CRE220 Sprechendes Denken

Über das Selbstgespräch und den nach außen getragenen inneren Dialog zur Erkenntnisgewinnung

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Moritz Klenk ist Kulturwissenschaftler und beschäftigt sich schon lange mit Sprache und Erkenntistheorie und erforscht diese Dinge aktiv auch seit Jahren durch die Produktion von Podcasts. 2017 hat er unter dem Namen Podlog einen Podcast produziert, in dem er an jedem einzelnen Tag des Jahres eine Folge aufgenommen und veröffentlicht hat.

Der einzige Gast in der Sendung war er selbst: die Aufnahmen waren Selbstgespräche, deren Zweck darin bestand, für seine anstehende Doktorarbeit die notwenige mentale Recherche durchzuführen und für sich zu dokumentieren. Daraus entstand ein fortwährender Dialog, der sich nicht nur mit dem Thema der Dissertation selbst sondern mit dem Denkvorgang selbst auseinandersetzte. Am Ende wurde es auch ein Diskurs über das durch die Sprache und das Selbstgespräch geformte Denken und das Gesagte des Jahres wurde selbst zur Doktorarbeit in der die in Form von Transkripten vorliegende Schriftform am Ende nur das Begleitwerk wurde, der Podcast also selbst die erste Doktorarbeit in Audioform überhaupt.

Wir sprechen über die Geschichte der Sprache, Erkenntnisgewinnung, Sprechen und Schreiben, Typografie, freie Gesprächsführung, Fehlerkultur, Programmieren als Funktionssprache und andere Dinge.

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Shownotes:

26 Gedanken zu „CRE220 Sprechendes Denken

    • Hab es als Naturwissenschaftler nicht zu Ende hören können. An dem Punkt als er meinte dass man auch aus der Physik kennt das der Beobachter einen Einfluss hat, ich nehme an er meint Quantenphysik, und das mit dem Erkenntnisprozess eines Menschen vermengt hat fand ich das unwürdig. Die gleichen Kurzschlüsse verwenden Klimaleugner oder Homöopathie Verfechter. Auch die Vorstellung dass kein Wissenschaftler im Labor weiß was er eigentlich macht fand ich sehr interessant.

      • Dem kann ich mich nur anschließen. Deswegen hier mal eine kleine Bildungseinheit:
        In der Gravitation (was der relevante Teil ist, wenn wir von Planeten, Galaxien, sehr großen Skalen, sprechen) gibt es keinen Beobachter.
        In der Quantenmechanik gibt es eine Beobachtung (sprich: Messung). Das hat aber entweder nichts mit Bewusstsein zu tun, oder wir müssen unsere Konzepte von Bewusstsein radikal anpassen. Hier ist ein typischer Beobachter der Quantenmechanik: https://de.wikipedia.org/wiki/Polarisationsfilter . Kein_e Physiker_in käme jemals auf die Idee, einer Polarisationsfolie Bewusstsein zuzusprechen. Der “Beobachter” zwingt das Quantensystem in einen bestimmten Zustand. Diese Zustände können so gewählt werden, dass wir danach eine Aussage über das System vor der Messung machen können. Aber mit Bewusstsein hat das überhaupt nichts zu tun.

        • Naja, es gibt sehr wohl Interpretationen der Quantenmechanik, in denen der “Kollaps der Wellenfunktion” durch Wechselwirkung mit bewussten Beobachtern ausgelöst wird. Aber das ist eine ziemliche Außenseiterposition in der Physik. Die meisten Physiker gehen von Interpretationen aus, bei denen Bewusstsein keine Rolle spielt.

          Ein Polfilter ist kein Beobachter. Was der mit einem Zustand macht, lässt sich wunderbar mit der normalen unitären Zeitentwicklung beschreiben.

        • danke für die zuspitzung. hat natürlich nix mit bewusstsein zu tun, hab ich aber auch nicht gesagt. es geht nicht darum ob polarisationsfolien bewusstsein haben, sondern ob die welt sich so verhält, wie sie in unserer beschreibung sich verhält, auch wenn wir sie nicht beschreiben würden. wenn man nicht hinschaut, nicht hinhört, nicht misst, nicht auf jenes sich konzentriert und anderes aussen vor lässt, ob die gegenstände der forschung von der forschung ganz und gar unberührt bleiben, sozusagen; ob sie sich zuverlässig so verhalten, wie sie sich ohne physiker*innen verhalten, die an ihnen herumforschen. ob sie nicht schon immer durch unsere theorien und methoden mitgeprägt sind (weil durch diese wir wissen, wohin wir schauen sollen, wollen, müssen, usw.); und ob man davon – also der welt wie sie ohne erkenntnis wäre – überhaupt etwas wissen (also erkenntnis gewinnen) kann (weil wie wollte man, wenn man nicht eben gerade dazu schon forscht?).

          diese erkenntnistheoretischen fragen – auch der physik – lassen sich nicht einfach in einer kommentarspalte diskutieren, aber ich wollte es zumindest versuchen anzudeuten, damit ihr euch wieder beruhigen könnt. das physikalische weltbild bleibt intakt (also fast)! bitte weitermachen wie bisher (wenn ihr wollt, könnt ihr das nämlich)! kein grund zur panik (ok, nur n bisschen, vielleicht…nicht weiter tragisch). aber bei all eurem ärger (aka: verwunderung) über die ignoranten geisteswissenschaften, die das alles nicht verstehen: auch diese fragen werden IN den naturwissenschaften diskutiert – nicht nur in blossen laberfächern.

      • schade eigentlich, dass du es nicht zuende hast hören können. aber nur zur klarstellung: die theorien und wissenschaftler, auf die ich mich hierzu bezogen habe, sind praktisch allesamt naturwissenschaftler (etwa ludwik fleck und hans-jörg rheinberger). wesentliche beiträge zur forschung über experimentelles forschen im labor wurde von naturwissenschaftler*innen geleistet. das hat mit klimaleugnern und homöopathie nichts zu tun.
        dass wissenschaftler im labor nicht wissen was sie tun ist u.a. ergebnis dieser forschungen: klar, sie haben forschungsfragen, theorien, methoden, maschinen und interessen; klar, sie kennen ihr handwerk; klar, sie denken auch, sie wüssten ganz genau wie es laufen muss…. und dann kommt alles anders! und das ist dann nicht das problem, sondern der grund für das ganze: genau dafür macht man ja experimente! für solche überraschungen. weil man eben nicht alles vorher schon weiss, noch wissen kann. DAS war, was ich hier gesagt habe. man weiss zwar was man und wie man es tun will, was aber dann wirklich passiert, wie solche überraschungen zustandekommen, das kann man nicht planen noch wissen.

        weiss nicht, ob das für dich jetzt klarer wird. aber wie gesagt: das ist keine geisteswissenschaftlich-verschwurbelte einzelmeinung sondern eher stand der forschung von naturwissenschaftler*innen über naturwissenschaftliche forschung. just saying.

  1. Das regelmäßige Podcasthören hat mir sehr dabei geholfen, meine Sprachlosigkeit in Diskussionen zu überwinden. Gerade die langen ungeschnittenen Gesprächspodcastformate zeigen gut wie Gedanken in Gesprächsform entwickelt und geäußert werden können. Vielleicht eine banale Erkenntnis aber mir hat es geholfen, meine sich oft selbst überschlagene Gedankenwelt zu ordnen und zu kommunizieren – bisweilen auch nur den inneren Dialog.

  2. Selten so ein geblubber vernommen.. aber du fliegts ja auch nach Hong Kong für 3 Tage.

    Also Brot und diss hier ist echt.. für die Katz.

    lol. Sauerteig.

    oder halt.. Bullshit Sprechendes Denken, w.t. f

  3. Ui ganz Podcasterpublikum untypisches “Gepöbel” hier in der Kommentarspalte! Gleich mal Tims Behauptung in der Folge widerlegt.

    Ich muss auch sagen: Schwere Kost, bei der es nicht verwundert, dass sich so mancher Nerd und Naturwissenschaftler vor den Kopf gestoßen fühlt.

    Besonders die Aussage, dass eigentlich keiner so richtig weiß an was er forscht, bis es in der Veröffentlichung zum Schluss aufgeschrieben wurde, stößt mir unangenehm auf. Ich sage nur: Forschungsantrag! Bei jedem Drittmittelprojekt muss dargestellt werden, was man eigentlich untersuchen will. Dass dann dabei Unvorhergesehenes abfallen kann, ist richtig und wichtig. Aber jedes Experiment und jede theoretische Untersuchung braucht eine Fragestellung, die den Anstoß macht. Abgesehen davon wird die Frage ja spätestens im Antrag formuliert und dadurch im Sinne des Podcast konkret “gedacht”. Vielleicht ist das dann das bessere Bild, als zu behaupten, dass in der Regel zum Schluss im Paper die Intention zurechtgelogen würde.

    • seit jahren liefert herr pritlove geile, spannende podcasts ab. aber dieses inhaltsleere gelaber ist auch für hartgesottene nicht auszuhalten. was ist denn das für ein hipster-soziologe.. “sprechendes denken”.. eher “substanzloses geschwafel”. so’n quatsch kann man studieren? :O aber fast alle anderen ausgaben sind toll! grad die 68er folge war wieder so interessant. bitte den cre podcast fleißig weitermachen. (ja, netzpolitik und raumzeit ist auch toll.) vielen dank für alle bisherigen folgen, tim! hier konnte/kann man echt was lernen. bis auf diesmal. :O

  4. Hi Tim,
    kannst Du nicht mal wieder einen CRE Podcast mit einem Techniker bzw. Informatiker über ein IT-/ PC-Thema aufnehmen? So im alten Stil, wie bei cre100 und früher!
    So viel Kultur wird langsam uninteressant.
    Viele Grüße Leon

  5. Tim Pritlove kann eigentlich Podcasts super organisieren und leiten, aber die Themen werden immer merkwürdiger.

    Es sind ja leider auch nicht mehr viele.

    Das hier lohnt das zu Ende hören leider nicht.

  6. Lieber Tim, seit ein paar Folgen kann ich mit meiner App (podkicker) deine Podcasts nicht mehr spulen und abspielen beginnt immer von vorne. Google sagt mir, dass es mit den Metadaten der mp3 zu tun hat.
    Kannst du Abhilfe schaffen, denn das führt dazu dass ich den Podcast gar nicht mehr höre, denn am Stück schaffe ich nicht…
    Viele Grüße Florian

  7. Lieber Tim, lieber Moritz,
    vielen Dank für das für mich spannende und hilfreiche Gespräch. Es bietet viele Denkansätze und auch eine wissenschaftliche Basis für das was ich schon einige Zeit in meiner Lehre mache. Eine ausführliche Antwort auch als audiopodcast ist in Arbeit.

  8. So viele Worte, so wenig Substanz!

    Es war kein Genuss dem Podcast-Gast zuzuhören. Tim hat häufig und gut versucht das Geschwurbel in Bahnen zu lenken oder greifbar zu machen. Gefallen hat mir Tims Statement wie streng und nicht-fehlerverzeihend Programmiersprachen sind, insbesondere im Gegensatz zu allem was wir hier hören mussten. Der Gast hat an einer Stelle Kriterien genannt: Prägnanz, Klarheit, Verständlichkeit. Aspekte auf die man als Naturwissenschaftler Wert legt und die hier völlig gefehlt haben. Ich konnte aus dem Podcast keinen großen Wissensgewinn ziehen, insbesondere wenn man die Länge bedenkt. Ich bin ja “Nicht-Naturwissenschaften” gegenüber aufgeschlossen, aber hier habe ich komplett vermisst, das Thema Zielgruppen außerhalb seiner eigenen Community irgendwie bedarfsgerecht darzustellen …

    Künftig bitte wieder mehr Technik-Themen!

  9. Ich hätte erwartet, dass der Aufsatz “Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden” von Heinrich von Kleist erwähnt würde. Der soll auch einfach mit seiner Schwester gesprochen haben, die vom Thema nicht unbedingt Ahnung gehabt haben soll und währenddessen sich dann etwas herausbildete.

  10. Hallo zusammen,

    Ich fand die Folge super interessant und eine spannenden Vorstellung einer neuen Methode in der (wissenschaftliche) Arbeit.

    Leider sind die Kommentare unter der Folge total unkonstruktiv und spiegeln nicht den Wert dieses Gesprächs wieder!

  11. Hallo Tim,

    ich schließe mich der Meinung der Leute hier an und würde mir wieder etwas mehr Technik wünschen. So Ende der 00’er Anfang der 10’er waren deine Podcasts fast schon prophetisch für zukünftige Entwicklungen der IT.
    Um nur mal ein Beispiel zu nennen: Die NodeJS und NoSQL(Couch) Podcasts höre ich mir auch heute noch mal wieder an. Damals, als alle noch mit dem PHP und SQL Stack herumgewurstet haben, hattest du schon die richtigen Leute bei dir im Studio sitzen. Zurückblickend sind solche Folgen einfach der Hammer.

    Es ist auch schwierig auf andere Podcaster auszuweichen, wenn man CRE gewohnt ist. Deine Intuition, bei genau den richtigen Stellen nochmal nach zu haken, ist fast schon gruselig.

    Hast du nicht mehr so viel Lust auf tiefe IT und “Bleeding Edge” Entwicklungen?

  12. Diese Kommentarspalte zu lesen stimmt mich etwas traurig – doch ich hoffe einfach, das das Weltbild des überwiegenden Großteils der uninteressierten Hörer*innen auch weit von den eigenen abweichende Interessen als potentiell gleichwertig zu den eigenen gelten lässt und es schlichtweg nicht für nötig hält, das kundzutun. Relevanzstrukturen unterscheiden sich nunmal und weder Sauerteigbrot, Kulturtheorie noch ein Interesse am Unterschied zwischen PHP und NodeJS können objektive Überlegenheit für sich beanspruchen.

    Vielen Dank für die wunderschönen Reflexionen über das Denken und Schreiben. Moritz, ich habe dein Buch bestellt und freue mich auf deine zukünftigen Arbeiten!

  13. Ich möchte anregen, zu diesem sehr spannenden Thema auch einen philosophischen Gegenpol zu bringen.

    Konkret musste ich sofort an Corinna Aichele (im Freifunk- und CCC-Umfeld besser bekannt als Elektra) denken, die Selbstgespräche jeglicher Form kategorisch ablehnt, sie für schädlich hält, und für diese zugegebenermaßen sehr radikalen Position sehr gut argumentieren kann.

    http://dogmatic-podcast.info/de/index.html

    http://dogmatic-podcast.info/de/rekursive_schleife.html

    Das fände ich jedenfalls super spannend, wenn der nächste CRE eine Art “Antwort” auf diesen hier wäre.

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