill>die sozusagen in andere Richtungen laufen im Bereich der Kochlehr.

02:12:21.937 --> 02:12:22.737
<v Tim Pritlove>Eine Rückmeldung.

02:12:22.737 --> 02:12:23.917
<v Stefan Brill>Es gibt eine Rückmeldung.

02:12:23.917 --> 02:12:29.419
<v Tim Pritlove>Das Hirn kann dem Hörnerven sagen, Informationen geben.

02:12:29.419 --> 02:12:33.201
<v Stefan Brill>Ganz so weit rauf würde ich nicht gehen. Das findet also eher lokal statt.

02:12:34.085 --> 02:12:37.656
<v Stefan Brill>Aber man hat das eben mal genauer untersucht und man hat mal festgestellt,

02:12:37.656 --> 02:12:39.260
<v Stefan Brill>dass die äußeren Haarzellen,

02:12:41.133 --> 02:12:45.615
<v Stefan Brill>viel mehr Information bekommen, als sie wegschicken.

02:12:46.215 --> 02:12:47.436
<v Tim Pritlove>Das ist mehr so eine Parametrisierung.

02:12:48.036 --> 02:12:54.378
<v Stefan Brill>Die inneren Haarzellen, da ist das etwas zugunsten der Afferenten.

02:12:55.138 --> 02:12:56.639
<v Stefan Brill>Also Afferenten sind die, die hinaufgehen.

02:12:57.940 --> 02:13:00.680
<v Stefan Brill>Afferenten sind die, die herunterkommen. Vom Gehirn heißt das immer.

02:13:01.041 --> 02:13:03.822
<v Stefan Brill>Afferent ist immer was, was von der Peripherie zum Gehirn läuft.

02:13:03.822 --> 02:13:05.742
<v Stefan Brill>Und Afferent, was in die umgekehrte Richtung läuft.

02:13:06.062 --> 02:13:09.544
<v Stefan Brill>Jetzt kann man klassifizieren, wie viel Afferente gibt es, wie viel Afferente

02:13:09.544 --> 02:13:13.405
<v Stefan Brill>gibt es. Dann stellt man fest, dass man bei den inneren Haarzellen in der Mehrzahl

02:13:13.405 --> 02:13:16.546
<v Stefan Brill>afferente, das heißt, die liefern eher Informationen, als dass sie bekommen.

02:13:17.126 --> 02:13:21.968
<v Stefan Brill>Die äußeren Haarzellen, die wären weit, weit überwiegend afferent in der Welt.

02:13:21.968 --> 02:13:24.889
<v Stefan Brill>Die kriegen viel mehr Informationen, als sie selber liefern,

02:13:24.889 --> 02:13:27.710
<v Stefan Brill>können aber auch ein bisschen was liefern.

02:13:28.070 --> 02:13:33.132
<v Stefan Brill>Und dann hat man irgendwann festgestellt, als man diese Haarzellen mal rauspräpariert

02:13:33.132 --> 02:13:36.033
<v Stefan Brill>hat, äußere Haarzellen hat man mal eben im Labor präpariert,

02:13:36.033 --> 02:13:41.155
<v Stefan Brill>dann hat man festgestellt, die sich minimal in der Größe ändern können,

02:13:41.155 --> 02:13:42.746
<v Stefan Brill>wenn sie Information kriegen.

02:13:42.746 --> 02:13:45.236
<v Stefan Brill>Also die äußeren Hartzellen, die können sich so ein bisschen kontrahieren.

02:13:46.717 --> 02:13:52.019
<v Stefan Brill>Das heißt also, die dienen nicht nur als mechanische Rezeptoren und empfangen

02:13:52.019 --> 02:13:55.614
<v Stefan Brill>irgendwas, sondern die können offensichtlich auch sich kalibrieren,

02:13:55.614 --> 02:13:58.982
<v Stefan Brill>ein bisschen Information, mechanische Information abgeben.

02:13:59.342 --> 02:14:01.403
<v Stefan Brill>Die können also ein bisschen was tun sozusagen.

02:14:06.845 --> 02:14:11.337
<v Stefan Brill>Und das wird offensichtlich von dem System in der Basilarmembran genutzt,

02:14:11.337 --> 02:14:18.950
<v Stefan Brill>um einerseits noch mal zu verstärken und andererseits um noch Spektralen noch

02:14:18.950 --> 02:14:21.531
<v Stefan Brill>mal besonders scharf auflösen zu können.

02:14:21.531 --> 02:14:25.852
<v Stefan Brill>Das hat man dann natürlich vor langer Zeit hat man das mal versucht,

02:14:25.852 --> 02:14:29.584
<v Stefan Brill>natürlich im Tierversuch gemacht worden, hat man gesagt, ja was passiert denn eigentlich,

02:14:29.584 --> 02:14:33.395
<v Stefan Brill>wenn wir die einen ausschalten, was passiert denn eigentlich,

02:14:33.395 --> 02:14:36.636
<v Stefan Brill>wenn wir jetzt die äußeren Haarzellen mal kaputt machen,

02:14:36.636 --> 02:14:46.519
<v Stefan Brill>deaktivieren durch irgendeine vergiftende Droge, einen orthotoxischen,

02:14:46.519 --> 02:14:50.560
<v Stefan Brill>also ohrgiftigen Stoff, kann man gezielt die äußeren Haarzellen oder auch die

02:14:50.560 --> 02:14:51.440
<v Stefan Brill>inneren Haarzellen deaktivieren.

02:14:52.481 --> 02:14:55.902
<v Tim Pritlove>Also man testet sozusagen, was verändert sich am Gesamts funktion,

02:14:55.902 --> 02:14:57.422
<v Tim Pritlove>wenn man mal ein Ding rauslässt.

02:14:57.422 --> 02:14:59.763
<v Stefan Brill>Man hat vorher schon gewusst, dass

02:14:59.763 --> 02:15:04.445
<v Stefan Brill>die Frequenzauflösungsfähigkeit des Ors unglaublich gut ist, indem man...

02:15:06.457 --> 02:15:13.580
<v Stefan Brill>Ganz ultra feine Elektroden in den Hörnerv gestochen hat, sodass man ein einzelnes

02:15:13.580 --> 02:15:17.861
<v Stefan Brill>Axon kontaktiert hat im lebenden Exemplar natürlich.

02:15:18.302 --> 02:15:22.763
<v Stefan Brill>Jetzt hat man also die Aktivität einer einzelnen Nervenzelle beobachtet.

02:15:23.264 --> 02:15:24.564
<v Tim Pritlove>Im lebenden Exemplar eines...

02:15:24.904 --> 02:15:28.165
<v Stefan Brill>Eines Tieres, eines Tieres natürlich. Ich weiß nicht womit das da ist.

02:15:28.165 --> 02:15:31.327
<v Stefan Brill>Es ist schon ewig her als das gemacht wurde, keine Ahnung. Vor 30 Jahren.

02:15:33.328 --> 02:15:36.449
<v Stefan Brill>Und ich glaube es ist an Katzen gemacht worden, aber beschweren möchte ich das

02:15:36.449 --> 02:15:44.272
<v Stefan Brill>nicht. Also man hat jedenfalls eine feine Nadel in ein Axon des Hörnervs eingestochen,

02:15:44.272 --> 02:15:46.752
<v Stefan Brill>kann also jetzt die Aktivität einer einzelnen Nervenzelle beobachten.

02:15:50.474 --> 02:15:54.476
<v Stefan Brill>Wohlgemerkt, das sind nicht die Haarzellen auf der Basilarmembran,

02:15:54.476 --> 02:15:57.137
<v Stefan Brill>sondern in der Mitte der Schnecke, so im Stamm der Schnecke drin,

02:15:57.137 --> 02:16:01.799
<v Stefan Brill>sitzen auch nochmal sehr sehr viele, das sind die Ganglehenzellen,

02:16:01.799 --> 02:16:06.300
<v Stefan Brill>das sind die eigentlichen, die den Hörnerv dann bilden durch ihre Axone.

02:16:07.461 --> 02:16:14.103
<v Stefan Brill>Und wenn man jetzt also ein Schallsignal von außen drauf gegeben hat und beobachtet hat,

02:16:14.103 --> 02:16:23.907
<v Stefan Brill>wann wird dieses Neuron aktiv, dann hat man festgestellt, dass ein einzelnes

02:16:23.907 --> 02:16:28.748
<v Stefan Brill>Neuron unglaublich scharf auf eine Frequenz gestimmt ist.

02:16:28.748 --> 02:16:32.730
<v Stefan Brill>Man kann also jetzt mit einem Signalgenerator, kann man jetzt verschiedene Frequenzen

02:16:32.730 --> 02:16:36.631
<v Stefan Brill>durchfahren und man kann jetzt bei tiefen Frequenzen, zu hohen Frequenzen so

02:16:36.631 --> 02:16:40.793
<v Stefan Brill>einen Sweep durchfahren und man beobachtet immer, wann ist denn der Nerv aktiv

02:16:40.793 --> 02:16:43.114
<v Stefan Brill>und kann gucken und dann gibt es...

02:16:43.114 --> 02:16:49.823
<v Tim Pritlove>Wie ist denn da die Auflösung? Also wenn so ein Axon so auf eine bestimmte Frequenz

02:16:49.823 --> 02:16:51.597
<v Tim Pritlove>reagiert, wie ist ja die Bandbreite?

02:16:52.617 --> 02:16:57.879
<v Stefan Brill>Ja, so genau kann man das insofern nicht sagen, als dass dieser Nerv natürlich

02:16:57.879 --> 02:17:06.062
<v Stefan Brill>auch auf alle anderen Frequenzen ein bisschen reagiert, aber in extrem steil abnehmendem Maß. Ja.

02:17:07.543 --> 02:17:10.624
<v Tim Pritlove>Ich sehe also, wenn ich… Aber genau dadurch kann man ja die Bandbreite gut messen.

02:17:10.624 --> 02:17:13.165
<v Tim Pritlove>Also wenn man da jetzt so durchswiebt durch die Frequenzen, dann wird es ja

02:17:13.165 --> 02:17:16.146
<v Tim Pritlove>irgendeine erste Frequenz geben, wo das Ding überhaupt reagiert.

02:17:16.526 --> 02:17:21.308
<v Stefan Brill>Das geht unter Umständen schon ganz tief los, dass man so ganz wenig so spontane Aktivität,

02:17:21.308 --> 02:17:26.369
<v Stefan Brill>tröpfelsweise Aktivität des Nervs beobachtet und wenn ich mich dann immer mehr ran bewege,

02:17:26.369 --> 02:17:30.151
<v Stefan Brill>wird es immer fetter, dann wird das eigentlich muss man es umgekehrt machen,

02:17:30.151 --> 02:17:33.232
<v Stefan Brill>man muss gucken, man muss auch noch den Pegel so ändern,

02:17:33.232 --> 02:17:37.293
<v Stefan Brill>wie viel Pegel brauche ich, um das dann zu erreichen und dann stellt man fest,

02:17:37.293 --> 02:17:43.435
<v Stefan Brill>dass man für das Axon, was jetzt für eine bestimmte oder für die Frequenz,

02:17:43.435 --> 02:17:47.857
<v Stefan Brill>die man jetzt gerade erwischt hat, sage ich, dass man ein bestimmtes Axon erwischt

02:17:47.857 --> 02:17:53.274
<v Stefan Brill>hat, braucht man bei dieser Frequenz unheimlich wenig Pegel um trotzdem.

02:17:54.239 --> 02:18:00.441
<v Stefan Brill>Eine Aktivität zu sehen. Und sobald ich dann nur um wenige Hertz seitlich davon

02:18:00.441 --> 02:18:06.123
<v Stefan Brill>wegfahre, brauche ich wesentlich mehr Pegel, um überhaupt wieder Aktivität zu sehen.

02:18:06.123 --> 02:18:09.605
<v Stefan Brill>Das ist also, wenn ich in die Höhe aufzeichne,

02:18:09.605 --> 02:18:15.367
<v Stefan Brill>wie viel Pegel brauche ich, um Aktivität zu sehen und auf der X-Achse aufzeichne,

02:18:15.367 --> 02:18:18.799
<v Stefan Brill>bei welcher Frequenz mache ich das, dann habe ich so eine ganz scharfe,

02:18:18.799 --> 02:18:22.010
<v Stefan Brill>scharfe spitze das sind die sogenannten tuning oder

02:18:22.010 --> 02:18:25.091
<v Stefan Brill>abstimm abstimmungs kurven also wenn

02:18:25.091 --> 02:18:30.534
<v Stefan Brill>man das gucken würde tuning curves würde man das finden und das ist weil das

02:18:30.534 --> 02:18:35.215
<v Stefan Brill>so unglaublich scharf auf eine bestimmte frequenz anspringt ein bestimmtes neuron

02:18:35.215 --> 02:18:40.618
<v Stefan Brill>ist das eben auch interessant gewesen ja wie kann das überhaupt sein wir waren

02:18:40.618 --> 02:18:43.739
<v Stefan Brill>ja vorhin bei dieser schwingenden teppichblase das wäre damit wäre das gar nicht erklärbar.

02:18:44.460 --> 02:18:51.342
<v Stefan Brill>Und wenn man aber jetzt diese Situation hat und in dieser total scharf abgestimmten

02:18:51.342 --> 02:18:59.186
<v Stefan Brill>Situation auf eine bestimmte Frequenz die äußeren Haarzellen kaputt macht,

02:18:59.186 --> 02:19:04.588
<v Stefan Brill>indem man die durch Einbringen von irgendwelchen orthotoxischen Substanzen in

02:19:04.588 --> 02:19:09.310
<v Stefan Brill>die Kochlea gezielt ausschaltet, dann geht auf einmal diese Schärfe total verloren.

02:19:10.170 --> 02:19:12.231
<v Stefan Brill>Dann wird das auf einmal viel Frequenz stumpfer.

02:19:16.533 --> 02:19:17.093
<v Stefan Brill>Ganz genau.

02:19:19.154 --> 02:19:24.316
<v Stefan Brill>Und das ist halt dann der Anlass gewesen, die Annahme zu machen,

02:19:24.316 --> 02:19:29.438
<v Stefan Brill>dass die äußeren Haarzellen dadurch, dass sie selber Information kriegen,

02:19:29.438 --> 02:19:34.730
<v Stefan Brill>dass sie selber mechanisch aktiv werden, dass die dazu beitragen durch entsprechende

02:19:34.730 --> 02:19:36.381
<v Stefan Brill>Komplexe und ich glaube,

02:19:36.381 --> 02:19:40.082
<v Stefan Brill>das ist bis heute nicht völlig aufgedröselt, was da im Detail wirklich abläuft,

02:19:40.082 --> 02:19:47.025
<v Stefan Brill>dass man also einerseits nochmal sehr schwache Signale verstärkt in der Kochlehr dadurch,

02:19:47.025 --> 02:19:51.227
<v Stefan Brill>dass man diese Zusatzschwingaktivität der äußeren Haarzellen hat und andererseits

02:19:51.227 --> 02:19:54.728
<v Stefan Brill>zusätzlich diese spektrale Schärfung erreicht, dadurch dass man sagt,

02:19:54.728 --> 02:19:58.510
<v Stefan Brill>oh hier, was hört ihr denn, so wie wir es vorhin hatten, Was hört ihr denn gerade?

02:19:58.510 --> 02:20:03.251
<v Stefan Brill>Und ich feuer jetzt mal genau asynchron dagegen, damit wir da diese Störfrequenz,

02:20:03.251 --> 02:20:07.413
<v Stefan Brill>die eigentlich nicht die ist, die wir haben wollen, an der Stelle sozusagen abdämpfen.

02:20:07.413 --> 02:20:11.655
<v Tim Pritlove>Ich würde das so als eine automatische Kalibration verstehen oder zumindest

02:20:11.655 --> 02:20:16.436
<v Tim Pritlove>auf so eine adaptive Wahrnehmung, die auch noch funktioniert, Marc.

02:20:16.436 --> 02:20:20.298
<v Stefan Brill>Ja, da muss man ein bisschen vorsichtig sein, weil in der realen Welt kommen

02:20:20.298 --> 02:20:21.678
<v Stefan Brill>ja nicht nur Sinustöne vor.

02:20:21.678 --> 02:20:27.464
<v Stefan Brill>Wenn man das mit einem Sinus-Ton, also mit einer monochromatischen,

02:20:27.464 --> 02:20:30.347
<v Stefan Brill>können wir sagen, Frequenz, also nur eine einzige Frequenz untersucht,

02:20:30.347 --> 02:20:32.429
<v Stefan Brill>dann kann man diese ganzen Eigenschaften haarklein rausholen.

02:20:34.512 --> 02:20:37.955
<v Stefan Brill>Aber in der realen Welt hat man ja immer ein spektrales Gemisch aus vielen,

02:20:37.955 --> 02:20:41.378
<v Stefan Brill>vielen Dingen, die gleichzeitig stattfinden. Und da geht es dann vielleicht eher darum, nicht...

02:20:43.380 --> 02:20:48.612
<v Stefan Brill>Die eine Frequenz, die man jetzt gerade hat, möglichst genau festzustellen,

02:20:48.612 --> 02:20:55.564
<v Stefan Brill>sondern sie möglichst von vielen anderen konkurrierenden Benachbarten gut unterscheiden zu können.

02:20:56.155 --> 02:20:58.806
<v Stefan Brill>Solche Dinge sind dann vielleicht wichtiger. Also zum Beispiel die harmonische

02:20:58.806 --> 02:21:02.627
<v Stefan Brill>Struktur von einem komplexen Signalgut aufdröseln zu können.

02:21:02.627 --> 02:21:07.189
<v Stefan Brill>Das ist dann unter Umständen der eigentliche Grund, warum das sich so gebildet hat.

02:21:07.189 --> 02:21:09.810
<v Tim Pritlove>Ich lasse das mit der Kalibration mal raus, weil das immer irgendwie impliziert.

02:21:09.810 --> 02:21:12.471
<v Tim Pritlove>Man hätte jetzt irgendwie so ein Testsignal oder ein Referenzsignal,

02:21:12.471 --> 02:21:14.692
<v Tim Pritlove>auf das man sich dann einfuchst. Das meinte ich jetzt auch gar nicht sein.

02:21:16.093 --> 02:21:20.995
<v Tim Pritlove>Adaptiv vielleicht in dem Sinne, dass einfach dieses Ohr kann sich auf Basis

02:21:20.995 --> 02:21:22.875
<v Tim Pritlove>von was auch immer das ist,

02:21:22.875 --> 02:21:28.044
<v Tim Pritlove>auf die Situation einstellen und damit einfach die gesamte Messschärfe,

02:21:28.044 --> 02:21:32.499
<v Tim Pritlove>die sich aus der Wahrnehmung dieser inneren Haarzellen,

02:21:32.499 --> 02:21:38.482
<v Tim Pritlove>dieser primären Wahnnehmer einstellen, indem sich die korrelierenden äußeren

02:21:38.482 --> 02:21:40.703
<v Tim Pritlove>Haarzellen dann in Länge und was weiß ich,

02:21:40.703 --> 02:21:44.225
<v Tim Pritlove>welchen Eigenschaften noch entsprechend anpasst und am Ende,

02:21:44.225 --> 02:21:49.808
<v Tim Pritlove>da wo das zusammen läuft, dass also die Nervenzellen, wie hießen die jetzt nochmal,

02:21:49.808 --> 02:21:53.290
<v Tim Pritlove>die letztlich den Hörnerv dann ausmachen kann, hast du es glaube ich genannt.

02:21:53.290 --> 02:21:58.013
<v Stefan Brill>Das sind die Ganglienzellen oder Spiralganglienzellen, weil die sitzen dann sozusagen nicht mehr.

02:21:58.013 --> 02:22:03.596
<v Tim Pritlove>Also die sammeln quasi diese Information und deren Ausgabe,

02:22:03.596 --> 02:22:10.159
<v Tim Pritlove>deren Axone, das ist das, was letzten Endes gebündelt zum Gehirn geleitet wird

02:22:10.159 --> 02:22:13.203
<v Tim Pritlove>und gesagt wird, Das ist das, was wir jetzt hier gerade sehen.

02:22:14.445 --> 02:22:16.948
<v Stefan Brill>Mach was draus. So kann man das sagen.

02:22:19.285 --> 02:22:26.847
<v Tim Pritlove>Ja, ich glaube, ab dort kommen wir dann auch schon in ein anderes Thema, oder?

02:22:26.847 --> 02:22:30.909
<v Tim Pritlove>Also ich meine, sich jetzt hier über die Wahrnehmung und Auswertung des Hirns,

02:22:30.909 --> 02:22:35.010
<v Tim Pritlove>diese Information zu beschäftigen,

02:22:35.010 --> 02:22:38.472
<v Tim Pritlove>ich hatte ja auch schon mal eine Sendung zum Thema Hirn, ich muss sagen, das war wirklich,

02:22:38.472 --> 02:22:42.133
<v Tim Pritlove>glaube ich, der CAA, der mich am meisten zerpflückt hat, weil ich da einfach,

02:22:42.133 --> 02:22:48.315
<v Tim Pritlove>also da bin ich dann auch einfach nicht mehr, also da reicht einfach meine intellektuelle

02:22:48.315 --> 02:22:51.397
<v Tim Pritlove>Kapazität irgendwie nicht mehr aus oder vielleicht habe ich auch nur irgendwas

02:22:51.397 --> 02:22:53.717
<v Tim Pritlove>verstanden, aber das ist einfach nochmal anderer Komplexitätsgrad.

02:22:53.818 --> 02:22:57.999
<v Tim Pritlove>Ich würde es jetzt an der Stelle erstmal darauf beschränken,

02:22:57.999 --> 02:22:59.650
<v Tim Pritlove>du hast noch eine wichtige Anmerkung.

02:22:59.650 --> 02:23:05.082
<v Stefan Brill>Ich hätte insofern noch eine wichtige Anmerkung als dass die landläufige Vorstellung

02:23:05.082 --> 02:23:07.383
<v Stefan Brill>ist ja immer, das geht einfach nur von außen nach innen.

02:23:07.383 --> 02:23:11.864
<v Stefan Brill>Da wird einfach nur von außen was angenommen, irgendwie vorverarbeitet,

02:23:11.864 --> 02:23:14.665
<v Stefan Brill>vielleicht ein bisschen Spektral geschaffen, dann wird das so zack,

02:23:14.665 --> 02:23:15.766
<v Stefan Brill>zack, zack, weitergeleitet.

02:23:16.466 --> 02:23:20.748
<v Stefan Brill>Aber das geht schon über die, also es geht über die gesamte Hörbahn von der

02:23:20.748 --> 02:23:25.469
<v Stefan Brill>Kochlehrer bis ganz rauf, sind immer wieder rauf-runter Kommunikation permanent.

02:23:28.310 --> 02:23:29.951
<v Tim Pritlove>Also im Verlauf des Hörnervs.

02:23:29.951 --> 02:23:33.632
<v Stefan Brill>Im Verlauf, im Verlauf des, der Hörnerv, der endet ja jetzt erst mal an der

02:23:33.632 --> 02:23:37.054
<v Stefan Brill>Eintrittsstelle im Hirnstamm. Da haben wir jetzt die erste Vorverschaltung,

02:23:37.054 --> 02:23:40.415
<v Stefan Brill>da ist dann das nächste Neuron in der Kette.

02:23:40.875 --> 02:23:44.936
<v Stefan Brill>Also das erste waren die Spiralganglehenzellen, deren Axone sind der Hörnerv,

02:23:44.936 --> 02:23:48.508
<v Stefan Brill>die münden in den Hirnstamm ein. Da ist dann die nächste Schaltstelle,

02:23:48.508 --> 02:23:52.299
<v Stefan Brill>die kriegen dann die Axone per synaptischer Verschaltung. Die machen dann was

02:23:52.299 --> 02:23:55.400
<v Stefan Brill>drauf, die leiten das wiederum weiter, kommunizieren miteinander.

02:23:56.221 --> 02:24:00.972
<v Stefan Brill>Die nächste Ebene tut das auch und zwar jetzt auch gegenseitig von einer auf die andere Seite.

02:24:00.972 --> 02:24:07.725
<v Stefan Brill>Da finden dann so diese Auflösungsrichtungshörwahrnehmungsvorverarbeitungsschritte schon statt.

02:24:07.725 --> 02:24:12.127
<v Stefan Brill>Aber das, was daran so interessant ist, ist, dass nicht nur draußen in der Peripherie,

02:24:12.127 --> 02:24:16.549
<v Stefan Brill>die alle schon vorwärts, rückwärts miteinander sprechen und solche Dinge wie

02:24:16.549 --> 02:24:20.511
<v Stefan Brill>diese spektrale Schärfung durch die äußeren Haarzellen machen und sozusagen

02:24:20.511 --> 02:24:22.612
<v Stefan Brill>schon immer rückmelden,

02:24:22.612 --> 02:24:26.594
<v Stefan Brill>was habt ihr denn von oben und ich mache deswegen aber ein bisschen was anderes,

02:24:26.594 --> 02:24:30.275
<v Stefan Brill>sondern das zieht sich über mehrere Stufen hinweg, dass es immer wieder rauf

02:24:30.275 --> 02:24:36.978
<v Stefan Brill>und runter geht und und zwar sogar bis hoch in, sagen wir mal so peripherere Hörerwartungen.

02:24:39.220 --> 02:24:43.462
<v Stefan Brill>Wenn man jetzt zum Beispiel solche Dinge hat wie ein repetitives Signal,

02:24:43.462 --> 02:24:50.067
<v Stefan Brill>irgendwas was immer klick klick klick klick klick macht, ein relativ primitives

02:24:50.067 --> 02:24:52.813
<v Stefan Brill>Signal und dann kommt auf einmal was anderes. Klack.

02:24:57.870 --> 02:25:02.571
<v Stefan Brill>So was. Kann man auch beliebig komplex konstruieren. Dann ist es offensichtlich,

02:25:02.571 --> 02:25:06.093
<v Stefan Brill>dass von oben herunter erkannt wird, das ist was repetitives.

02:25:06.553 --> 02:25:11.515
<v Stefan Brill>Und dann wird sozusagen schon in die Peripherie weitergeleitet eine Voraussage, wie das jetzt kommt.

02:25:11.515 --> 02:25:16.217
<v Stefan Brill>Und dadurch, dass auf einmal ein Widerspruch auftritt, reagiert das System auf einmal ganz anders.

02:25:16.217 --> 02:25:21.599
<v Stefan Brill>Das kann man sogar messen, indem man mit EEG-Ableitungen entsprechende Experimente macht,

02:25:21.599 --> 02:25:27.241
<v Stefan Brill>dass man sozusagen ganz vergleichsweise kleine Signale bekommt,

02:25:27.241 --> 02:25:31.183
<v Stefan Brill>wenn das System erst mal ein paar Mal eine Repetition desselben gehört hat und

02:25:31.183 --> 02:25:34.284
<v Stefan Brill>erst dann, wenn was anderes kommt, kriegt man auf einmal einen ganz großen Ausschlag,

02:25:34.284 --> 02:25:37.365
<v Stefan Brill>eine ganz große Reaktion auf das jetzt rausfallende.

02:25:38.626 --> 02:25:41.987
<v Tim Pritlove>Das ist aber jetzt bestimmt nichts, was jetzt nur beim Hören der Fall ist,

02:25:41.987 --> 02:25:45.749
<v Tim Pritlove>sondern das wird sich wahrscheinlich auch in ähnlicher Form beim Sehen, Fühlen etc.

02:25:46.359 --> 02:25:51.251
<v Stefan Brill>Auch feststellen lassen. Und um das jetzt vielleicht nicht allzu weit auszubreiten,

02:25:51.251 --> 02:25:55.392
<v Stefan Brill>aber es ist unter Umständen auch an diesen Rückkopplungsschleifen,

02:25:55.392 --> 02:26:00.414
<v Stefan Brill>die da existieren, dass von oben Informationen reingeschaltet wird,

02:26:00.414 --> 02:26:04.956
<v Stefan Brill>weil von oben irgendeine Erwartung oder Vorberechnung erfolgt ist und von unten

02:26:04.956 --> 02:26:08.157
<v Stefan Brill>dann immer sozusagen die reale Information nachkommt, die das wieder beeinflusst.

02:26:08.778 --> 02:26:13.739
<v Stefan Brill>Es ist auch denkbar, dass solche Dinge wie Tinnitus zum Beispiel ein bisschen

02:26:13.739 --> 02:26:16.360
<v Stefan Brill>außer Ruder laufen, diese Rückkopplungsschleifen sind.

02:26:17.781 --> 02:26:19.281
<v Tim Pritlove>Also falsche Erwartungshaltung sozusagen.

02:26:19.281 --> 02:26:23.653
<v Stefan Brill>Solche Dinge oder dass auf einmal aus irgendwelchen Gründen von unten die Information

02:26:23.653 --> 02:26:28.005
<v Stefan Brill>nicht mehr kommt, aber die Rückkopplungsschleife oben eigentlich noch gerne

02:26:28.005 --> 02:26:31.726
<v Stefan Brill>was machen würde, aber nicht mehr zum Korrigieren oder zum Erwarten hat,

02:26:31.726 --> 02:26:33.007
<v Stefan Brill>an dem sie arbeiten kann.

02:26:33.007 --> 02:26:37.558
<v Stefan Brill>Das ist jetzt ein bisschen sehr weit aus dem Fenster gelehnt, aber diese,

02:26:37.558 --> 02:26:44.071
<v Stefan Brill>damit können wir das an der Stelle aber abschließen, Diese vergleichsweise naive

02:26:44.071 --> 02:26:47.052
<v Stefan Brill>Vorstellung, dass da einfach nur wie ein Kabel von unten nach oben wird,

02:26:47.052 --> 02:26:50.314
<v Stefan Brill>das einfach weitergeleitet und am oben sitzt ein kleines Männchen mit dem Ohr

02:26:50.314 --> 02:26:52.055
<v Stefan Brill>und das hört dann, das ist völliger Quatsch.

02:26:52.435 --> 02:26:56.096
<v Stefan Brill>Also da sind ständig immer schon irgendwelche Vorverarbeitungsschritte auf allen

02:26:56.096 --> 02:27:01.819
<v Stefan Brill>Ebenen, die ablaufen und die bis heute noch bei weitem nicht vollständig verstanden sind.

02:27:05.701 --> 02:27:10.082
<v Tim Pritlove>Puh, ganz schön was los für das bisschen Hören. Aber es ist spannend.

02:27:12.664 --> 02:27:17.706
<v Tim Pritlove>Jetzt haben wir natürlich hier die ganze Zeit von einem idealen Menschen gesprochen,

02:27:17.706 --> 02:27:21.728
<v Tim Pritlove>bei dem irgendwie immer alles super funktioniert, abgesehen jetzt von den den

02:27:21.728 --> 02:27:22.328
<v Tim Pritlove>unterschieden Einzelner.

02:27:24.629 --> 02:27:27.752
<v Tim Pritlove>Ja, es gibt halt Leute, die können besser hören, können schlechter hören, keine Ahnung.

02:27:30.980 --> 02:27:35.502
<v Tim Pritlove>Geht ja auch mal was schief, geht ja auch mal was kaputt. Was ist denn so überhaupt

02:27:35.502 --> 02:27:36.202
<v Tim Pritlove>der anfälligste Bereich?

02:27:37.503 --> 02:27:40.384
<v Tim Pritlove>Über Trommelfeldproblematiken haben wir ja schon gesprochen,

02:27:40.384 --> 02:27:43.185
<v Tim Pritlove>hast ja gesagt, das ist so täglich Brot in der HNO-Klinik.

02:27:45.886 --> 02:27:47.786
<v Tim Pritlove>Ist denn alles andere relativ stabil?

02:27:50.588 --> 02:27:54.529
<v Stefan Brill>Ne, also das Empfindlichste ist das, worüber wir gerade gesprochen haben,

02:27:54.529 --> 02:27:56.930
<v Stefan Brill>nämlich das kautische Organ mit den Haarzellen.

02:27:57.350 --> 02:27:57.930
<v Tim Pritlove>Die Schnecke.

02:27:58.681 --> 02:28:04.753
<v Stefan Brill>Die Schnecke, genauer gesagt, also das sensorische System, was auf der Basilarmembran drauf sitzt.

02:28:04.753 --> 02:28:08.954
<v Stefan Brill>Das hat ja grundsätzlich mal die Schwierigkeit, wenn man wenn man das schön

02:28:08.954 --> 02:28:10.535
<v Stefan Brill>fein und empfindlich bauen will,

02:28:10.535 --> 02:28:14.356
<v Stefan Brill>dann kann man da nicht so eine dicke Ader hin flanschen, die das alles immer

02:28:14.356 --> 02:28:18.018
<v Stefan Brill>schön stabil mit Nährstoffen und allem möglichen versorgt und mit Sauerstoff und so weiter,

02:28:18.018 --> 02:28:22.239
<v Stefan Brill>sondern das wird natürlich immer immer fein zisselierter, bis es am Ende eigentlich

02:28:22.239 --> 02:28:26.020
<v Stefan Brill>praktisch nur noch über Diffusionen zu einer Nährstoffversorgung geht.

02:28:26.020 --> 02:28:30.062
<v Stefan Brill>Und in der Kochlehr drin haben wir selber eigentlich nur noch ein paar wenige

02:28:30.062 --> 02:28:36.245
<v Stefan Brill>Kapillaren, die das gotische Organ mit Blut und Nährstoffen versorgen.

02:28:36.565 --> 02:28:38.206
<v Stefan Brill>Das ist der empfindlichste Teil.

02:28:40.057 --> 02:28:46.269
<v Stefan Brill>Und das ist auch der Teil, wo es zum Beispiel durch Schalltrauma,

02:28:46.269 --> 02:28:51.191
<v Stefan Brill>also zu hohe Lautstärke, zu Schädigungen kommen kann. Ganz primitiv,

02:28:51.191 --> 02:28:54.232
<v Stefan Brill>mechanisch werden bei diesen Haarzellen einfach die Härchen abgeknickt.

02:28:57.334 --> 02:29:01.815
<v Stefan Brill>Manchmal regeneriert sich das wieder und ist dann wieder so gut wie vorher.

02:29:01.815 --> 02:29:05.797
<v Stefan Brill>Aber manchmal bleiben diese Schädigungen auch permanent, was dann wiederum dazu

02:29:05.797 --> 02:29:12.800
<v Stefan Brill>führt, dass die Haarzellen abgebaut werden oder einfach ihre mechanische Rezeptorfunktion

02:29:12.800 --> 02:29:13.790
<v Stefan Brill>nicht mehr wahrnehmen können.

02:29:18.223 --> 02:29:22.271
<v Stefan Brill>Und die Gründe, die jetzt, wenn man mal pauschal sagt,

02:29:22.271 --> 02:29:28.187
<v Stefan Brill>wer hat Hörverlust und auf welche Ursache ist der Hörverlust zurückzuführen,

02:29:28.187 --> 02:29:34.716
<v Stefan Brill>dann wird einem mehr oder weniger jeder sagen, naja, so 80, 90 Prozent aller

02:29:34.716 --> 02:29:41.692
<v Stefan Brill>Hörverluste ist im Innenort zu suchen, ist auf der Basilarmembran der Schnecke zu suchen.

02:29:41.692 --> 02:29:45.834
<v Stefan Brill>Dass wir da Haarzellen haben, die einfach nicht mehr das tun,

02:29:45.834 --> 02:29:47.435
<v Stefan Brill>was sie ursprünglich mal getan haben.

02:29:50.176 --> 02:29:54.118
<v Stefan Brill>Natürlich genetische Defekte, das ist noch mal was anderes. Also Missbildungen gibt es natürlich auch.

02:29:56.069 --> 02:30:00.079
<v Stefan Brill>Erbliche Taubheit gibt es auch. Und dann haben natürlich noch die Sachen, die...

02:30:04.459 --> 02:30:09.841
<v Stefan Brill>Im Mittelohr ablaufen können, wenn wir also im Mittelohr dauerhaft irgendwelche

02:30:09.841 --> 02:30:13.802
<v Stefan Brill>Entzündungen haben und sich das nicht so richtig in den Griff kriegen lässt,

02:30:13.802 --> 02:30:17.663
<v Stefan Brill>dann kann das auch dazu führen, dass die

02:30:17.663 --> 02:30:23.286
<v Stefan Brill>Gehörknöchelchen in Mitleidenschaft gezogen werden oder dass der der Knochenbildungshaushalt

02:30:23.286 --> 02:30:28.127
<v Stefan Brill>da so ein bisschen außer Kontrolle gerät und dass wir dort eine Verknöcherung

02:30:28.127 --> 02:30:35.590
<v Stefan Brill>haben Und dass sich die Gehörknöchlichen zum Beispiel festwachsen und nicht mehr beweglich sind.

02:30:35.590 --> 02:30:39.732
<v Stefan Brill>Also das kann schon mal sein, dass die Fußplatte vom Stapes einfach mit dem

02:30:39.732 --> 02:30:45.554
<v Stefan Brill>umgebenden Knochenrand nach einer Infektion anfängt zu verwachsen.

02:30:45.554 --> 02:30:47.285
<v Stefan Brill>Und einfach mechanisch die...

02:30:47.715 --> 02:30:49.095
<v Tim Pritlove>Stapes ist der Steigbügel.

02:30:49.095 --> 02:30:50.896
<v Stefan Brill>Stapes ist der Steigbügel, Entschuldigung. Ja.

02:30:53.697 --> 02:30:56.928
<v Stefan Brill>Damit einfach nur eine mechanische Problematik da ist.

02:30:57.319 --> 02:31:04.122
<v Stefan Brill>Und das ist auch das, was an den Kliniken bei den Leuten, die sich damit medizinisch

02:31:04.122 --> 02:31:06.123
<v Stefan Brill>beschäftigen, immer die große Trennlinie ist.

02:31:06.663 --> 02:31:12.066
<v Stefan Brill>Ist das etwas, was mechanisch durch noch auf dem akustisch-mechanischen Wege

02:31:12.066 --> 02:31:17.088
<v Stefan Brill>passiert ist? Also haben wir eine Mittelohrproblematik oder haben wir einen

02:31:17.088 --> 02:31:17.969
<v Stefan Brill>Einriss des Trommelfells?

02:31:18.429 --> 02:31:22.471
<v Stefan Brill>Ist das Trommelfell unter Umständen komplett zerstört und kann gar nicht mehr rekonstruiert werden?

02:31:23.702 --> 02:31:27.453
<v Stefan Brill>Das ist eben die Sache, wo es um die Schallweiterleitung geht.

02:31:28.448 --> 02:31:31.729
<v Stefan Brill>Das ist etwas, was man manchmal noch ganz gut in den Griff kriegt.

02:31:32.389 --> 02:31:36.190
<v Stefan Brill>Also durch eine entsprechende Operation. Man kann zum Beispiel die Gehörknöchlichen

02:31:36.190 --> 02:31:37.391
<v Stefan Brill>durch kleine Prothesen ersetzen.

02:31:40.232 --> 02:31:44.333
<v Stefan Brill>Es gibt so kleine Titanengehörknöchlichen, um das mal so salopp zu formulieren.

02:31:45.134 --> 02:31:48.035
<v Tim Pritlove>Die dann den Hammer und Ambus ersetzen?

02:31:48.755 --> 02:31:52.477
<v Stefan Brill>Ja, je nachdem was genau los ist, kann man zum Beispiel, es kann zum Beispiel

02:31:52.477 --> 02:31:54.257
<v Stefan Brill>sein, dass nur der Steigbügel hinüber ist.

02:31:54.257 --> 02:31:58.659
<v Stefan Brill>Und dass man also eine Art kleinen Ersatzsteigbügel aufsetzt,

02:31:58.659 --> 02:32:02.560
<v Stefan Brill>wenn Hammer und Ambus noch da sind, oder dass man im extremen Gegenfall das

02:32:02.560 --> 02:32:07.342
<v Stefan Brill>Trommelfell und alle Gehörknöchlichen weg sind, komplett alles kaputt ist und

02:32:07.342 --> 02:32:11.624
<v Stefan Brill>das dann das natürlich chirurgisch entsprechend aufwendig. Da muss man natürlich Leute haben.

02:32:11.624 --> 02:32:14.005
<v Tim Pritlove>Ich staune gerade, dass das überhaupt geht. Ich meine, das ist ja jetzt auch

02:32:14.005 --> 02:32:16.006
<v Tim Pritlove>kein besonders gut zugänglicher Bereich da.

02:32:17.306 --> 02:32:24.429
<v Tim Pritlove>Da muss schon eine Operation, weiß nicht wie viel man da rum schnippeln muss.

02:32:24.429 --> 02:32:27.751
<v Stefan Brill>Ja, man muss schon was tun. Man muss natürlich auch darauf aufpassen,

02:32:27.751 --> 02:32:29.151
<v Stefan Brill>dass man nichts anderes kaputt macht.

02:32:29.151 --> 02:32:36.674
<v Stefan Brill>Also es gibt gerade da in der Gegend gibt es zwei Nerven, die laufen da vorm Mittelohr entlang bzw.

02:32:36.674 --> 02:32:40.756
<v Stefan Brill>Einer läuft sogar wirklich durchs Mittelohr durch, zwischen den Gehörknöchlichen

02:32:40.756 --> 02:32:45.038
<v Stefan Brill>durch und das ist der Nerv,

02:32:45.038 --> 02:32:52.441
<v Stefan Brill>der die Zungenspitze innerviert und ein Teil des Geschmacksinnens macht,

02:32:52.441 --> 02:32:54.262
<v Stefan Brill>das die Corda tympani nennt sich der Nerv.

02:32:54.262 --> 02:32:55.973
<v Tim Pritlove>Darf man auch nicht gerade mal reintreten?

02:32:55.973 --> 02:33:00.085
<v Stefan Brill>Darf man? Nee, sonst ist... Also das ist noch nicht ganz so schlimm,

02:33:00.085 --> 02:33:02.766
<v Stefan Brill>weil die Zunge nicht nur von dem und man hat ja noch die andere Hälfte.

02:33:03.167 --> 02:33:06.147
<v Tim Pritlove>Ja, aber ich sehe schon, das ist so. Also nicht so schön.

02:33:07.148 --> 02:33:10.349
<v Stefan Brill>Ja, was richtig doof ist, ist der faciales Nerv. Das ist der,

02:33:10.349 --> 02:33:11.309
<v Stefan Brill>der die Gesichtsmuskulatur ansteuert.

02:33:13.630 --> 02:33:18.712
<v Stefan Brill>Und wenn der mal so richtig betroffen ist, dann haben die Leute unter Umständen

02:33:18.712 --> 02:33:21.713
<v Stefan Brill>auf einer Seite gar keine Mimik mehr oder kriegen ihr Auge nicht mehr zu oder

02:33:21.713 --> 02:33:22.613
<v Stefan Brill>solche schrecklichen Mimik.

02:33:22.754 --> 02:33:31.897
<v Tim Pritlove>Wie man das auch so bei Lähmung durch, sag ich schon, hier durch Hirnschlag auch mal abkennen kann.

02:33:31.897 --> 02:33:35.958
<v Stefan Brill>Ja. natürlich der Chirurg, der sowas macht, muss dann natürlich sich enorm auskennen.

02:33:37.119 --> 02:33:40.300
<v Stefan Brill>Zum Glück haben wir hier in dem Land wirklich ein ziemlich hohes Niveau,

02:33:40.300 --> 02:33:42.541
<v Stefan Brill>aber das ist natürlich richtige Fitzelarbeit.

02:33:43.081 --> 02:33:49.884
<v Tim Pritlove>Na aber schon erstaunlich. Das zeigt ja zumindest, dass es auch alles soweit schon verstanden ist,

02:33:49.884 --> 02:33:53.585
<v Tim Pritlove>wenn man solche Techniken umsetzen kann, dass das jetzt hier auch alles gar

02:33:53.585 --> 02:33:55.566
<v Tim Pritlove>kein Voodoo mehr ist, sondern dass man eigentlich genau weiß,

02:33:55.566 --> 02:33:58.947
<v Tim Pritlove>wie es eigentlich zu funktionieren hat und dann auch die Möglichkeiten hat, entgegenzuarbeiten.

02:33:59.507 --> 02:34:01.268
<v Tim Pritlove>Jetzt arbeitest du ja an Hörgeräten insbesondere.

02:34:05.089 --> 02:34:09.290
<v Tim Pritlove>Vielleicht kannst du nochmal deine eigentliche Aufgaben, Schwerpunkte nochmal

02:34:09.290 --> 02:34:13.212
<v Tim Pritlove>kurz zusammenfassen, weil wir hatten so am Anfang alles Mögliche angesprochen.

02:34:15.913 --> 02:34:19.724
<v Stefan Brill>Also angefangen in dieses Fachgebiet reingekommen bin ich als Entwicklungsingenieur

02:34:19.724 --> 02:34:27.418
<v Stefan Brill>und ich habe von einem damals neu entwickelten Cochlea Implantatsystem habe

02:34:27.418 --> 02:34:28.338
<v Stefan Brill>ich die Signalverarbeitung programmiert.

02:34:29.478 --> 02:34:35.361
<v Stefan Brill>Also das war noch mit einem richtigen DSP, einem richtigen Digital Signal Processor,

02:34:35.361 --> 02:34:42.224
<v Stefan Brill>der hat dann eben das, was die Schnecke nicht mehr konnte, sozusagen digital berechnet.

02:34:42.884 --> 02:34:46.586
<v Stefan Brill>Und den habe ich damals programmiert und ich bin dann aber,

02:34:46.586 --> 02:34:50.527
<v Stefan Brill>also war Entwicklungsingenieur in dem Bereich, und bin dann so nach und nach

02:34:50.527 --> 02:34:58.310
<v Stefan Brill>eher in die Forschungsrichtung rübergedriftet und habe dann parametrische Hörexperimente

02:34:58.310 --> 02:35:03.853
<v Stefan Brill>mit vielen Patienten mit solchen Implantatsystemen gemacht und bin jetzt inzwischen

02:35:03.853 --> 02:35:06.313
<v Stefan Brill>seit einigen Jahren an einer Klinik als,

02:35:06.313 --> 02:35:10.435
<v Stefan Brill>wie man das so schön nennt, als Audiologe, also jemand,

02:35:10.435 --> 02:35:15.497
<v Stefan Brill>der sich um einerseits natürlich die Forschung in diesem Bereich kümmert und

02:35:15.497 --> 02:35:20.239
<v Stefan Brill>andererseits aber auch mit Patienten zu tun hat,

02:35:20.239 --> 02:35:27.742
<v Stefan Brill>die solche Implantatsysteme erhalten und die natürlich eine hohe Notwendigkeit

02:35:27.742 --> 02:35:31.403
<v Stefan Brill>haben, dass diese Implantatsysteme individuell auf die Patienten eingestellt

02:35:31.403 --> 02:35:32.604
<v Stefan Brill>und angepasst werden müssen.

02:35:33.224 --> 02:35:36.225
<v Stefan Brill>Und das ist jetzt mein heutiger oder derzeitiger Hauptarbeitsbereich.

02:35:37.345 --> 02:35:42.067
<v Tim Pritlove>Das heißt, du mit den klassischen Hörgeräten in dem Sinne hast du so nichts

02:35:42.067 --> 02:35:43.388
<v Tim Pritlove>zu tun und auch nichts zu tun gehabt.

02:35:43.388 --> 02:35:47.510
<v Tim Pritlove>Hatte ich bisher nichts zu tun. Aber vielleicht kommen wir da noch... Du kennst das ja,

02:35:47.510 --> 02:35:53.082
<v Tim Pritlove>das klassische Hörgerät, also wenn man jetzt schwer hört, das klassische Schwerhörige,

02:35:53.082 --> 02:35:58.395
<v Tim Pritlove>nimmt dann ein Hörgerät, da geht es dann erstmal um die reine Verstärkung.

02:35:59.476 --> 02:36:01.556
<v Stefan Brill>Da geht es einfach erstmal nur um eine Schallwellenverstärkung.

02:36:02.557 --> 02:36:06.219
<v Tim Pritlove>Da liegt dann in der Regel eine Schwächung von was vor, also ist es dann das

02:36:06.219 --> 02:36:09.440
<v Tim Pritlove>Trommelfell, was sich nicht mehr so gut bewegt oder ist es so die Mechanik,

02:36:09.440 --> 02:36:10.721
<v Tim Pritlove>die ein bisschen eingerostet ist?

02:36:10.721 --> 02:36:16.384
<v Stefan Brill>Ja, es ist eigentlich eine große Anzahl an Patienten, die ein Hörgerät brauchen,

02:36:16.384 --> 02:36:21.346
<v Stefan Brill>sind natürlich ältere Leute und die hören von den hohen Frequenzen herkommen,

02:36:21.346 --> 02:36:22.407
<v Stefan Brill>schlechter und schlechter.

02:36:22.407 --> 02:36:25.788
<v Stefan Brill>Und da gehen dann so zwei Sachen Hand in Hand.

02:36:27.017 --> 02:36:30.548
<v Stefan Brill>Einerseits so ein langsames Abbauen oder kaputt gehen, der...

02:36:32.008 --> 02:36:34.889
<v Stefan Brill>Nerven der Haarzellen in dem hochfrequenten Bereich

02:36:34.889 --> 02:36:37.530
<v Stefan Brill>und andererseits gibt es aber wohl auch eine

02:36:37.530 --> 02:36:41.003
<v Stefan Brill>altersbedingte langsam Graduell zunehmende

02:36:41.003 --> 02:36:43.772
<v Stefan Brill>Versteifung der Basilarmembran also die wird nach und

02:36:43.772 --> 02:36:47.253
<v Stefan Brill>nach immer weniger gut schwingfähig und

02:36:47.253 --> 02:36:50.794
<v Stefan Brill>beweglich Und das ist dann eben die Presbyakusis

02:36:50.794 --> 02:36:54.776
<v Stefan Brill>die sogenannte Altersschwerhörigkeit und die kommt meistens von den hohen Frequenzen

02:36:54.776 --> 02:36:59.358
<v Stefan Brill>her beginnend und Die Leute haben dann manchmal so eine ganz widersprüchliche

02:36:59.358 --> 02:37:03.079
<v Stefan Brill>angabe die denken sie hören ja noch alles weil sie die tür noch Zufallen hören

02:37:03.079 --> 02:37:06.360
<v Stefan Brill>genauso gut wie früher aber das ist halt ein tief frequent des plumpes oder

02:37:06.360 --> 02:37:09.181
<v Stefan Brill>irgendwie den nachbarn hören sie auch noch weil der rumpelt Ein,

02:37:09.181 --> 02:37:12.563
<v Stefan Brill>bisschen rum die tiefen frequenzen gehen dann noch aber sobald

02:37:12.563 --> 02:37:15.924
<v Stefan Brill>es dann um sprache verstehen angeht wo man Die höheren

02:37:15.924 --> 02:37:18.945
<v Stefan Brill>mittleren und höheren frequenzen zwingend braucht um das auflösen

02:37:18.945 --> 02:37:21.746
<v Stefan Brill>zu können da verstehen die dann halt nichts mehr und denken erst Mal alle

02:37:21.746 --> 02:37:24.447
<v Stefan Brill>nuscheln nur noch ja und projizieren das auch

02:37:24.447 --> 02:37:27.228
<v Stefan Brill>nach außen so redet doch mal ordentlich ich

02:37:27.228 --> 02:37:29.949
<v Stefan Brill>höre ich höre ich verstehe euch eigentlich das ist aber dann

02:37:29.949 --> 02:37:34.691
<v Stefan Brill>oft eben ein von den hohen frequenzen her herkommender zunehmender

02:37:34.691 --> 02:37:41.073
<v Stefan Brill>hörverlust und diese hörverluste die kann man natürlich bis zu einem gewissen

02:37:41.073 --> 02:37:47.996
<v Stefan Brill>grad mit einer verstärkung der schallwellen ausgleichen indem man hörgeräte

02:37:47.996 --> 02:37:52.497
<v Stefan Brill>baut die dann eben in den frequenzen wo weniger gutes hören noch vorliegt,

02:37:52.497 --> 02:37:55.018
<v Stefan Brill>entsprechend mehr Schall abgeben.

02:37:56.059 --> 02:37:59.300
<v Tim Pritlove>Das kann man wahrscheinlich nicht beliebig steigern, weil das erzeugt ja dann

02:37:59.300 --> 02:38:03.922
<v Tim Pritlove>auch wiederum mehr Stress in der Schnecke, aber zumindest in einem bestimmten

02:38:03.922 --> 02:38:05.682
<v Tim Pritlove>Maße lässt sich das damit dann verbessern.

02:38:07.063 --> 02:38:09.884
<v Stefan Brill>Also die Hörgeräte, die haben da eine Limitierung nach oben,

02:38:09.884 --> 02:38:15.266
<v Stefan Brill>was einfach möglich ist und zwar auch eine Limitierung, die daher kommt,

02:38:15.266 --> 02:38:18.887
<v Stefan Brill>weil die Hörgeräte natürlich ein Mikrofon brauchen. Mit dem Mikrofon können,

02:38:19.408 --> 02:38:21.048
<v Stefan Brill>die Hörgeräte sich selber hören.

02:38:21.709 --> 02:38:25.091
<v Stefan Brill>Das wird zwar in den Hörgang abgegeben, aber so ein bisschen was kommt ja doch

02:38:25.091 --> 02:38:27.492
<v Stefan Brill>wieder draußen beim Mikrofon an und dann fangen die Dinge an,

02:38:27.492 --> 02:38:30.233
<v Stefan Brill>Rückkopplungen zu kriegen, fangen an zu pfeifen.

02:38:30.574 --> 02:38:36.617
<v Stefan Brill>Dann brauchen die Leute immer dichter und strenger abdichtende Ohrstöpsel,

02:38:36.617 --> 02:38:42.260
<v Stefan Brill>damit das nicht passiert und dann ist das unangenehm zu tragen und dann ändert

02:38:42.260 --> 02:38:43.600
<v Stefan Brill>sich es auch und die Leute wackeln dran rum.

02:38:43.600 --> 02:38:50.924
<v Stefan Brill>Also Hörgeräte haben bis zu einem bestimmten Punkt eine sehr gut funktionierende

02:38:50.924 --> 02:38:52.445
<v Stefan Brill>Lösung, aber irgendwann hört es auf.

02:38:53.266 --> 02:38:56.087
<v Stefan Brill>Und dann gibt es als nächste Stufe, gibt es heute, das gibt es noch nicht so

02:38:56.087 --> 02:39:02.098
<v Stefan Brill>wahnsinnig lange, Mittelohrimplantate, da wird also ein kleiner mechanischer Schwinger.

02:39:03.647 --> 02:39:05.167
<v Stefan Brill>An die Gehörknöchelchen angeflanscht.

02:39:08.108 --> 02:39:12.370
<v Stefan Brill>So wirklich so mikroskopisch kleines und schwingender Anker in der Spule,

02:39:12.370 --> 02:39:17.082
<v Stefan Brill>der entsprechend angesteuert wird. Und der muss dann natürlich mikrochirurgisch

02:39:17.082 --> 02:39:21.193
<v Stefan Brill>an die Gehörknöchelchen angedockt werden in irgendeiner Form.

02:39:21.193 --> 02:39:22.604
<v Tim Pritlove>Das ist dann quasi ein Trommelfellersatz?

02:39:24.014 --> 02:39:30.937
<v Stefan Brill>Nee, das Trommelfell ist dann nach wie vor noch da. Das ist also auch im Prinzip

02:39:30.937 --> 02:39:33.398
<v Stefan Brill>für eine Schwerhörigkeit des Innenohres gedacht.

02:39:34.999 --> 02:39:38.420
<v Stefan Brill>Aber mit denen kommt man nochmal ein ganzes Stück weiter als mit Hörgeräten.

02:39:39.440 --> 02:39:40.901
<v Tim Pritlove>Aber was verstärken die denn dann?

02:39:40.901 --> 02:39:47.143
<v Stefan Brill>Die haben selber ein Mikrofon. Die sitzen nicht nur alleine im Innenohr drin,

02:39:47.143 --> 02:39:52.745
<v Stefan Brill>sondern außen auf dem Ohr sitzt ein Hörgerät drauf oder so eine Art von Hörgerät.

02:39:52.745 --> 02:39:57.246
<v Stefan Brill>Es sitzt genauer gesagt etwas hinter dem Ohr. Da ist ein Mikrofon drin.

02:39:59.260 --> 02:40:04.262
<v Stefan Brill>Eine digitale oder analoge Elektronik, die das Frequenz spezifisch verstärkt.

02:40:04.643 --> 02:40:09.084
<v Stefan Brill>Und unter der Haut sitzt dann ein Gegenstück der Empfänger.

02:40:09.084 --> 02:40:14.666
<v Stefan Brill>Der kriegt entweder digital oder analog, kriegt übertragen, was das System außen

02:40:14.666 --> 02:40:18.988
<v Stefan Brill>hört und gemäß seiner patientenspezifischen Programmierung gesagt bekommen hat,

02:40:18.988 --> 02:40:19.968
<v Stefan Brill>was es damit anfangen soll.

02:40:19.968 --> 02:40:25.050
<v Stefan Brill>Das wird nach innen übertragen und das geht dann ans Mittelohr weiter und führt

02:40:25.050 --> 02:40:31.453
<v Stefan Brill>da zu einer ausgeprägten Schwingung, die dann ans Innenohr übertragen wird.

02:40:31.453 --> 02:40:33.373
<v Stefan Brill>Das geht aber auch nur für bestimmte...

02:40:33.914 --> 02:40:36.794
<v Tim Pritlove>Das heißt, es arbeitet dann quasi parallel zum Trommelfell.

02:40:37.865 --> 02:40:41.796
<v Stefan Brill>Könnte man so sagen. Es dominiert aber das, was das Trommelfell tut.

02:40:41.796 --> 02:40:44.257
<v Tim Pritlove>Aber es ist schon richtig, ja. Das Trommelfell wird so mehr oder weniger...

02:40:44.257 --> 02:40:48.199
<v Tim Pritlove>Also es wird nicht entfernt, es wird auch nicht benutzt, es wird so mehr oder

02:40:48.199 --> 02:40:52.340
<v Tim Pritlove>weniger außer Betrieb genommen, weil die Hauptinformation sozusagen nur noch

02:40:52.340 --> 02:40:53.961
<v Tim Pritlove>vom Angriff. Also von daher ist es schon ein Trommelfellersatz.

02:40:55.762 --> 02:40:56.742
<v Tim Pritlove>Könnte man so sagen.

02:40:56.742 --> 02:40:59.383
<v Stefan Brill>Es gibt natürlich das, was ich vorhin gesagt habe, es gibt natürlich auch die

02:40:59.383 --> 02:41:05.526
<v Stefan Brill>Patienten, bei denen die ganze Geschichte im Mittelohr jetzt schon nicht mehr intakt ist.

02:41:05.526 --> 02:41:08.367
<v Stefan Brill>Also wo die Gehörknöchlichen vielleicht gar nicht mehr existieren,

02:41:08.367 --> 02:41:11.808
<v Stefan Brill>weil irgendwelche schweren Entzündungen die zerstört haben oder sonst was nicht.

02:41:11.808 --> 02:41:14.929
<v Stefan Brill>Da kann man diese Mittelohrimplantate aber trotzdem auch einsetzen.

02:41:16.650 --> 02:41:21.992
<v Stefan Brill>Man muss nur mit anderen mechanischen Maßnahmen den Schall dann in die Kochlea reinbringen.

02:41:23.273 --> 02:41:29.055
<v Stefan Brill>Da kommen dann diese kleinen Metallprothesen ins Spiel, die ich vorhin erwähnt hatte.

02:41:29.055 --> 02:41:34.778
<v Stefan Brill>Da kann man also Kombinationen aus diesen Mittelohrschwingern und diesen Stapes,

02:41:34.778 --> 02:41:41.460
<v Stefan Brill>also Steigbügelprothesen, nehmen und kann auf die Art und Weise das Schallsignal,

02:41:41.460 --> 02:41:48.123
<v Stefan Brill>was man am Ende in der Schnecke wieder haben möchte, auf diesem Wege dort reinbringen.

02:41:49.644 --> 02:41:53.366
<v Stefan Brill>Voraussetzung ist natürlich, dass die Schnecke per se noch halbwegs gut hört.

02:41:53.686 --> 02:41:56.707
<v Stefan Brill>Man macht das jetzt normalerweise nicht, wenn die Schnecke noch normalhöhrend ist.

02:41:56.707 --> 02:41:59.299
<v Stefan Brill>Das ist ja Quatsch. Die Schnecke hat schon ihren Hörverlust,

02:41:59.299 --> 02:42:06.419
<v Stefan Brill>am Mittelohr stimmt aber auch irgendwas nicht mehr und dann geht man mit einem

02:42:06.419 --> 02:42:08.073
<v Stefan Brill>Mittelohrimplantat ran.

02:42:08.073 --> 02:42:11.754
<v Stefan Brill>Aber das ist natürlich nichts, was man beim Hörgerät der Akustiker um die Ecke

02:42:11.754 --> 02:42:15.676
<v Stefan Brill>kriegt, sondern da muss man halt an die Klinik und das muss operativ eingesetzt

02:42:15.676 --> 02:42:16.977
<v Stefan Brill>werden. Ein solches Implantat.

02:42:18.077 --> 02:42:24.860
<v Stefan Brill>Und die nächste Stufe, das ist dann die Stufe, die die harte Sache ist,

02:42:24.860 --> 02:42:26.660
<v Stefan Brill>wenn ich also in der Schnecke,

02:42:28.166 --> 02:42:32.847
<v Stefan Brill>keine Möglichkeit mehr habe diese von außen kommenden mechanischen Anregungen

02:42:32.847 --> 02:42:33.728
<v Stefan Brill>überhaupt wahrzunehmen,

02:42:33.728 --> 02:42:38.249
<v Stefan Brill>weil die Haarzellen nicht mehr da sind, kaputt gegangen sind durch Ertaubung,

02:42:38.249 --> 02:42:44.952
<v Stefan Brill>durch eine Infektion oder sonst eine Ursache, dann kann ich mit mechanischer

02:42:44.952 --> 02:42:46.492
<v Stefan Brill>Anregung gar nichts mehr erreichen.

02:42:46.492 --> 02:42:48.893
<v Stefan Brill>Ist ja auch völlig logisch. Ich habe keinen mechanischen Rezeptor mehr,

02:42:48.893 --> 02:42:51.154
<v Stefan Brill>der das mir in Nervenimpulse umsetzt.

02:42:51.794 --> 02:42:53.715
<v Stefan Brill>Und dafür gibt es dann das Kochleerimplantat.

02:42:56.436 --> 02:43:01.198
<v Stefan Brill>Und das Kochleerimplantat, da wird jetzt üblicherweise in der Gegend vom runden

02:43:01.198 --> 02:43:03.679
<v Stefan Brill>Fenster aufgemacht oder ein bisschen oberhalb davon.

02:43:04.339 --> 02:43:07.640
<v Tim Pritlove>Also diesem Ausdrucks, Ausgleichsmembran der Hörschnecke.

02:43:08.581 --> 02:43:15.443
<v Stefan Brill>Die wird sozusagen aufgemacht und dort setzt man eine Elektrode ein.

02:43:15.684 --> 02:43:18.184
<v Stefan Brill>Das ist aber jetzt nur das Ende eines Implantats.

02:43:19.045 --> 02:43:22.026
<v Stefan Brill>Über den Rest haben wir noch nicht geredet. Wir reden jetzt mal nur über diesen

02:43:22.026 --> 02:43:22.886
<v Stefan Brill>Innenurteil. Orteil. Das muss man

02:43:22.886 --> 02:43:27.888
<v Stefan Brill>sich vorstellen wie so eine chinesische Glasnudel ungefähr aus Silikon.

02:43:28.739 --> 02:43:32.040
<v Stefan Brill>Die ist drei Zentimeter lang. Es gibt auch Konstruktionen,

02:43:32.040 --> 02:43:35.451
<v Stefan Brill>die machen aus diversen Gründen ein bisschen kürzer,

02:43:35.451 --> 02:43:41.759
<v Stefan Brill>aber das ist ungefähr drei Zentimeter lang und auf der Oberfläche dieser Silikonglasnudel

02:43:41.759 --> 02:43:49.657
<v Stefan Brill>sitzen Metallkontakte und in dem Elektrodenträger,

02:43:49.657 --> 02:43:54.799
<v Stefan Brill>in diesem Silikonzylinder, sitzen dann Drädchen,

02:43:54.799 --> 02:44:01.762
<v Stefan Brill>die diese Oberflächenkontakte sozusagen berühren und mit denen verschweißt sind

02:44:01.762 --> 02:44:08.445
<v Stefan Brill>und das dann durch diese Glasnudel sozusagen nach hinten verbunden haben zu

02:44:08.445 --> 02:44:09.485
<v Stefan Brill>einer gekapselten Elektronik.

02:44:11.731 --> 02:44:16.379
<v Stefan Brill>Diese gekapselte Elektronik, die wird chirurgisch hier hinter dem Ohr eingesetzt.

02:44:20.067 --> 02:44:22.647
<v Tim Pritlove>Das habe ich jetzt noch nicht so ganz verstanden.

02:44:22.647 --> 02:44:25.759
<v Stefan Brill>Ja, wir sind jetzt auch mal den umgekehrten Weg gegangen. Normalerweise sind

02:44:25.759 --> 02:44:28.730
<v Stefan Brill>wir immer so schön von Peripher aus nach innen gekommen.

02:44:28.730 --> 02:44:31.591
<v Tim Pritlove>Und das haben wir jetzt mal nicht so schön gemacht. Genau, vielleicht drehen

02:44:31.591 --> 02:44:32.951
<v Tim Pritlove>wir es an der Stelle auch nochmal um.

02:44:32.951 --> 02:44:37.533
<v Tim Pritlove>Also grundsätzlich Kochlehrimplantat ist sozusagen, kommt in dem Moment ins Spiel,

02:44:37.533 --> 02:44:41.754
<v Tim Pritlove>wo man Hörfähigkeit wieder herstellen möchte,

02:44:41.754 --> 02:44:50.628
<v Tim Pritlove>wo aber das reine Nachbilden des mechanischen Luftdruckreizes über Trommelfell,

02:44:50.628 --> 02:44:54.799
<v Tim Pritlove>Hammer, Ambus, Steigbügel, egal an welcher Stelle man da jetzt ansetzt.

02:44:54.799 --> 02:45:00.962
<v Tim Pritlove>Also ein Hörgerät verstärkt ja sozusagen, ist ja quasi ein Lautsprecher in den Gehörgang.

02:45:01.342 --> 02:45:04.683
<v Tim Pritlove>So, das heißt der verstärkt einfach den Druck aufs Trommelfell,

02:45:04.683 --> 02:45:07.444
<v Tim Pritlove>aber ab da funktioniert so wie es sonst auch funktioniert.

02:45:08.885 --> 02:45:13.886
<v Tim Pritlove>Diese Mittelohrimplantate sagen, okay, Trommelfell ist jetzt schon raus aus dem Spiel,

02:45:13.886 --> 02:45:16.788
<v Tim Pritlove>darf gerne noch ein bisschen mitdrücken, aber im Wesentlichen übernehmen wir

02:45:16.788 --> 02:45:22.510
<v Tim Pritlove>diese mechanische Übertragung auf das System jetzt selber und jetzt zeigen wir

02:45:22.510 --> 02:45:25.191
<v Tim Pritlove>mal hier wo der Hammer hängt, im wahrsten Sinne des Wortes.

02:45:25.931 --> 02:45:29.573
<v Tim Pritlove>Oder wenn das eben aus irgendwelchen Gründen auch alles schon weggefault ist,

02:45:29.573 --> 02:45:33.414
<v Tim Pritlove>dann sagt man okay, dann sind wir jetzt einfach mal selber der Steigbügel und

02:45:33.414 --> 02:45:39.036
<v Tim Pritlove>trümmern da rein, aber dann würde die Schnecke ja immer noch ihr Ding tun, so gut sie es eben kann.

02:45:39.396 --> 02:45:42.558
<v Tim Pritlove>Und jetzt sind wir im Prinzip im dritten Schritt angekommen,

02:45:42.558 --> 02:45:47.960
<v Tim Pritlove>wo man sagt, Schnecke, also das einzige wozu jetzt diese Schnecke abgesehen

02:45:47.960 --> 02:45:54.482
<v Tim Pritlove>vom Gleichgewichtsorgan noch taugt, ist die Verbindung zu den Hörnerven herzustellen.

02:45:56.263 --> 02:45:59.744
<v Tim Pritlove>Das ist quasi, wir verwenden diese Schnecke eigentlich nur noch so als Docking

02:45:59.744 --> 02:46:05.047
<v Tim Pritlove>Station zum Rest des Gehirns und müssen jetzt eigentlich eine Systematik hervorbringen,

02:46:05.047 --> 02:46:13.210
<v Tim Pritlove>die eigentlich dasselbe tut wie eben die Herrchen dieser Haarnerven,

02:46:13.210 --> 02:46:14.590
<v Tim Pritlove>die in der Schnecke sind.

02:46:14.911 --> 02:46:17.852
<v Tim Pritlove>Dazu müsste man ja wirklich sehr, sehr, sehr genau nachbilden,

02:46:17.852 --> 02:46:22.194
<v Tim Pritlove>was sie eigentlich tun, was ich jetzt schon mal für eine irre Herausforderung halte.

02:46:24.850 --> 02:46:28.212
<v Tim Pritlove>Dieser letzte Schritt ist aber dann sozusagen eigentlich nur jetzt bei Leuten

02:46:28.212 --> 02:46:33.173
<v Tim Pritlove>zu machen, wo gar nichts mehr zu holen wäre. Das ist sozusagen Last Resort.

02:46:33.774 --> 02:46:37.875
<v Stefan Brill>Ja, also da hat es natürlich wieder eine historische Entwicklung gegeben.

02:46:37.875 --> 02:46:45.458
<v Stefan Brill>Inzwischen sind diese Kohleimplantatsysteme so gut, dass sie in den Grenzbereichen

02:46:45.458 --> 02:46:47.398
<v Stefan Brill>schon mit Hörgeräten konkurrieren können.

02:46:47.979 --> 02:46:51.360
<v Stefan Brill>Es gibt, also vor, sagen wir mal, gehen wir mal eine Zeit lang zurück,

02:46:51.360 --> 02:46:55.181
<v Stefan Brill>springen wir mal 20 Jahre zurück. Vor 20 Jahren hat man diese Kochlerimplantate

02:46:55.181 --> 02:47:00.243
<v Stefan Brill>nur bei Patienten eingesetzt, die wirklich stocktaub waren.

02:47:00.563 --> 02:47:04.444
<v Tim Pritlove>Wo gar nichts mehr ging. Die auch immer waren oder die stocktaub geworden sind?

02:47:05.045 --> 02:47:08.186
<v Stefan Brill>In aller Regel solche, die taub geworden sind.

02:47:08.186 --> 02:47:12.287
<v Stefan Brill>Weil erwachsene Patienten, die schon seit der Geburt taub waren,

02:47:12.287 --> 02:47:16.829
<v Stefan Brill>die haben einen sehr großen Nachteil, nämlich dass sich die ganze Hörbahn und

02:47:16.829 --> 02:47:21.650
<v Stefan Brill>das ganze Hörzentrum nicht vernünftig im Gehirn, sich nicht vernünftig ausgebildet hat.

02:47:21.650 --> 02:47:26.612
<v Stefan Brill>Weil mangelse reiz mangelse reiz hat sich das nicht gebildet und solche zu lange wartet.

02:47:46.222 --> 02:47:49.002
<v Stefan Brill>Wenn man, sagen wir mal, man hätte ein Kind, was,

02:47:50.840 --> 02:47:54.442
<v Stefan Brill>Taub auf die Welt gekommen ist, nie auch nur irgendwas akustisch gehört hat

02:47:54.442 --> 02:47:57.993
<v Stefan Brill>und man käme erst beispielsweise im Alter von zehn Jahren auf die Idee,

02:47:57.993 --> 02:48:01.944
<v Stefan Brill>so jetzt setzen wir mal so einen Kochleimplantat ein, dann ist es zu spät.

02:48:01.944 --> 02:48:06.646
<v Stefan Brill>Das heißt nicht, dass dann gar nichts mehr geht, also das Kind wird,

02:48:06.646 --> 02:48:12.028
<v Stefan Brill>wenn es clever ist und trainiert, sicher lernen, Geräusche zu detektieren,

02:48:12.028 --> 02:48:15.869
<v Stefan Brill>Umweltgeräusche wahrzunehmen, vielleicht Orientierungshilfen zu haben,

02:48:15.869 --> 02:48:20.231
<v Stefan Brill>verschiedene Dinge unterschiedlich wahrzunehmen, aber wirklich einfach

02:48:20.231 --> 02:48:23.172
<v Stefan Brill>so sprechen und und sprache verstehen

02:48:23.172 --> 02:48:26.273
<v Stefan Brill>zu können ist da schon fast fast vorbei

02:48:26.273 --> 02:48:30.014
<v Stefan Brill>man muss wann hätte man noch eine chance na

02:48:30.014 --> 02:48:38.057
<v Stefan Brill>ja also ich mir ist es ein bisschen unangenehm eine genaue zeit zu nennen weil

02:48:38.057 --> 02:48:42.279
<v Stefan Brill>das möglicherweise dazu führen könnte dass welche sagen ach der hat ja im podcast

02:48:42.279 --> 02:48:47.381
<v Stefan Brill>gesagt so und so lange jetzt warten wir mal so und so lange grundsätzlich muss man sagen,

02:48:47.381 --> 02:48:57.085
<v Stefan Brill>sobald nach der Geburt eine wasserdichte Diagnose da ist, dass das Gehör tatsächlich

02:48:57.085 --> 02:48:59.106
<v Stefan Brill>nicht funktioniert. Und das kann man heutzutage.

02:48:59.677 --> 02:49:00.787
<v Tim Pritlove>Sollte man aktiv werden.

02:49:00.787 --> 02:49:01.887
<v Stefan Brill>Sollte man aktiv werden.

02:49:03.948 --> 02:49:08.610
<v Stefan Brill>Der aller früheste Implantationszeitpunkt, der so gängige Praxis ist,

02:49:08.610 --> 02:49:10.491
<v Stefan Brill>ist Alter von einem halben Jahr.

02:49:11.172 --> 02:49:16.154
<v Stefan Brill>Da geht das los. Es gibt so einzelne heroische Chirurgen, die auch schon mal

02:49:16.154 --> 02:49:19.976
<v Stefan Brill>versuchen, Rekorde zu brechen und sagen, wir haben schon vier Monate altes versorgt.

02:49:21.016 --> 02:49:25.198
<v Stefan Brill>Aber der Standard ist so etwa nach einem halben Jahr und es zieht sich durch

02:49:25.198 --> 02:49:30.700
<v Stefan Brill>alles, was wir inzwischen wissen, zieht sich als roter Faden durch je früher, desto besser. weil,

02:49:33.162 --> 02:49:37.444
<v Stefan Brill>die Kinder sozusagen immer mehr damit aufwachsen. Wir sind jetzt wir haben ja

02:49:37.444 --> 02:49:42.726
<v Stefan Brill>jetzt viele, viele Jahre schon richtig gute Implantatssysteme von der erreichbaren Höhereistung.

02:49:42.726 --> 02:49:46.747
<v Stefan Brill>Und wir haben jetzt schon Kinder, die jetzt schon junge Erwachsene sind,

02:49:46.747 --> 02:49:52.829
<v Stefan Brill>die vor 15 Jahren oder noch länger vor 20 Jahren versorgt worden sind.

02:49:53.650 --> 02:49:58.872
<v Stefan Brill>Und da gibt es heutzutage dann junge Erwachsene, die als Kindertaube auf die

02:49:58.872 --> 02:50:05.254
<v Stefan Brill>Welt gekommen sind und die heutzutage Funktional gesehen normal höhrig durch die Welt laufen.

02:50:05.614 --> 02:50:06.914
<v Tim Pritlove>Weil sie in welchem Alter?

02:50:06.914 --> 02:50:10.896
<v Stefan Brill>Weil sie im Alter von zwei oder so eine Implantat bekommen haben.

02:50:11.376 --> 02:50:15.678
<v Stefan Brill>Und jetzt muss man natürlich auch noch dazu sagen, macht man es gleich beidseitig

02:50:15.678 --> 02:50:16.978
<v Stefan Brill>oder erst mal nur auf einer Seite.

02:50:16.978 --> 02:50:22.440
<v Stefan Brill>Und da hat sich eigentlich auch die Meinung des Fachgebiets soweit entwickelt,

02:50:22.440 --> 02:50:25.981
<v Stefan Brill>dass man sagt, wir sollten auch möglichst frühzeitig beide Seiten machen,

02:50:25.981 --> 02:50:32.664
<v Stefan Brill>weil solche Sachen wie Schallquellenrichtung erkennen und auch in schwierigen

02:50:32.664 --> 02:50:36.005
<v Stefan Brill>Situationen wie Störgeräusch kommt noch von irgendwo anders und den will ich aber verstehen.

02:50:36.846 --> 02:50:41.548
<v Stefan Brill>Für solche Situationen ist es grundsätzlich besser zwei Ohren möglichst frühzeitig zu versorgen.

02:50:43.709 --> 02:50:49.371
<v Stefan Brill>Ja, okay. Jetzt wollen wir aber doch nochmal zu dem eigentlichen System hin. Du hast schon recht.

02:50:49.952 --> 02:50:54.854
<v Stefan Brill>Das, was wir vorhin gesagt haben, wir haben hier 3.000 bis 4.000 Haarzellen

02:50:54.854 --> 02:50:59.836
<v Stefan Brill>im Innenohr sitzen. Wir haben 30.000 Nervenfasern, die von diesen Spiralganglehenzellen

02:50:59.836 --> 02:51:01.677
<v Stefan Brill>im Zentrum der Kochlehre runter weggehen.

02:51:02.477 --> 02:51:05.358
<v Stefan Brill>Und jetzt, wie wollen wir das elektronisch überhaupt machen?

02:51:05.358 --> 02:51:10.641
<v Stefan Brill>Und das geht natürlich nicht. Das ist technisch heutzutage nicht möglich,

02:51:10.641 --> 02:51:14.602
<v Stefan Brill>so viele spektral hochauflösende Informationen reinzubringen.

02:51:14.602 --> 02:51:16.102
<v Stefan Brill>Technologisch ist es nicht möglich.

02:51:18.208 --> 02:51:22.890
<v Stefan Brill>Und es ist auch deswegen nicht möglich, weil wir mit einer elektrischen Reizung,

02:51:22.890 --> 02:51:26.324
<v Stefan Brill>die wir im Innenohr machen, wenn wir also jetzt mal einen einzelnen Kontakt

02:51:26.324 --> 02:51:31.633
<v Stefan Brill>nehmen, den wir im Innenohr haben, dessen elektrisches Feld verbreitet sich einfach zu sehr.

02:51:31.633 --> 02:51:34.974
<v Stefan Brill>Das reizt einfach zu viele Nachbarzellen mit. Das heißt, selbst wenn ich es

02:51:34.974 --> 02:51:36.475
<v Stefan Brill>technologisch schaffen würde,

02:51:36.475 --> 02:51:41.977
<v Stefan Brill>sehr, sehr viele Elektrodenkontakte in der Cochlea unterzubringen und auch zu

02:51:41.977 --> 02:51:45.539
<v Stefan Brill>aktivieren, würden sich die elektrischen Felder so gegenseitig überlagern und

02:51:45.539 --> 02:51:50.420
<v Stefan Brill>stören, dass diese hohe Frequenzauflösung höchstwahrscheinlich doch wieder nicht möglich wäre.

02:51:50.420 --> 02:51:55.923
<v Tim Pritlove>Also man besitzt einfach technisch überhaupt gar nicht diese Filigranität der

02:51:55.923 --> 02:52:01.025
<v Tim Pritlove>Einflussnahme auf Nervenzellen, weil die sich einfach in Stromstärken und Spannung

02:52:01.025 --> 02:52:03.886
<v Tim Pritlove>abspielen, die wir so gar nicht nachbilden können.

02:52:04.146 --> 02:52:07.607
<v Tim Pritlove>Vielleicht gibt es diese Technologie irgendwann nochmal, aber die ist jetzt

02:52:07.607 --> 02:52:14.275
<v Tim Pritlove>so nicht da. Aber wenn jetzt andererseits diese H-Nerven nicht funktionieren,

02:52:14.275 --> 02:52:18.692
<v Tim Pritlove>wo ist denn dann der Punkt, wo man ansetzen kann?

02:52:18.692 --> 02:52:20.393
<v Stefan Brill>Ja, also...

02:52:20.393 --> 02:52:22.513
<v Tim Pritlove>Auch wenn wir jetzt wieder von innen nach außen gehen.

02:52:22.513 --> 02:52:24.814
<v Stefan Brill>Ja, stimmt, wir sind wieder von innen nach außen. Vielleicht sollten wir es

02:52:24.814 --> 02:52:28.076
<v Stefan Brill>doch mal andersrum aufziehen, oder? Ich weiß nicht. Na gut, also dann bleiben

02:52:28.076 --> 02:52:30.657
<v Stefan Brill>wir mal bei dem, wo setzen wir denn an?

02:52:32.618 --> 02:52:37.960
<v Stefan Brill>Erstens, wir wollen ja diese Spektralanalyse, die hydromechanische Spektralanalyse,

02:52:37.960 --> 02:52:40.781
<v Stefan Brill>die das Innenohr macht, wollen wir ja in irgendeiner Form auch machen.

02:52:40.781 --> 02:52:42.902
<v Stefan Brill>Die machen wir jetzt per Signalverarbeitung elektronisch.

02:52:43.862 --> 02:52:47.804
<v Stefan Brill>Das heißt, wir haben irgendeinen Rechenchip da sitzen.

02:52:48.404 --> 02:52:51.145
<v Stefan Brill>Früher waren das mal echte Signalprozessoren, heute sind das Chips,

02:52:51.145 --> 02:52:52.786
<v Stefan Brill>die extra dafür hergestellt und entworfen.

02:52:52.786 --> 02:52:54.086
<v Tim Pritlove>Der kriegt das Ergebnis eines Mikrophones.

02:52:54.487 --> 02:52:59.129
<v Stefan Brill>Der kriegt das Ergebnis eines Mikrophones. Also draußen auf dem Ohr oder hinter

02:52:59.129 --> 02:53:01.951
<v Stefan Brill>dem Ohr haben wir ein Gerät sitzen,

02:53:01.951 --> 02:53:05.627
<v Stefan Brill>das sieht aus wie ein futuristisches Hörgerät, das hat ein Mikrofon,

02:53:05.627 --> 02:53:11.497
<v Stefan Brill>das hat diesen Spektralanalysechip, der noch tausend andere wirklich wichtige

02:53:11.497 --> 02:53:12.618
<v Stefan Brill>Dinge auch noch tun muss.

02:53:13.038 --> 02:53:20.042
<v Stefan Brill>Der analysiert aber das Mikrofon-Signal in eine spektrale Analyse und weiß jetzt...

02:53:20.840 --> 02:53:23.501
<v Stefan Brill>Das muss dann auch noch patientenspezifisch eingestellt werden,

02:53:23.501 --> 02:53:26.983
<v Stefan Brill>weil jeder Patient braucht auf jeder Frequenz oder jeder Tonhöhe unterschiedlich

02:53:26.983 --> 02:53:31.624
<v Stefan Brill>stark und das muss individuell eingestellt werden, je nachdem wie der Zustand des Indos ist.

02:53:31.624 --> 02:53:34.465
<v Tim Pritlove>Das wird sozusagen schon alles schon draußen gemacht. Also man nimmt das Signal

02:53:34.465 --> 02:53:36.366
<v Tim Pritlove>auf und versucht es schon mal so gut aufzuteilen.

02:53:37.887 --> 02:53:39.467
<v Stefan Brill>Das wird alles draußen schon gemacht.

02:53:39.467 --> 02:53:42.068
<v Tim Pritlove>Das ist ja auch sinnvoll, weil wenn man da technologische Fortschritte hat,

02:53:42.068 --> 02:53:44.729
<v Tim Pritlove>dann lassen die sich außen schnell tauschen.

02:53:44.729 --> 02:53:47.910
<v Tim Pritlove>Dann lassen die sich außen schnell tauschen. Neues Gerät, besseres Ergebnis, zack.

02:53:47.910 --> 02:53:54.803
<v Tim Pritlove>Das heißt, man leitet in das Innenohr schon eine digitale Spektralinformation

02:53:54.803 --> 02:54:00.235
<v Tim Pritlove>ein, die einfach dann den Weg nimmt mit Kabel dahin.

02:54:01.235 --> 02:54:06.457
<v Stefan Brill>Das ist jetzt so, dass dieses Außengerät diese Spektralanalyse macht und die

02:54:06.457 --> 02:54:10.298
<v Stefan Brill>Information digital an das Implantat überträgt.

02:54:12.379 --> 02:54:15.040
<v Stefan Brill>Das geht durch die Haut durch per...

02:54:15.340 --> 02:54:19.202
<v Tim Pritlove>Das geht jetzt kein Kabel komplett rein, sondern man macht so eine induktive

02:54:19.202 --> 02:54:20.322
<v Tim Pritlove>Koppelung dann wahrscheinlich.

02:54:20.482 --> 02:54:24.664
<v Stefan Brill>Das gab es aber auch mal. Das war State of the Art in den 80er Jahren.

02:54:24.664 --> 02:54:28.906
<v Stefan Brill>Da gab es tatsächlich Implantate, die waren direkt vor einem Stecker,

02:54:28.906 --> 02:54:33.027
<v Stefan Brill>den die Leute hinter dem Ohr sitzen hatten. War wirklich ein Stecker.

02:54:34.128 --> 02:54:39.029
<v Stefan Brill>Von da gingen nur Drähte ins Innenohr. Und an den Stecker konnte man im Prinzip

02:54:39.029 --> 02:54:40.410
<v Stefan Brill>alles andocken, was man wollte.

02:54:41.190 --> 02:54:45.172
<v Stefan Brill>Und das System, was die Patienten an den, also es war ein kommerziell erhältliches

02:54:45.172 --> 02:54:48.313
<v Stefan Brill>System, was die Patienten an den Kliniken bekommen haben, das waren weltweit

02:54:48.313 --> 02:54:51.874
<v Stefan Brill>450 Patienten, die dieses System damals bekommen haben.

02:54:52.594 --> 02:54:56.616
<v Stefan Brill>Und die hatten so einen Zigarettenschachtel großen, sogenannten Prozessor,

02:54:56.616 --> 02:54:58.877
<v Stefan Brill>den mussten sie mit sich rumtragen, den mussten die oben anstecken.

02:54:59.537 --> 02:55:03.959
<v Stefan Brill>Und der hat dann ein Mikrofon gehabt und hat das spektral analysiert und hat

02:55:03.959 --> 02:55:09.040
<v Stefan Brill>das dann auf diese Elektroden, die per Kabel direkt Verbindung ins Innenurgen drauf gegeben.

02:55:09.861 --> 02:55:13.723
<v Stefan Brill>Das war nicht toll, was dabei rauskommt, aber das war damals state of the art.

02:55:13.723 --> 02:55:19.986
<v Stefan Brill>Und ohne diese Patienten mit dem Stecker, wäre man nie so weit gekommen, wie man heute ist.

02:55:19.986 --> 02:55:25.748
<v Stefan Brill>Weil diese Patienten, die konnten in den Laboren sitzen und an die konnte man

02:55:25.748 --> 02:55:32.352
<v Stefan Brill>alles anschließen, was man im Labor konstruieren konnte. Und...

02:55:32.352 --> 02:55:34.613
<v Tim Pritlove>Oh man, das ist ja wie bei Matrix.

02:55:35.293 --> 02:55:37.034
<v Stefan Brill>Irgendwo muss man mal anfangen. Ja klar.

02:55:39.615 --> 02:55:42.216
<v Stefan Brill>So ist das halt. Irgendwann guckst du zurück und denkst dir,

02:55:42.216 --> 02:55:43.957
<v Stefan Brill>Gott, was haben wir damals alles gemacht.

02:55:46.198 --> 02:55:50.600
<v Stefan Brill>Dann ist man aber an einem Zustand, wo dann heutzutage oder ist ja egal,

02:55:50.600 --> 02:55:52.960
<v Stefan Brill>um was es jetzt geht, wo man dann halt sagt...

02:55:55.010 --> 02:55:58.491
<v Stefan Brill>Mensch, sind wir froh, dass diese Zeiten vorbei sind. Aber ohne das früher hätten

02:55:58.491 --> 02:55:59.231
<v Stefan Brill>wir das nicht geschafft.

02:55:59.231 --> 02:56:04.493
<v Stefan Brill>Aber diese diese Patienten mit den Steckern, die haben wirklich von denen gab

02:56:04.493 --> 02:56:11.076
<v Stefan Brill>es einige wenige, die findet man auch unter irgendwelchen anonymisierten Schlüsseln

02:56:11.076 --> 02:56:13.276
<v Stefan Brill>in der publizierten Literatur.

02:56:13.617 --> 02:56:17.925
<v Stefan Brill>Da gab es einige wenige, die haben wirklich wortwörtlich Monate,

02:56:17.925 --> 02:56:27.562
<v Stefan Brill>Monate, wenn nicht Jahre ihres Lebens in Laboren verbracht und haben mit den Forschern,

02:56:27.562 --> 02:56:32.264
<v Stefan Brill>die da saßen, das waren dann alles Ingenieure natürlich, alles Signalverarbeiter,

02:56:32.264 --> 02:56:41.487
<v Stefan Brill>Physiker, Elektrotechniker und die haben mit diesen Patienten in den Laboren

02:56:41.487 --> 02:56:45.575
<v Stefan Brill>alle möglichen Arten der Signalverarbeitung ausprobiert,

02:56:45.575 --> 02:56:51.751
<v Stefan Brill>bis man nach und nach dahinter gekommen ist, wie man die Cochlea elektrisch

02:56:51.751 --> 02:56:55.152
<v Stefan Brill>jetzt wirklich reizen muss, damit möglichst viel bei rumkommt.

02:56:55.953 --> 02:56:58.173
<v Stefan Brill>Und der große Durchbruch, der war erst 1991.

02:56:59.314 --> 02:57:03.215
<v Stefan Brill>Das war sogar eine Publikation in Nature damals.

02:57:06.036 --> 02:57:10.558
<v Stefan Brill>Der ist ein amerikanisches Labor gewesen, wo ich selber auch mal zweieinhalb Jahre gearbeitet habe.

02:57:10.558 --> 02:57:15.059
<v Stefan Brill>Und dieses Labor hat damals wirklich einen ganz fundamentalen Durchbruch in

02:57:15.059 --> 02:57:19.901
<v Stefan Brill>der Signalverarbeitung hingekriegt und die Leute waren im Labor unglaublich gut,

02:57:19.901 --> 02:57:26.103
<v Stefan Brill>diese Steckerpatienten und mit ihren komischen Prozessoren, mit denen sie durch

02:57:26.103 --> 02:57:29.104
<v Stefan Brill>den Alltag liefen, hatten die viel, viel schlechtere Resultate.

02:57:29.485 --> 02:57:33.106
<v Stefan Brill>Die waren dann immer ganz geknickt, dass sie das nie mitnehmen konnten,

02:57:33.106 --> 02:57:34.986
<v Stefan Brill>was sie da im Labor alles gehört hatten.

02:57:38.548 --> 02:57:42.509
<v Tim Pritlove>Aber im Prinzip müssten sie doch dann einfach andere Zuspielungsgeräte bekommen?

02:57:42.509 --> 02:57:48.013
<v Stefan Brill>Und ist auch so, dass auch passiert mit. Ach so, also die Früchte der Arbeit auch zum Glück.

02:57:48.013 --> 02:57:54.356
<v Stefan Brill>Also die Patienten, die haben dann teilweise als die Systeme sich weiterentwickelt

02:57:54.356 --> 02:57:58.358
<v Stefan Brill>hatten, konnten die dann anders konstruiert werden und und dann konnte man eben

02:57:58.358 --> 02:57:59.999
<v Stefan Brill>die modernen Systeme andocken.

02:58:00.459 --> 02:58:03.401
<v Stefan Brill>Das habe ich mit einem von diesen Patienten habe ich das selber mal mit unserem

02:58:03.401 --> 02:58:05.582
<v Stefan Brill>damals entwickelten System gemacht.

02:58:06.102 --> 02:58:11.205
<v Stefan Brill>Der war immer gewöhnt, im Labor zu sitzen und war wirklich absolut großartig.

02:58:12.025 --> 02:58:15.127
<v Stefan Brill>Also auch von dem, was er erzählen konnte, was er jetzt für Wahrnehmungen hat.

02:58:15.648 --> 02:58:20.409
<v Stefan Brill>Und dann hatten wir damals, das war eben in den 90ern, Dann hatten wir unser

02:58:20.409 --> 02:58:21.609
<v Stefan Brill>System als Prototyp fertig.

02:58:22.658 --> 02:58:26.899
<v Stefan Brill>Und dann bin ich halt mit einem Kollegen von mir in die USA rübergeflogen.

02:58:26.899 --> 02:58:29.380
<v Stefan Brill>Dann haben wir das mit dem ausprobiert und der fand das großartig,

02:58:29.380 --> 02:58:31.881
<v Stefan Brill>weil das war jetzt auf einmal genau das selbe, was er aus dem Labor kannte.

02:58:32.981 --> 02:58:38.183
<v Stefan Brill>Nur intragbar, aber Prototyp. So so so Drähte stehen raus.

02:58:38.183 --> 02:58:42.044
<v Stefan Brill>Hier ist noch ein Potty, der baumelt noch in der Luft. Er meinte,

02:58:42.044 --> 02:58:45.726
<v Stefan Brill>ja, das, das möchte er jetzt unbedingt nach, ich glaube, nach Boston mitnehmen

02:58:45.726 --> 02:58:51.128
<v Stefan Brill>oder so. Da war eine andere Arbeitsgruppe, die befreundet war mit der, in wo, wo das stattfand.

02:58:51.848 --> 02:58:55.009
<v Stefan Brill>Da kommt er durch die Flugkontrolle nicht durch, er sieht aus wie eine Bombe,

02:58:55.009 --> 02:58:56.189
<v Stefan Brill>kann er nicht mitnehmen.

02:58:59.291 --> 02:59:02.932
<v Stefan Brill>Aber der hatte, also der und einige andere, die hatten dann auch tatsächlich

02:59:02.932 --> 02:59:07.833
<v Stefan Brill>später tragbare Systeme gekriegt, die dann ihnen dasselbe an Hörleistung angeboten

02:59:07.833 --> 02:59:09.174
<v Stefan Brill>haben, was sie aus dem Labor kannten.

02:59:10.434 --> 02:59:14.936
<v Tim Pritlove>So was hat man denn dann rausgefunden mit diesem bahnbrechenden Paper 91?

02:59:15.616 --> 02:59:20.098
<v Tim Pritlove>Also was war denn sozusagen der Durchbruch für, wie rede ich mit dem Innenohr,

02:59:20.098 --> 02:59:22.039
<v Tim Pritlove>was sich eigentlich nicht mehr ansprechen lassen wird.

02:59:22.039 --> 02:59:24.820
<v Stefan Brill>Also das allererste, was man probiert hat,

02:59:24.820 --> 02:59:33.783
<v Stefan Brill>und das geht zurück auf diese Franzosen 1957, war eine Elektrode direkt vor die Kochleersetzung,

02:59:33.783 --> 02:59:35.604
<v Stefan Brill>gar nicht unbedingt drein, also

02:59:35.604 --> 02:59:41.426
<v Stefan Brill>ein Analogsignal ohne jegliche spektrale Analyse. Das war's für heute.

02:59:43.026 --> 02:59:45.827
<v Stefan Brill>Das hat man bis in die 70er-Jahre gemacht.

02:59:45.827 --> 02:59:46.987
<v Tim Pritlove>Wo hat man das dann angestockt?

02:59:50.769 --> 02:59:54.330
<v Stefan Brill>Ich muss sagen, ich habe die Zeiten ja selber nicht erlebt, aber man hat das

02:59:54.330 --> 02:59:59.792
<v Stefan Brill>direkt zum Beispiel ans runde Fenster drangelegt, wo man nur eine Membran hatte,

02:59:59.792 --> 03:00:02.853
<v Stefan Brill>durch die man elektrisch sozusagen durch musste.

03:00:02.853 --> 03:00:07.374
<v Stefan Brill>Aber viele Chirurgen oder das ganze Fachgebiet haben sich am Anfang gar nicht

03:00:07.374 --> 03:00:09.145
<v Stefan Brill>unbedingt getraut, in die Schnecke reinzugehen.

03:00:09.915 --> 03:00:12.916
<v Stefan Brill>Da macht man dann so viel kaputt, da passiert dann so viel an,

03:00:12.916 --> 03:00:14.077
<v Stefan Brill>was weiß ich, Entzündungen.

03:00:14.657 --> 03:00:17.818
<v Tim Pritlove>Also so ein bisschen diese Ritter Methode. Man macht da jetzt mal ein Kabel

03:00:17.818 --> 03:00:21.219
<v Tim Pritlove>ran und schickt da mal was rein und dann gucken wir mal, ob es irgendwelche

03:00:21.219 --> 03:00:24.880
<v Tim Pritlove>Ergebnisse erzählt. Aber im Prinzip, man umgeht quasi das komplette System.

03:00:25.281 --> 03:00:30.422
<v Tim Pritlove>Also anstatt irgendwas mechanisch zu, in dieser Flüssigkeit zu induzieren,

03:00:30.422 --> 03:00:35.284
<v Tim Pritlove>was dann die Haarnerven dazu bringt, das richtige elektrische Signal zu erzeugen,

03:00:35.284 --> 03:00:39.666
<v Tim Pritlove>legt man einfach mal irgendwo ein elektrisches Signal an und hofft,

03:00:39.666 --> 03:00:45.728
<v Tim Pritlove>dass das dann so im Gesamtprozessing dieses Apparates ein bisschen was bringt.

03:00:45.728 --> 03:00:49.249
<v Tim Pritlove>Irgendwas Brauchbares erzeugt. Genau. Oh man, das ist schon brutal.

03:00:49.729 --> 03:00:54.471
<v Tim Pritlove>Aber ich meine, es ist schwer, sich jetzt die Situation eines tauben Menschen

03:00:54.471 --> 03:00:58.792
<v Tim Pritlove>so vorzustellen, aber ich denke, dass jeglicher Außenkontakt,

03:00:58.792 --> 03:01:03.854
<v Tim Pritlove>der da erstmal mehr als nichts ist, schon ein Gewinn darstellen kann.

03:01:04.155 --> 03:01:06.395
<v Tim Pritlove>Kann aber sicherlich auch sehr nervig sein, oder?

03:01:07.055 --> 03:01:12.337
<v Stefan Brill>Ja, aber das ist dann vielleicht etwas, was für die Sprachkommunikation ausreichend ist,

03:01:12.337 --> 03:01:16.449
<v Stefan Brill>um jemanden, der nur schlecht Lippen ablesen kann, so viel Zusatzinformation

03:01:16.449 --> 03:01:20.300
<v Stefan Brill>zu geben, dass die Kombination aus Lippen ablesen und diesen seltsamen Hör-Eindrücken

03:01:20.300 --> 03:01:22.091
<v Stefan Brill>ausreicht, um kommunizieren zu können.

03:01:22.091 --> 03:01:27.482
<v Stefan Brill>Aber das ist jetzt Stand der 60er und bis, sagen wir mal, in die Mitte der 70er gewesen. Genau.

03:01:27.983 --> 03:01:35.785
<v Stefan Brill>Dann hat eine österreichische Arbeitsgruppe das erste mehrkanalige System gebaut,

03:01:35.785 --> 03:01:42.693
<v Stefan Brill>was mehrere Elektroden hatte, also der erste Ansatz dazu diese spektrale Aufdröselung zu machen,

03:01:45.078 --> 03:01:51.544
<v Stefan Brill>Das war, wenn ich richtig informiert war, dass sogar acht einzelne Spektrale

03:01:51.544 --> 03:01:55.322
<v Stefan Brill>unterschiedliche Bereiche, die da analysiert worden sind.

03:01:56.002 --> 03:02:02.004
<v Stefan Brill>Und für damalige Verhältnisse war das wirklich heroisch. Also das war wirklich schon enorm gut.

03:02:03.225 --> 03:02:07.026
<v Stefan Brill>Man hat das, war aber technologisch nicht ganz einfach für die damaligen Zeiten.

03:02:07.026 --> 03:02:11.047
<v Stefan Brill>Man ist dann erstmal auch wieder bei analogen Systemen geblieben.

03:02:11.808 --> 03:02:17.575
<v Stefan Brill>Spektral schon gefiltert, also verschiedene Frequenzbereiche elektronisch herausgegriffen

03:02:17.575 --> 03:02:22.352
<v Stefan Brill>und hat die Signale dieser Frequenzbereiche,

03:02:22.352 --> 03:02:27.073
<v Stefan Brill>diese unterschiedlichen Frequenzanteile, hat man dann aber auch als Analogsignale

03:02:27.073 --> 03:02:28.274
<v Stefan Brill>ins Innenohr reingeschickt.

03:02:29.614 --> 03:02:30.855
<v Tim Pritlove>Im Prinzip wie so ein Equalizer.

03:02:31.255 --> 03:02:37.397
<v Stefan Brill>Im Prinzip ja und das hat sich in der Kochlehre natürlich auch und das war das

03:02:37.397 --> 03:02:40.658
<v Stefan Brill>wesentliche Problem Problem aus heutiger Sicht, glaubt man das so zu wissen,

03:02:40.658 --> 03:02:45.180
<v Stefan Brill>das wesentliche Problem war, dass die alle kreuz und quer miteinander interagieren.

03:02:45.660 --> 03:02:49.102
<v Stefan Brill>Wenn man sich also jetzt vorstellt, man setzt eine Elektrode tief rein für die

03:02:49.102 --> 03:02:53.103
<v Stefan Brill>tiefen Frequenzen in die Kochlöhe, in die, sagen wir mal, man geht so eine,

03:02:53.103 --> 03:02:56.905
<v Stefan Brill>eineinhalb Windungen rein und hat da einen Elektrodekontakt und der macht ein

03:02:56.905 --> 03:02:59.946
<v Stefan Brill>schönes, vergleichsweise tieffrequentes, elektrisches Signal.

03:02:59.946 --> 03:03:05.928
<v Stefan Brill>Und jetzt ein bisschen weiter aus und außerhalb hat man jetzt eine andere Elektrode,

03:03:05.928 --> 03:03:08.809
<v Stefan Brill>die ist natürlich für einen anderen Frequenzbereich zuständig und macht jetzt

03:03:08.809 --> 03:03:10.530
<v Stefan Brill>ein hochfrequentes analoges Signal,

03:03:10.530 --> 03:03:14.991
<v Stefan Brill>dann hat man natürlich ein irrwitziges Übersprechen,

03:03:14.991 --> 03:03:18.853
<v Stefan Brill>weil wenn das eine Signal, sagen wir mal, gerade in der positiven tieffrequenten

03:03:18.853 --> 03:03:22.754
<v Stefan Brill>Phase ist und das andere arbeitet schnell hin und her,

03:03:22.754 --> 03:03:27.116
<v Stefan Brill>dann fließen die Ströme, die reizen dann sozusagen nicht mehr lokal die Nervenzellen,

03:03:27.116 --> 03:03:30.767
<v Stefan Brill>die man erreichen will, sondern fließt irgendwie kreuz und quer unvorhersehbar

03:03:30.767 --> 03:03:35.199
<v Stefan Brill>diagonal von einem Ende zur Kochlehr ständig sich andauernd ändern,

03:03:35.199 --> 03:03:41.561
<v Stefan Brill>fließen irgendwelche Querströme, irgendwelche Übersprecheffekte finden statt

03:03:41.561 --> 03:03:48.484
<v Stefan Brill>und diese ganze schöne Intention der spektralen Zerlegung funktioniert nicht mehr,

03:03:48.484 --> 03:03:52.765
<v Stefan Brill>weil sich alles gegenseitig kreuz und quer voneinander abhängig gegenseitig reizt.

03:03:53.366 --> 03:03:57.987
<v Stefan Brill>Aber das war State of the Art in den 80ern. Diese Patienten mit mit diesem Steckerimplantat,

03:03:57.987 --> 03:04:03.749
<v Stefan Brill>die hatten das, die hatten dieses Prinzip und kamen damit so halbwegs zurecht.

03:04:03.749 --> 03:04:07.791
<v Stefan Brill>Es gab auch welche, die damit Sprache verstanden haben, die man im Labor testen

03:04:07.791 --> 03:04:12.293
<v Stefan Brill>konnte mit Sprachmaterial und gucken, wie viel verstehen die denn jetzt und

03:04:12.293 --> 03:04:16.074
<v Stefan Brill>die signifikante Anteile von Sprache tatsächlich verstanden haben.

03:04:16.074 --> 03:04:18.935
<v Tim Pritlove>Wo die einzelnen Patienten wahrscheinlich auch unterschiedlich gut disponiert

03:04:18.935 --> 03:04:23.517
<v Tim Pritlove>waren, je nachdem, wie gut sich eben ihr Sprachzentrum schon hat vorher aufbauen

03:04:23.517 --> 03:04:25.017
<v Tim Pritlove>können und wann diese Maßnahmen kamen.

03:04:25.018 --> 03:04:28.188
<v Stefan Brill>Oder in welchem Zustand der Hörnerf oder das Innenkennenspiel war.

03:04:28.650 --> 03:04:32.140
<v Stefan Brill>So und der große Durchbruch, der war jetzt das was...

03:04:33.141 --> 03:04:37.383
<v Stefan Brill>Was bei den Osteoskopen diese früheren, diese Chopper-Technik, dieses Zerhacken ist.

03:04:37.383 --> 03:04:42.825
<v Stefan Brill>Dass man also sehr schnell zwischen den verschiedenen Frequenzbändern hin und

03:04:42.825 --> 03:04:49.775
<v Stefan Brill>her springt und eben nicht mehr gleichzeitig stattfindende Analogsignale anbietet,

03:04:49.775 --> 03:04:57.951
<v Stefan Brill>sondern schnelle Pulse anbietet, die aber zeitlich nicht gleichzeitig stattfinden.

03:04:57.951 --> 03:05:01.032
<v Stefan Brill>Man hat also, sagen wir mal, eine tiefe Frequenz und man weiß,

03:05:01.032 --> 03:05:07.528
<v Stefan Brill>man möchte diese tiefe Frequenzbereich, möchte man jetzt gerne in der und der Intensität darbieten,

03:05:07.528 --> 03:05:15.318
<v Stefan Brill>dann sendet man einen kurzen elektrischen Puls, an der richtigen Stelle setzt

03:05:15.318 --> 03:05:18.799
<v Stefan Brill>man den ab, dann ist aber elektrisch gesehen gleich wieder Ruhe.

03:05:18.799 --> 03:05:22.400
<v Stefan Brill>Und dann kann man an eine andere Stelle in die Kochlehr springen und da wieder

03:05:22.400 --> 03:05:23.601
<v Stefan Brill>einen schnellen kurzen Puls.

03:05:23.601 --> 03:05:24.541
<v Tim Pritlove>Also so ein Zeit-Multiplex-Verfahren.

03:05:26.062 --> 03:05:29.423
<v Stefan Brill>Genau, ein sehr schnelles, rei um arbeitendes Zeit-Multiplex-Verfahren.

03:05:31.854 --> 03:05:35.705
<v Tim Pritlove>Wie klein sind dann da so die Zeit-Slots, die dann da befüllt werden?

03:05:35.705 --> 03:05:37.666
<v Tim Pritlove>Wie lange existiert so ein Signal dann?

03:05:37.666 --> 03:05:41.287
<v Stefan Brill>Ein Signal, das existiert so etwa vielleicht 50 Mikrosekunden,

03:05:41.287 --> 03:05:48.830
<v Stefan Brill>um einen runden Schätzwert zu liefern. Also ein einzelner Puls dauert so Pi

03:05:48.830 --> 03:05:49.950
<v Stefan Brill>mal Daumen, 50 Mikrosekunden.

03:05:50.831 --> 03:05:54.032
<v Stefan Brill>Das ist aber jetzt auch ein Puls, der gleichstromfrei ist.

03:05:54.032 --> 03:05:58.314
<v Stefan Brill>Ist also ein biphasischer Puls, der aus einem positiven und einem negativen

03:05:58.314 --> 03:06:02.615
<v Stefan Brill>Phase besteht. Der schickt kurz Ladung rein ins Gewebe und zieht die Ladung

03:06:02.615 --> 03:06:06.797
<v Stefan Brill>gleich wieder raus aus dem Gewebe, sodass kein Gleichstromanteil drin enthalten ist.

03:06:07.137 --> 03:06:12.399
<v Stefan Brill>Also diese Pulse, die aus einer anodischen, aus einer kathodischen Phase bestehen,

03:06:12.399 --> 03:06:14.599
<v Stefan Brill>die reizen kurz das Gewebe.

03:06:15.810 --> 03:06:19.961
<v Stefan Brill>Einige Nervenzellen, die jetzt bereit sind dafür, also nicht noch in der Refraktärzeit

03:06:19.961 --> 03:06:25.465
<v Stefan Brill>von einer vorherigen Aktivität sich am regenerieren sind von ein paar Millisekunden vorher.

03:06:25.465 --> 03:06:27.687
<v Tim Pritlove>Aber erzeugen da keine Ladung.

03:06:28.147 --> 03:06:32.169
<v Stefan Brill>Genau, es bleibt keine Ladung im Gewebe stehen und und fängt an das zu elektrolysieren.

03:06:32.790 --> 03:06:36.532
<v Stefan Brill>Das hat man schon immer nicht gemacht.

03:06:36.532 --> 03:06:37.273
<v Tim Pritlove>Der Wechselstrom.

03:06:37.273 --> 03:06:39.534
<v Stefan Brill>Ja, also seit Volta hat man das nicht mehr gemacht.

03:06:42.717 --> 03:06:43.337
<v Tim Pritlove>Danke Ritter.

03:06:43.918 --> 03:06:49.561
<v Stefan Brill>Ja und dann wird dann eben in ziemlich schneller Geschwindigkeit, also sagen wir mal,

03:06:52.488 --> 03:06:59.760
<v Stefan Brill>1000, 2000, 3000 Mal in der Sekunde kriegt dann ein einzelner Ort in der Cochlea

03:06:59.760 --> 03:07:01.241
<v Stefan Brill>immer wieder so einen Puls.

03:07:01.241 --> 03:07:05.703
<v Tim Pritlove>Und wie viele Orte wurden dann unterschieden? Also wie viel bändrig war das Ganze?

03:07:05.703 --> 03:07:10.244
<v Stefan Brill>Das war damals, als der große Durchbruch war, hat man das ja mit diesen Steckerpatienten

03:07:10.244 --> 03:07:11.925
<v Stefan Brill>gemacht und die hatten nur sechs.

03:07:11.925 --> 03:07:16.687
<v Tim Pritlove>Sechs. Okay. Also sechs Orte, sechs verschiedene Frequenzbänder,

03:07:16.687 --> 03:07:17.707
<v Tim Pritlove>die man unterschieden hat.

03:07:18.627 --> 03:07:23.169
<v Tim Pritlove>Das Mikrofon, das die Umgebungssounds aufnimmt,

03:07:23.169 --> 03:07:29.351
<v Tim Pritlove>teilt quasi in sechs Bänder auf und zeitlich verteilt werden dann jeweils die

03:07:29.351 --> 03:07:33.553
<v Tim Pritlove>einzelnen Bereiche mehr oder weniger stark stimuliert,

03:07:33.553 --> 03:07:38.554
<v Tim Pritlove>je nachdem wie stark das Klangensignal in dem Bereich dann war.

03:07:40.595 --> 03:07:45.297
<v Tim Pritlove>Und das dann gemultiplex auf 4000 Zeiteinheiten pro Sekunde.

03:07:45.297 --> 03:07:48.178
<v Stefan Brill>Größenordnung.

03:07:48.178 --> 03:07:49.678
<v Tim Pritlove>Und das hat dann deutliche Verbesserungen.

03:07:50.918 --> 03:07:55.679
<v Stefan Brill>Ja, das hat einen irrwitzigen Durchbruch in der Verstehbarkeit gebracht,

03:07:55.679 --> 03:08:03.800
<v Stefan Brill>weil man diese spektrale Aufdröselbarkeit, sei sie noch so grob,

03:08:03.800 --> 03:08:08.080
<v Stefan Brill>sei sie nur sechs Frequenzblender, die war aber jetzt auf einmal verfügbar.

03:08:08.501 --> 03:08:12.601
<v Stefan Brill>Vorher hatte man zwar sechs analog angeboten oder die realen Patienten im realen

03:08:12.601 --> 03:08:16.982
<v Stefan Brill>Betrieb hatten nur vier davon aktiviert von den sechs, die in der Kochlehr waren,

03:08:16.982 --> 03:08:18.462
<v Stefan Brill>konnte man nur vier einschalten.

03:08:18.782 --> 03:08:21.622
<v Stefan Brill>Die hat man sich dann ausgesucht, welche sind denn die unterschiedbarsten und

03:08:21.622 --> 03:08:22.422
<v Stefan Brill>und hatten die genommen.

03:08:23.432 --> 03:08:27.134
<v Stefan Brill>Aber die vier waren kaum unterscheidbar. Das hat sich alles überlagert.

03:08:27.134 --> 03:08:30.275
<v Stefan Brill>Und dadurch, dass man jetzt auf einmal so schnell reihum hin und her gesprungen

03:08:30.275 --> 03:08:31.095
<v Stefan Brill>ist, war auf einmal die...

03:08:31.095 --> 03:08:34.957
<v Tim Pritlove>Und auch gleich sechs nutzen konnte sozusagen, also auch die Auflösung noch mal vergrößert hat.

03:08:35.537 --> 03:08:41.479
<v Stefan Brill>Und das ist dann... Wie gesagt, das war eine Publikation in Nature 1991.

03:08:43.920 --> 03:08:49.402
<v Stefan Brill>Diese Vorgehensweise nennt man die CIS, C-I-S, Continuous Interleaved Sampling,

03:08:49.402 --> 03:08:52.803
<v Stefan Brill>also permanente, verschachtelte Abtastung.

03:08:56.795 --> 03:09:00.967
<v Stefan Brill>Die CIS-Stimulationsstrategie, und das hat eine Arbeitsgruppe in North Carolina

03:09:00.967 --> 03:09:04.368
<v Stefan Brill>in USA gemacht, in Kooperation mit einer zweiten Arbeitsgruppe in Boston,

03:09:04.368 --> 03:09:05.708
<v Stefan Brill>die haben das gemeinsam publiziert.

03:09:06.509 --> 03:09:12.551
<v Stefan Brill>Und das war so ein Durchbruch, dass das relativ schnell daraufhin sich in der

03:09:12.551 --> 03:09:16.852
<v Stefan Brill>klinischen Praxis in käuflich erwerbbaren Systemen wiedergefunden haben.

03:09:16.852 --> 03:09:19.574
<v Stefan Brill>Das war auch der Zeitpunkt, wo ich damals dann den Einstieg hatte und das,

03:09:19.574 --> 03:09:24.276
<v Stefan Brill>was die gemacht haben, dann in ein reales System gebaut habe.

03:09:24.276 --> 03:09:28.758
<v Tim Pritlove>Die Technik dann umgesetzt ab dem Zeitpunkt, wo man das Grundprinzip,

03:09:28.758 --> 03:09:32.679
<v Tim Pritlove>was auch heute noch genauso durchgeführt wird, umgesetzt hat.

03:09:32.679 --> 03:09:33.780
<v Stefan Brill>So kann man das sagen.

03:09:33.780 --> 03:09:38.882
<v Tim Pritlove>Vermute jetzt mal, dass so aktuelle Systeme dann vielleicht auch in der Anzahl

03:09:38.882 --> 03:09:42.603
<v Tim Pritlove>der Elektronen dann noch feiner auflösen. Also du hast ja vorhin diese Glasnudel genannt.

03:09:44.384 --> 03:09:48.616
<v Tim Pritlove>Also, wenn ich es richtig verstehe, also durch das runde Fenster,

03:09:48.616 --> 03:09:54.488
<v Tim Pritlove>also eigentlich dieses Druckausgleich, Membran wird quasi als Einstiegspunkt genutzt.

03:09:55.989 --> 03:09:59.810
<v Tim Pritlove>Das ist ja dann das andere Ende der gesamten Schneckenbahn.

03:10:00.771 --> 03:10:03.952
<v Tim Pritlove>Also, wenn man einmal rein und dann wieder zurückgeht, dann landet man ja dort.

03:10:04.333 --> 03:10:11.272
<v Tim Pritlove>Man geht also quasi von hinten rein, führt jetzt da die Nudel in die Schnecke bis zum...

03:10:12.529 --> 03:10:16.330
<v Tim Pritlove>Bis zu dem einen Ende der Schnecke, also quasi die eine Hälfte,

03:10:16.330 --> 03:10:20.551
<v Tim Pritlove>die eine Schneckenhälfte wird gefüllt, die andere bleibt so wie sie ist,

03:10:20.551 --> 03:10:24.433
<v Tim Pritlove>weil braucht man nicht nochmal doppelt. Damit ist man an der Membran dran.

03:10:24.893 --> 03:10:26.794
<v Tim Pritlove>Und wie viele Kontaktpunkte, wie viele

03:10:26.794 --> 03:10:30.295
<v Tim Pritlove>Elektroden sind dann so in so einem State-of-the-Art-Kochlier-Implantat,

03:10:30.295 --> 03:10:31.515
<v Tim Pritlove>was man da heute reinschiebt?

03:10:31.996 --> 03:10:34.716
<v Stefan Brill>Auch nicht viel mehr. Auch nur sechs? Nee, nee, sechs sind nicht.

03:10:34.716 --> 03:10:39.198
<v Stefan Brill>Also es gibt eine Variation, zwölf, sechzehn und vierundzwanzig.

03:10:39.918 --> 03:10:45.780
<v Stefan Brill>Das sind die derzeitig verfügbaren Systeme. Und man hat natürlich sich die Frage

03:10:45.780 --> 03:10:48.821
<v Stefan Brill>gestellt, ja, das muss doch was bringen.

03:10:49.602 --> 03:10:54.383
<v Stefan Brill>Die größere Anzahl an Elektronenkontakten muss doch in irgendeiner Form einen Vorteil bringen.

03:10:54.383 --> 03:10:57.844
<v Stefan Brill>Und da haben sich viele Leute, ich könnte vielleicht sagen, die Zähne daran

03:10:57.844 --> 03:11:02.126
<v Stefan Brill>ausgebissen und haben mit realen Patienten, die solche Implantatssysteme dann

03:11:02.126 --> 03:11:08.328
<v Stefan Brill>hatten, im Labor experimentiert und hat unterschiedliche Bereiche deaktiviert.

03:11:09.649 --> 03:11:13.530
<v Stefan Brill>Einfach durch umprogrammieren des Systems kann man das ja mal ausprobieren.

03:11:13.950 --> 03:11:19.022
<v Stefan Brill>Er hat gesagt, also wir schalten jetzt mal gleichmäßig verteilt von den,

03:11:19.022 --> 03:11:24.794
<v Stefan Brill>von mir aus 12 Elektroden, vier weg und dann noch mal zwei zusätzlich weg und

03:11:24.794 --> 03:11:29.296
<v Stefan Brill>noch mal zwei zusätzlich weg oder hat mit einem System, was 22 Elektroden hatte,

03:11:29.296 --> 03:11:32.837
<v Stefan Brill>hat man es in größeren Schritten gemacht und hat gesagt, wir nehmen mal 20, 10, 7,

03:11:33.047 --> 03:11:40.340
<v Stefan Brill>4 und nur eine und hat ausprobiert, wie sich das übereinstimmend in mehreren

03:11:40.340 --> 03:11:48.522
<v Stefan Brill>Arbeitsgruppen und über mehrere verschiedene technische Systeme hinweg zu der Erkenntnis gekommen,

03:11:48.522 --> 03:11:55.365
<v Stefan Brill>dass man ungefähr jenseits von 10 keinen Zugewinn mehr hat.

03:11:56.205 --> 03:11:57.145
<v Tim Pritlove>Also 10 aktive Elektroden.

03:11:59.066 --> 03:12:06.544
<v Stefan Brill>10 aktive unterscheidbare Elektroden kann man auf 12, 15, 20 hochschalten und

03:12:06.544 --> 03:12:08.970
<v Stefan Brill>es tut sich nichts mehr fürs Sprache verstehen.

03:12:11.051 --> 03:12:17.234
<v Tim Pritlove>Wenn man dann in dieser Nudel eine Auswahl von 24 hätte, kann man dann immer

03:12:17.234 --> 03:12:22.016
<v Tim Pritlove>noch Optimierungen erzielen, dadurch dass man sagt, welche von denen man jetzt tatsächlich nutzt?

03:12:22.016 --> 03:12:27.518
<v Stefan Brill>Kann man machen. In der Praxis passiert das normalerweise nicht.

03:12:29.079 --> 03:12:32.280
<v Tim Pritlove>Also der Ort ist sozusagen auch gar nicht so entscheidend. Es geht einfach nur

03:12:32.280 --> 03:12:33.760
<v Tim Pritlove>darum, eine gewisse Mindestauflösung.

03:12:34.281 --> 03:12:38.883
<v Stefan Brill>Nein, doch der Ort ist schon entscheidend. Also, es ist jetzt so,

03:12:38.883 --> 03:12:43.945
<v Stefan Brill>da fängt es jetzt an, Hersteller spezifisch zu werden und da kommen jetzt dann

03:12:43.945 --> 03:12:45.666
<v Stefan Brill>irgendwelche Marketing-Sachen natürlich ins Spiel.

03:12:45.666 --> 03:12:52.088
<v Stefan Brill>Wenn ich das jetzt aufdröselt, dann rede ich dem einen oder dem anderen Hersteller Plus oder Minus.

03:12:52.088 --> 03:12:52.388
<v Tim Pritlove>Okay.

03:12:52.388 --> 03:12:52.688
<v Stefan Brill>Die...

03:12:55.848 --> 03:13:00.409
<v Stefan Brill>Die grundsätzliche Idee ist, dass man eigentlich gerne die gesamte Cochlea abgedeckt

03:13:00.409 --> 03:13:04.551
<v Stefan Brill>hätte, dass man sämtliche Frequenzbereiche gerne abdecken würde.

03:13:05.311 --> 03:13:07.872
<v Stefan Brill>Das ist aber teilweise chirurgisch nicht so ohne Weiteres machbar,

03:13:07.872 --> 03:13:12.067
<v Stefan Brill>weil der Durchmesser der Cochlea wird nach oben hin so ein bisschen kleiner

03:13:12.067 --> 03:13:18.896
<v Stefan Brill>und die Elektrode da reinzubekommen wird schwieriger und schwieriger.

03:13:18.896 --> 03:13:23.718
<v Stefan Brill>Richtig erfahrene, gute Chirurgen kriegen das ohne jedes Problem hin, außer in Sonderfällen.

03:13:23.718 --> 03:13:26.659
<v Tim Pritlove>Aber umso mehr Elektroden da drin sind, umso unflanzibler wird das.

03:13:26.859 --> 03:13:29.880
<v Stefan Brill>Umso steifer wird das Ganze. Dann gibt es natürlich die Idee,

03:13:29.880 --> 03:13:34.842
<v Stefan Brill>wir könnten die Elektrode spiralig vorformen, damit sie da sozusagen leichter

03:13:34.842 --> 03:13:36.923
<v Stefan Brill>reinkleitet. Aber dazu muss man erst mal gestreckt anliefern.

03:13:38.224 --> 03:13:41.945
<v Stefan Brill>Und dann ist das wieder per se in gewisser Schwierigkeit.

03:13:42.285 --> 03:13:45.426
<v Stefan Brill>Da fängt es aber jetzt an wirklich herstellersteller spezifisch zu werden.

03:13:45.426 --> 03:13:48.467
<v Stefan Brill>Die einen Chirurgen hätten das ganz gerne lieber so, die anderen lieber so.

03:13:48.988 --> 03:13:54.156
<v Stefan Brill>Aber unterm Strich ist es so, dass man heute mit den Elektroden versucht,

03:13:54.156 --> 03:13:59.372
<v Stefan Brill>möglichst von der Cochlear Bereiche abzudecken, an die man rankommt.

03:14:00.572 --> 03:14:06.054
<v Stefan Brill>Und dass man dann in der Aktivierung, wenn die Patienten dann in der Klinik

03:14:06.054 --> 03:14:09.596
<v Stefan Brill>sind und man das System zum ersten Mal einschaltet, dann schaut man sich natürlich

03:14:09.596 --> 03:14:14.177
<v Stefan Brill>an, wie hören sich diese einzelnen Elektrodenkontakte für die Patienten an.

03:14:14.518 --> 03:14:17.569
<v Stefan Brill>Perfekt ist es, wenn die, sagen wir mal, wir haben 12 Elektroden,

03:14:17.569 --> 03:14:21.300
<v Stefan Brill>dass die eine schöne tonleiterartige Tonhöhenerhöhung hören,

03:14:21.300 --> 03:14:23.121
<v Stefan Brill>wenn ich von den Elektroden 1 bis 12 durchgehe.

03:14:23.961 --> 03:14:27.302
<v Stefan Brill>Ist aber leider nicht immer so. Manche haben dann zwei oder drei,

03:14:27.302 --> 03:14:31.724
<v Stefan Brill>die sich genau gleich anhören oder es gibt einen größeren Sprung von der einen

03:14:31.724 --> 03:14:34.125
<v Stefan Brill>zur nächsten und da kann man dann entsprechend drauf eingehen.

03:14:34.125 --> 03:14:38.086
<v Tim Pritlove>Das heißt, man kalibriert dann, indem man entweder die abgegebenen Signale anders betont?

03:14:40.788 --> 03:14:45.990
<v Stefan Brill>Ja, indem man den Frequenzbereich, den man aus der Außenwelt herausgreift,

03:14:45.990 --> 03:14:49.731
<v Stefan Brill>entsprechend am oberen oder unteren Ende ein bisschen hin und her schiebt.

03:14:49.731 --> 03:15:01.335
<v Stefan Brill>Dass man also die Lage der Elektrode in der Kochlehr so nutzt in der Einstellung

03:15:01.335 --> 03:15:04.677
<v Stefan Brill>von dem äußeren Gerät und von der spektralen Analyse des Systems,

03:15:04.677 --> 03:15:07.878
<v Stefan Brill>dass es für den Patienten im Idealfall möglichst natürlich klingt.

03:15:08.858 --> 03:15:14.660
<v Tim Pritlove>Bei dieser Zuteilung dieser Zeitslots, weil ja nicht alle Elektronen gleichzeitig

03:15:14.660 --> 03:15:18.712
<v Tim Pritlove>feuern dürfen, sondern man macht das so quasi, ich denke mal die erste Methode

03:15:18.712 --> 03:15:22.423
<v Tim Pritlove>war einfach so round robin, jede Elektrode kriegt die gleiche Anzahl Zeitslots.

03:15:23.024 --> 03:15:31.107
<v Tim Pritlove>Jetzt würde ich mal so vermuten, dass es auch sein könnte, dass die hohen Frequenzen

03:15:31.107 --> 03:15:35.030
<v Tim Pritlove>vielleicht häufiger aktualisiert werden müssen als die niedrigen Frequenzen?

03:15:37.337 --> 03:15:40.642
<v Stefan Brill>Ja, da kommen wir gleich an den Punkt der Abtastung.

03:15:44.619 --> 03:15:48.080
<v Stefan Brill>Die Originalschwingung des analogen Signals, so wie es gefiltert ist,

03:15:48.080 --> 03:15:50.381
<v Stefan Brill>sagen wir mal, wir haben einen Frequenzbereich jenseits von 5 Kilohertz.

03:15:51.121 --> 03:15:54.882
<v Stefan Brill>Sagen wir mal, der Frequenzbereich zwischen 7 und 8 Kilohertz,

03:15:54.882 --> 03:15:56.463
<v Stefan Brill>nur um willkürlich irgendwas rauszugreifen.

03:15:57.043 --> 03:16:01.745
<v Stefan Brill>Den kann ich ja eigentlich gar nicht abtasten mit der Abtastrate,

03:16:01.745 --> 03:16:05.966
<v Stefan Brill>mit der ich diese Pulse auf die, auf das Innenohr gebe. Das geht ja gar nicht.

03:16:06.527 --> 03:16:10.028
<v Tim Pritlove>Man macht das dann, weil wir jetzt selber nur bei 4000 Hertz sind sozusagen.

03:16:10.028 --> 03:16:14.290
<v Stefan Brill>Genau. Also jetzt nach dem Abtasttheorem müsste man mindestens mit einem Faktor

03:16:14.290 --> 03:16:20.172
<v Stefan Brill>2 von der Abtastrate drüber liegen, um das originale analog gefilterte Signal

03:16:20.172 --> 03:16:21.952
<v Stefan Brill>überhaupt repräsentieren zu können.

03:16:22.333 --> 03:16:25.034
<v Stefan Brill>Das macht man aber gar nicht. Man versucht das erst gar nicht,

03:16:25.034 --> 03:16:28.895
<v Stefan Brill>sondern man nimmt sozusagen die Einhüllende, so eine Hüllkurve drüber.

03:16:28.895 --> 03:16:34.317
<v Stefan Brill>Also man betrachtet die hohe Frequenz des eigentlichen, die eigentliche Frequenz,

03:16:34.317 --> 03:16:38.079
<v Stefan Brill>die man hört, gewissermaßen als Trägersignal, was amplitudenmoduliert ist.

03:16:38.559 --> 03:16:42.780
<v Stefan Brill>Also wenn ich zum Beispiel in Zischlaut spreche wie hier so A-Scha,

03:16:42.780 --> 03:16:46.802
<v Stefan Brill>dann habe ich beim A nur tiefe und mittlere Frequenzen,

03:16:46.802 --> 03:16:50.263
<v Stefan Brill>beim Sch habe ich hauptsächlich den ganzen hohen Bereich aktiv und wenn ich

03:16:50.263 --> 03:16:52.028
<v Stefan Brill>diesen Übergang habe A-Scha,

03:16:52.028 --> 03:16:58.706
<v Stefan Brill>dann ist die Aktivität des höheren Frequenzbereichs im A ist praktisch nicht

03:16:58.706 --> 03:17:03.967
<v Stefan Brill>da und dann beim Sch schießt das hoch und wenn das SCA, der Zischlaut vorbei

03:17:03.967 --> 03:17:04.968
<v Stefan Brill>ist, dann geht das wieder runter.

03:17:05.568 --> 03:17:09.749
<v Tim Pritlove>Das heißt die werden sozusagen, die Slots werden auch nur so zugeteilt wie der

03:17:09.749 --> 03:17:11.430
<v Tim Pritlove>Anteil auch wirklich jetzt im Gesamtsignal.

03:17:12.180 --> 03:17:18.372
<v Stefan Brill>Solche Konzepte gibt es auch, aber wesentlich ist erst mal, dass man mit der

03:17:18.372 --> 03:17:23.914
<v Stefan Brill>Abtastrate, zumindest bei den hohen Frequenzen, eh keine Chance hat hinterher zu kommen.

03:17:24.595 --> 03:17:27.976
<v Stefan Brill>Würde man vielleicht gerne machen. Es gibt auch ein paar clevere Ansätze,

03:17:27.976 --> 03:17:30.036
<v Stefan Brill>die so ein bisschen in die Richtung was versuchen.

03:17:30.077 --> 03:17:31.677
<v Tim Pritlove>Was ist denn da das Problem?

03:17:33.778 --> 03:17:35.959
<v Tim Pritlove>Man kann doch einfach kleinere Zahlslots nehmen.

03:17:36.899 --> 03:17:41.841
<v Stefan Brill>Eben nicht. Wenn ich diese Stimulationsimpulse, die ich brauche,

03:17:41.841 --> 03:17:45.602
<v Stefan Brill>um den Nerv anzuregen, wenn ich die kürzer und kürzer und kürzer mache,

03:17:45.602 --> 03:17:47.923
<v Stefan Brill>dann kriege ich den Nerv, der reagiert irgendwann.

03:17:47.923 --> 03:17:51.974
<v Stefan Brill>Der ist dann zu träge dafür. Der ist dann einerseits zu träge und zweitens müsste

03:17:51.974 --> 03:17:58.767
<v Stefan Brill>ich kompensierend die Stimulationsströme immer weiter rauf drehen.

03:17:59.788 --> 03:18:02.929
<v Stefan Brill>Und das ist irgendwann technologisch nicht mehr möglich.

03:18:03.329 --> 03:18:07.270
<v Stefan Brill>Weil wenn ich einen Strom fließen lassen will, muss ich ja durch den elektrischen

03:18:07.270 --> 03:18:10.331
<v Stefan Brill>Widerstand des Gewebes muss ich den Strom ja sozusagen durchdrücken.

03:18:10.872 --> 03:18:14.033
<v Stefan Brill>Dazu brauche ich eine gewisse Spannung, die ich aufbauen muss.

03:18:14.033 --> 03:18:18.794
<v Stefan Brill>Und eine genügend hohe Spannung in einem Implantat aufzubauen ist nicht so trivial.

03:18:19.755 --> 03:18:24.016
<v Stefan Brill>Da gibt es also technologische Limitierungen, wie viel Spannung man zur Verfügung

03:18:24.016 --> 03:18:29.678
<v Stefan Brill>hat, damit man damit dann genügend hohe Ströme anbieten könnte.

03:18:29.678 --> 03:18:33.869
<v Stefan Brill>Und selbst wenn man das macht, selbst wenn man in der Lage wäre,

03:18:33.869 --> 03:18:38.439
<v Stefan Brill>jetzt mal simplifizieren gesagt, beliebig hohe Ströme anbieten zu können technologisch.

03:18:40.023 --> 03:18:42.504
<v Stefan Brill>Und die dann immer kürzer und kürzer zeitlich werden zu lassen,

03:18:42.504 --> 03:18:46.526
<v Stefan Brill>dann gehen die trotzdem irgendwann einfach wie der Wind durchs Gewebe.

03:18:46.526 --> 03:18:52.528
<v Stefan Brill>Die sind irgendwann einfach nur hochfrequent und gehen einfach am Nerv vorbei

03:18:52.528 --> 03:18:55.129
<v Stefan Brill>und das hat man natürlich in den ganz ganz frühen Zeiten,

03:18:55.129 --> 03:18:59.730
<v Stefan Brill>ich spreche jetzt von 70er Jahren, haben wir das alles systematisch durchprobiert

03:18:59.730 --> 03:19:04.872
<v Stefan Brill>an irgendwelchen Krebs, Neuronen und hat versucht da dahinter zu kommen,

03:19:04.872 --> 03:19:06.332
<v Stefan Brill>in welchen Bereichen das aktiv ist.

03:19:06.553 --> 03:19:10.654
<v Stefan Brill>Also aktivierbar ist. Das heißt, man kann das nicht beliebig schnell machen, beliebig kurz machen.

03:19:10.654 --> 03:19:16.116
<v Tim Pritlove>Man ist auf eine niedrige Rampling-Funk-Quanz angewiesen, aber ist auch nicht

03:19:16.116 --> 03:19:18.897
<v Tim Pritlove>so schlimm, weil so funktioniert es ja auch.

03:19:20.437 --> 03:19:23.538
<v Tim Pritlove>Worin besteht dann die eigentliche Verbesserung, die man jetzt noch erzielen

03:19:23.538 --> 03:19:25.639
<v Tim Pritlove>konnte über die letzten Jahre?

03:19:27.040 --> 03:19:34.762
<v Stefan Brill>Also einmal hat sich auf der Ebene der Stimulationsmethodik durchaus noch was ergeben.

03:19:35.803 --> 03:19:37.663
<v Tim Pritlove>Also wie die Elektroden wirken?

03:19:37.983 --> 03:19:43.185
<v Stefan Brill>Nee, die Art und Weise wie man die elektrische Stimulation stattfindet.

03:19:43.185 --> 03:19:46.907
<v Tim Pritlove>Ja, das meine ich ja. Also wie die sozusagen den Strom übergeben.

03:19:49.188 --> 03:19:52.049
<v Stefan Brill>Also diese ursprüngliche CIS-Strategie, die dieser große Durchbruch Anfang der

03:19:52.049 --> 03:19:58.851
<v Stefan Brill>90er war, die hatte gar nicht versucht die Phasenlage des Original-Signals zu repräsentieren.

03:19:59.712 --> 03:20:03.413
<v Stefan Brill>Weil sie eh gesagt hat, spätestens bei den mittleren hohen Frequenzen geht das

03:20:03.413 --> 03:20:05.114
<v Stefan Brill>mit der Abtastrate sowieso nicht mehr.

03:20:05.994 --> 03:20:09.775
<v Stefan Brill>Also hat man gesagt, wir nehmen, wir filtern zwar in diese Frequenzbänder,

03:20:09.775 --> 03:20:11.746
<v Stefan Brill>aber wir bilden da nur die einhüllende drum.

03:20:11.746 --> 03:20:15.137
<v Stefan Brill>Wir betrachten also die eigentliche Frequenz als eine Trägerfrequenz,

03:20:15.137 --> 03:20:18.979
<v Stefan Brill>die amplitude moduliert ist und was wir jetzt an Stimulation anbieten,

03:20:18.979 --> 03:20:23.160
<v Stefan Brill>ist die gerade aktuelle Amplitude dieses Signals.

03:20:23.841 --> 03:20:28.783
<v Stefan Brill>Das war der erste Schritt. Damit hatte man aber jegliche Phaseninformation des

03:20:28.783 --> 03:20:32.063
<v Stefan Brill>Trägersignals, wenn ich es mal so nennen darf, verloren.

03:20:32.284 --> 03:20:34.865
<v Stefan Brill>Das war aber dann der nächste Schritt. Das war dann Ende der 90er.

03:20:34.865 --> 03:20:40.987
<v Stefan Brill>Da haben im Wesentlichen einige ganz wenige Leute, die sich das schon richtig

03:20:40.987 --> 03:20:43.168
<v Stefan Brill>ausgedacht hatten, haben sich hingesetzt und gesagt, Moment mal,

03:20:43.168 --> 03:20:44.749
<v Stefan Brill>wir vernachlässigen ja diese Phaseninformation.

03:20:45.449 --> 03:20:49.631
<v Stefan Brill>Also die zeitliche Positionsinformation, wo die Wellenschwingung eigentlich sitzt.

03:20:49.631 --> 03:20:53.532
<v Stefan Brill>Weil wir haben ja nur die Hüllkurve. Die geht halt nur lauter oder leiser,

03:20:53.532 --> 03:20:57.374
<v Stefan Brill>aber nicht mehr, wo ist die eigentliche Schwingung gewesen. Dann haben die gesagt,

03:20:57.374 --> 03:21:03.676
<v Stefan Brill>okay, dann, jetzt mal sehr salopp gesagt, dann spielen wir halt intelligent mit der Zeitachse.

03:21:05.037 --> 03:21:11.139
<v Stefan Brill>Dann setzen wir die elektrischen Pulse, die wir abgeben, zeit synchron zu den,

03:21:11.139 --> 03:21:14.620
<v Stefan Brill>sagen wir mal, Nulldurchgängen von den Wellen hin.

03:21:14.620 --> 03:21:19.162
<v Tim Pritlove>Das heißt, man hat nicht so gleichmäßige Zeitabstände, sondern man schiebt die

03:21:19.162 --> 03:21:22.303
<v Tim Pritlove>Zeitabstände selber noch in Abhängigkeit von dem eigentlichen Signal.

03:21:22.303 --> 03:21:28.082
<v Stefan Brill>Auf der Zeitachse hin und her. Und das ist, man hat also das was beim, bei der,

03:21:29.348 --> 03:21:34.250
<v Stefan Brill>Alten Stimulations Strategie bei dieser Zis Strategie das continuous war dieses

03:21:34.250 --> 03:21:39.512
<v Stefan Brill>andauernd around Robin das hat man zumindest in den tieffrequenten Bereichen

03:21:39.512 --> 03:21:44.394
<v Stefan Brill>wo man sozusagen wo es sinnvoll ist das hin hin hin zu codieren und wo unser

03:21:44.394 --> 03:21:47.415
<v Stefan Brill>Hörsystem das auch mitspielt muss man auch dazu sagen das System.

03:21:47.715 --> 03:21:51.597
<v Stefan Brill>Bei den hohen Frequenzen ist auch unserem Hörorgan das eigentlich egal.

03:21:51.597 --> 03:21:55.279
<v Stefan Brill>Also auch bei den hohen Frequenzen arbeitet unser Hörorgan eigentlich auch im

03:21:55.279 --> 03:21:58.580
<v Stefan Brill>Wesentlichen als Hüllkurvenextraktor und nicht als tieffrequenter Phasenwahrnehmer.

03:22:00.041 --> 03:22:02.142
<v Stefan Brill>Das ist eher bei den tiefen Frequenzen. Da hat man gesagt, okay,

03:22:02.142 --> 03:22:06.779
<v Stefan Brill>dann teilen wir das auf und dann machen wir eben den unteren Frequenzbereich

03:22:06.779 --> 03:22:10.125
<v Stefan Brill>Phasensynchron und da oben ist es uns wurscht und dann...

03:22:10.125 --> 03:22:11.425
<v Tim Pritlove>Weil da könnte man es eh nicht nachbilden.

03:22:11.425 --> 03:22:15.907
<v Stefan Brill>Genau und da, die bezahlen den Preis dafür, dass die Tiefen jetzt Phasensynchron sind.

03:22:15.948 --> 03:22:18.489
<v Stefan Brill>Dann hat es noch einen weiteren Schritt gegeben, hat mal gesagt,

03:22:18.489 --> 03:22:26.337
<v Stefan Brill>Moment mal, wenn wir jetzt diese Pulse doch wieder zeitgleich anbieten würden,

03:22:26.337 --> 03:22:30.534
<v Stefan Brill>angenommen wir könnten das, dann könnten wir ja die Abtastrate massiv erhöhen.

03:22:31.654 --> 03:22:35.956
<v Stefan Brill>Wenn wir jetzt beispielsweise 10 Elektroden haben, um die wir immer Reihe umdurchschalten müssen,

03:22:35.956 --> 03:22:40.918
<v Stefan Brill>dann können wir nur, jeden Zehnten kommt einer dran, wenn wir es aber jetzt

03:22:40.918 --> 03:22:45.220
<v Stefan Brill>irgendwie schaffen würden, doch wieder jeden anbieten zu lassen,

03:22:45.220 --> 03:22:48.336
<v Stefan Brill>dann haben wir auf einmal eine viel höhere Abtastrate, dann kriegen wir die

03:22:48.336 --> 03:22:49.662
<v Stefan Brill>Zeitinformation vielleicht auch besser hin.

03:22:51.043 --> 03:22:56.335
<v Stefan Brill>Und da war man aber natürlich sofort wieder in dieser alten Bredouille der Kanal

03:22:56.335 --> 03:22:59.426
<v Stefan Brill>gegenseitigen Beeinflussung, wenn ich mehrere gleichzeitig aktiv habe.

03:22:59.426 --> 03:23:02.748
<v Stefan Brill>Und dann hat man gesagt, okay, vielleicht können wir das ja so machen,

03:23:02.748 --> 03:23:06.389
<v Stefan Brill>dass wir das, was wir an Kanalinteraktion erwarten, vorher vorauseilend wegrechnen.

03:23:14.053 --> 03:23:18.694
<v Stefan Brill>Dass man also diese Kanalinteraktionen voraus berechnet und sagt,

03:23:18.694 --> 03:23:22.016
<v Stefan Brill>aha, wenn wir aber entsprechend weniger stimulieren auf eine bestimmte,

03:23:22.016 --> 03:23:26.698
<v Stefan Brill>geschickte, genau ausgerechnete Art und Weise, dann ist in der Summe annähernd

03:23:26.698 --> 03:23:28.078
<v Stefan Brill>das da, was wir eigentlich wollen.

03:23:29.059 --> 03:23:32.360
<v Tim Pritlove>Das heißt, man kann dann wieder mehrere Elektroden gleichzeitig aktivieren.

03:23:33.391 --> 03:23:38.923
<v Tim Pritlove>Man rechnet sozusagen das Gesamtsignal oder die Stärke der Einzelsignale so

03:23:38.923 --> 03:23:42.885
<v Tim Pritlove>weit runter, dass es in der Summe das ergibt, was man eigentlich will.

03:23:44.686 --> 03:23:50.409
<v Stefan Brill>Fand ich auch extrem pfiffig. Das ist aber im Moment noch so in der Forschung drin.

03:23:52.133 --> 03:23:53.314
<v Tim Pritlove>Jetzt hast du ja gesagt...

03:23:57.074 --> 03:24:02.536
<v Tim Pritlove>Du arbeitest ja, also ich meine, ist ja zwangsläufig. Wenn jetzt jemand kommt

03:24:02.536 --> 03:24:08.089
<v Tim Pritlove>und sagt, ich bin ein potentieller Empfänger für so einen Implantat.

03:24:09.739 --> 03:24:14.421
<v Tim Pritlove>Ist ja sagen wir mal jetzt nicht so wie, ich hole mir einen Krückstock oder

03:24:14.421 --> 03:24:18.783
<v Tim Pritlove>einen Rollator oder ich fahre jetzt im Rollstuhl oder so, weil das hat man und

03:24:18.783 --> 03:24:22.504
<v Tim Pritlove>benutzt man und wenn man es wirklich nicht haben wollen würde, dann man es wieder los.

03:24:22.945 --> 03:24:29.347
<v Tim Pritlove>Aber so ein Eingriff, auch noch so mitten im Kopf, ist ja jetzt kein Pappenstil.

03:24:32.569 --> 03:24:37.610
<v Tim Pritlove>Also einerseits ein enormer chirurgischer Eingriff, aber es bedeutet ja im Prinzip

03:24:37.610 --> 03:24:44.433
<v Tim Pritlove>auch sozusagen einmal als Wunsch und Bereitschaft der Verabschiedung des bisher

03:24:44.433 --> 03:24:45.293
<v Tim Pritlove>wahrgenommenen Lebensstils.

03:24:46.014 --> 03:24:52.976
<v Tim Pritlove>Leute, die früher schon mal gesprochen haben, werden das sicherlich dann auch wollen.

03:24:52.976 --> 03:24:56.818
<v Tim Pritlove>Also kann ich mir auf jeden Fall gut vorstellen. Ich meine, wenn man mal gehört

03:24:56.818 --> 03:25:01.099
<v Tim Pritlove>hat und dann ist es weg, da denke ich mal, da fehlt einem was trotzdem.

03:25:01.099 --> 03:25:06.061
<v Tim Pritlove>Also was muss zusammenkommen und wie ist es mit solchen Leuten zusammenzuarbeiten?

03:25:06.541 --> 03:25:10.023
<v Tim Pritlove>Also wie viel muss man überhaupt mit den Patienten zusammenarbeiten,

03:25:10.023 --> 03:25:18.506
<v Tim Pritlove>bis das diesen ganzen Prozess dann auch bis wir so weit sind,

03:25:18.506 --> 03:25:20.406
<v Tim Pritlove>dass wir das aktivieren können. Dass das alles gehen kann.

03:25:21.167 --> 03:25:25.388
<v Tim Pritlove>Wie arbeitet man dann sozusagen auch mit den Leuten bei der Aktivierung dann dieses Implantats?

03:25:28.670 --> 03:25:32.251
<v Stefan Brill>Also das ist natürlich so, dass man erstmal eine wirklich vernünftige Diagnose

03:25:32.251 --> 03:25:36.032
<v Stefan Brill>braucht. Die Patienten kommen mit Hörbeschwerden oder werden von ihren Angehörigen

03:25:36.032 --> 03:25:39.713
<v Stefan Brill>geschickt und dann muss man erstmal untersuchen, na ist das denn überhaupt in

03:25:39.713 --> 03:25:42.756
<v Stefan Brill>dem Bereich eines Hörverlustes, der für das in Frage kommt.

03:25:43.547 --> 03:25:45.839
<v Stefan Brill>Vielleicht ist das auch nur subjektiv, erstmal ein Hörverlust,

03:25:45.839 --> 03:25:49.202
<v Stefan Brill>der gar nicht so schlimm ist und den Hörgeräte noch abdecken können oder auch

03:25:49.202 --> 03:25:52.225
<v Stefan Brill>unter Umständen ein Mittelohr-Implantat abdecken kann.

03:25:52.786 --> 03:25:55.709
<v Stefan Brill>Wenn wir dann, da gibt es eine entsprechende Höruntersuchungen,

03:25:55.709 --> 03:25:59.532
<v Stefan Brill>die man an den Kliniken durchführt und dann stellt sich halt halt nach kurzer

03:25:59.532 --> 03:26:02.595
<v Stefan Brill>Zeit heraus. Ja, das wäre prinzipiell in dem Bereich.

03:26:03.505 --> 03:26:08.427
<v Stefan Brill>Wo alles andere nicht mehr vernünftig geht, kommt eigentlich dann nur noch ein

03:26:08.427 --> 03:26:10.287
<v Stefan Brill>Cochle-Emplantat in Frage.

03:26:10.287 --> 03:26:13.249
<v Stefan Brill>Dann müssen natürlich noch ein paar andere Dinge abgeklärt werden,

03:26:13.249 --> 03:26:17.970
<v Stefan Brill>ob es denn zum Beispiel operierbar ist. Man muss also zum Beispiel mal klar

03:26:17.970 --> 03:26:22.792
<v Stefan Brill>machen, dass die Schnecke noch flüssigkeitsgefüllt ist. Es gibt manche Erkrankungen

03:26:22.792 --> 03:26:24.093
<v Stefan Brill>wie zum Beispiel eine Meningitis-Infektion.

03:26:25.814 --> 03:26:29.505
<v Stefan Brill>Die haben gerne mal zur Folge, dass da

03:26:29.505 --> 03:26:36.428
<v Stefan Brill>Verknöcherungen stattfinden und dass die Schnecke nach und nach mit fibrösem

03:26:36.428 --> 03:26:42.701
<v Stefan Brill>Gewebe und dann bis zum Anschlag unter Umständen mit hartem verwachsenen Knochen

03:26:42.701 --> 03:26:46.382
<v Stefan Brill>zuwächst und dann hat man keine Chance mehr das ordentlich reinzukriegen.

03:26:46.742 --> 03:26:49.223
<v Stefan Brill>Dann ist alles schon wirklich sehr sehr viel schwieriger.

03:26:49.584 --> 03:26:52.345
<v Stefan Brill>Mit manchen Tricks kann man in manchen Fällen durchaus noch was erreichen.

03:26:52.345 --> 03:26:57.727
<v Stefan Brill>Aber eine Voraussetzung für den Standardfall des Cochlear Implantats ist,

03:26:57.727 --> 03:27:01.768
<v Stefan Brill>dass die Schnecke überhaupt noch frei und offen und flüssigkeitsgefüllt ist.

03:27:01.768 --> 03:27:05.210
<v Stefan Brill>Dann muss natürlich erreicht sein, muss natürlich sichergestellt sein,

03:27:05.210 --> 03:27:11.192
<v Stefan Brill>dass der Grund nicht hinter der Schnecke liegt, auf dem Weg zum Gehirn hoch.

03:27:12.092 --> 03:27:15.294
<v Stefan Brill>Es gibt auch manchmal Erkrankungen, bestimmte Tumore zum Beispiel,

03:27:15.294 --> 03:27:19.155
<v Stefan Brill>die den Hörnerv angreifen,

03:27:19.155 --> 03:27:22.496
<v Stefan Brill>ihn kaputt machen, platt drücken,

03:27:22.496 --> 03:27:26.698
<v Stefan Brill>an die Wand drücken oder dass der Hörnerv,

03:27:26.698 --> 03:27:32.540
<v Stefan Brill>der ist ja auch von so einem Netz an Versorgungsblutgefäßen umfasst,

03:27:32.540 --> 03:27:36.022
<v Stefan Brill>wenn man also jetzt durch irgendwelche anderen operativen Eingriffe Schwierigkeiten

03:27:36.022 --> 03:27:42.764
<v Stefan Brill>hat, dass diese Blutgefäße alle schon mal hinüber sind und deswegen der Hörnerv entsprechend...

03:27:43.385 --> 03:27:46.606
<v Tim Pritlove>Da hilft es dann auch nicht mehr, in der Strecke irgendwas zu induzieren,

03:27:46.606 --> 03:27:48.506
<v Tim Pritlove>weil da gibt es nicht groß weitergeleitet werden kann.

03:27:48.506 --> 03:27:52.828
<v Stefan Brill>Und das sind alles Dinge, die klinisch abgeklärt werden müssen vorher.

03:27:53.868 --> 03:27:59.710
<v Stefan Brill>Und wenn dann aber alles soweit in Ordnung ist, was in der Regel bei der Mehrzahl

03:27:59.710 --> 03:28:05.052
<v Stefan Brill>der Patienten der Fall ist, dann müssen die Patienten natürlich operiert werden.

03:28:05.052 --> 03:28:10.994
<v Stefan Brill>Dann braucht man einen erfahrenen, möglichst guten Chirurgen,

03:28:10.994 --> 03:28:19.037
<v Stefan Brill>der das gut gelernt hat, gut kann, gute Erfahrungen hat und der implantiert das dann.

03:28:19.037 --> 03:28:21.498
<v Stefan Brill>Und das geht eigentlich relativ schnell.

03:28:22.179 --> 03:28:27.600
<v Stefan Brill>Es ist jetzt nicht so, dass diese Operationen so invasiv, so tiefgreifend sind,

03:28:27.600 --> 03:28:29.301
<v Stefan Brill>wie wenn man zum Beispiel einen Hirntumor hat.

03:28:29.641 --> 03:28:33.863
<v Stefan Brill>Also wenn man jetzt ans Gehirn ran muss, dann muss man wirklich die Schädelkalotte

03:28:33.863 --> 03:28:38.504
<v Stefan Brill>aufmachen, dann muss man durch die Innenauskleidung der Schädelkalotte durch.

03:28:38.945 --> 03:28:48.855
<v Stefan Brill>Und das ist alles schon sehr invasiv und ist auch natürlich in der Presse,

03:28:48.855 --> 03:28:50.937
<v Stefan Brill>in den Medien immer alles ganz schwer gewichtet.

03:28:50.937 --> 03:28:56.083
<v Stefan Brill>Das ist zum Glück bei diesen Ohr- und auch Cochlear-Implantaten alles nicht so wahnsinnig schlimm.

03:28:56.464 --> 03:29:00.087
<v Stefan Brill>Man muss ja auch überlegen, dass diese ganze Region von dem...

03:29:01.162 --> 03:29:05.824
<v Stefan Brill>Von dem Felsenbein sowieso schon so ein bisschen mit der Außenwelt in Kontakt ist.

03:29:05.824 --> 03:29:09.706
<v Stefan Brill>Wir haben da die Ohrtrompete, die östere Röhre, das Mittelohr.

03:29:09.706 --> 03:29:13.927
<v Stefan Brill>Das ist ja alles eigentlich dafür gebaut, sich ständig irgendwie mit Fremdkeimen

03:29:13.927 --> 03:29:18.709
<v Stefan Brill>und Infektionen auseinanderzusetzen und hat auch entsprechende Selbsthilfemechanismen eingebaut.

03:29:19.809 --> 03:29:22.510
<v Stefan Brill>Mit anderen Worten, das ist jetzt nicht so, ich wiederhole es nochmal,

03:29:22.510 --> 03:29:24.991
<v Stefan Brill>nicht so inversiv, als wenn man ans Gehirn ran müsste.

03:29:24.991 --> 03:29:29.352
<v Tim Pritlove>Was ja sehr gut gekapselt ist und normalerweise keinerlei Besucher empfängt.

03:29:29.352 --> 03:29:34.274
<v Stefan Brill>Genau, möglichst auch keine Öffnungen, Risse und sonstige Lücken nach außen haben sollte.

03:29:35.995 --> 03:29:41.570
<v Stefan Brill>Und deswegen kann man diese Operation vergleichsweise schnell machen und ein

03:29:41.570 --> 03:29:45.658
<v Stefan Brill>erfahrener Chirurg, der schafft das in unter zwei Stunden.

03:29:46.619 --> 03:29:50.780
<v Stefan Brill>Und das gilt natürlich nur für das, also diese Zeitangabe gilt jetzt nur für

03:29:50.780 --> 03:29:52.201
<v Stefan Brill>das, was der Chirurg sieht.

03:29:52.201 --> 03:29:57.502
<v Stefan Brill>Also vom Einsenken des Skalpells in die Hautoberfläche bis zum Zunähen,

03:29:57.502 --> 03:30:00.924
<v Stefan Brill>Das geht in unter zwei Stunden bei einem erfahrenen Chirurg,

03:30:00.924 --> 03:30:05.045
<v Stefan Brill>der schon einiges gemacht hat und wenn keine irgendwie Absonderlichkeiten auftreten.

03:30:06.246 --> 03:30:09.407
<v Stefan Brill>Und das, was natürlich der Patient und die Angehörigen sehen,

03:30:09.407 --> 03:30:13.568
<v Stefan Brill>das ist natürlich ein bisschen länger, weil die müssen ja erstmal dann runter

03:30:13.568 --> 03:30:15.009
<v Stefan Brill>in den OP gekarrt werden.

03:30:15.009 --> 03:30:19.731
<v Stefan Brill>Das ist ja das, wo die Patienten dann dann ihre Narkose kriegen und ab dem Zeitpunkt,

03:30:19.731 --> 03:30:22.372
<v Stefan Brill>bis sie dann wieder aufwachen, das können dann also schon mal vier,

03:30:22.372 --> 03:30:23.672
<v Stefan Brill>fünf, sechs Stunden sein.

03:30:23.672 --> 03:30:26.353
<v Stefan Brill>Von außen sieht das nach viel aus, aber der eigentliche Eingriff ist gar nicht

03:30:26.353 --> 03:30:29.954
<v Stefan Brill>so lange. Auch die eigentliche Zeit, in der man in der Narkose ist,

03:30:29.954 --> 03:30:31.875
<v Stefan Brill>ist gar nicht so wahnsinnig lange.

03:30:31.875 --> 03:30:36.457
<v Tim Pritlove>Also das ist eigentliche Öffnen, Einfüllen zu machen, ist nach einer Stunde vorbei?

03:30:36.457 --> 03:30:42.699
<v Stefan Brill>Ist nach etwa eineinhalb bis zwei Stunden vorbei. Ist also nicht so wahnsinnig schlimm.

03:30:42.699 --> 03:30:45.200
<v Tim Pritlove>Ja, ne, so lange bin ich auch schon mal in der Hand operiert worden.

03:30:45.200 --> 03:30:50.762
<v Stefan Brill>Ja, genau. Das ist also durchaus überschaubar und es ist auch heutzutage,

03:30:50.762 --> 03:30:53.085
<v Stefan Brill>die Anästhesisten haben natürlich auch dazugelernt heutzutage sogar,

03:30:56.790 --> 03:31:03.232
<v Stefan Brill>Der Standard, dass die Patienten am Nachmittag nach der OP schon wieder halbwegs

03:31:03.232 --> 03:31:06.933
<v Stefan Brill>beieinander sind. Also bei kleinen Kindern, die da sowieso offensichtlich ein

03:31:06.933 --> 03:31:09.574
<v Stefan Brill>bisschen robuster sind, die krabbeln dann schon wieder rum, haben zwar einen

03:31:09.574 --> 03:31:11.715
<v Stefan Brill>Verband um den Kopf, aber die sind dann schon wieder halbwegs fit.

03:31:13.395 --> 03:31:16.196
<v Stefan Brill>Ältere Patienten, denen es körperlich nicht besonders gut geht,

03:31:16.196 --> 03:31:19.818
<v Stefan Brill>die sitzen dann vielleicht mal einen Tag lang da und denen ist schlecht und

03:31:19.818 --> 03:31:22.859
<v Stefan Brill>sie sind am nächsten Tag oder am übernächsten Tag wieder halbwegs auf der Höhe.

03:31:22.859 --> 03:31:26.220
<v Stefan Brill>Aber so der durchschnittliche Erwachsene, der kann am Abend schon wieder Fernseh

03:31:26.220 --> 03:31:29.141
<v Stefan Brill>gucken und mit einem reden und was heißt, wenn er kommunizieren kann.

03:31:29.661 --> 03:31:32.462
<v Tim Pritlove>Was wird denn noch alles eingebaut? Also wir haben jetzt von dieser Glasnudel

03:31:32.462 --> 03:31:35.403
<v Tim Pritlove>gesprochen, die wird da reingeschoben und dann muss ja auch noch eine Verbindung

03:31:35.403 --> 03:31:38.123
<v Tim Pritlove>nach außen geben. Also da gibt es dann so ein Kontaktplättchen.

03:31:39.104 --> 03:31:45.186
<v Stefan Brill>Das geht das geht alles elektromagnetisch sozusagen.

03:31:45.186 --> 03:31:50.848
<v Stefan Brill>Also es ist so, dass unter der Haut jetzt machen wir es mal so.

03:31:50.848 --> 03:31:55.670
<v Stefan Brill>Man hat ja hier hinter dem Ohr hat man ja so eine kahle Fläche Und der Knochen,

03:31:55.670 --> 03:32:00.833
<v Stefan Brill>den man da fühlt, das ist das sogenannte Mastoid oder auf Deutsch der Warzenfortsatz.

03:32:02.514 --> 03:32:06.665
<v Stefan Brill>Da dockt einer von unseren großen Halsmuskeln an, nämlich hier der Sternocleidomastid,

03:32:06.665 --> 03:32:11.958
<v Stefan Brill>Mastoidäus, der ist für die Kopfwendung zuständig. Der dockt an diesem Knochen an.

03:32:12.558 --> 03:32:16.980
<v Stefan Brill>Und dieser Knochen, von dem muss man sich jetzt vorstellen, geht man so ein

03:32:16.980 --> 03:32:20.521
<v Stefan Brill>kleines Stückchen nach hinten, ein paar Zentimeter, das muss der Chirurg sich

03:32:20.521 --> 03:32:23.463
<v Stefan Brill>aber dann in jedem in die Videofall angucken, wo genau.

03:32:25.024 --> 03:32:31.566
<v Stefan Brill>Und an diese Stelle wird unter die Haut die gekapselte Elektronik des Implantates eingesetzt.

03:32:32.507 --> 03:32:37.229
<v Stefan Brill>Da wird so ein kleines bisschen vom Knochen weggenommen und dann kann dort die

03:32:37.229 --> 03:32:40.109
<v Stefan Brill>Elektronik hingesetzt werden und von dieser Elektronik ausgehend.

03:32:42.225 --> 03:32:49.667
<v Stefan Brill>Gibt es dann die Elektrode, das ist dann eben diese Silikonglasnudel,

03:32:49.667 --> 03:32:52.728
<v Stefan Brill>von der wir gesprochen haben.

03:32:53.059 --> 03:32:56.970
<v Stefan Brill>Die geht dann von dort weg, erstmal zum Mittelohr.

03:32:57.530 --> 03:33:03.853
<v Stefan Brill>Der Chirurg, der muss also praktisch von hinter dem Ohr sich zum Mittelohr durchbewegen

03:33:03.853 --> 03:33:07.274
<v Stefan Brill>und wenn der erstmal in der Mittelohrhöhlung angekommen ist,

03:33:07.274 --> 03:33:12.036
<v Stefan Brill>dann sieht er auch vor sich die Gehörknöchelchen und geht dann seitlich an den

03:33:12.036 --> 03:33:20.119
<v Stefan Brill>Gehörknöchelchen dran vorbei zum runden Fenster oder knapp daneben und macht

03:33:20.119 --> 03:33:25.651
<v Stefan Brill>dort auf und setzt dann die eigentliche Stimulationselektrode,

03:33:25.651 --> 03:33:32.143
<v Stefan Brill>von denen eben nur die vorderen ungefähr 2,5-3 Zentimeter elektrisch aktiv sind,

03:33:32.143 --> 03:33:37.545
<v Stefan Brill>setzt die dann in die Schneckenwindung ein, indem er diese Elektrode langsam

03:33:37.545 --> 03:33:41.207
<v Stefan Brill>und vorsichtig vorschiebt und wenn er merkt, dass da Widerstand kommt,

03:33:41.207 --> 03:33:43.548
<v Stefan Brill>dann zieht er noch ein bisschen zurück, verdreht vielleicht ein bisschen und

03:33:43.548 --> 03:33:46.049
<v Stefan Brill>geht noch mal ran, bis er die Elektrode vollständig drin hat.

03:33:46.829 --> 03:33:50.411
<v Stefan Brill>Dann macht er diese Eingangsöffnung in die Kochlehr,

03:33:50.411 --> 03:33:54.552
<v Stefan Brill>in die Schnecke, macht er sauber zu, setzt also ein bisschen Bindegewebe drum rum,

03:33:54.552 --> 03:33:59.754
<v Stefan Brill>dass das schön fest wächst und schön dicht ist, verankert dann die Elektrode

03:33:59.754 --> 03:34:03.836
<v Stefan Brill>im Mittelohr, idealerweise noch auf eine Form, auf eine Art und Weise,

03:34:03.836 --> 03:34:07.277
<v Stefan Brill>dass da nicht sich das wieder rausziehen kann.

03:34:07.638 --> 03:34:12.360
<v Stefan Brill>Das muss nicht unbedingt gemacht werden, weil die Wahrscheinlichkeit so extrem

03:34:12.360 --> 03:34:13.520
<v Stefan Brill>niedrig ist, dass das passiert.

03:34:13.520 --> 03:34:17.182
<v Stefan Brill>Aber manche Chirurgen machen das, dass sie diese Elektrode im Mittelohr noch

03:34:17.182 --> 03:34:23.184
<v Stefan Brill>mal fixieren und dann wird an der Stelle, wo die gekapselte Elektronik sitzt,

03:34:23.184 --> 03:34:25.244
<v Stefan Brill>wird dann halt wieder wieder zugemacht, zugenäht.

03:34:27.894 --> 03:34:29.195
<v Stefan Brill>Und das war's dann eigentlich schon.

03:34:30.355 --> 03:34:34.977
<v Tim Pritlove>Und dann hat man so hinter dem Ohr so einen eingebauten Kontakt,

03:34:34.977 --> 03:34:37.678
<v Tim Pritlove>das bleibt dann aber unter der Haut.

03:34:37.678 --> 03:34:42.819
<v Stefan Brill>Bleibt unter der Haut. Also von außen sieht man nach der OP erstmal natürlich die OP-Narbe.

03:34:43.800 --> 03:34:47.581
<v Stefan Brill>Das ist klar, muss ja auf und wieder zugemacht werden. Aber das ist üblicherweise

03:34:47.581 --> 03:34:51.083
<v Stefan Brill>unter den Haaren. Das sieht man dann also nicht mehr, wenn die Haare da sind.

03:34:51.943 --> 03:34:54.004
<v Stefan Brill>Normalerweise muss man da so ein bisschen die Haare wegmachen.

03:34:54.004 --> 03:34:57.165
<v Stefan Brill>Also eine Zeit lang hat man dann da so ein bisschen eine gerade Stelle.

03:34:57.165 --> 03:34:59.846
<v Stefan Brill>Stelle, aber das ist ja nach kurzer Zeit wieder da.

03:35:00.326 --> 03:35:04.467
<v Stefan Brill>Und dann sieht man von außen erstmal gar nichts.

03:35:04.807 --> 03:35:07.628
<v Tim Pritlove>Dann setzt man an diesen Kontakt, ist das dann irgendwie so magnetisch?

03:35:09.089 --> 03:35:18.232
<v Stefan Brill>Ja, also das Implantat, was unter der Haut sitzt, das hat einen Magnet im Zentrum der Empfangsspule.

03:35:19.462 --> 03:35:25.815
<v Stefan Brill>Also das Implantat hat eine Spulenwindung, die auch im Silikon drin sitzt und

03:35:25.815 --> 03:35:30.796
<v Stefan Brill>im Zentrum dieser Spulenwindung sitzt ein Magnet. Das ist alles unter der Haut.

03:35:32.017 --> 03:35:35.538
<v Stefan Brill>Und außen auf die Haut, wenn dann der Zeitpunkt der ersten Aktivierung gekommen

03:35:35.538 --> 03:35:37.439
<v Stefan Brill>ist, setzt man eine gegenüberliegende Sendespule.

03:35:38.840 --> 03:35:44.442
<v Stefan Brill>Das ist so eine Art Scheibe, die per Kabel mit dem hörgeräteartig aussehenden

03:35:44.442 --> 03:35:46.462
<v Stefan Brill>eigentlichen Prozessor verbunden ist.

03:35:48.003 --> 03:35:51.324
<v Stefan Brill>Und diese Sendespule hat auch wieder ein Magnet. Und wenn man die da hinsetzt,

03:35:51.324 --> 03:35:54.085
<v Stefan Brill>dann zieht sich die automatisch an die

03:35:54.085 --> 03:35:56.986
<v Stefan Brill>stelle hin natürlich nur aus ein paar millimeter abstand

03:35:56.986 --> 03:36:00.428
<v Stefan Brill>weil so groß so stark können die magnete nicht sein dann zieht

03:36:00.428 --> 03:36:05.590
<v Stefan Brill>sich die sendung spule in die gegenüber liegende position von der unter der

03:36:05.590 --> 03:36:10.091
<v Stefan Brill>haut sitzenden empfängerspule und die beiden spulen die kommunizieren dann so

03:36:10.091 --> 03:36:14.753
<v Stefan Brill>miteinander wie das zwei transformator spulen miteinander tun außer dass man

03:36:14.753 --> 03:36:19.435
<v Stefan Brill>den elektrischen den eisen an kann jetzt irgendeine eine Elektronik,

03:36:19.435 --> 03:36:22.176
<v Stefan Brill>also ist jetzt in dem was eingesetzt wird.

03:36:22.176 --> 03:36:27.158
<v Tim Pritlove>Da ist eine Elektronik drin. Wo befindet die sich konkret?

03:36:27.838 --> 03:36:31.319
<v Stefan Brill>Die befindet sich in einem in einer Titanenkapsel.

03:36:32.080 --> 03:36:35.461
<v Stefan Brill>Das ist also jetzt im Grunde genommen so ähnlich wie Herzschrittmacher-Technik.

03:36:36.182 --> 03:36:40.043
<v Stefan Brill>Man hat also eine Titanenkapsel, eine hermetisch dichte Titanenkapsel.

03:36:41.324 --> 03:36:47.026
<v Stefan Brill>Da drin befindet sich die Elektronik und aus der Titanenkapsel gibt aber einige

03:36:47.026 --> 03:36:48.906
<v Stefan Brill>elektrische Durchführungen nach außen.

03:36:49.367 --> 03:36:55.429
<v Stefan Brill>Zwei gehen raus und bilden eine Empfängerspule, eine Schlaufe sozusagen,

03:36:55.429 --> 03:37:02.412
<v Stefan Brill>die von außen Energieversorgung bekommt und digital codierte Informationen bekommt.

03:37:03.732 --> 03:37:09.574
<v Stefan Brill>In der Kapsel selber drin sitzt ein einigermaßen komplizierter Chip,

03:37:09.574 --> 03:37:11.074
<v Stefan Brill>der die digitale Information dekodiert.

03:37:13.480 --> 03:37:17.972
<v Stefan Brill>Und es gibt natürlich noch jede Menge andere Elektronik-Elemente,

03:37:17.972 --> 03:37:22.904
<v Stefan Brill>die da drin sind. Also es gibt, was man vielleicht als wichtigstes mal dazu

03:37:22.904 --> 03:37:25.644
<v Stefan Brill>sagen sollte, das Implantat selber hat keinerlei Energieversorgung.

03:37:26.505 --> 03:37:31.047
<v Stefan Brill>Da ist also kein Akku drin, keine Batterie, nichts, was aufgeladen werden muss.

03:37:31.047 --> 03:37:32.347
<v Stefan Brill>Das kommt alles von außen.

03:37:32.667 --> 03:37:36.849
<v Stefan Brill>Und anders als bei Herzschrittmachern, die ja entweder aufgeladen werden müssen

03:37:36.849 --> 03:37:42.090
<v Stefan Brill>oder durch eine neue OP ausgetauscht werden müssen, ist das da nicht notwendig.

03:37:42.090 --> 03:37:46.632
<v Stefan Brill>Das kommt also alles ausschließlich von außen sowohl die Energieversorgung als auch die Information.

03:37:47.032 --> 03:37:49.693
<v Tim Pritlove>Das heißt, wenn man den Clip abmacht, ist das Ding komplett raus?

03:37:50.433 --> 03:37:55.715
<v Stefan Brill>Schlagartig das Ding inaktiv. Das hat vielleicht noch ein bis fünf Millisekunden, je nach Hersteller.

03:37:56.495 --> 03:37:59.836
<v Stefan Brill>Ja, aber im Prinzip ist es sofort Ende.

03:38:00.217 --> 03:38:03.031
<v Tim Pritlove>Okay, aber im Prinzip diese Elektronik in dieser Titan-Kapsel,

03:38:03.031 --> 03:38:11.200
<v Tim Pritlove>die setzt letztlich die digitale Eingangsinformation um in konkrete Impulse auf den Elektronen.

03:38:13.141 --> 03:38:18.463
<v Tim Pritlove>Aber der digitale Datenstrom selber ist zumindest schon mal so weit voroptimiert,

03:38:18.463 --> 03:38:23.885
<v Tim Pritlove>dass der Grad an Processing, der da jetzt gemacht werden muss, nicht mehr so enorm ist.

03:38:23.885 --> 03:38:27.526
<v Tim Pritlove>Also da wird jetzt keiner große akustische Berechnung mehr gemacht,

03:38:27.526 --> 03:38:30.700
<v Tim Pritlove>sondern es geht eigentlich nur noch darum, aus dem digitalen Eingangssignal

03:38:30.700 --> 03:38:34.789
<v Tim Pritlove>die richtige Information auf die richtige Elektrode umzusetzen.

03:38:35.649 --> 03:38:39.611
<v Tim Pritlove>Aber diese ganze Entscheidung, welche Elektrode sollte jetzt wann,

03:38:39.611 --> 03:38:44.373
<v Tim Pritlove>in welcher Intensität feuern, die liegt komplett außerhalb des Körpers.

03:38:44.373 --> 03:38:46.193
<v Tim Pritlove>Ganz genau. Wo sie auch gut aufgehoben

03:38:46.193 --> 03:38:49.394
<v Tim Pritlove>ist, weil da kann man sie immer verbessern, besser monitoren etc.

03:38:50.035 --> 03:38:52.896
<v Tim Pritlove>Das heißt, man legt sich jetzt sagen

03:38:52.896 --> 03:38:59.498
<v Tim Pritlove>wir mal auch mit dem Implementat sich technologisch noch nicht so fest.

03:38:59.498 --> 03:39:03.620
<v Tim Pritlove>Also man schafft eigentlich nur die Voraussetzung an die richtige Stelle zu

03:39:03.620 --> 03:39:08.021
<v Tim Pritlove>kommen und lagert das komplett nach draußen aus und die Box,

03:39:08.021 --> 03:39:13.463
<v Tim Pritlove>die dann da draußen damit verbunden ist, die definiert, wie gut das Ganze funktioniert.

03:39:13.964 --> 03:39:17.845
<v Tim Pritlove>Also man kann so richtig Firmware-Updates runterladen und kann besser hören.

03:39:17.845 --> 03:39:23.307
<v Stefan Brill>Ja, ganz so einfach ist das nicht. Also in der Zeit früher,

03:39:23.307 --> 03:39:30.690
<v Stefan Brill>als die Implantatelektronik noch völlig primitiv oder irgendwann mal gar nicht vorhanden war,

03:39:30.690 --> 03:39:36.092
<v Stefan Brill>Stichwort Steckerimplantat, Da war man extrem limitiert durch das,

03:39:36.092 --> 03:39:39.233
<v Stefan Brill>was das Implantat konnte, außer bei diesen Steckerimplantaten, weil die waren passiv.

03:39:39.233 --> 03:39:43.735
<v Stefan Brill>Das waren also für den bastelnden Nerd waren die Steckerimplantate das Perfekte.

03:39:44.135 --> 03:39:46.256
<v Stefan Brill>Da konnte man alles anflanschen, was man wollte.

03:39:47.856 --> 03:39:51.738
<v Stefan Brill>Aber die Implantate sind natürlich in vielerlei Hinsicht spezialisiert auf das,

03:39:51.738 --> 03:39:54.979
<v Stefan Brill>was man derzeit weiß, was das derzeit machbarste ist.

03:39:55.379 --> 03:39:59.180
<v Stefan Brill>Und wenn so ein Implantat konstruiert ist, dass es zum Beispiel zeitgleich nur

03:39:59.180 --> 03:40:03.855
<v Stefan Brill>einen einzigen Puls abgeben kann auf einer Elektrode und auf der anderen halt nicht.

03:40:04.762 --> 03:40:08.564
<v Stefan Brill>Dann kann man nie auf so eine Konfiguration kommen. Dass man eben zum Beispiel

03:40:08.564 --> 03:40:12.785
<v Stefan Brill>ausprobiert, wenn wir das schlau vorausbrechen, dann können wir ja doch wieder parallel stimulieren.

03:40:12.785 --> 03:40:17.507
<v Stefan Brill>Wenn das Implantat das nicht kann, zum Beispiel, weil eine Stromquälerei oben

03:40:17.507 --> 03:40:19.828
<v Stefan Brill>durchgeschaltet wird, dann kann das Implantat das nicht.

03:40:19.828 --> 03:40:24.790
<v Stefan Brill>Also das sind nach wie vor bis heute sind das Limitierungen,

03:40:24.790 --> 03:40:30.632
<v Stefan Brill>die jetzt einerseits natürlich deswegen existieren, weil man es noch nicht besser

03:40:30.632 --> 03:40:35.114
<v Stefan Brill>weiß, weil man noch keine noch schlauere gefunden hat, wie man es machen muss.

03:40:36.564 --> 03:40:41.116
<v Stefan Brill>Andererseits natürlich auch einfach auf Grund von Energieoptimierungen,

03:40:41.116 --> 03:40:47.038
<v Stefan Brill>weil das sind jetzt nur wirklich Systeme, bei denen es extrem auf Leistungsverbrauch ankommt.

03:40:47.038 --> 03:40:50.479
<v Stefan Brill>Das ist noch viel härter als das, was wir jetzt hier mit Mobilgeräten haben.

03:40:50.479 --> 03:40:52.720
<v Stefan Brill>Die wollen wir natürlich, dass sie möglichst lange laufen. Ja,

03:40:52.720 --> 03:40:56.161
<v Stefan Brill>schön, wenn man ganzen Tag mit dem Handy rund kommt und nicht schon unter dem

03:40:56.161 --> 03:40:57.942
<v Stefan Brill>Tag aufladen muss, ist das alles wünschenswert.

03:40:58.302 --> 03:41:03.364
<v Stefan Brill>Aber wenn so ein Patient alle zwei Stunden, theoretisch so ist es nicht,

03:41:03.364 --> 03:41:07.746
<v Stefan Brill>aber alle zwei Stunden da immer wieder neue Akkus reinschieben muss oder immer

03:41:07.746 --> 03:41:10.707
<v Stefan Brill>neue Batterien, dann ist das eine Kurbel noch hinter dem Ohr hat.

03:41:11.508 --> 03:41:18.651
<v Stefan Brill>Dann ist das einfach von der Praktikabilität im Alltag, dann wäre das so schlecht,

03:41:18.651 --> 03:41:23.253
<v Stefan Brill>dass das unheimlich an Wert verlieren würde.

03:41:23.893 --> 03:41:28.565
<v Stefan Brill>Und deswegen sind diese Systeme in vielerlei Hinsicht extremer als das meist

03:41:28.565 --> 03:41:30.375
<v Stefan Brill>andere, was es gibt, auf Leistungsverbrauch optimiert.

03:41:32.337 --> 03:41:35.338
<v Stefan Brill>Das sind also im strengsten Sinne wirklich wearable devices,

03:41:35.338 --> 03:41:38.159
<v Stefan Brill>wo dieses Schlagwort ja so immer wieder mal rumgeistert.

03:41:41.040 --> 03:41:44.992
<v Stefan Brill>Und unter anderem deswegen sind die teilweise auch alles andere als universell,

03:41:44.992 --> 03:41:48.002
<v Stefan Brill>sondern eben hochgradig spezialisiert auf das, was die jeweilige,

03:41:52.601 --> 03:41:56.042
<v Stefan Brill>Entwicklergruppe in der Firma oder früher in den Labores sich ausgedacht haben,

03:41:56.042 --> 03:41:56.922
<v Stefan Brill>was sie jetzt machen wollen.

03:41:57.643 --> 03:42:02.225
<v Tim Pritlove>Mit welcher Bitrate wird da reingetröpfelt? Was leistet dieses Interface?

03:42:02.225 --> 03:42:05.086
<v Stefan Brill>Ja, also das Ganze wird natürlich über eine Hochfrequenzstrecke versorgt.

03:42:08.788 --> 03:42:12.149
<v Stefan Brill>Diese ist eine HF-Kommunikation zwischen diesen beiden Spulen.

03:42:12.149 --> 03:42:21.133
<v Stefan Brill>Und die Trägerfrequenz dieser HF liegt zwischen 5 und 50 MHz, je nach System.

03:42:23.174 --> 03:42:27.476
<v Stefan Brill>Und da drauf kann man natürlich digital codiert auch immer nur durch ein- und

03:42:27.476 --> 03:42:33.819
<v Stefan Brill>ausschalten dieser HF dann digitale Informationen drauf beraten.

03:42:35.540 --> 03:42:39.081
<v Stefan Brill>Braucht natürlich eine gewisse Redundanz. Man kann ja nicht,

03:42:39.081 --> 03:42:43.762
<v Stefan Brill>wenn man ein Bit auf eine Welle sozusagen drauflegt, dann ist das ziemlich wahrscheinlich,

03:42:43.762 --> 03:42:46.723
<v Stefan Brill>dass da ständig Informationsfehler auftreten.

03:42:46.723 --> 03:42:48.484
<v Stefan Brill>Das muss man also genügend Abstand

03:42:48.484 --> 03:42:54.026
<v Stefan Brill>dazu haben und auch Korrekturbits oder solche Dinge mit reinrechnen.

03:42:55.987 --> 03:42:59.508
<v Stefan Brill>Aber im Wesentlichen kann man sich aus dieser Trägerfrequenz dann schon ungefähr

03:42:59.508 --> 03:43:02.089
<v Stefan Brill>ausrechnen, was man an Informationen hat.

03:43:02.089 --> 03:43:06.601
<v Stefan Brill>Also wenn man jetzt mal von einem hypothetischen System von sagen wir mal 10

03:43:06.601 --> 03:43:09.091
<v Stefan Brill>MHz Trägerfrequenz ausgeht,

03:43:09.091 --> 03:43:12.453
<v Stefan Brill>was sagen wir mal 10 Halbwellen braucht,

03:43:12.453 --> 03:43:19.275
<v Stefan Brill>um ein Bit zu kodieren, also 10 HF Wellen braucht, um ein Bit zu kodieren,

03:43:19.275 --> 03:43:25.217
<v Stefan Brill>dann hat man da eine Bit Reihenübertragung von vielleicht einem Megabit oder so.

03:43:25.217 --> 03:43:29.199
<v Stefan Brill>Das ist aber jetzt wirklich nur eine Hausnummer und die Zahlen,

03:43:29.199 --> 03:43:32.080
<v Stefan Brill>die ich jetzt hier gesagt habe, die liegen irgendwo so im Mittelwert zwischen

03:43:32.080 --> 03:43:35.461
<v Stefan Brill>dem was die Hersteller machen. Also das was ich jetzt genannt habe trifft auf

03:43:35.461 --> 03:43:36.801
<v Stefan Brill>keinen von den Herstellern zu.

03:43:36.801 --> 03:43:39.762
<v Tim Pritlove>Ja gut, aber ich meine Megabit ist dann wirklich ausreichend um jetzt diese 6,

03:43:41.813 --> 03:43:44.744
<v Tim Pritlove>7, 8, 10 Elektroden damit Informationen

03:43:44.744 --> 03:43:48.725
<v Tim Pritlove>zu zu beliefern. Nur mal so eine Vorstellung zu bekommen davon.

03:43:52.560 --> 03:43:58.843
<v Tim Pritlove>Jetzt ist ja jedes Implantat eine sehr spezielle Anpassung an eine Person.

03:43:58.843 --> 03:44:02.754
<v Tim Pritlove>Das heißt, in dem Moment, wo das eingebaut ist, wo der chirurgische Eingriff

03:44:02.754 --> 03:44:06.026
<v Tim Pritlove>vorgenommen wurde und das vielleicht auch schon, ich weiß nicht,

03:44:06.026 --> 03:44:10.107
<v Tim Pritlove>wie lange man nach so einer Operation dann wartet, bis so was in Betrieb genommen

03:44:10.107 --> 03:44:12.328
<v Tim Pritlove>wird, aber nicht gleich am nächsten Tag.

03:44:12.328 --> 03:44:16.490
<v Stefan Brill>Nee, nee, man, ja, es gibt natürlich viele Leute, die hätten das ganz gerne

03:44:16.490 --> 03:44:20.531
<v Stefan Brill>am nächsten Tag, aber wir warten normalerweise so zwischen vier und sechs Wochen.

03:44:20.531 --> 03:44:26.654
<v Stefan Brill>Das hat auch wirklich handfeste Gründe. Erstens ist nach der Operation natürlich

03:44:26.654 --> 03:44:30.165
<v Stefan Brill>noch die Haut eher mal geschwollen und man hat noch eine OP-Nabe.

03:44:30.165 --> 03:44:35.877
<v Stefan Brill>Das dauert also, bis das sich einigermaßen wieder auf den Normalzustand reduziert.

03:44:35.877 --> 03:44:39.639
<v Stefan Brill>Das kann also sein, dass die Haut noch zu dick ist, dass der Magnet gar nicht

03:44:39.639 --> 03:44:44.220
<v Stefan Brill>hält, dass man das gar nicht wirklich mechanisch stabil hinbekommt.

03:44:44.621 --> 03:44:47.972
<v Stefan Brill>Und dann gibt es aber noch einen anderen Grund und zwar den,

03:44:47.972 --> 03:44:50.523
<v Stefan Brill>dass das wirklich sauber und

03:44:50.523 --> 03:44:55.804
<v Stefan Brill>zuverlässig eingeheilt sein soll und fest drinsitzen soll ohne Wackler,

03:44:55.804 --> 03:45:00.646
<v Stefan Brill>ohne Wackelmöglichkeit meine ich damit, weil man sich ja vorstellen muss,

03:45:00.646 --> 03:45:04.287
<v Stefan Brill>dass die Patienten da täglich oder alle paar Stunden zumindest ihr externes

03:45:04.287 --> 03:45:06.528
<v Stefan Brill>System aufsetzen und wieder abnehmen. Aufsetzen, abnehmen.

03:45:06.868 --> 03:45:10.149
<v Stefan Brill>Mindestens einmal am Tag aufsetzen, abnehmen. Das heißt, man hat immer durch

03:45:10.149 --> 03:45:13.310
<v Stefan Brill>diesen Magnet, den man draußen draufsetzt und der innen auch,

03:45:13.310 --> 03:45:15.331
<v Stefan Brill>jetzt hat man immer so eine kleine mechanische Wackelkomponente.

03:45:16.331 --> 03:45:20.093
<v Stefan Brill>Wenn die Sache mal schön eingewachsen ist und alles stabil ist,

03:45:20.093 --> 03:45:24.334
<v Stefan Brill>ist das nicht auch nur ansatzweise ein Problem. Das ist einfach dann völlig okay.

03:45:25.775 --> 03:45:29.366
<v Stefan Brill>Aber wenn man das in den ersten Tagen nach der OP anfangen würde,

03:45:29.366 --> 03:45:34.618
<v Stefan Brill>frisch eingebracht, dann könnte es sein, dass man das Ding dann durch diese

03:45:34.618 --> 03:45:38.639
<v Stefan Brill>permanente mechanische, dass man das sozusagen wieder locker wackelt.

03:45:39.539 --> 03:45:45.562
<v Stefan Brill>Da können alle möglichen Sachen passieren, die unangenehm sind und deswegen

03:45:45.562 --> 03:45:47.923
<v Stefan Brill>machen praktisch alle Kliniken,

03:45:47.923 --> 03:45:51.964
<v Stefan Brill>die von denen ich weiß wie die das machen, warten zumindest ein paar Wochen

03:45:51.964 --> 03:45:55.005
<v Stefan Brill>ab bis das dann aktiviert wird.

03:45:55.005 --> 03:45:59.037
<v Tim Pritlove>Und es ist wahrscheinlich auch für den Patienten insofern dann auch ganz sinnvoll,

03:45:59.037 --> 03:46:04.489
<v Tim Pritlove>dass das dann auch alles so die erste Aufregung nur auf diese Operation bezieht,

03:46:04.489 --> 03:46:05.630
<v Tim Pritlove>dass sich das schon mal gesetzt hat.

03:46:05.630 --> 03:46:09.631
<v Tim Pritlove>Man weiß, es ist jetzt in mir drin, aber kann immer noch geradeaus gehen und

03:46:09.631 --> 03:46:11.852
<v Tim Pritlove>so. Also es hat jetzt keine unmittelbaren negativen Auswirkungen.

03:46:15.013 --> 03:46:17.794
<v Tim Pritlove>Wenn es welche gegeben hätte, hätte man die jetzt schon bemerkt.

03:46:18.615 --> 03:46:24.197
<v Tim Pritlove>Und jetzt ist man auch bereit, da einen neuen Schritt zu gehen.

03:46:25.218 --> 03:46:28.999
<v Stefan Brill>Ja, und das sieht dann die erste Aktivierung, die sieht dann so aus,

03:46:28.999 --> 03:46:34.480
<v Stefan Brill>dass man eben nach diesen einigen Wochen die Patienten wieder in die Klinik bekommt.

03:46:36.717 --> 03:46:39.588
<v Stefan Brill>Die meisten Kliniken hier in Deutschland nehmen die dann auf für ein,

03:46:39.588 --> 03:46:43.439
<v Stefan Brill>zwei, drei Tage oder so, weil man ja viele Sachen erstmal ausprobieren muss.

03:46:43.759 --> 03:46:47.581
<v Stefan Brill>Gibt allerdings natürlich auch gerade da, wo die Sparefrohs regieren,

03:46:47.581 --> 03:46:52.923
<v Stefan Brill>Kliniken, die das versuchen, an einem Tag zu machen. Also in den USA wird das teilweise so gemacht.

03:46:53.393 --> 03:46:56.284
<v Stefan Brill>Die kommen morgens rein, dann wird das eingeschaltet. Und teilweise sogar bei

03:46:56.284 --> 03:46:58.565
<v Stefan Brill>der OP. Das ist also, finde ich, ganz fürchterlich.

03:46:59.765 --> 03:47:01.546
<v Stefan Brill>So schlimm ist das zum Glück bei uns nicht.

03:47:02.827 --> 03:47:07.568
<v Stefan Brill>Wir haben die Möglichkeit, die Patienten in die Klinik für ein oder zwei oder

03:47:07.568 --> 03:47:08.349
<v Stefan Brill>drei Nächte aufzunehmen.

03:47:08.749 --> 03:47:14.371
<v Stefan Brill>Und dann bei so einer Sitzung bekommen die dann in dem Moment bei der ersten

03:47:14.371 --> 03:47:18.192
<v Stefan Brill>Aktivierung, bekommen die dann diesen externen Teil überhaupt erst mal.

03:47:18.192 --> 03:47:20.653
<v Stefan Brill>Da ist natürlich alles Mögliche noch mit drin.

03:47:22.284 --> 03:47:25.435
<v Stefan Brill>Betriebsanleitung und ein paar Zubehör- und Ersatzteile und ich weiß nicht,

03:47:25.435 --> 03:47:28.696
<v Stefan Brill>ein Kofferchen, in dem das alles aufbewahrt wird und so.

03:47:28.737 --> 03:47:32.318
<v Stefan Brill>Das erschlägt das die meisten Patienten so ein bisschen, dass sie da auf einmal

03:47:32.318 --> 03:47:35.879
<v Stefan Brill>so einen Koffer kriegen. Aber der eigentliche Teil ist dann die Aktivierung des Implantats.

03:47:36.259 --> 03:47:41.241
<v Stefan Brill>Da sitzt man dann also mit dem Patienten in einem normalen, etwas akustisch

03:47:41.241 --> 03:47:44.342
<v Stefan Brill>geschützten Raum und fängt an, das Implantat zu aktivieren.

03:47:45.903 --> 03:47:49.764
<v Tim Pritlove>Wie viel Kommunikation mit dem Patienten gab es denn vorher schon?

03:47:51.545 --> 03:47:53.735
<v Tim Pritlove>Also inwiefern war vorher ein Informationsaustausch erforderlich?

03:47:57.367 --> 03:48:01.148
<v Stefan Brill>Ja, eigentlich ist eine Menge Informationsaustausch erforderlich.

03:48:01.148 --> 03:48:01.928
<v Stefan Brill>Es ist ein Informationsaustausch.

03:48:03.019 --> 03:48:06.090
<v Stefan Brill>Da bin ich vorhin so ein bisschen salopp drüber hinweggegangen. Vor der OP notwendig.

03:48:07.931 --> 03:48:13.372
<v Stefan Brill>Es reicht nicht aus, nur diese medizinische Machbarkeit zu diagnostizieren.

03:48:13.933 --> 03:48:16.554
<v Stefan Brill>Ist das die Schnecke noch in Ordnung? Können wir es überhaupt machen und so

03:48:16.554 --> 03:48:21.395
<v Stefan Brill>weiter? So man muss auch mit den Patienten sprechen. Man muss auch mal abtasten,

03:48:21.395 --> 03:48:24.396
<v Stefan Brill>was die sich eigentlich erwarten davon.

03:48:24.777 --> 03:48:29.470
<v Stefan Brill>Und es gibt dann natürlich auch völlig bizarre.

03:48:32.812 --> 03:48:37.704
<v Stefan Brill>Unrealistische Erwartungen, so nach dem Motto dieses Implantat wird jetzt mein Leben zum Guten wenden.

03:48:39.064 --> 03:48:43.656
<v Stefan Brill>Das ist zwar de facto bei vielen Patienten dann so, aber die Erwartungen können

03:48:43.656 --> 03:48:48.068
<v Stefan Brill>auch viel zu hoch sein, dass die Patienten glauben, wenn das Ding dann eingeschaltet

03:48:48.068 --> 03:48:49.248
<v Stefan Brill>wird, können sie wieder telefonieren.

03:48:49.248 --> 03:48:53.370
<v Stefan Brill>Das ist erstmal nicht so und es ist auch nicht bei allen Patienten zwingend

03:48:53.370 --> 03:48:58.412
<v Stefan Brill>so, dass das jemals geht. Also bei sehr vielen wird es so weit kommen,

03:48:58.412 --> 03:48:59.392
<v Stefan Brill>dass sie telefonieren können.

03:48:59.853 --> 03:49:03.774
<v Stefan Brill>Aber es bleibt auch immer ein gar nicht so kleiner Prozentsatz,

03:49:03.774 --> 03:49:05.675
<v Stefan Brill>ob ich der das eben nie können wird.

03:49:05.675 --> 03:49:11.317
<v Stefan Brill>Und wenn dann aber die Patienten beispielsweise schlechte Voraussetzungen haben,

03:49:11.317 --> 03:49:16.699
<v Stefan Brill>zum Beispiel die waren schon 30 Jahre taub und das Ding hatte das ganze neuronale

03:49:16.699 --> 03:49:19.820
<v Stefan Brill>System hatte, endlos Zeit schön zu degenerieren.

03:49:22.461 --> 03:49:25.082
<v Stefan Brill>Und wenn dann die Erwartung ist, wenn ich das Ding jetzt kriege,

03:49:25.082 --> 03:49:28.723
<v Stefan Brill>dann kann ich spätestens bis Weihnachten mit meiner Tochter telefonieren.

03:49:29.084 --> 03:49:32.825
<v Stefan Brill>Dann muss man schon mal wirklich sagen, dass das noch nicht so ist.

03:49:32.825 --> 03:49:40.008
<v Stefan Brill>Und das ist natürlich Aufgabe vieler Leute an der Klinik. Da bin ich in diesem

03:49:40.008 --> 03:49:43.489
<v Stefan Brill>Vorfeld bin ich normalerweise noch nicht drin, aber das machen dann eben die

03:49:43.489 --> 03:49:45.910
<v Stefan Brill>Mediziner, die dann sich darum auch...

03:49:45.910 --> 03:49:48.611
<v Tim Pritlove>Ich meine, mit Ihnen sprechen ist natürlich gut gesagt bei Leuten,

03:49:48.611 --> 03:49:51.552
<v Tim Pritlove>die eigentlich nicht mehr hören können. Das heißt, das ist ja auch alles so

03:49:51.552 --> 03:49:54.053
<v Tim Pritlove>eine schriftliche Kommunikation dann wahrscheinlich.

03:49:55.794 --> 03:50:00.695
<v Tim Pritlove>Und in dem Moment, wo man dann wirklich zu ihnen, also ich kann mir das sehr

03:50:00.695 --> 03:50:03.676
<v Tim Pritlove>schwierig ist, sich in so eine Situation reinzuversetzen, wo man wirklich denkt,

03:50:03.676 --> 03:50:05.317
<v Tim Pritlove>man ist jetzt akustisch komplett getrennt.

03:50:06.478 --> 03:50:10.139
<v Tim Pritlove>Man weiß zwar irgendwie, Leute haben einem etwas aufgeschrieben etc.

03:50:11.900 --> 03:50:14.961
<v Tim Pritlove>Dann wird das Ding aktiviert, was passiert dann? Also das heißt ja,

03:50:14.961 --> 03:50:17.261
<v Tim Pritlove>im Idealfall unmittelbar mit dem einschalten auf einmal,

03:50:21.713 --> 03:50:24.494
<v Tim Pritlove>das was wir als hören kennen einsetzt oder?

03:50:25.655 --> 03:50:30.977
<v Stefan Brill>Nee, so muss man sich das vorstellen. Also es also was die Kommunikation angeht.

03:50:33.118 --> 03:50:35.778
<v Stefan Brill>Hab ich mir mit Patienten, mit denen es nicht anders geht, angewöhnt,

03:50:35.778 --> 03:50:37.079
<v Stefan Brill>dass ich einfach am Bildschirm tippe.

03:50:37.079 --> 03:50:41.060
<v Stefan Brill>Ich habe da halt meinen meinen Rechner, der auch das Anpasssystem hat.

03:50:41.060 --> 03:50:44.382
<v Stefan Brill>Muss er das irgendwie technisch kontrollieren? Ich habe da halt meinen Bildschirm.

03:50:44.382 --> 03:50:47.022
<v Stefan Brill>Dann mache ich mir irgendwie ein Editor auf, klappt das, klappt im Bildschirm

03:50:47.022 --> 03:50:49.663
<v Stefan Brill>zum Patienten drüber und tippt mit denen. Man schattet erst mal ein bisschen

03:50:49.663 --> 03:50:52.704
<v Stefan Brill>und man schattet erst mal. Das entspannt die, dann fühlen die sich ernst genommen,

03:50:52.704 --> 03:50:56.406
<v Stefan Brill>weil die haben jahrelang erlebt, dass Leute sich nicht die Mühe machen,

03:50:56.406 --> 03:50:57.086
<v Stefan Brill>ihnen was aufzuschreiben.

03:50:57.486 --> 03:51:00.407
<v Stefan Brill>Die rennen zwar vielleicht mit einem Blöckchen durch die Welt und fordern jeden

03:51:00.407 --> 03:51:04.088
<v Stefan Brill>auf, schreib es mir doch auf bitte, aber das wird natürlich allen irgendwann mal viel zu mühsam.

03:51:04.729 --> 03:51:08.210
<v Stefan Brill>Und in so einer Situation, wenn man dann so einen Rechner hat und einigermaßen

03:51:08.210 --> 03:51:13.352
<v Stefan Brill>flott über den Bildschirm schriftlich kommunizieren kann, da kommen dann auch

03:51:13.352 --> 03:51:17.433
<v Stefan Brill>manchmal so ein paar Sachen raus, die man dann erst mal so richtig transportiert.

03:51:18.254 --> 03:51:22.775
<v Stefan Brill>Und mehrseits in das jetzt hört der Patient mal wirklich, worauf es jetzt dann

03:51:22.775 --> 03:51:24.956
<v Stefan Brill>sofort ankommt, was jetzt wirklich passiert.

03:51:27.337 --> 03:51:33.249
<v Stefan Brill>Und das ist dann eben das, womit man anfängt. Man schaltet also nicht das System schlagartig ein,

03:51:33.249 --> 03:51:39.461
<v Stefan Brill>das geht natürlich nicht, sondern wir haben ja diese Elektrodenkontakte in der

03:51:39.461 --> 03:51:44.483
<v Stefan Brill>Cochlea sitzen, wie viele immer das sind, und die testet man alle der Reihe nach durch.

03:51:44.483 --> 03:51:45.963
<v Tim Pritlove>Man gibt jetzt erstmal einfache...

03:51:46.869 --> 03:51:49.829
<v Stefan Brill>Höhne und Rundtippen, eine Elektrode nach der anderen.

03:51:51.650 --> 03:51:55.431
<v Stefan Brill>Das macht man auch gar nicht über das externe System, sondern das macht man

03:51:55.431 --> 03:52:00.093
<v Stefan Brill>unter direkter unmittelbarer Ansteuerung vom Rechner aus. Man hat also den Rechner,

03:52:00.093 --> 03:52:05.055
<v Stefan Brill>spezialisierte Hardware. Von dieser Hardware geht man dann sozusagen direkt zum Implantat.

03:52:05.975 --> 03:52:07.856
<v Tim Pritlove>Dass man gar kein Wandelproblem hat.

03:52:08.496 --> 03:52:12.938
<v Stefan Brill>Den hat man noch gar nicht. Man geht also gar nicht erst auch nur ansatzweise

03:52:12.938 --> 03:52:16.539
<v Stefan Brill>auf dem akustischen Weg, sondern alles digital direkt vom Rechner kontrolliert.

03:52:17.059 --> 03:52:19.100
<v Stefan Brill>Und dann wählt man halt am Rechner,

03:52:19.100 --> 03:52:24.792
<v Stefan Brill>wählt man entsprechende Elektrodenkontakte an und schaltet die ein,

03:52:24.792 --> 03:52:32.164
<v Stefan Brill>schaltet die aus, stimuliert die, aktiviert die und versucht von den Patienten

03:52:32.164 --> 03:52:34.645
<v Stefan Brill>Angaben darüber zu bekommen, wie sie das wahrnehmen.

03:52:34.645 --> 03:52:39.767
<v Stefan Brill>Also wie ist die Lautstärke oder soll man noch ein bisschen lauter machen,

03:52:39.767 --> 03:52:42.808
<v Stefan Brill>ist das jetzt gleich laut wie der andere, ist die Tonhöhe unterschiedlich etc.

03:52:46.609 --> 03:52:52.731
<v Stefan Brill>Dann tastet man sich so nach und nach über die Elektrodenkontakte,

03:52:52.731 --> 03:52:54.871
<v Stefan Brill>die die Patienten haben, der Reihe nach durch.

03:52:55.832 --> 03:52:58.492
<v Stefan Brill>Versucht so alle ungefähr auf die gleiche Lautstärke zu bringen.

03:52:58.892 --> 03:53:04.514
<v Stefan Brill>Und dann schaltet man das Gesamtsystem mal ein mit akustischem Eingang von außen,

03:53:04.514 --> 03:53:11.936
<v Stefan Brill>dass also jetzt schon dann das Spektralanalyseprozedere losgeht,

03:53:11.936 --> 03:53:15.687
<v Stefan Brill>dass das Mikrofon akustische Signale aufnimmt, das Spektral analysiert und das

03:53:15.687 --> 03:53:22.358
<v Stefan Brill>dann auf die Elektroden in dem Maße drauf abbildet, wie man das unmittelbar

03:53:22.358 --> 03:53:23.559
<v Stefan Brill>vorher eingestellt hat.

03:53:25.319 --> 03:53:26.539
<v Stefan Brill>Und dann hat man,

03:53:27.754 --> 03:53:30.616
<v Stefan Brill>bei Patienten, die sehr gute Voraussetzungen haben.

03:53:30.616 --> 03:53:35.457
<v Stefan Brill>Das sind oft welche, die nur ganz kurz taub waren und bis dahin dann aber noch normalhöhrend waren.

03:53:35.457 --> 03:53:40.459
<v Stefan Brill>Also der klassische Fall, Patient hatte einen Arbeitsunfall mit Schädelbasisfraktur,

03:53:40.459 --> 03:53:43.000
<v Stefan Brill>die dann blöderweise auch noch durchs Felsenbein so durchging,

03:53:43.000 --> 03:53:48.802
<v Stefan Brill>dass die schlagartig aus einem völlig normalhöhrenden Zustand in die Taubheit gefallen sind.

03:53:49.122 --> 03:53:52.183
<v Stefan Brill>Und wenn man dann auch noch nicht allzu lange wartet, wenn man dann schon ein

03:53:52.183 --> 03:53:57.065
<v Stefan Brill>halbes Jahr später das Implantateinsatz, Dann ist das manchmal so,

03:53:57.065 --> 03:53:58.385
<v Stefan Brill>wie wenn man Radio einschaltet.

03:53:58.966 --> 03:54:02.467
<v Stefan Brill>Und dann kann man kann man gleich mit denen reden. Das ist aber die Ausnahme.

03:54:04.047 --> 03:54:06.488
<v Stefan Brill>Das ist vielleicht ich würde mal so aus dem Bauch heraus sagen,

03:54:06.488 --> 03:54:08.749
<v Stefan Brill>vielleicht bei fünf Prozent der Patienten ist das der Fall.

03:54:09.509 --> 03:54:13.171
<v Stefan Brill>Viele Patienten hören Geräusche. Dann fängt man natürlich erst mal an,

03:54:13.171 --> 03:54:17.072
<v Stefan Brill>wenn das Ding dann läuft und aktiviert ist. Fängt man erst mal an mit irgendwelchen

03:54:17.072 --> 03:54:20.373
<v Stefan Brill>Geräuschen. Man klopft mal auf den Tisch, pock pock pock, so ein dumpfes Signal.

03:54:20.373 --> 03:54:23.934
<v Stefan Brill>Mal klatscht man in die Hände. Das ist schön laut. Da kommt schon was rüber und man sieht es auch.

03:54:24.214 --> 03:54:27.686
<v Stefan Brill>Und dann ist das schon das Breitbandiges, so ein schlagartiges Signal.

03:54:30.097 --> 03:54:34.518
<v Stefan Brill>Dann haben wir diverse Soundspielzeuge immer an diesen Anpassplätzen rumliegen.

03:54:34.518 --> 03:54:37.920
<v Stefan Brill>Dann nimmt man sich hier mal so ein Glas und dängelt mal mit Metall dagegen.

03:54:40.461 --> 03:54:43.642
<v Stefan Brill>Und dann hören die Sachen, die die vielleicht 30 Jahre nicht mehr gehört haben.

03:54:44.062 --> 03:54:47.283
<v Tim Pritlove>Hohe Zwilnen. Ist das nicht irgendwie super emotional auch?

03:54:47.283 --> 03:54:51.865
<v Stefan Brill>Ja, ich habe da schon, da sind erwachsene Leute schon in Tränen ausgebrochen.

03:54:53.806 --> 03:54:56.267
<v Stefan Brill>Also wirklich einer der schönsten Fall, das gibt es sogar als Video,

03:54:56.267 --> 03:55:02.229
<v Stefan Brill>das ist schon ewig her, das war als wir damals dieses CIS-artige System mit

03:55:02.229 --> 03:55:04.410
<v Stefan Brill>dieser CIS-Strategie erst mal gebaut hatten.

03:55:06.211 --> 03:55:10.152
<v Stefan Brill>Dann bin ich bei einer der ersten Kliniken gewesen, die das eingesetzt haben,

03:55:10.152 --> 03:55:13.493
<v Stefan Brill>das war in Wien und bin dann nach Wien gefahren, habe dann so eine Einstellungssitzung

03:55:13.493 --> 03:55:17.095
<v Stefan Brill>gemacht und da saß so ein totaler Wiener Grantler vor mir. mir.

03:55:17.516 --> 03:55:22.566
<v Stefan Brill>Der war Fleischhauer, wie das in Wien heißt. Also der war in so einer großen...

03:55:23.940 --> 03:55:27.942
<v Stefan Brill>Wie nennt man das? So eine Industrie-Schlachterei. Er war Schlachter.

03:55:27.942 --> 03:55:31.403
<v Stefan Brill>Ich weiß nicht, was er da genau gemacht hat. Schweinehälften zerteilt oder keine Ahnung.

03:55:31.744 --> 03:55:35.705
<v Stefan Brill>Und er war auch dort verunfallt. Der hatte dort auch irgendwie war der mit dem

03:55:35.705 --> 03:55:39.366
<v Stefan Brill>Kopf auf irgendeine keine Ahnung, so eine Kante aufgeschlagen, war taub.

03:55:39.366 --> 03:55:43.928
<v Stefan Brill>Und der so ein richtiger Grantler, der saß da vor, hat man schon 1000 Sachen

03:55:43.928 --> 03:55:47.329
<v Stefan Brill>mit mir probiert und nichts hat funktioniert. Und jetzt das auch noch.

03:55:47.329 --> 03:55:49.370
<v Stefan Brill>Jetzt habe ich noch diese OP machen müssen, so ungefähr.

03:55:53.512 --> 03:55:57.113
<v Stefan Brill>Und da habe ich gedacht, boah, das wird hart, ob da mal was bei rauskommt.

03:55:57.113 --> 03:55:58.413
<v Stefan Brill>Und dann habe ich das halt da aktiviert.

03:55:59.834 --> 03:56:04.726
<v Stefan Brill>Und als ich das Ding eingeschaltet habe, dann blühte der auf einmal auf.

03:56:05.696 --> 03:56:09.077
<v Stefan Brill>Ich verstehe, was Sie sagen. Sagen Sie doch noch mal was.

03:56:09.077 --> 03:56:12.679
<v Stefan Brill>Also ich weiß, es ist jetzt nur diese emotionale Situation. Und dann war in

03:56:12.679 --> 03:56:17.320
<v Stefan Brill>dem Moment einer von den jungen Assistenzärzten,

03:56:17.320 --> 03:56:22.023
<v Stefan Brill>die sich für diese Sache interessierten, inzwischen Professor und weltweit bekannt,

03:56:22.023 --> 03:56:26.185
<v Stefan Brill>der war da mit dabei und dem fielen die Augen raus.

03:56:26.605 --> 03:56:31.027
<v Stefan Brill>Der ist zum Telefon gestürzt, hat seinen Chef, was der Klinikdirektor war,

03:56:31.027 --> 03:56:36.470
<v Stefan Brill>hat der angerufen, sie müssen sofort runterkommen, ein Wunder ist geschehen, ein Wunder.

03:56:38.131 --> 03:56:41.453
<v Stefan Brill>Und dann habe ich den Patienten mitsamt dem Gerät, habe ich erst mal rausgeschickt,

03:56:41.453 --> 03:56:46.215
<v Stefan Brill>dann ist der eine rauchen gegangen oder was und stand dann im Eingangsbereich von dem Klinikum,

03:56:46.215 --> 03:56:49.837
<v Stefan Brill>da wo diese die ganzen Autos durchkommen und auch mal eine Ambulanz hilft und

03:56:49.837 --> 03:56:52.498
<v Stefan Brill>es regnete und es regnete und da stand er da unter dem Dach,

03:56:52.498 --> 03:56:57.900
<v Stefan Brill>rauchte eine und dann kam er wieder zurück und erzählte er Er hat die Scheibenwischer

03:56:57.900 --> 03:56:59.400
<v Stefan Brill>von dem Taxi quietschen hören.

03:57:02.114 --> 03:57:07.096
<v Stefan Brill>Unglaublich, und dann sind uns alle die Tränen geflossen und so und das war

03:57:07.096 --> 03:57:11.898
<v Stefan Brill>alles ganz toll und schön und das war alles wunderbar und aus diesem ur-Krantlerischen

03:57:11.898 --> 03:57:17.880
<v Stefan Brill>schlechtgelaunten Menschen war ein glücklicher Mensch geworden für zumindest diese Zeit,

03:57:17.880 --> 03:57:22.362
<v Stefan Brill>aber ich habe den dann immer wieder mal so in den wenigen Jahren danach noch

03:57:22.362 --> 03:57:26.673
<v Stefan Brill>gesehen und der hatte sich da also wirklich in vielerlei Hinsicht wieder gefangen.

03:57:27.984 --> 03:57:29.485
<v Stefan Brill>Das sind diese emotionalen Sachen.

03:57:31.226 --> 03:57:35.847
<v Tim Pritlove>Ja, Mensch, hier Sendung wird auch schon ganz emotional. Wir brechen hier alle Längenrekorde.

03:57:35.967 --> 03:57:40.749
<v Tim Pritlove>Ich glaube, wir müssen jetzt auch langsam mal auf die Zielgerade bringen.

03:57:41.930 --> 03:57:46.091
<v Tim Pritlove>Stellt sich eigentlich noch die Frage, gibt es noch irgendeinen Aspekt,

03:57:46.091 --> 03:57:50.073
<v Tim Pritlove>den du gerne noch hinterher werfen möchtest? Wir haben jetzt hier einen langen

03:57:50.073 --> 03:57:52.113
<v Tim Pritlove>Ritt gemacht, einmal durchs ganze Ohr.

03:57:55.135 --> 03:57:58.916
<v Tim Pritlove>Diese Implantate spielen schon eine besondere Rolle. Guck mich so den Eindruck,

03:57:58.916 --> 03:58:04.738
<v Tim Pritlove>also das ist im Prinzip so die Kür, kann man sagen. Also näher ans Hirn kann

03:58:04.738 --> 03:58:09.159
<v Tim Pritlove>man fast schon gar nicht kommen, zumindest nicht mit so perfekten Ergebnissen.

03:58:10.060 --> 03:58:14.321
<v Stefan Brill>Ja, also vielleicht, das sollten wir vielleicht noch ganz kurz anreißen.

03:58:16.122 --> 03:58:19.963
<v Stefan Brill>Es kann ja auch mal sein, dass der Hörnerpfund nicht mehr da ist,

03:58:19.963 --> 03:58:23.364
<v Stefan Brill>zum Beispiel durch ein Tumor zerstört ist und dann kann man in der Kochlehrer

03:58:23.364 --> 03:58:25.665
<v Stefan Brill>nicht mehr elektrisch reizen, das wird einfach nicht weitergeleitet.

03:58:25.665 --> 03:58:29.386
<v Stefan Brill>Das Kabel ist nicht mehr da. Da gibt es dann noch so eine, sagen wir mal,

03:58:29.386 --> 03:58:33.908
<v Stefan Brill>eine Notlösung, indem man nämlich jetzt die Elektrodenspitze,

03:58:33.908 --> 03:58:37.189
<v Stefan Brill>diese was bisher die Glasnudel war, jetzt ein bisschen anders konstruiert.

03:58:37.589 --> 03:58:41.911
<v Stefan Brill>Alles andere bleibt gleich, aber die Glasnudel wird jetzt nicht eine Glasnudel,

03:58:41.911 --> 03:58:46.412
<v Stefan Brill>sondern ein kleines Paddel, an dessen Unterseite die Elektrodenkontakte sitzen.

03:58:46.412 --> 03:58:51.453
<v Stefan Brill>Dieses Paddel legt man an die Stelle am Hirnstamm auf, Das war's für heute.

03:58:51.458 --> 03:58:56.499
<v Stefan Brill>Hinter der der Hörnerv gerade eingemündet ist. Das ist der Nucleus cochlearis

03:58:56.499 --> 03:58:59.600
<v Stefan Brill>heißt das. Das muss natürlich jetzt von einem Neurochirurgen gemacht werden

03:58:59.600 --> 03:59:02.321
<v Stefan Brill>und da haben wir die Sache jetzt ist das auf einmal eine invasive Hirn-OP.

03:59:04.422 --> 03:59:07.383
<v Tim Pritlove>Also in dem Moment wird dann quasi die Hörstücke komplett abgetrennt.

03:59:07.803 --> 03:59:12.505
<v Stefan Brill>Die ist völlig außer außen vor. Es gibt sogar Fälle, muss man auch dazu sagen,

03:59:12.505 --> 03:59:17.287
<v Stefan Brill>es gibt sogar Fälle wo nur der Hörnerv zum Beispiel durch ein Tumor zerstört

03:59:17.287 --> 03:59:22.328
<v Stefan Brill>wurde oder der Tumor muss raus weil sonst lebensgefährlich und so weiter.

03:59:22.669 --> 03:59:26.590
<v Stefan Brill>Der Tumor muss raus und der Hörnerv klebt so verwachsen dran an dem Tumor.

03:59:26.590 --> 03:59:30.531
<v Stefan Brill>Also der Tumor hat den Hörnerv so durchdrungen oder so verwachsen,

03:59:30.531 --> 03:59:35.873
<v Stefan Brill>dass der Hörnerv mit bei drauf geht, mit rauskommt automatisch.

03:59:35.873 --> 03:59:40.315
<v Stefan Brill>Und dann kann die Kochlehrer das Innenohr sogar noch normalhöhrend sein.

03:59:40.315 --> 03:59:44.576
<v Stefan Brill>Es gibt solche Fälle, wo das Innenohr eigentlich noch normalhöhrend ist.

03:59:44.576 --> 03:59:46.617
<v Stefan Brill>Alle Hörzeilen, alle H-Zeilen sind kaputt.

03:59:46.617 --> 03:59:47.998
<v Tim Pritlove>Nur die Verbindung ist kaputt.

03:59:47.998 --> 03:59:51.379
<v Stefan Brill>Das Kabel, die Verbindung, also jetzt Kabel, etwas salopp gesprochen,

03:59:51.379 --> 03:59:55.881
<v Stefan Brill>ist gekappt und dann hat man trotzdem keine Chance mit einem Kochleimplantat,

03:59:55.881 --> 03:59:59.802
<v Stefan Brill>logischerweise. Dann gibt es eben noch das sogenannte Hirnstammimplantat oder

03:59:59.802 --> 04:00:02.723
<v Stefan Brill>auf Englisch Auditory Brain Stem Implant, ABI.

04:00:04.444 --> 04:00:09.926
<v Stefan Brill>Und das ist eine viel schwieriger Prozedur, wird viel seltener gemacht und hat

04:00:09.926 --> 04:00:15.989
<v Stefan Brill>im Durchschnitt auch viel schlechtere Ergebnisse. Aber es ist sozusagen der

04:00:15.989 --> 04:00:17.790
<v Stefan Brill>letzte Notnagel, den man dann noch hat.

04:00:18.110 --> 04:00:21.691
<v Stefan Brill>Und ganz neue Entwicklungen versuchen sogar,

04:00:21.691 --> 04:00:26.573
<v Stefan Brill>selbst wenn da schon nichts mehr gehen sollte, was zum Beispiel manchmal bei

04:00:26.573 --> 04:00:28.454
<v Stefan Brill>starken Bestrahlungen der Fall ist,

04:00:28.454 --> 04:00:31.715
<v Stefan Brill>dass das Nervengewebe dort so geschehig ist durch die Bestrahlung,

04:00:31.715 --> 04:00:36.057
<v Stefan Brill>dass auch das nicht mehr geht, noch eine Ebene höher zu gehen und da sind die

04:00:36.057 --> 04:00:37.497
<v Stefan Brill>Resultate noch schlechter.

04:00:37.638 --> 04:00:43.896
<v Stefan Brill>Je näher man sich nach oben bewegt mit der ersten Einspeisung des Signals, desto im Durchschnitt,

04:00:44.428 --> 04:00:47.209
<v Stefan Brill>Schlechter kann man zumindest nach derzeitigen Wissenstand sagen.

04:00:48.129 --> 04:00:49.169
<v Stefan Brill>Schlechter sind die Ergebnisse,

04:00:49.169 --> 04:00:54.051
<v Stefan Brill>weil unter anderem diese ganze vorsortierende Vorverarbeitung in diesen ganzen

04:00:54.051 --> 04:00:58.172
<v Stefan Brill>Zwischenprozessen, die aus diesem doch sehr grobschlechtigen Signal,

04:00:58.172 --> 04:01:02.734
<v Stefan Brill>was wir elektrisch in die Kochlehr einspeisen, doch noch irgendwas weiter oben Vernünftiges macht.

04:01:03.274 --> 04:01:07.636
<v Stefan Brill>Wir umgehen sozusagen mehr und mehr und mehr von diesen Zwischenschritten und

04:01:07.636 --> 04:01:11.257
<v Stefan Brill>hoffen dann, dass trotzdem noch ansatzweise was funktioniert.

04:01:11.257 --> 04:01:14.358
<v Tim Pritlove>Man müsste eigentlich an der Stelle viel abstrakter mit dem Hirn kommunizieren.

04:01:14.799 --> 04:01:20.220
<v Tim Pritlove>Man muss nur wissen, was es an der Stelle denn überhaupt für eine Sprache spricht.

04:01:20.220 --> 04:01:23.092
<v Stefan Brill>Ja, und das ist eine wesentliche Sache.

04:01:24.462 --> 04:01:29.124
<v Stefan Brill>Die Cochlea ist ein eindimensionales Organ. Da ist also jetzt vereinfacht gesagt,

04:01:29.124 --> 04:01:34.386
<v Stefan Brill>da sind also die Zellen sitzen in einer Linie, es ist spiralisch angeordnet

04:01:34.386 --> 04:01:37.087
<v Stefan Brill>zwar, aber es sitzt im Prinzip in einer Linie alles nebeneinander.

04:01:37.087 --> 04:01:39.327
<v Tim Pritlove>Man weiß auch in etwa, was für was zuständig ist.

04:01:39.368 --> 04:01:43.649
<v Stefan Brill>Genau. Und wir haben noch dazu die schöne Situation, dass das in einer festen

04:01:43.649 --> 04:01:47.951
<v Stefan Brill>Knochenkapsel drin liegt. Und die Lage ist uns durch diese Knochenhöhlung einfach

04:01:47.951 --> 04:01:52.052
<v Stefan Brill>vorgegeben. Also vergleichsweise leicht das richtig zu positionieren.

04:01:52.372 --> 04:01:57.234
<v Tim Pritlove>Aber so ein Hörnervblundel, das ist so wie wenn man hier auf dem Boden so ein

04:01:57.234 --> 04:01:57.834
<v Tim Pritlove>Telekomkabel ausgräbt.

04:01:59.855 --> 04:02:05.277
<v Stefan Brill>Ja, genau. Oder wenn man ans Hirn rangeht, man operiert ja eigentlich Pudding.

04:02:06.358 --> 04:02:10.640
<v Stefan Brill>Da was wo wohin jetzt? Wo ist das genau? Und vor allen Dingen sind diese Strukturen

04:02:10.640 --> 04:02:11.860
<v Stefan Brill>dort auf einmal schon dreidimensional.

04:02:12.280 --> 04:02:16.262
<v Stefan Brill>Das geht also sowohl in der Fläche als auch in die Tiefe. Und es ist alles fürchterlich

04:02:16.262 --> 04:02:18.723
<v Stefan Brill>kompliziert und kreuz und quer miteinander verschaltet.

04:02:20.443 --> 04:02:23.544
<v Stefan Brill>Und das macht die Sache unglaublich viel schwieriger, da überhaupt sinnvoll

04:02:23.544 --> 04:02:26.706
<v Stefan Brill>was anzudocken. Natürlich gibt es schöne Fantasien, dass man das irgendwann

04:02:26.706 --> 04:02:27.626
<v Stefan Brill>mal wird hinbekommen können.

04:02:28.366 --> 04:02:31.287
<v Stefan Brill>Aber derzeit ist das nicht der Fall.

04:02:31.948 --> 04:02:37.060
<v Stefan Brill>Und auch schon bei unserem anderen großen Sinnesorgan, dem Auge,

04:02:37.060 --> 04:02:40.791
<v Stefan Brill>ist es schon viel schwieriger, weil das ist schon zweidimensional.

04:02:41.492 --> 04:02:44.783
<v Stefan Brill>Also das Ohr ist ja sozusagen nur eindimensional und hat sozusagen nur eine

04:02:44.783 --> 04:02:48.855
<v Stefan Brill>Frequenzachse, an der wir uns andocken müssen.

04:02:49.295 --> 04:02:53.517
<v Stefan Brill>Das Auge ist schon zweidimensional und da müssten wir schon eine Fläche andocken

04:02:53.517 --> 04:02:56.138
<v Stefan Brill>und wissen schon gar nicht mehr, was da alles passiert. Abgesehen davon,

04:02:56.138 --> 04:02:58.679
<v Stefan Brill>dass es mechanisch auch nochmal schwieriger ist als im Ohr.

04:02:59.079 --> 04:03:07.123
<v Stefan Brill>Jetzt dreidimensional irgendwo im Gehirn anzudocken, das ist dann noch mal eine Stufe schwieriger.

04:03:07.123 --> 04:03:11.425
<v Tim Pritlove>Das ist auf jeden Fall noch Raum für Erweiterung und Potenzial für weitere Forschung.

04:03:11.425 --> 04:03:15.066
<v Tim Pritlove>Trotzdem schon relativ bemerkenswert, was man jetzt in der kurzen Zeit auch

04:03:15.066 --> 04:03:19.729
<v Tim Pritlove>schon geschafft hat. Ich meine, so der Durchbruch 91 ist jetzt alles gar nicht so lange her.

04:03:23.131 --> 04:03:24.392
<v Tim Pritlove>Ja, naja, das sind ja...

04:03:27.975 --> 04:03:31.216
<v Tim Pritlove>Nennenswerte medizinische Durchbrüche hier durch totalen Elektronik-Hightech erzeugt.

04:03:34.297 --> 04:03:38.339
<v Tim Pritlove>Das leitet dann auch so ein bisschen das Cyborg-Zeitalter ein,

04:03:38.339 --> 04:03:42.540
<v Tim Pritlove>den kulturellen Aspekt, den denke ich auch noch mal aufzugreifen.

04:03:44.941 --> 04:03:49.523
<v Tim Pritlove>Sind da hier schon um einer groß belohnt worden für diesen technischen Durchbruch?

04:03:49.523 --> 04:03:51.083
<v Tim Pritlove>Ist schon eine ziemlich alleinstehende...

04:03:53.945 --> 04:04:01.768
<v Stefan Brill>Ja, also es hat jetzt gerade letztes Jahr eine sehr große Belohnung gegeben.

04:04:02.748 --> 04:04:07.330
<v Stefan Brill>Das ist der sogenannte Laske Award, der ist jetzt im Oktober,

04:04:07.330 --> 04:04:09.871
<v Stefan Brill>glaube ich, 2013 vergeben worden.

04:04:11.071 --> 04:04:19.594
<v Stefan Brill>Und den haben drei Pionierforscher auf dem Gebiet bekommen und zwar Ingeborg Hochmeier,

04:04:19.614 --> 04:04:25.297
<v Stefan Brill>mit ihrem Mann zusammen Mitte der 70er das erste mehrkanalige mit mehreren verschiedenen,

04:04:25.297 --> 04:04:29.398
<v Stefan Brill>also diese spektrale Repräsentation als erstes versucht haben.

04:04:33.660 --> 04:04:39.502
<v Stefan Brill>Dann Graham Clark, das ist ein Australier, der Ende der 70er Jahre,

04:04:39.502 --> 04:04:47.725
<v Stefan Brill>Anfang der 80er dann eine gute Arbeitsgruppe zusammengestellt hat und im Prinzip

04:04:47.725 --> 04:04:51.066
<v Stefan Brill>als Leiter dieser Arbeitsgruppe es im Wesentlichen geschafft hat,

04:04:51.066 --> 04:04:57.383
<v Stefan Brill>so ein erstes klinisch brauchbares und über das Labor hinaus,

04:04:57.383 --> 04:05:01.710
<v Stefan Brill>dem Labor entwachsene klinisch verwendbare System auf die Beine zu stellen.

04:05:02.570 --> 04:05:08.652
<v Stefan Brill>Und dann Blake Wilson, der diese CIS-Strategie zusammen mit seiner Arbeitsgruppe

04:05:08.652 --> 04:05:13.454
<v Stefan Brill>und in Kooperation mit einer befreundeten Arbeitsgruppe im Labor entwickelt

04:05:13.454 --> 04:05:14.995
<v Stefan Brill>haben. ist diese schnelle Zerhacker-Strategie.

04:05:16.748 --> 04:05:18.639
<v Stefan Brill>Also diese drei Leute haben den.

04:05:19.716 --> 04:05:22.677
<v Stefan Brill>Laska preis gekriegt übrigens zusammen mit Bill Gates der

04:05:22.677 --> 04:05:25.758
<v Stefan Brill>hat den auch Ich weiß nicht für diese Melinda

04:05:25.758 --> 04:05:30.639
<v Stefan Brill>Bill Gates Stiftung mit Melinda Gates Und

04:05:30.639 --> 04:05:33.760
<v Stefan Brill>dieser laska preis ist schon richtig hoch

04:05:33.760 --> 04:05:37.462
<v Stefan Brill>aufgehängt das ist der wichtigste preis

04:05:37.462 --> 04:05:44.004
<v Stefan Brill>für medizin für medizinische forschung den die usa zu vergeben haben Und der

04:05:44.004 --> 04:05:46.985
<v Stefan Brill>ist eigentlich nur noch eine stufe unterm Nobelpreis und damit sind wir jetzt

04:05:46.985 --> 04:05:51.307
<v Stefan Brill>natürlich auch beim Nobelpreis von dem im Moment noch keiner weiß ob das Cochlea

04:05:51.307 --> 04:05:55.408
<v Stefan Brill>Implantat oder irgendwelche Forscher auf dem Gebiet den vielleicht mal kriegen werden.

04:05:56.609 --> 04:06:02.631
<v Stefan Brill>Aber es ist so, dass es ich glaube 83 Nobelpreisträger gibt,

04:06:02.631 --> 04:06:07.232
<v Stefan Brill>die vorher diesen Laska-Preis gekriegt haben.

04:06:07.712 --> 04:06:09.953
<v Tim Pritlove>So ein bisschen wie Golden Globe und Oscar.

04:06:11.074 --> 04:06:16.055
<v Stefan Brill>Also der der Laska wird jetzt auch nicht häufiger vergeben, so dass das dann eh...

04:06:17.796 --> 04:06:20.377
<v Stefan Brill>Automatisch der Fall ist, sondern der wird auch nur einmal im Jahr vergeben

04:06:20.377 --> 04:06:25.669
<v Stefan Brill>und auch nur an begrenzte Anzahl an Leuten und die Korrelation zwischen den

04:06:25.669 --> 04:06:27.639
<v Stefan Brill>Laska-Preiskriegen und den Nobelpreiskriegen,

04:06:27.639 --> 04:06:35.142
<v Stefan Brill>die ist außerordentlich hoch und gerüchteweise ist auch tatsächlich die schwedische

04:06:35.142 --> 04:06:37.203
<v Stefan Brill>Akademie auf der Suche nach guten Themen.

04:06:39.284 --> 04:06:44.485
<v Stefan Brill>Ja, nee, nicht, da glaube ich nicht genug. Aber es gehen wirklich Gerüchte rum,

04:06:44.485 --> 04:06:49.487
<v Stefan Brill>dass das Kochlerimplantat auch mit dem Nobelpreis belohnt werden soll.

04:06:49.487 --> 04:06:55.369
<v Stefan Brill>Und weil der alte Nobel, der hat ja eigentlich den, ist ja eigentlich gar nicht

04:06:55.369 --> 04:06:58.591
<v Stefan Brill>der Medizin-Nobelpreis, sondern der Physiologie-Nobelpreis, so hieß der,

04:06:58.591 --> 04:07:02.272
<v Stefan Brill>glaube ich, ursprünglich und hieß dann irgendwann Physiologie und Medizin.

04:07:02.642 --> 04:07:05.693
<v Stefan Brill>Und in der allgemeinen Wahrnehmung ist es dann auf einmal nur noch der Medizin-Nobelpreis.

04:07:07.014 --> 04:07:12.315
<v Stefan Brill>Aber der hat als Vergabebedingungen ja auch positive Auswirkungen auf die Menschheit.

04:07:12.315 --> 04:07:17.454
<v Stefan Brill>Also dass es wirklich nicht nur Erkenntnisgewinn ist, sondern tatsächlich auch...

04:07:21.643 --> 04:07:28.045
<v Stefan Brill>Für den Entwicklungsstand oder die Lebensrealität der Menschen eine Rolle spielen

04:07:28.045 --> 04:07:29.065
<v Stefan Brill>soll, diese Erkenntnisse.

04:07:29.065 --> 04:07:33.167
<v Stefan Brill>Da hat ja der alte Nobel auch drauf Wert gelegt und deswegen würde das eigentlich

04:07:33.167 --> 04:07:37.228
<v Stefan Brill>so richtig in Kram passen, dass das Nobelkomitee da sagen würde, das ist was.

04:07:37.228 --> 04:07:43.010
<v Stefan Brill>Aber wer den kriegt und ob das wirklich passiert, wissen wir noch nicht.

04:07:43.010 --> 04:07:44.111
<v Stefan Brill>Aber schön wäre das schon.

04:07:44.111 --> 04:07:47.932
<v Tim Pritlove>Wollen wir mal sehen. Wollen wir mal gucken. CAA wird ja auch noch in 500 Jahren

04:07:47.932 --> 04:07:51.633
<v Tim Pritlove>gehört, da gibt es dann genug Möglichkeiten, das dann irgendwann nochmal so

04:07:51.633 --> 04:07:54.154
<v Tim Pritlove>mit der uns noch vorstehenden Zukunft abzugleichen.

04:07:55.115 --> 04:08:00.777
<v Tim Pritlove>Bis dahin sage ich erstmal Danke, Stefan, für den mal wieder hier einen längeren

04:08:00.777 --> 04:08:02.177
<v Tim Pritlove>Rekord einstellenden, brechenden CAA.

04:08:06.379 --> 04:08:12.281
<v Tim Pritlove>Sehr interessant, ich habe eine Menge verstanden und weiß jetzt deutlich besser Bescheid als vorher.

04:08:14.343 --> 04:08:18.828
<v Tim Pritlove>Vielen Dank für die Ausführung und an euch hier. Vielen Dank fürs Zuhören.

04:08:20.050 --> 04:08:24.374
<v Tim Pritlove>CIE geht weiter und ich sage Tschüss und bis bald.
